Talkshows »Politik verlangt Hingabe«
Talkshow-Moderatorin Maybrit Illner über ihren neuen Konkurrenten Günther Jauch, das Klein-Klein der Großen Koalition und die Zukunft des politischen Journalismus
DIE ZEIT: Frau Illner, es herrscht die Große Koalition. Die Politik wird komplexer, die politisch Handelnden gewinnen nicht gerade an Kontur. Ist der politische Journalismus in Deutschland noch zu retten?
Maybrit Illner: So groß steigen Sie gleich ein? Na gut. Also: Unbedingt! Es wäre ja fatal, wenn mir auf diese Frage nicht spontan ein hammerhartes Ja einfiele. Es gibt genug zu berichten, zu diskutieren und zu kritisieren. Und: Die Große Koalition ist kein Friedhof der Kuscheltiere.
ZEIT: Sondern?
Illner: Die beiden großen Parteien streiten sich über genauso vieles wie früher. Nur jetzt halt mehr hinter den Kulissen. Da müssen wir genauer hinhören. Das Verrückte ist, dass die krampfhafte Kompromiss-Suche zu Lösungen führt, die nicht mal die Politiker selbst gut finden. Und ich meine nicht die der Opposition. Außerdem besteht die Große Koalition meines Wissens aus CDU/CSU und SPD und nicht aus CDU/CSU, SPD und den Journalisten.
ZEIT: Hat sich die Moderation einer politischen Talkshow verändert? Geht es weniger ums Streiten als ums Erklären?
Illner: Unsere Aufgabe ist nicht in erster Linie, etwas absolut Unverständliches verständlich zu machen. Erinnern wir uns nur an das Gedeale um das Gleichstellungsgesetz. Wir fragen: Wem nutzt eine politische Entscheidung, wem schadet sie? Und das machen wir nicht nur mit Politikern, sondern mit inspirierten, klugen Köpfen. Wir lassen die Menschen zu Wort kommen, die von politischen Entscheidungen betroffen sind. Wenn die Rente mit 67 ausgerufen wird, de facto eine Rentenkürzung, gehen wir in eine Rentenberatungsstelle. Wir gehen mit der Kamera vor die Werkstore der AEG Nürnberg, in Arbeitsämter und Schulen.
ZEIT: Anders gesagt: Sie müssen andere Mittel einsetzen, um Ihre Sendung spannend zu halten.
Illner: So ist das Leben, meine Herren. Wir schöpfen aus, was uns die Wirklichkeit zu bieten hat. Wir konfrontieren die Politik mit ihren eigenen Aussagen, mit harten Zahlen und den Fragen der Leute. Deutschland hat echte Probleme, auch wenn die SPD das Wort »Sanierungsfall« zensieren möchte. Diese Probleme wurden zum Teil jahrzehntelang nicht angepackt. Die Politik hat darauf gewartet, bis zu der chronischen Bronchitis auch noch der Keuchhusten dazukam und der Patient endgültig auf die Intensivstation musste. Da wir gerade beim Thema Gesundheit sind: Wir reden schon wieder über ein Defizit von acht Milliarden, obwohl seit zwei Jahren die Beiträge sinken sollen. Das regt die Leute auf, zu Recht. Da muss man nichts spannend machen, es ist spannend!
ZEIT: Finden Sie? Was ist an der Großen Koalition und drei kleinen Oppositionsparteien, die nicht weiter auffallen, so aufregend?
Illner: Die Opposition kommt bei uns zu Wort, auch Leute ohne Parteibuch. Mit denen reiben wir uns gemeinsam ganz schön die Augen, wenn wir uns erinnern, was im Wahlkampf versprochen und was davon eingehalten wurde. Nur ein Beispiel. Wahlkampf SPD: Null Prozent Mehrwertsteuererhöhung, Wahlkampf CDU: zwei. Was kommt dabei heraus? Drei Prozent Erhöhung! Ist doch logisch, oder? Zweites Beispiel. Was ergibt die Bürgerversicherung der SPD plus die Kopfpauschale der CDU? Eine Beitragserhöhung. Deshalb schauen die Leute Sendungen wie Berlin Mitte. Sie sind verunsichert und erleben einen Staat, der nur noch Geld einsammelt.
ZEIT: Sie fassen die Wut in Worte?
