GESELLSCHAFT Wir sind längst angekommen!
Alle reden über den "Migrationshintergrund" und vergessen dabei, was eigentlich im Vordergrund steht, meint
Bis vor wenigen Jahren war ich einfach nur Deutsche. Seit neuestem habe ich »Migrationshintergrund«. Früher konnte ich bei Rot über die Ampel gehen, und keiner, der nicht gerade ein Kind zu erziehen suchte, hätte sich etwas dabei gedacht. Wenn ich heute bei Rot losmarschiere (weit und breit weder Kind noch Auto in Sicht), kann es passieren, dass ein Kollege scherzt und rügt: »Na, hör mal, wir sind hier nicht in Istanbul!«
Neulich sollte ich einen Kommentar über die Türkei und Europa schreiben. Es fiel mir nicht leicht. Für mich persönlich bedeutet die EU nämlich nichts absolut Erstrebenswertes. Wenn ich an die EU denke, muss ich an Einfuhrzölle denken, die die wohlhabenden Länder der Nordhalbkugel bevorzugen, an Verzögerungen beim Schuldenerlass und an Leichen, die vor Spaniens Küsten treiben. So geht das aber nicht, wenn man Migrationshintergrund hat und dieser türkisch ist: Man muss eine »türkisch« gefärbte Meinung zum EU-Beitritt haben – die noch dazu dem in Deutschland vorherrschenden Bild der EU schmeichelt: EU ist klasse, »wir« wollen hinein.
An diese und weitere Verpflichtungen, die ein Migrationshintergrund mit sich bringt, muss man sich erst gewöhnen. Nun ist ja die Migration meines Vaters, ein volles Jahrzehnt vor meiner Geburt, nicht plötzlich über mich gekommen, insofern hatte ich den Hintergrund schon vorher. Aber wie es sich für einen Hintergrund gehört, blieb er eben dort und war nicht ständig präsent. Das Wort selbst gab es noch lange nicht.
Bevor sich jetzt die Feinde der Political Correctness die Hände reiben: Gegen das Wort als solches ist nichts zu sagen. Einen Migrationshintergrund zu besitzen ist deutlich angenehmer, als gehänselt zu werden, dass man ein Gastarbeiterkind sei. Was ich nie war. Was ich aber während meiner Schulzeit, in den siebziger Jahren, hin und wieder zu hören bekam: Kümmeltürke, Knoblauchfresser.
Vielleicht deshalb wurde Knoblauch in meiner Familie weiträumig gemieden. Dennoch wurde ich den Knoblauchgeruch, den meine Mitschüler wahrzunehmen meinten, erst los, als ich aufs Gymnasium kam. An der Uni war dann auch mit Kümmel Schluss. Schließlich der Eintritt in die Berufstätigkeit: Alles Gewürz war Vergangenheit.
Denn das Gastarbeiterische hatte etwas mit Klassen zu tun, mit Mangel an Bildung, mit der Unsicherheit, welche Gabel man zu benutzen hat, wenn im Restaurant ein glibberiges Quadrat serviert wird, das sich »Seeteufel in Aspik« nennt. Das Gastarbeiterische konnte man abstreifen, indem man die Leiter der Leistungsgesellschaft hochkletterte. Kletter, kletter, wie es sich für Deutsche gehört, und plötzlich: Achtung, eine Durchsage für Zwischengeschoss Nummer drei, aufgrund aktueller Vorkommnisse haben wir den Parcours geändert, willkommen auf der Ebene Migrationshintergrund.
