DIE ZEIT: Frau Illner, es herrscht die Große Koalition. Die Politik wird komplexer, die politisch Handelnden gewinnen nicht gerade an Kontur. Ist der politische Journalismus in Deutschland noch zu retten?

Maybrit Illner: So groß steigen Sie gleich ein? Na gut. Also: Unbedingt! Es wäre ja fatal, wenn mir auf diese Frage nicht spontan ein hammerhartes Ja einfiele. Es gibt genug zu berichten, zu diskutieren und zu kritisieren. Und: Die Große Koalition ist kein Friedhof der Kuscheltiere.

ZEIT: Sondern?

Illner: Die beiden großen Parteien streiten sich über genauso vieles wie früher. Nur jetzt halt mehr hinter den Kulissen. Da müssen wir genauer hinhören. Das Verrückte ist, dass die krampfhafte Kompromiss-Suche zu Lösungen führt, die nicht mal die Politiker selbst gut finden. Und ich meine nicht die der Opposition. Außerdem besteht die Große Koalition meines Wissens aus CDU/CSU und SPD und nicht aus CDU/CSU, SPD und den Journalisten.

ZEIT: Hat sich die Moderation einer politischen Talkshow verändert? Geht es weniger ums Streiten als ums Erklären?