Krieg im Libanon Land der verfluchten Stellvertreter

Libanon unter dem israelischen Bombenhagel: Einmal mehr erleben die Bürger die Machtlosigkeit ihrer Regierung – und den unheilvollen Einfluss fremder Mächte.

Es scheint, als sei das Schicksal dem Libanon nicht wohlgesinnt. Oder, um es mit den Worten des libanesischen Ministerpräsidenten Fuad Siniora zu sagen: »Der Libanon ist ein verfluchtes Land.« Zum x-ten Mal in seiner Geschichte tragen innere und äußere Mächte ihren Streit um Einfluss und Interessen in Nahost ausgerechnet in dem kleinen Zedernstaat aus. Wieder einmal droht er zwischen den Konfliktparteien zermahlen zu werden. Eine Lösung ist nicht in Sicht und würde sowieso zu einem langen, schwierigen Unterfangen führen.

Aus der Nähe betrachtet, steht im Zentrum der Krise die libanesische schiitisch-islamistische Hisbollah. Sie wird seit ihrer Gründung 1982 finanziell und ideologisch von Syrien und Iran gefördert und hat vor dem Hintergrund der israelisch-palästinensischen Auseinandersetzung jüngst zwei israelische Soldaten entführt und damit die verheerenden Vergeltungsmaßnahmen Israels gegen den Libanon provoziert. Aus der Vogelperspektive sehen viele die Hisbollah als verlängerten Arm syrisch-iranischer Interessen im Nahen Osten. Übrigens meinen das auch einige im Libanon, offiziell allerdings erst seit der Ermordung ihres ehemaligen Ministerpräsidenten Rafiq al-Hariri, bei der Syrien offensichtlich die Hände im Spiel hatte.

Im Augenblick sind Tausende auf der Flucht, auch Badia Baydoun, die am Morgen nach den ersten Angriffen bei ihrem Bruder im Beiruter Stadtteil Hamra Unterschlupf gefunden hat. Ihr Haus in Haret Hareik, nur wenige Meter von der Hisbollah-Zentrale entfernt, ist nur noch ein Trümmerhaufen.

So wie Badia geht es vielen Libanesen. Seit die Israelis die Bewohner des Südlibanons per Flugblatt aufgefordert haben, ihre Dörfer zu verlassen, findet ein wahrer Massenexodus in Richtung Beirut statt. Wieder einmal, muss man sagen. Denn schon während der israelischen Invasionen 1978 und 1982 suchten die mehrheitlich schiitischen Bewohner des Südens in der Hauptstadt Schutz. Sie sind es, die immer noch in Dahijeh, dem damals enstandenen Armengürtel vor den Toren Beiruts, leben.

Dahijeh ist eine andere Welt. Man kann sie leicht vergessen beim Gang durch das neu aufgebaute Zentrum der Stadt mit seinen ausladenden Schaufenstern, glitzernden Nachtclubs, Bars und Cafés. Hier vertreibt sich Libanons Jeunesse dorée, die wohlhabende Oberschicht, ihre Zeit. In Dahijeh, dem engen, niemals schlafenden Slum, unterhielt die Hisbollah im Schutz ihrer Anhänger ihr mittlerweile zerstörtes Hauptquartier. Diese Armenviertel gleichen nun Geisterstädten – selbst die Krankenhäuser sind menschenleer. Diejenigen, die nicht wie Badia bei Verwandten untergekommen sind, schlafen in ihren Autos.

Endlich schien sich der Libanon von den Folgen des Bürgerkriegs zu erholen, trotz der vielen weiter schwelenden innenpolitischen Probleme. Vor allem die Tourismusindustrie, die das rohstoffarme Land ernährt, erlebte in den vergangenen Jahren einen gewaltigen Boom. Doch die Bombardements, so Experten, werfen die Wirtschaft um Jahre zurück.