An der Tafel hing eine Europakarte voller Pfeile, die mit dickem Strich ansetzten und sich dann verzweigten: die Unterrichtsstunden zum Thema Völkerwanderung. Bis heute verwirrt es mich, wenn ich in meinem alten Ploetz nachlese: »Um 100 v. Chr. ziehen hinter den Kimbern aus Nordjütland und Südostnorwegen die Vandalen zur Weichselmündung und flußaufwärts. Bei der Abwanderung der Sueben nach Südwesten drängen die Vandalen nach Thüringen. Ihnen folgen die Burgunder, die in Mittelpommern und an der unteren Weichsel seßhaft werden. Die Burgunder wenden sich westwärts…«
Warum? Der arme Ploetz kennt nicht einmal genug Verben für all dieses Gerenne, weswegen auf »ziehen« und »drängen« zur Abwechslung mal »folgen« folgt, obwohl die Burgunder den Vandalen doch sicher nicht hinterhergelaufen, sondern einfach dorthin gegangen sind, wo die Vandalen Platz gemacht hatten. Und warum? Wetten, dass sich viele von ihnen »aus ökonomischen Gründen« westwärts wendeten, was damals oft mit kriegerischen Handlungen einherging, heute aber bereits in seiner friedlichsten Form als so etwas wie Diebstahl und damit als absolut schändlich gilt? Das Verb »wandern« jedenfalls ist missverständlich, es klingt nach Rucksack, Picknick und belegten Broten. Die Lerche ruft, man macht sich auf – als ob nicht große Sorgen hinterm unfreiwilligen Aufbruch steckten.
Als ich Kind war, blieb mir das Phänomen der Völkerwanderung fremd, weil ich nicht sah, in welchem Ausmaß direkt vor meiner Nase herumgewandert wurde. Völlig selbstverständlich war es, dass man jeden Sommer die Verwandten mit dem Flugzeug besuchte, dass man Einlegetische nicht als Reisemitbringsel, sondern als Möbel im Wohnzimmer stehen hatte und dass der Osterhase eine Art Märchenfigur war, die ich im Ostersonntagsmorgengrauen für die Nachbarsmädchen nachzuspielen hatte, die an ihn glaubten. Wenn ich heute, als Erwachsene, meine Miterwachsenen betrachte, kommt es mir manchmal gerade umgekehrt vor: Obwohl mobiler denn je, scheinen viele vergessen zu haben, dass die Welt schon immer in Bewegung war. Mit Missbilligung nimmt der Urlaubsreisende zur Kenntnis, dass der Rhein-Main-Airport nicht nur zum Abflug auf die Kanaren, sondern auch für die Ankunft aus Kolumbien genutzt werden kann. »Frankfort is einfach nemmer desselbe. Früher ham hier als (hessisch: immer) nur Frankforter gelebt.« Sicher. Und die haben auch schon immer (als) in der Commerzbank-Arena der Nationalelf zugeprostet, bevor es überhaupt Banken, Nationen, ja sogar bevor es richtig runde Bälle gab.
Migrationshintergrund haben, so betrachtet, eigentlich alle Leute, denn wir alle leben vor dem jahrhundertealten Hintergrund ständiger Migration. Als Einheimischer sieht man sich bloß nicht so. Auch ist zu bezweifeln, dass man bei einem aus den USA stammenden Biochemiker oder einem französischen Kleinunternehmer von einem Migrationshintergrund spricht. Im täglichen Sprachgebrauch wird der Hintergrund der Migration doch viel häufiger ein ungünstiger, ein ungebildeter, südlicher, archaischer, beinah schon barbarischer – kurz und gut, ein islamischer Hintergrund sein.
Von der Unterschicht zur Religionsgemeinschaft: Wer gestern ein türkischer »Gastarbeiter« war, wird heute als »Muslim« adressiert. Gleichzeitig wird der Islam in Deutschland immer häufiger mit etwas potenziell Gewalttätigem in Zusammenhang gebracht. Und das, obwohl wir braven Muslime wie verrückt versuchen, unserer Umgebung das Gute an dieser Religion zu erklären – selbst wenn wir selbst gar nicht (mehr) glauben! Auch von deutschen Autoren wurden selten mehr aufklärerische Bücher zum Thema Islam geschrieben – und selten waren die Ressentiments stärker als heute.