Illner: Die Existenzangst ist mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Das ist neu. Viele befürchten, auch sie könnten in einem Jahr Hartz–IV-Empfänger sein und sich auf einen Ein-Euro-Job freuen.
ZEIT: Beide Seiten sind überfordert: Die Menschen verstehen die Politik nicht mehr, und die Politiker werden nervös, weil sie an die Grenzen der Komplexität stoßen. Wie ist es mit Ihnen, Frau Illner?
Illner: Politik verlangt Hingabe. Du musst dich mit den Themen wirklich befassen, und ich bin offensichtlich Politik-Junkie genug, um mich dazu nicht erst überreden zu müssen. Außerdem verkehre ich privat nicht nur mit Leuten, die jede Woche zum Shoppen nach New York fliegen.
ZEIT: Sie sprechen von Hingabe. Nun führen wir dieses Gespräch in einer Zeit, da die ARD eine große Veränderung angekündigt hat.
Illner: Sie können den Namen ruhig aussprechen!
ZEIT: Günther Jauch, der viele Sendungen von stern tv bis Wer wird Millionär? moderiert, soll Nachfolger von Sabine Christiansen werden und damit Ihr Konkurrent. Wie viel Zeit, wie viel Hingabe braucht man, um eine wöchentliche Polit-Talkshow zu machen?
Illner: Um ehrlich zu sein, eine Menge. Wir überlegen uns dreimal am Tag, welche Gäste wir einladen, welche Fragen, welche Details wir in dieser Woche diskutieren, wo die entscheidenden Streitpunkte liegen.
ZEIT: Wenn Ihnen jetzt eine zusätzliche Sendung angeboten würde, müssten Sie ablehnen?
Illner: Ich moderiere ja gelegentlich auch anderes. Aber eine politische Talkshow braucht Zeit und fordert wirklich den ganzen Mann oder die ganze Frau. Es geht schließlich um Themen, die die Leute zutiefst berühren, die aber nicht halb so geschmeidig zu handhaben sind wie Human-Interest-Geschichten. Daraus ein interessantes Format zu machen, grenzt an Masochismus.
ZEIT: Darf ein politischer Journalist Werbung machen?
Illner: Das muss jeder für sich entscheiden. Ich habe ein paar nette Werbeangebote, von Kosmetika über probiotische Lebensmittel bis zu ganz schnellen Autos…
ZEIT: Ein breites Spektrum.
Illner: dankend abgelehnt. Wie soll das auch gehen? Ich werbe für einen Autohersteller, der ist dann drei Tage später bei mir zu Gast. Wie glaubwürdig kann ich diesen Mann befragen, wenn ich gleichzeitig Werbebotschaften für ihn ins Land trage?
ZEIT: Gleichzeitig mit Jauchs neuer Aufgabe wurde bekannt, dass der Redaktionsleiter von Sabine Christiansen zu Ihnen wechselt. Die Sendungen ähneln sich dabei nur auf den ersten Blick. Bei Sabine Christiansen achtet die Gastgeberin eines Salons darauf, dass es zwischen den Streitenden nicht zum Äußersten kommt. Bei Ihnen hat man oft den Eindruck: Hier soll eine Bürgerinitiative gegründet werden, was dann leider nicht gelingt.
Illner: Das nehme ich mal als Kompliment. In Anlehnung an die Verfassung soll bei uns das Volk teilhaben an der Willensbildung der Parteien! Hübsche Vorstellung! Und was Sabine Christiansen als Person, nicht als Sendung, angeht, kann ich nur sagen, dass wir immer fair miteinander umgegangen sind und kollegial zusammengearbeitet haben – etwa bei den Kanzler-Duellen. Und so, wie ich mich auf die Konkurrenz mit ihr gefreut habe, freue ich mich jetzt auf den Kollegen Jauch.
ZEIT: In den nächsten 15 Monaten, bis Günther Jauch auf Sendung geht, könnte sich der Christiansen-Talk zur lahmen Ente entwickeln. Ist das nicht die Gelegenheit, um den attraktiveren Sendeplatz am Sonntag zu erobern?
Illner: Klar, der Sonntag ist ein attraktiver Sendeplatz. Da gibt es bei ARD und ZDF jeweils einen Vorlauf von sechs bis acht Millionen Zuschauern. Aber in der Ruhe liegt die Kraft. Das sagt sich Herr Jauch vermutlich auch gerade. Der darf sich ja jetzt erst mal überlegen, was er dem neugierigen Publikum nach dem Tatort bieten wird. Ich vermute mal, er wird sich nicht in dieselbe Studio-Dekoration setzen, umgeben von denselben Politikern, und quasi in Sabine Christiansens Pumps schlüpfen.