Die meisten Libanesen fühlen sich --nun im Stich gelassen – von der internationalen Gemeinschaft und einer schwachen Regierung, die angesichts der übermächtigen Hisbollah handlungsunfähig bleibt. Trotzdem macht die Mehrheit nicht die Hisbollah, sondern Israel für die Eskalation der Gewalt verantwortlich. »Ich kann nicht erkennen, welches Ziel die Israelis verfolgen«, sagt die amerikanisch-libanesische Anthropologin Dschihane Mullin. »Ich bin mir sicher, dass weder der Libanon noch Israel, Europa oder Amerika auf diese Weise sicherere Orte werden. Ein demokratischer Libanon ist für Israel weniger bedrohlich als das, was jetzt kommen kann.«

Im Libanon breitet sich die Angst vor einem Wiederaufleben des verheerenden Bürgerkriegs aus. Zwischen 1975 und 1990 kamen mindestens 90000 Menschen um. Und jetzt? Wiederholt sich die Geschichte? »Im Libanon ist alles möglich«, meint Dschihane. Doch einen neuen Bürgerkrieg sehen die meisten noch nicht dräuen – vor allem weil es derzeit niemanden gäbe, der ihn finanzieren würde. Auch die libanesische Regierung, aus freien Wahlen hervorgegangen, geht auf Distanz zur Hisbollah. Und Drusenführer Walid Dschumblatt, ein erbitterter Gegner des syrischen Einflusses auf die libanesische Politik, spricht sogar von einem iranisch-syrischen Kampf gegen Israel. »Ich bekräftige meine politischen Probleme mit Hisbollah-Führer Sayyid Hassan Nasrallah«, sagt Dschumblatt, »und teile ihm mit, dass der Libanon nicht Gaza ist.«

Die Regierung in Beirut weiß um das fragile Gleichgewicht und fürchtet, dass mit der Dauer des israelischen Angriffs auch die Unterstützung für die Kämpfer der Hisbollah wächst. Dem Ausland gegenüber muss sie klar machen, dass sie sich von den Islamisten distanziert, aber innenpolitisch muss sie im gleichen Atemzug für die nationale Einheit aller Bürger und Religionen werben, damit das Land nicht zerbricht.

Dabei ist das Problem hausgemacht: Hisbollahs Stunde schlug, als sich die israelischen Besatzungstruppen im Mai 2000 aus dem Südlibanon zurückzogen. Niemand kümmerte sich um die Bewohner, es entstand ein Machtvakuum, das die Regierung im fernen Beirut wenig kümmerte. Also füllte die Hisbollah die Lücke, zumal sie das Verschwinden der Israelis sowieso als ihren Sieg verbuchte. Hisbollah baute Schulen, Kindergärten, Suppenküchen und nahm sich den Bedürfnissen der notleidenden schiitischen Bevölkerung, der Underdogs der libanesischen Gesellschaft, an. Hisbollah wurde zum Staat im Staate und kontrolliert mittlerweile uneingeschränkt weite Teile des südlichen Libanons und der südlichen Vororte Beiruts.

Damit nicht genug: Ein Abkommen zwischen der libanesischen Armee und Hisbollah untersagt den Soldaten, selbst in einem Konfliktfall in den von den Islamisten beherrschten Gebieten einzugreifen. Dort regiert allein die Hisbollah mit einem engen Überwachungsnetz. An Strommasten und Häuserwänden hängen Kameras, und schwarz gekleidete Sheriffs sorgen sich nicht nur um die Sicherheit der Bewohner, sondern auch um die Sicherheit der Hisbollah-Führung, die seit Jahren im Fadenkreuz der Israelis steht.

Warum aber schlägt die Hisbollah jetzt um sich, was will sie mit der Entführung israelischer Soldaten erreichen? Dafür gibt es drei mögliche Erklärungen. Erstens: Der Kampf gegen die israelische Besatzung in den Palästinensergebieten ist identitätsstiftend und gehört zu ihrem politischen Credo. Zweitens: Die Resolution 1559, also die Forderung nach Entwaffnung, setzt die Hisbollah unter starken Druck. Sie muss ihr gigantisches Waffenarsenal rechtfertigen und provoziert Israel. Denn nun kann die Hisbollah sagen, sie sei von außen »bedroht«. Und drittens: Nawaf al-Mussawi, der außenpolitische Sprecher der Hisbollah, bekannte vor einigen Wochen in einem Interview, die Hisbollah wolle angebliche Pläne der Amerikaner und Israelis zur Neuordnung des Nahen Ostens um jeden Preis verhindern.