Sogar als die Türken ihr Lager vor Wien verließen, stürzten sich die Wiener begeistert auf die Hinterlassenschaften, bestaunten Blumen und Papageien, teilten Zelte und kostbare Stoffe unter sich auf. Janitscharische Militärmusik, »türkische« Theaterstücke, Turbane kamen in Mode; drei Mal ließ sich Madame de Pompadour als Sultansfrau porträtieren, und Jane Austen trug eine »mameluckische« Mütze mit Halbmond, der eine Feder hielt. Und heute? Ein einziges Kopftuch reicht aus, Behörden zu alarmieren.
Auf der Straße, in den Wohnzimmern verhält es sich nicht anders. Laut einer Untersuchung des Instituts für interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung verneinen drei Viertel aller Befragten die Aussage »Die muslimische Kultur passt durchaus in unsere westliche Welt«. Und erst kürzlich stellte das Allensbach-Institut die Bürger des Berliner Bezirks Pankow vor ein Gedankenexperiment: »Einmal angenommen, in einer deutschen Großstadt soll in einem Stadtviertel eine Moschee gebaut werden. Die Behörden haben dem Bau zugestimmt, aber die Bevölkerung in dem Stadtviertel ist dagegen. Wie ist Ihre Meinung: Sollte man die Moschee bauen, auch wenn die Bevölkerung dagegen ist, oder sollte man auf den Bau verzichten?« Drei Viertel meinten, man solle darauf verzichten.
Erschreckend? Ja. Und nein: Die Antwortenden haben ja Recht gehabt! Wenn nur die Behörden, nicht aber die Bevölkerung eine Moschee bauen wollen, kann man es auch bleiben lassen. Aber: Sind wir hier lebenden Muslime etwa kein Teil der Bevölkerung? Soll nur die Mehrheit entscheiden?
Der Antagonismus zwischen »uns« und »ihnen« gewinnt an Fahrt; mit Aufklärungsarbeit allein lässt er sich nicht bremsen. Noch mehr Informationen zum Koran, noch mehr Beteuerungen, dass nicht nur das Christentum eine Religion des Friedens sei… Könne man nicht, schlug neulich der Zuhörer einer Podiumsdiskussion vor, in der Zeitung unten rechts ein Kästchen einrichten, in dem jeden Tag ein, zwei Sätze Positives über den islamischen Kulturraum berichteten?
Alles, bloß das nicht! Nichts würde den Eindruck, dass es sich bei den »Fremdlingen« um »Barbaren« handelt, besser bestätigen als Sätze wie »Im Koran gibt es zahlreiche Verse, die den Frauen viele Rechte zubilligen. Und immer wieder hat der Prophet Mohammed für Gewaltlosigkeit zwischen Eheleuten plädiert.« (Vor jedermanns innerem Auge erstünde eine lange Reihe misshandelter Orientalinnen, denen der Koran zwar viele, aber eben nicht gleiche Rechte zubillige.) Oder der Verweis auf anno dazumal. »Damals, im maurischen Andalusien, erfreuten sich sämtliche Bevölkerungsgruppen der größten Toleranz, und Künste und Wissenschaften standen in voller Blüte.« Was aber, würde man sich sofort fragen, ist denn heute?
Heute, hier, in der deutschen Einwanderungsgesellschaft, ist es das Motiv des »Fremdlings« selbst, das uns Migrationshintergründlern das Leben schwer macht. Nach dem Prinzip des Fremdlings werden die einen schulischen Gewalttäter von den anderen geschieden, sind die einen, nicht aber die anderen von Ausweisung bedroht; der Fremdling muss arbeiten, um sich Brot und Aufenthalt erst zu verdienen, und als fremd wird er angesehen, auch wenn die Lebenszeit voll harter Arbeit hinter ihm liegt. Im allgemeinen Morast der Debatte um Integration und Parallelgesellschaft versinkt der einzelne Mensch, ist nur als potenzieller Härtefall sichtbar, wird sein individuelles Ringen um Liebe, Gesundheit, Aufrichtigkeit und Frohsinn zu Schall und Rauch.
