Mein Vater hatte eine. Der Bundespräsident hat eine. Der Nachbar hat eine, der Schwiegervater, der Schuldirektor, Herr Schröder, Professor Norbert Bolz, sogar der Beckmann Reinhold. Immer alle Chefs, sowieso. Sagen wir: die meisten. Ein Kollege sagt: »Wie redest du eigentlich über Hausfrauen? Du redest hier über unsere Frauen.« BILD

Aber was nützte es, wenn man schwiege? Der Halbwüchsige hängt am Telefon mit seinem Freund und höhnt: »Stell dir vor, die Mutter von dem ist den ganzen Tag Hausfrau!« Ich sage: »In welchem Ton redest du über Hausfrauen, unsere besten Freundinnen sind Hausfrauen!« Das Kind will wissen, was die tun, immer so allein zu Hause.

Wie gut, dass das Kind dies nicht bei Google nachfragt, denn wenn man bei Google »Hausfrau« eintippt, kommen ganz schnell süße Popups: »Lust auf Seitensprung?« Oder: »Sex-Abenteuer gesucht?«

Millionen von Frauen im besten Erwerbsalter zu Hause. Zehn Millionen, vermutet die Dresdner Bank. Oder mehr? Weniger? Genau weiß es niemand, oder was sie tun. Machen Hausarbeit, na klar, aber tun das nicht alle, auch wenn sie keine Hausfrau sind? Nun, die deutsche Hausfrau jedenfalls macht mehr. Sie hält Deutschland zusammen. Ohne deutsche Hausfrau wäre Deutschland weniger Deutschland. Das wäre schwierig. Das würde ganz eng.

Einen kenne ich, der erschiene nackt zur Arbeit ohne seine Hausfrau; wenn man ihn fragt, woher das schicke Hemd kommt, sagt er: »Die Klamotten kauft bei uns immer Petra.« Meine kleine Freundin Line käme nie zum Malkurs, denn dahin fährt sie ihre Mama jeden Mittwoch. Durch die Verkehrshölle! Yoga für Babys, der Zirkus-Workshop, außerschulisches Holzschnitzen – gäbe es nicht ohne Haus-Chauffeuse. Meine Bekannte Ursel sagt: »Deutschland sollte mir dankbar sein, dass ich alles aufgegeben habe, damit die Kinder nicht drogensüchtig werden.«

Ja, man muss dankbar sein. Deutschlands Kinder würden verdursten, denn in der Schule würde ihnen niemand mehr Milchtüten verkaufen. Kinder würden vor ihren Elternhäusern weinen, weil sie keinen Schlüssel haben und sich ihnen die Tür nur mit Muttis Hand öffnet. Sie würden in der Schule abkrachen, weil es keinen mehr gäbe, der ihnen des nachmittags mehrmals diskret die Wäsche in kleinen Päckchen ins Kinderzimmer ordnet, um sich dabei beiläufig zu erkunden, ob man denn bei der lauten Musik Hausaufgaben machen kann, wie es eine versierte Hausfrauenmutter tut. Und die Kindergeburtstags-Events? Die hochkomplexen Spielbeschäftigungs-Orgien, die verzweigte Logistik der Tütchengeschenke für alle Gäste mit diversen Komponenten? Aus! Wer hätte für so was Zeit?

Natürlich betreuen nicht alle Hausfrauen Kinder. Nahezu die Hälfte der deutschen Hausfrauen hat ja gar keine Kinder im Haus. Aber auch sie: Stützen der Gesellschaft! Elektrogeräte würden verrosten, weil der Reparaturdienst ohne Hausfrauenhilfe (»Halten Sie sich von 10 bis 15 Uhr bereit«) keinen Zutritt mehr zur Wohnung hätte. Die schmutzige Wäsche würde vermodern. Männer lägen schwach am Fuße der Karriereleiter herum ohne Hausfrauenschub. Karstadt wäre schon lange pleite, wenn zu angeblich besten Einkaufszeiten keine Hausfrauen aufkreuzen würde. Das deutsche Beamtentum wäre erledigt, wer würde denn Beihilfeanträge ausfüllen? Die Wohnungen würden grau, wenn keiner mehr Zeit hätte, sich auf dem Markt der dekorativen Wohnraumgestaltung zu orientieren. Landhausig oder bauhausig, italienische Fliesen, vielleicht Mosaik, wer sollte das noch entscheiden? Die Osterdeko hinge bis zum Herbst. Der Urlaub verliefe schweigend, wenn sie nicht mehr Italienisch auf der Volkshochschule lernte, zwei Vormittage die Woche, um die Reise in die Toskana vorzubereiten. Deutschlands Hunde würden verenden, weil keine Hunde-Mutti mehr da wäre, die sie viermal täglich ausführt.