Der Libanon bleibt Tummelplatz für Stellvertreterkriege.

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Leser-Kommentare
  1. Was verstehen Sie unter westlichen Werten?

    Wenn man unter westlichen Werten die Kernpunkte der westlichen Verfassungen versteht, dann gibt es eine Reihe von vernünftigen Gründen, Hisbollah und Hamas nicht am Leben erhalten zu wollen.

    HISBOLLAH:
    In ihrem 1985 veröffentlichten Programm erklärt die Hisbollah die Errichtung eines islamischen Gottesstaates im multireligiösen Libanon zu ihrem Ziel. Nach dem israelischen Rückzug aus dem Südlibanon ist das erklärte Nahziel der Hisbollah die Rückgewinnung der von Israel besetzten Shebaa-Farmen, einem kleinen Grenzgebiet aus 14 Bauernhöfen. Allerdings hat Hisbollah-Führer Hassan Nasrallah klargemacht, dass seine Organisation die Existenz eines jüdischen Staates generell nicht akzeptieren wird und bis zur angestrebten Vernichtung Israels weiterkämpfen will: "There is no solution to the conflict in this region except with the disappearance of Israel." Dabei wird auch zunehmend der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zur Legitimation herangezogen. (Wikipedia)

    HAMAS:
    Die Gründungscharta der Hamas von 1988 erklärt "die Fahne Allahs über jedem Zoll von Palästina aufzuziehen" zum ideologischem Ziel der Organisation. Das hätte eine Auflösung des Staates Israel sowie jeder weltlich der Hamas basiert auf einer Anzahl von antisemitischen Verschwörungstheorien. Sie besteht auf der Echtheit der Protokolle der Weisen von Zion und behauptet, dass die Freimaurer, der Lions-Club und der Rotary-Club insgeheim "im Interesse der Zionisten" arbeiteten. Die Hamasmitglieder sehen in den Juden die Verantwortlichen für die Französische Revolution, den "westlichen Kolonialismus", den Kommunismus und die Weltkriege.(Wikipedia)

  2. 24. Juli 2006

    .... wenn man in einem Staat lebt, ist man unschuldig dafuer, was seine Regierung macht oder nicht macht?

    Vor allem, wenn es eine Demokratie ist? Ist Ihre Wahlstimme, ihr Benehmen nur ein Recht und keine Verantwortung?
    Und wenn es keine Demokratie ist? Dann auch? Oder nicht? Wenn nicht, sollten wir alle wuenschen, nicht in einer Demokratie zu leben, so dass wir uns druecken koennen?

    Arbeitet man nicht (schwer!!!) ueberall und immer (auch wenn es moeglicherweise sein Leben kostet) dafuer, eine unerwuenschte Regierung zu ersetzen, wenn einem seine Regierung nicht passt? Oder ist es genug zu schwaetzen, meistens ueber andere?

    Und wenn das (die Ersetzung der ungewuenschten Regierung mit Hilfe anderer, die man ueberzeugen muss/und hoffentlich glauben Sie noch daran, dass man es kann!) nicht gelingt, kann man doch seine Regierung/sein Land "loswerden"/es verlassen. Nein?

    Es ist unvorstellbar, dass eine Regierung, Terroristen auf ihrem Land duldet. Oder Terrositen selbst sind/sie in Ihrer Mitte arbeiten lassen. Es ist unvorstellbar, dass die Einwohner des Landes durch IHRE Regierung nicht verantwortlich sind fuer was sie erlaubt!