ZEIT: Sie nennen sich einen Politik-Junkie. Wann hat diese Sucht bei Ihnen angefangen?
Illner: Das begann 1989. Ich wollte ja mal Sportmoderatorin werden und unbedingt den olympischen Marathon kommentieren, doch vor 16 Jahren kam etwas dazwischen. Die Wende. Plötzlich gab es überall Politik und runde Tische. Da bin ich mit fliegenden Fahnen in das andere Ressort gewechselt.
ZEIT: Damals wurden schwarz-rot-goldene Fahnen geschwenkt und heute wieder, nur in viel größerem Ausmaß und aus einem anderen Grund.
Illner: Wenn ich zurzeit Autos mit schwarz-rot-goldenen Fähnchen sehe, denke ich immer, sitzt da jetzt der Horst Köhler drin? Dann erinnere ich mich, dass ja WM ist, und finde das eigentlich ganz nett. Man hofft ja immer, dass ein bisschen was von dem Schwung und der Lebensfreude übrig bleibt. Nur mal nebenbei: Ich verstehe auch nicht, warum nur wegen ein paar Deutschland-Fahnen gleich eine schwermütige Patriotismus-Debatte vom Zaun gebrochen wird.
ZEIT: Wie sieht Ihr Leben als politischer Junkie aus? Wie viele Zeitungen lesen Sie?
Illner: Von FAZ bis taz täglich sieben, acht Tageszeitungen, dazu die Wochenmagazine.
ZEIT: Und wie viele davon würden Sie lesen, wenn das nicht Ihr Job wäre?
Illner: Wahrscheinlich genauso viele!
ZEIT: Sie würden nicht jeden Tag acht Zeitungen lesen.
Illner: Doch! Kranken kann man nicht helfen! Was soll ich sagen, ich muss mich dazu nicht zwingen.
ZEIT: Machen Sie nie Urlaub von der Politik?
Illner: Wenn mein Mann und ich uns auch räumlich mal für zwei Wochen aus Deutschland verabschieden, kann ich mich auch gedanklich lösen. Dann lese ich die Zeitungen, die ich im Urlaubsland bekomme.
ZEIT: Wenn man Ihnen in Ihren Sendungen zuhört, bekommt man den Eindruck, Sie seien eine politische Puristin, die sich für Veränderungen einsetzt, für Reformen, auch wenn dieser Begriff mittlerweile ein wenig abgenutzt wirkt. Sie erscheinen oft ungeduldig.
Illner: Tatsächlich? Ich bin eigentlich nicht mit missionarischem Eifer unterwegs. Aber ich möchte Antworten auf gestellte Fragen haben. Die Arbeit hat sich wohl vor allem für die Journalisten in der Aktualität verändert. Früher standen am Ende eines Tages etliche emotionale, kontroverse O-Töne zur Verfügung, die sich immer zu einem Bericht oder einem Leitartikel verarbeiten ließen. Muster: Schröder sagt »Ja!«, Merkel sagt »Auf keinen Fall!«. Conclusio: Wer Recht hat, wird sich weisen. Heute ist das anders. Die Koalitionäre würden wohl lieber, durch Zwischenrufe ungestört, vor sich hin werkeln.
ZEIT: Und wie verhält sich aus Ihrer Sicht der politische Journalismus dazu?
Illner: Ernst Jünger sagt: Die geistige Unterwerfung beginnt mit der Übernahme der Fragestellung. Auf unsere Situation angewandt: Die geistige Unterwerfung beginnt mit dem Einstellen des Fragens.
ZEIT: Wenn Sie heute Chefredakteurin eines großen Magazins wären…
Illner: Ich finde es immer schön, wenn in schwierigeren Zeiten nicht in etwas abseitige Themen geflüchtet wird, etwa in eine Titelgeschichte zur Frage, ob wir nicht alle mehr Bewegung brauchen, am besten optisch leicht erotisch aufbereitet.
ZEIT: Und wenn die Auflage mit politischen Themen sinkt? Sie kennen selbst den Druck der Einschaltquoten, deshalb diskutieren Sie schon mal über leichte Themen wie die Fußball-WM in der vergangenen Woche.