Woran es am meisten mangelt, ist nicht Information – sondern Selbstverständlichkeit. Gegenseitige Vertrautheit. Nicht Migrations-, sondern Lebenshintergrund. All dies herzustellen ist auch eine Aufgabe derer, die heute schreiben. Ob Reportage, Erzählung oder Roman, ob wahr oder erfunden, autobiografisch oder abgelauscht: Lasst uns Geschichten erzählen. Über die sommerlich-staubigen Straßen von Berlin und Istanbul, über Kühlschränke voll hartgekochter Ostereier und über Melonengärten, über verschwitzte Freundschaften zwischen kaugummikauenden Mädchen und geheimnisvolle Vorfälle bei den Kimbern Nordjütlands und über Begegnungen einer muslimischen Vegetarierin mit ihrem ersten Seeteufel in Aspik.
- Datum 27.07.2006 - 03:24 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 13.07.2006
- Kommentare 37
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"Mary" ist natuerlich ein Pseudonym, das ich hier weit weg am Kap der guten Tequilas benutze. Hat romantische Gruende.
In Wirklichkeit heisse ich Eckhard und wurde 1938 in Hamburg geboren.
Ich musste das ja mal klarstellen. Schon wg. der Ziagarre.
Mach's gut.
Haette einer wie ich ohne Migrantionshintergrund, also gut, vielleicht ist da einer von vor ca. 3000 Jahren in Verbindung mit Juetland, weil wir immer in Schleswig-Holstein gelebt haben, nicht besser schreiben koennen.
Ich glaube, die ganze Geschichte mit Einwanderung, Zuwanderung, Integration und Migrationshintergrund ist generations -und zeitmaessig zu sehen. Generationsmaessig, weil es eben doch noch viele aeltere Deutsche ohne Migrationshintergrund gibt, die sich innerlich nur schwer damit abfinden koennen, dass "ihr" Deutschland nie wieder das sein wird, was es mal war. Tut mir auch weh. Goethe, Mozart, Rudolf Kinau, Plattdeutsch, alles weg. Zeitmaessig, weil schon in ca. 20 Jahren ueber 50 % der Bevoelkerung einen Migrationshintergrund hat, in 50 Jahren werden es 90 % sein.
Sentimental veranlagte sagen dann, dass die Deutschen ausgestorben sind. Das stimmt nicht ganz. Ausgestorben ist
das deutsche Volk ohne Migrationshintergrund, das ist richtig, die "Bevoelkerung" auf deutschem Gebiet ist aber sehr wohl eine amtlich registrierte und mit Pass ausgestattete deutsche. Dasselbe laesst sich problemlos auf alle anderen europaeischen Laender anwenden.
Sie sehen, es ist nur eine Frage der Zeit, bis der Spuk vorbei ist und alle, die heute noch ihren Migrationshintergrund wie Muehlsteine mit sich rumschleppen, selbigen dann wegwerfen koennen. Bis zum naechsten Mal, wenn sie sich mit einer staendig wachsenden Zahl von Zuwanderern mit vielleicht chinesischem oder afrikanischen Migrationshintergrund und 6 Kindern pro Familie auseinandersetzen muessen, waehrend sie selbst nur 1,5 Kinder hinkriegen.
Für die Integrationsverweigerer unter den Lesern hier die wörtliche Übersetzung: Gesundheit ihren Händen!'. Das klingt ins Deutsche übersetzt ziemlich furchtbar, während es auf Türkisch eher anmutet wie eine Liebeserklärung.
Ein ganz großes Kompliment für diesen wohltuenden Artikel. Verzeihen Sie bitte meine späte Reaktion, aber ich hatte wie mittlerweile viele andere auch einige deutsche Arbeitsplätze zu sichern.
