Rund um Mamu, ein Provinzstädtchen in Guinea, wütet ein Buschfeuer. Südwestlich der Kapverdischen Inseln brauen sich dichte Wolken zusammen und gebären einen Hurrikan, der zwölf Tage später in der Karibik toben wird. In der Ostsee zieht ein Tanker eine Ölspur hinter sich her. Im nördlichen Burkina Faso sammelt sich gerade ein Heuschreckenschwarm. Über das Rote Meer fegt ein Sandsturm aus der Sahara. Auf Java kündigt sich ein Vulkanausbruch mit einer schwarzen Rauchsäule an. Beklemmend, und doch wunderschön: Satellitenbilder zeigen Katastrophen aus einer faszinierenden Perspektive - zu sehen in unserer Bildergalerie! BILD

Alles zu sehen aus dem Orbit. Über fünfzig Umweltsatelliten, Hunderte Beobachtungsflugzeuge und Ballons beobachten permanent die Erde, hinzu kommen Zehntausende Bojen, Wetter- und Messstationen. Sie liefern im Sekundentakt Millionen von Datensätzen. Wetter, Klima, Naturkatastrophen, Seuchen, Gletscherschmelze oder Tropenholzeinschlag – fast jedes Ereignis von überregionaler Bedeutung kann inzwischen aus der Ferne registriert und häufig sogar vorhergesagt werden: Auffällige Wolken über den Niederlanden – Amsterdam erwartet Sturmböen mit Hagelschlag. Und in einem Überschwemmungsgebiet des Mekongdeltas hat sich ein idealer Brutplatz für Anophelesmücken gebildet – in einem Monat droht eine drastische Zunahme der Malariafälle.

Aber längst trifft nicht jede Prognose zu. Das Erdbeobachtungsnetz hat große Lücken. Es fehlen zum Beispiel Daten über die Dicke der Meereisdecke. Cryosat, ein europäischer Satellit, sollte sie liefern, doch der Start scheiterte im vergangenen Jahr. Jetzt wird die Sonde ein zweites Mal gebaut. Auch die Bodenfeuchte, die große Auswirkungen auf das Wetter hat, kann aus dem All noch nicht beobachtet werden. Über Wind und Luftdruck auf See ist heute sogar weniger bekannt als vor zwei Jahrzehnten. Beides können Satelliten nicht messen, viele Wetterstationen auf Feuerschiffen und entlegenen Inseln wurden jedoch inzwischen eingespart. Trotzdem liegt das Hauptproblem weniger in den Lücken als in der richtigen Interpretation der Umweltdaten. Vieles, was gesammelt wird, ist nicht zugänglich oder vergleichbar. Denn bisher arbeitet jedes Beobachtungssystem mit eigenen Datenstandards und Grundeinstellungen. Eine feuchte Luftschicht, die von europäischen Wettersatelliten als Schleierwolke interpretiert wird, geht in Japan womöglich als Hochnebel in die Datenbank ein.

Viele Lücken sollen sich in den nächsten zehn Jahren schließen. Fast hundert Staaten und internationale Organisationen haben vor gut drei Jahren damit begonnen, ein Metasystem für alle Erdbeobachtungsdaten ins Leben zu rufen, das so genannte Global Earth Observation System of Systems (Geoss). Dahinter steht keine neue große UN-Behörde, sondern ein kleines Team von zwölf Experten, die bei der Meteorologischen Weltorganisation (WMO) in Genf untergeschlüpft sind.

Die Wettervorhersage wird endlich globalisiert

Inzwischen haben sie die Grundzüge eines globalen Standards für die einheitliche Kalibrierung von Satellitendaten vorgelegt. »Unser Vorbild war die Wetterbeobachtung«, sagt Donald Hinsman. Der vollbärtige Amerikaner ist Direktor des Raumfahrtprogramms der WMO und einer der Väter von Geoss. »Wenn der Rest der Menschheit so gut kooperieren würde, wie wir Meteorologen es seit 20 Jahren tun, dann wäre die Erde ein besserer Ort zum Leben«, meint Hinsman.

Der Start des ersten Wettersatelliten ist noch keine 50 Jahre her, und erst seit 1974 betreiben die Amerikaner und seit 1977 auch die Europäer geostationäre Satelliten, die im Stundentakt Bilder von der Bewölkung zur Erde funken. Inzwischen decken immer präzisere und schnellere Wettersatelliten die gesamte Erdoberfläche ab. Auch Russland, China, Japan und Indien speisen ihre Messungen in die Datenbank der WMO ein, Argentinien, Kanada und Südkorea werden bald folgen. Noch sind die Grenzen der einzelnen Systeme auf den Weltwetterkarten deutlich zu erkennen. Erst mit Geoss werden alle Messergebnisse zu einem einheitlichen Bild zusammenfließen.