Der Rhabarbernektar kommt vielleicht ein bisschen zu süß daher. Und was bitte macht die Belegschaft mit ihren Schuhen auf dem Apfelberg, der gekeltert werden soll? Im Saftblog Der Walther wird nicht nur ausgiebig das Leben rund um die sächsische Kelterei Walther (Slogan: »Trinkt mehr Obst!«) im globalen Netz besprochen, sondern es werden auch kommunalpolitisch heiße Eisen angepackt, wie etwa der Verkauf der Dresdner Wohnungsbaugesellschaft, worauf sogar der Oberbürgermeister im Saftblog einen Kommentar hinterlässt. Und so ganz nebenbei wird der Absatz des Arnsdorfer 15-Mitarbeiter-Unternehmens angekurbelt, werden tatsächlich Rezepturen verändert, wenn neue Säfte dem Blogger nicht munden. BILD

Ein Weblog – der Begriff setzt sich zusammen aus Web und Log (Tagebuch) – ist eine Art Internet-Tagebuch, das neben Texten mit Bildern und Videos angereichert ist. Die Leser sind aufgefordert, Kommentare zu hinterlassen. Was die Sache attraktiv macht, ist, dass auch gänzlich technisch Unversierte bloggen und sich mit anderen vernetzen können, was schnell eine breite Öffentlichkeit schafft. Die ersten Weblogs bevölkerten vor zehn Jahren das Netz. Unternehmen, vor allem in den USA, haben das Kommunikationsmittel vor etwa drei Jahren für sich entdeckt.

Kirstin Walther, Geschäftsführerin der gleichnamigen Kelterei, wusste indes vor einem Jahr noch nicht, was ein Blog ist. Seit sechs Monaten ist Der Walther nun online, und die Chefin findet das Netztagebuch nicht mehr nur »witzig«, sondern schätzt den »wirtschaftlichen Effekt«. »Uns erreichen von überall her E-Mail-Bestellungen, sodass wir einen neuen Online-Shop aufgemacht haben«, berichtet sie. Der Regionalanbieter hat binnen kurzer Zeit sein Geschäft über die Landesgrenzen ausgedehnt. »Im Vergleich zu klassischer Werbung ist der finanzielle Aufwand gering. Allerdings sollte man viel Zeit zum Schreiben mitbringen«, weiß Walther.

»So werden auch kleine Unternehmen im Markt auffindbar. Es tun sich Nischen auf, und ein offener Kundendialog wird möglich«, sagt Martin Röll, Spezialist für Social Software in der Unternehmenskommunikation. Er berät Firmen, wie sie eigene Weblogs starten und mit anderen umgehen sollten. »Das Interesse daran in Deutschland wächst deutlich«, so seine Erfahrung.

Während es in den USA laut Deutsche Bank Research etwa 5000 Corporate Blogs gibt, sind es in Deutschland schätzungsweise erst 300. Ganze 57 Prozent deutscher Manager kennen keine Blogs, ist das traurige Ergebnis des 15. UPS Europe Business Monitor, für den 1500 Führungskräfte aus sieben europäischen Ländern befragt wurden. Und nur ein spärliches Prozent der Befragten bloggt selbst. In Deutschland, so wird geschätzt, gibt es insgesamt 250000 Web-Tagebücher, in Frankreich etwa drei Millionen – in den USA sind es mehr als 100 Millionen.

»Das sind verschenkte Marktchancen«, sagt Klaus Eck, Blog-Berater der Münchner Firma econcon. »Im Internet liegt umfangreiches Wissen brach, das von Marketingabteilungen nur aufgesammelt werden muss, um etwas über Kundenwünsche, Kritik und Trends zu erfahren«, sagt Eck. Laut einer Intelliseek-Studie waberten Ende 2005 zwei Milliarden Meinungen rund um die bunte Konsumwelt durchs Netz. Daher ist für Eck die »digitale Mundpropaganda« eines der wichtigsten Marktforschungsinstrumente überhaupt. Blogs spielen schon deshalb eine Rolle, weil manchmal Unglaubliches enthüllt wird.

Ein Wackel-Video im Internet stellte den Anbieter bloß