Jens Lehmann zum Beispiel, einer unserer neuen Fußballhelden. Gerade war der Mann zur Nummer eins im Tor der deutschen Nationalmannschaft bestimmt worden, als er mit seiner Familie beim Einkaufen in London fotografiert wurde. Das Foto erschien tags darauf in der Bild- Zeitung. Lehmann telefonierte, das Handy am Ohr, seine Frau schob den Kinderwagen. Kein ungewöhnliches Motiv, man sieht solche Konstellationen auch in Köln, München oder Chemnitz. Aber Lehmann war die Szene peinlich.

"Ignorant" und "machomäßig" habe das ausgesehen, ärgerte er sich später, "nach Chefgehabe innerhalb einer Beziehung, einer Familie" (ZEIT, Nr. 21/06 ). Auch dass er nachts um fünf das Zimmer wechsele, um ungestört weiterschlafen zu können, wenn seine Tochter Lieselotta schreit, findet Lehmann blöd: "Das entspricht eigentlich nicht meinem Idealbild gemeinsamer Elternschaft." Und trotzdem klemmt er sich manchmal das Kopfkissen und die Bettdecke unter den Arm. Schließlich muss Mann morgen wieder Elfmeter halten.

Man braucht sich um die Familie Lehmann wahrscheinlich keine Sorgen zu machen. Der Vater verdient gut genug, um seine Frau und die drei Kinder zu ernähren und gute Kinderbetreuung zu organisieren, falls die Mutter etwas anderes machen möchte als Familienmanagement: berufstätig sein, zum Beispiel. Obwohl also mancher Druck fehlt, der in anderen Familien zum Alltag gehört, ist das Selbstverständnis, mit dem der Torhüter über seine Rolle als Familienvater spricht, typisch: typisch für eine Generation von Vätern, die außerhalb der Familie ihren Mann stehen, die aber zu Hause um Himmels willen nicht als Chef auftreten wollen; die sehr wohl Karriere machen, wenn sich die Chance ergibt, aber den Preis, den sie dafür zahlen, kennen und bei Gelegenheit nüchtern benennen; die de facto Ernährer sind, obwohl sie gern Erzieher wären – und beides zusammen nur selten unter einen Hut bekommen. Fast so wie ihre Frauen.

Mehr als drei Jahrzehnte dauert nun der Kampf der Geschlechter. Väter spielten darin von Anfang an eine herausgehobene, wenn auch lange Zeit eher passive Rolle. Sie dienten als bevorzugte Zielscheibe feministischer Kritik, schließlich standen Väter nicht nur dem Aufstieg der Kollegin am Arbeitsplatz im Wege, sondern banden auch die Mutter ihrer Kinder daheim an den Herd.

"Engagierte Vaterschaft" war daher zuerst ein Postulat der Frauenbewegung: Wenn Frauen (mehr) arbeiten wollten, mussten sich Männer (mehr) an der Kinderbetreuung beteiligen. Ein berechtigtes Anliegen. Die Feministinnen haben dabei allerdings lange Zeit übersehen, dass ihre Forderungen schon damals den Wünschen gar nicht so weniger Väter entsprachen; dass viele Männer in diesem Kampf eher zu den Verbündeten als zu den Gegnern zählten. Der aktuelle Familienbericht der Bundesregierung zitiert die amerikanische Soziologin Kathleen Gerson, die bereits vor mehr als zehn Jahren festgestellt hat, gerade Frauen seien relativ blind gegenüber intendierten Veränderungsprozessen der Männer, "da sie ihnen nie weit genug gehen". Tatsächlich, Alice Schwarzer schimpfte unlängst unverdrossen in der Emma , die meisten Männer hätten immer noch nicht gelernt, zu kochen und zu wickeln. Wirklich nicht?