Illner: Ach, das war nicht wirklich leicht. Diese Woche reden wir über die Gesundheitsreform; der große Wurf liegt ja nun auf dem Tisch. Gerade schwierige Themen sind Quotenrenner. Wir haben drei Sendungen zur Rente gemacht und hatten mit 17 bis 20 Prozent höhere Marktanteile als gewöhnlich. Wir haben im letzten halben Jahr zweimal die Frage diskutiert, ob unsere Arbeitsplätze jetzt alle nach China gehen – auch das hat überdurchschnittlich viele Zuschauer interessiert.
ZEIT: Welche Ihrer Sendungen hat nicht funktioniert?
Illner: Zu Beginn des Jahres haben wir gefragt: »Darf ein Bundeskanzler Gas zu Kohle machen?« – als Gerhard Schröders Ambitionen bei Gasprom öffentlich wurden. Eine gute Sendung, die viel weniger Zuschauer hatte, als wir erwarteten. Man kann daraus wahrscheinlich den Schluss ziehen, dass die Leute zuschauen, wenn sie selbst betroffen sind.
ZEIT: Wo verorten Sie sich selbst in der politischen Landschaft?
Illner: Ich will Sie nicht langweilen, aber ich bin, wenn Sie so wollen, in mehreren Parteien, weil ich in jeder interessante Ideen finde. Ich will mich parteipolitisch nicht festlegen.
ZEIT: Warum eigentlich nicht? Müssen politische Moderatoren heute so sein, dass man ihren Standpunkt nicht erahnt?
Illner: Für manche Linke bin ich zu rechts, für manche Rechte zu links. Damit fühle ich mich wohl.
ZEIT: Eine gelungene Performance. Aber wäre es schädlich, sich bei ein paar grundsätzlichen Einstellungen erwischen zu lassen?
Illner: Habe ich ja. Ich bin zum Beispiel grundsätzlich gegen die Rechtschreibreform. Deshalb moderiere ich nach der alten Rechtschreibung.
ZEIT: Sie flüchten in einen Gag.
Illner: Also gut. Ich bin grundsätzlich der Meinung: Nur noch 39 Millionen Arbeitnehmer können nicht das gesamte Sozialsystem Deutschlands finanzieren.
ZEIT: Das ist eine liberale Position.
Illner: Kann ja sein, aber eigentlich beschreibt es nur einen Fakt.
ZEIT: Ein politischer Interviewer wie Günter Gaus war politisch eindeutig verortbar. Ihr Modell ist anders: Sie geben sich immer pragmatisch.
Illner: Ganz einfach, weil es jetzt praktikable Antworten auf die Fragen braucht, etwa wie erhalten wir den Sozialstaat? Da hilft keine verortbare Antwort, sondern eine, die funktioniert.
ZEIT: Ist dieser Pragmatismus typisch für Ihre Altersgruppe? Sind die Um-die-40-Jährigen eine Generation von pragmatischen Moderatoren, die sich alle Optionen offen halten wollen – und lieber fragen als antworten?
Illner: Sie wollen eben nicht in alten Lagern denken. Meine journalistische Aufgabe ist, zu gucken, ob die Kompromisse der Großen Koalition gute Lösungen für das Land sind. Sind die Politiker da so effizient, wie sie sein sollten?
ZEIT: Haben Sie darauf, ganz generationsuntypisch, eine Antwort?
Illner: Bisher sind sie es leider nicht.
ZEIT: Frau Illner, wenn Sie nachts um drei geweckt werden, könnten Sie dann eigentlich auf der Stelle moderieren?
Illner: Sie meinen: Ein Stichwort, und los geht’s? Hübsche Vorstellung. Müssten wir mal ausprobieren. Nachts um drei wäre mir aber dann aus rein optischen Gründen das Radio lieber.
