Zwischen Partiespielern und Problemkomponisten besteht oft ein lebenslanges Unverständnis. Werfen die einen den anderen »Weltfremdheit« vor, so sprechen Letztere gerne von einem mangelnden ästhetischen Empfinden für die Schönheit der Komposition. Insofern ist der Standpunkt des ehemaligen Schachweltmeisters Aljechin überraschend, der gern für sich allein schaffen wollte, unabhängig von den Plänen des Gegners. Er empfand es als Qual, in seinen Ideen an andere Menschen gebunden zu sein. Grafik erzeugt mit Chessbase 9.0 BILD

Diese Einstellung eines ansonsten unverbesserlichen Partiespielers behagt wohl dem Freund alles Schönen und insbesondere der Probleme, meinem häufigen Gewährsmann »in rebus problematicis«, Wolfram Seibt. Dieser legte mir die »Siegfriedthematik« nahe, bei der Weiß »entweder die berühmte Lindenblattstelle finden, den Siegfried also unter gleichzeitiger Pattaufhebung erstechen, oder dem Siegfried zum Trotz ohne Schlagen zum Matt kommen muss.«

Wie beispielsweise im Problem von Wilhelm Berges, Ordinarius für mittelalterliche Geschichte und in den fünfziger Jahren des angehenden Altphilologen Seibts Lehrer. (»Mit einem mächtigen Schädel, einer Löwenstimme – und subtilem Kompositionsverstand.«) Weiß zieht an und setzt im fünften Zug matt. Gleich eine nahe liegende Verführung – Seibt: »Gegen 1.Lg2 mit der Drohung 2.Lf3 matt hilft zunächst 1…Da8, und nach 2.Lxa8 Tb7! steht Weiß ratlos da. 3.Lxb7 wäre patt, und auf 3.Te6 würde 3…Tb3! folgen.« Weiß muss sein Ziel also listiger anstreben. Nur wie, werte »Siegfriedianer«?

Helmut Pfleger

Auflösung aus Nr. 28:
Wie kam Schwarz am Zug in entscheidenden Vorteil? Mit dem Nadelstich 1…f4 ! waren plötzlich Dame und Turm gleichzeitig bedroht. Nach 2.Txh6+ (2.Dxf4 Lxh3) Dxh6 3.Dxf4 Dg7 stand Schwarz auf Gewinn Grafik erzeugt mit Chessbase 9.0 BILD