Im Wesentlichen wollte ich mich einem wichtigen Aspekt Ihres Artikels zuwenden: dem Casus Allium sativum, gemeinhin auch als Knoblauch bekannt. Sie haben die Problematik sehr schön beschrieben. Es gab eine lange Zeit da durfte man als Ausländer bzw. 'Türke' keinen Knoblauch essen. Das klingt heute lächerlich weil man es sich nicht vorstellen kann, dennoch ist es wahr. Knoblauch war natürlich nicht staatlich verboten, aber die in der Ära des großen Kohls herrschende Auffassung von dem Umgang mit Ausländern Sie bemerken ich vermeide das Wörtchen Integration implizierte einen Ausschluss dieser Zwiebelpflanze. Dennoch, gelegentlich rebellierte die Mutter und ganz heimlich kreierte sie vorzügliche Mahlzeiten damit. Aber auch dieses Leid hatte ein Ende, wie so vieles im Leben. Erst kamen die Knoblauchdragees, dann wollten alle auch im Alter fit genug für den Fun sein. In der Folge verzog sich auch der erdrückende Schatten des besonders schwer und untragbar gewordenen Kohls und schließlich und zu guter Letzt leistete der Meisterkoch Johann Lafer einen großen Beitrag zur Integration: Er nahm Knoblauch, Bärlauch, Schnittlauch etc. von der Verbotsliste und führte sie wieder in die deutschen Küchen ein. Ein unbeschreibliches Gefühl der Befreiung war das. Die Sache mit dem Knoblauch hätten wir somit geklärt, allerdings ist mir aufgefallen, dass ich mich neuerdings ständig erklären muss:
1. Nein, ich will mich integrieren
2. Nein, ich stehe zum Grundgesetz (seit kurzem auch Verfassung genannt)
3. Nein, ich lehne Gewalt ab
4. Nein, ich schlage meine Familie nicht
5. Nein, Selbstmordattentäter sind irre und extrem uncool
6. Ja, ich glaube an ein Zusammenleben
7. Nein, ich bin kein Terrorist!
Sie meinen das seien Selbstverständlichkeiten so wie es eine Selbstverständlichkeit sein sollte Knoblauch zu essen? Im Jahre 2006 darf man sich in diesem Land immer noch über mancherlei Sonderbarkeiten wundern: Diejenigen, die plötzlich die im Licht stehenden Migranten mit oder ohne Hintergrund entdeckt haben, geraten nun in Aktionismus um anständige Deutsche aus ihnen zu machen. Multikulti gibts nicht, sagt die mir und einem ihrer Herausgeber nahe stehende Partei. Jetzt wird gedeutscht. Statt Döner gibts jetzt Drehspieß mit Beilage!? Andere wollen, dass in den Kindergärten deutsch gelehrt wird. Man stelle sich einmal vor: jahrzehntelang wurde in deutschen Kindergärten auf türkisch, russisch, italienisch vielleicht auch auf Swahili erzogen und wir haben davon gar nichts mitbekommen. Bei leicht irritierten Gesellschaften mangelt es nicht an Kuriositäten. Nur weiß man wirklich nicht mehr, ob man laut lachen oder weinen soll.
Conclusio: Habt Geduld!
Ich halte es mit einem der Kommentatoren: Auch diese Zeit wird vergehen und eines Tages werden wir unseren Enkeln kleine Anekdoten von Integrationswilligen und Integrationsverweigerern erzählen und dafür ungläubige Verwunderung ernten. Zwischenzeitlich bringen wohlgemerkt alle (!) Beteiligten Geduld und Willen auf. Ich persönlich werde mich wieder dem Herrn Lafer zuwenden - dem Mann, der fast so gut kochen kann wie meine Mutter und mehr für die Integration geleistet hat, als so manch ein Parteiprogramm.