Maybrit Illner ist seit 1999 Moderatorin der politischen Talkshow »Berlin Mitte« im ZDF. Die 41-jährige Berlinerin begann ihre Karriere als Sportreporterin des DDR-Fernsehens und wechselte 1989 in die Auslandsredaktion. In den neunziger Jahren moderierte und leitete sie das ZDF-»Morgenmagazin«. Für ihre Arbeit wurde sie mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Deutschen Fernsehpreis. Maybrit Illner ist seit 1988 mit dem Drehbuchautor Michael Illner verheiratet
Das Gespräch führten Christoph Amend und Bernd Ulrich
- Datum 05.07.2006 - 14:03 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 06.07.2006 Nr. 28
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ist eine intelligente Frau, allerdings leidet ihre Sicht der Dinge und damit die Diskussionsstruktur in ihrer Sendung darunter, daß sie fast ausschließlich die offiziellen Fakten und Zahlen zum Gegenstand der Betrachtung macht. Daß diese Bilder häufig halbwahr sind, kann sie heute in einem Artikel über einen bestimmten Wirtschaftszweig in einer der 8 Tageszeitungen nachlesen. Deshalb spricht sie in ihrer Sendung zu oft über Teil- oder fiktive Wirklichkeiten.
Die Politiker gehen doch gerne mal gerade deshalb in die Politik, um hinterher in der Wirtschaft was zu werden (und sich noch ein paar Euro in diversen TV-Sendungen zu verdienen). Das lohnt sich doppelt und dreifach - bloss nicht für Deutschland.
Frau Illner hat richtig erkannt, dass in diesem Land seit 30 Jahren die Politik nicht in der Lage ist, rechtzeitig(!) die Weichen in Richtung Zukunft zu stellen.
Sie erkennt aber genauso wenig wie der Rest der Wirtschaftjournalisten, dass dies nicht mehr mit Detailfehlern oder inkompetenten Politikern zu erklären ist, sondern das Ergebnis eines nicht mehr zeitgemäßen Spielsystems (um noch einmal beim Fußball zu bleiben, gemeint ist unser Staatswesen ) ist. Alle geben sich Mühe, aber es funktioniert dann so schlecht und recht jeweils nur zwei Jahre.
Irgendwann muss man eben mal alles in Frage stellen, wenn man wieder in die erste Liga möchte.
Das Grundgesetz wurde konzipiert in einer Zeit, als wir noch Angst vor uns selbst hatten. Die Machtverteilung wurde ebenso übervorsichtig gestaltet. Daraus resultiert die von Maybrit Illner richtig festgestellte, extreme Komplexität aller Systeme oder auch der extreme Einfluss von Lobbygruppen.
A la Fußball werden wir mit diesem Spielsystem keine internationalen Erfolge mehr erzielen. Da kann Frau Illner noch 1000 bestvorbereitete Sendungen machen. Wir werden immer noch in der Vorrunde hinaus fliegen, solange nicht die Grundprobleme gelöst werden. Erst danach werden wir nicht mehr die Zukunftsprobleme verschlafen und nicht immer erst auf der Intensivstation landen.
Dazu gehört auch das Problem, dass wir zwar vielen nette Gespräche im Fernsehen beobachten können, aber nach wie vor keinen direkten Einfluss selbst auf die wichtigsten Entscheidungen haben. Die Demokratie befindet sich in diesem Land noch auf der primitiven Vorstufe der parlamentarischen Demokratie, die in letzter Zeit oft die gegenteiligen Ergebnisse einer Volksabstimmung bringt.
Ich glaube kaum dass in der heutigen Zeit noch Leute in der Politik gibt die sich wie Frau Illner es ausdrueckt: Hingeben.Wenn man die Politik die gemacht wird anschaut sieht es eher aus als ob die Leute in die Politik gehen weil sie in der Wirtschaft nicht werden konnten und eine andere Arbeit ist ihnen zu muehsam.
ich hoffe nur, dass unsere Politiker nicht glauen, dass sie die tollen Jobs in der Wirtschaft bekommen, weil sie so unglaublich intelligent und wirtschaftsweise sind. Genau wie die Promis und Promifrauen für Spendenverasnstaltungen nur als Zugpferde für die Geldbeutel genutzt werden (aber nicht, weil sie so besonders aktiv die Drecksarbeit gemacht haben), werden die Politiker nur wegen ihrer alten Verbindungen und Systemkenntnisse gebraucht, sozusagen als Viren, die sich für die Lobbies an den Rezeptoren festsetzen und damit die Einschleusung von Lobby-Interessen ermöglichen. Leider sorgt dies bei einem schwächelden Staat mit angegriffenem Immunsystem zu Krankheit und kann bis zu Siechtum und Tod führen. Ich frage mich manchmal, wo wir uns in diesem Krankheitsverlauf befinden...
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