Wieder kam die Welle ohne Vorwarnung. Hunderte Menschen starben, Tausende wurden obdachlos, als ein Tsunami am Montag auf die indonesische Insel Java traf.Dabei wäre Zeit zur Warnung gewesen. Um 15.36 Uhr, 17 Minuten nach dem Seebeben und 24 Minuten vor Eintreffen der ersten Welle, hatte das Pacific Tsunami Warning Center Gefahr für Java vorausgesagt. Aber die indonesischen Behörden leiteten die Meldung nicht weiter. Doch es hätte ohnehin nicht viel genützt, denn es fehlen Tsunami-Sirenen, um wie in Japan oder auf Hawaii die Strände zu evakuieren. Massenbegräbnis auf der indonesischen Insel Java. BILD

Fast 19 Monate nach dem verheerenden Tsunami, der über 200000 Menschen getötet hatte, ist Indonesiens Bevölkerung so schutzlos wie zuvor. Zwar sind Warnsysteme im Aufbau, aber noch fehlen greifbare Ergebnisse. So produziert das 45 Millionen Euro teure deutsch-indonesische Frühwarnsystem jetzt Erdbebeninformationen, aber noch keinen Tsunami-Alarm. Die Weitergabe per Radio, Sirene und Moschee-Megafon erfolgt laut Plan erst 2009.

Viel kleiner, aber wirkungsvoll ist das global verfügbare Tsunami-Alarm-System aus Tübingen. Es wertet Erdbebenmeldungen geologischer Institute in Amerika, Asien und Europa aus und verschickt Tsunami-Warnungen (für 30 Euro pro Jahr) als SMS direkt aufs Handy. So auch am Montag um 16.10 Uhr für Java. Nicht für alle, aber für große Küstenabschnitte hätte das gereicht. Leider kennt in Indonesien keiner die kleine Tübinger Firma. Das sollte sich ändern. So lange teure Riesen-Warnsysteme im Aufbau sind, ist eine schnelle und billige Ergänzung sinnvoll. Sonst verschlingt die Welle noch mehr Menschen.