Selamlar, Ihr
integrationswilliger
@kb26919"Andere Einwanderer integrierten sich entschieden schneller und die meisten sprachen schon nach ein paar Monaten genug deutsch um sich zu verstaendigen waehrend es tuerkischen Familien gibt wo kaum oder kein deutsch gesprochen wird selbst wenn die Familie schon seit vielen Jahren im Land ist."
Wirklich? Ich kenne Italiener + Portugiesen, aus der 1. Gastarbeitergeneration, die nach Jahrzehnten in Deutschland, auch nur rudimentär deutsch sprechen.
Und, ich kenne deutsche Migranten im europäischen Ausland, die trotz mehrjährigem Aufenthalt, kaum die Landessprache beherrschen. Die haben auch oft genug Integrationsprobleme!
...danke, Sosolala, danke für die Blumen! Ich habe mir sehr viel Mühe gegeben! ;-)
Immer wieder muss ich mich fragen: Wieso redet man, sobald man das Wort "Einwanderer" in den Mund nimmt, gleich über den üblichen Verdächtigen - Den Integrationsunfähigen Mustertürken? (Stichworte: schlechtes Deutsch, große Familie, Mitnahme-Mentalität, Kopftuch). Tja, ich meine, die Antwort auf diese im Grunde rhetorische Frage zu haben: weil das so schön bequem ist. Da muss man sich erst gar nicht fragen, ob es sonst welche Integrationsprobleme gibt, die nicht so einfach zu zerreden sind. Oder wieviele Integrationswillige es hier im Lande gibt, deren Integrationswillen immer wieder auf Ablehnung stößt. Da kann man sich so richtig in die Rage reden. Da kann man die Diskussion so sehr in diese eine Richtung lenken, als ob es keine anderen Aspekte gäbe: als ob Einwanderer hier willkommen wären, die Gleichheit der Chancen eine gelebte Realität wäre, die Zugezogenen mit Respekt und Offenheit behandelt würden etc. Als ob dieser verfluchte Mustertürke das einzige Problem und damit auch an allem schuld wäre. Er will und will sich partout nicht integrieren lassen, der verdammte Schweinehund! Sonst ist doch alles bestens. So einfach kann man sich die Realität zurechtbiegen.
Da kann so einer wie ich (oder eben wie die Autorin des Ursprungs-Artikels) noch so laut schreien - halloooo, ich bin auch daaaaa! - niemand will es hören. Irgendwie passe ich nicht in dieses einfache Weltbild. Schade eigentlich.
Immer wieder sei betont: alles, was ich sage, ist meine eigene Erfahrung als Zuwanderer in Deutschland (nicht muslimisch, aber auch nicht aus einem "respektablen" westlichen Land). Ich bin seit Jahren und Jahren hier, als erwachsener Mensch zugezogen, und von vorn herein mehr als integrationswillig. Mein Deutsch könnt ihr selbst beurteilen; einen (stressigen, zermürbenden, ungerecht bezahlten) Job habe ich auch, zahle also brav meine Steuer für u.a. deutsche Arbeits- und Kinderlose; meine Tochter gewinnt an ihrem Gymnasium einen Literaturpreis nach dem anderen; und meine (wenigen in diesem Lande) Freunde sind allesamt Deutsche. Trotzdem habe ich hier gelernt, mich für meine Muttersprache und für meinen Akzent zu schämen, mich ständig erklären zu müssen, mir diverse Vorwürfe anzuhören(bin ich arbeitslos, verschwende ich die Gelder deutscher Steuerzahler; habe ich einen Job, nehme ich einem Deutschen die Stelle weg... Und wehe, ich werde krank, lieber @Gesang...). Kurz gesagt, man hat mir hier beigebracht, ein Mensch zweiter Sorte zu sein.
