Immobilienspekulation Jürgen Schneider

Leipzig führt Besucher auf den Spuren eines Betrügers durch die Stadt

Der Mann ist nichts für Laue. Wir wissen nicht, sagt die Stadtführerin Anke Knote, sollen wir ihn lieben, oder sollen wir ihn hassen?

Bis zur Klärung dieser Frage beschränkt sich Leipzig auf neutrale Information. Denkmäler hat der Mann sich selbst gesetzt warum sie nicht zeigen? Ein Architekturrundgang der besonderen Art auf den Spuren von Jürgen Schneider lautet der Titel des zweistündigen Rundgangs von Frau Knotes Agentur Leipzig erleben. Ganz neu ist der Einfall nicht. Vor Jahren hegte ein anderer Fremdenführer ähnliche Pläne, von denen er eigenen Bekundungen zufolge nach Morddrohungen und lauter Kritik aus der Stadtverwaltung Abstand nahm. Heute haben wir so viele Anmeldungen, wir müssen sogar Leute wegschicken, sagt Anke Knote.

Jürgen Schneider, der Baulöwe, der Betrüger, der Pleitier. Einerseits zeugen etwa 60 prachtvoll sanierte Gebäude in der Altstadt darunter das Hotel Fürstenhof, der Blaue und goldene Stern sowie das Romanushaus von seinem Organisationstalent. Ohne Schneider, das bestreitet kaum jemand, wäre die Messestadt heute weniger schön.

Andererseits erinnern sich zahlreiche geprellte Handwerker, deren Arbeit die Stadtführung schließlich zeigt, mit Ingrimm ihrer unbezahlten Rechnungen aus jenen Tagen, als das auf überzogenen Krediten errichtete Bauimperium Schneiders 1994 zusammenbrach.

Schneider selbst, der erst nach Miami flüchtete und dann zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, möchte die Stimmung vorerst nicht persönlich testen. Erst vor wenigen Jahren traute er sich, nun Pensionär und Buchautor (Alle meine Häuser) zu einer Lesung nach Leipzig. Tausend Leute haben mir zugejubelt, sagt er. Den neuen Stadtrundgang durch seine Anwesenheit bereichern, sozusagen als gut informierter Zeitzeuge, das will er freilich nicht, trotz entsprechender Angebote. Ich mach mich nicht zum Affen für die Menge.

Und außerdem käme es bei der Justiz nicht gut an.

 
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