Wie Du es irgendwo schreibst, lieber @kb: Die negative Einstellung den Migranten gegenüber wird, wie die Migranten selbst, immer hier bleiben. Sind doch die Migranten selbst daran schuld. Wie beruhigend.
also wenn Portugiesen die aus der ersten Einwanderungswelle hier her kamen auch kein fliessendes Deutsch sprechen dann ist es okay dass tuerkische Miganten,die hier auch aehnlich lange wohnen es nicht tun? Ich verstehe Mensschen nicht die in ein fremdes Land auswandern und sich dann keinen Deut scheren was in dem Land vorgeht.Sie bleiben in ihrem eignen selbstgewaehlten Ghetto und das seit einer kleiner Ewigkeit.Ihre Kinder kommen in der Schule nicht mit weil sie auch die Sprache nicht beherrschen obwohl sie hier geboren sind.Nun klagen diese Eltern,die es versaeumten sich zu integrieren weil es ihnen unwichtig erschien ,die gleichen integration-resistenten Eltern verlangen Foerderung ihres Nachwuchs um Defizite zu beseitigen die sie selber verursachten...und schieben die Schuld an der Misere den Deutschen zu.
Lieber Tomatensaft, manchmal hilft es einfach mal zu lesen, bevor man den Mund aufmacht oder die die Tastatur benutzt. Es gibt einen, zugeben dummen, Spruch. Erst denken dann reden.
Leider passt er anscheinend zu Ihnen, denn anders kann ich Ihr Zitat nun wirklich nicht erklären:Es koennen in diesem Forum keine tiefen Gespraeche zustande kommen, wie Sie das verlangen Heuwyy. Sie und ihre Freunde haben sich mit Integration nicht wirklich auseinandergesetzt, waren entweder noch nie im Ausland oder haben einfach den auslaendischen Blick auf Deutschland nicht begriffen. Sie haben das Wesen der Diskriminierung und des Fremdseins nicht verstanden. Sie moegen vielleicht die deutschen Grenzen ueberschritten haben, aber aus Oberammergau sind Sie einfach nicht gekommen.
Ich habe Sie lediglich gebeten einen sachlicheren Ton anzuschlagen. Nun provoziert Sie dies also schon mich in eine Nazi Ecke zu stellen und meine Herkunft in den Oberammergau zu verlegen. (Was immer sie mit dieser Gegend assoziieren)
Wenn Sie richtig GELESEN hätten, wäre Ihnen sicherlich aufgefallen, dass ich explizit NICHT kb26919s Ansichten teile. Genauso wäre Ihnen aufgefallen, dass ich zu Hilal Sezgin letztem Artikel ausdrücklich Stellung für die Autorin und Ihre Ansicht bezogen habe. Nun scheinen Sie ja nicht in der Lage zu sein in Ihrer Wut auf jede Abweichung von Ihrer Meinung und Ihrem Menschenbild dies herauszulesen.
Aber ich habe ja immer noch keine Antwort auf meine Frage bekommen: Habe Sie auch noch mehr zu sagen oder beschränken Sie sich auf die üblichen Beschimpfungen?
Vermutlich nicht, denn Sie sitzen bequem auf Ihrem Thron der moralischen Überlegenheit. Vermutlich sind sie zur Zeit das erste mal auf Kosten Ihrer Eltern im Ausland. Freuen sich an der Tatsache, dass Ihrer Tastatur keine Umlaute hat, da das die Beitrage sehr INTERNATIONAL aussehen lässt und gehen gleich mit Ihren deutschen Praktikantenfreunden einen trinken um sich über die Engstirnigkeit der Deutschen aufzuregen.
Ich schau hier grad wieder rein und frage mich: Was ist denn hier los?
Lieber "Tomatensaft" , geht es nicht bitte zu unser aller Wohl zwei oder drei Oktaven souveräner und einige Grade gelassener und höflicher.
Die Distanz und die hier so gebotene Anonymität bietet Ihnen und anderen einen gehörigen Schutz, man kann sich wunderbar verstecken, den Schutz so zu "missbrauchen" halte ich für unredlich und nicht grad mutig. Es gibt Regeln des Respektes, in der Tat.
Freundliche Grüße, Jürgen E. Gesang, Hamburg
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