    Das war so in den vierzigern Jahren. Es sollte heute so sein. Leute wie Sie, die jetzt wie damals den Ruecken drehten, sind Sie nicht unter den Schuldigen, dass wir uns in dieser heutigen Welt, in diesen Zustaenden finden? Wo waren die Lebanon Einwohner, als Hezbollah in Ihrer Mitte Geiseln nahm und sie versteckten? Jashrelang!

    Vor allem, in Deutschland muesste man sich das ueberlegen.

    Wo waren Ihre Grosseltern als deren Regierung 6 Million Eltern/Grosseltern der heutigen Israel Einwohner toeteten? Ja, ich frage Sie, die es sehen will, dass diese Menschen unter einer Regierung existieren sollen, die sie nicht vertreten kann, weil "the right to turn" es versichert, dass ihre Feinde (mit ihren Werten, in ihren Glauben und Benehmen) nicht akzeptiert werden koennen.]

    Sie meinen wohl: Es gibt nichts, fuer was man sich einsetzen soll oder kann? Sie wollen mit einem Nachbarn leben (sogar "gut genug auskommen"), der ihr Kind umbringen will?

    Als Enkel Ihrer Familie, was machte sie, um der Welt 20 Millionen Opfer in Russland zu vermeiden? Was haetten Sie von Ihren Eltern und Grosseltern verlangt (wahrscheinlich nichts, muss man sich vorstellen!), die geschmuzelnd aus den Fenstern guckten, als Buecher verbrannt wurden und Kristallnacht folgte?

    Was lernt man bei Ihnen in Ihrer Gesellschaft? In Goettingen, in Berlin, in Freiburg, Heidelberg und Tuebingen? [Kann es sein, dass Schroeder's erste Justizministerin wirklich nicht die Ausnahme sondern die Regel war?]

    Es ist alles sehr sonderbar, was man von Ihnen heutzutage hoert: Nichts in der Welt ginge schlecht, waere es nicht fuer Israel, Amerika oder Bush (nicht notwendig in dieser Reihenfolge), wie Ihre Buerger es mir schon seit vor 9/11 immer wieder klar gemachen.

    Viele Fragen. Keine Antworten. Wirklich sonderbar. Ja eben, ich vergesse immer, Sie SIND das Land der Dichter und Denker.
    Ihre Nachbarn, andere bei Ihnen, wohl in der kleinen Minderheit, betonen oder sprechen davon/erinnern mich daran nie..........

  3. Mir ist bekannt, dass unbeteiligte von den kriegerischen Handlungen der Hisbollah, der Hamas und den Israelis betroffen sind.

    Meine intensiven Studien sowohl der islamistischen Lehren und dem tatsächlichen Verhalten der oben genannten Organisationen haben mir klar gemacht, wer die Verursacher der Gewalt sind: nämlich gewaltgeile Islamisten.

    Nun, wie können die Israelis unter Beücksichtung ethischer Implikationen lösen?

    Es bieten sich im Großen und Ganzen folgende Ethiktoerien an:

    *Vertragstheorie
    *Utilitarismus
    *Kant
    *Universalistische Mitleidstheorie
    *Diskurstheorie.

    Hier können auch Sie sich aussuchen, zu welcher Begründungsstrategie Sie sich bei der Beurteilung des derzeitigen Konflikts im Nahen Osten neigen wollen. Sie werden jedenfalls keine Theorie entdecken, die zu allgemeinem Konsens geführt hätte.

    Wenn Sie sich für den Weg des Vermeidens jeglicher "Kolateralschäden" entschieden haben sollten, so muss ich Ihnen sagen, auch hierüber gibt es keinen universellen Konsens. Ebensowenig über einen absoluten Pazifismus, der meines Erachtens ohnehin inkonsistent sowie menschen- und tier-, also kreaturverachtend ist. Selbst die Bibel könnten Sie nicht heranziehen, die, wenn sie richtig übersetzt wird, in den Zehn Geboten nicht von "Du solltst nicht töten" sondern von "Du sollst nicht morden" spricht.

    Wenn Sie Ihr eigens Mitleidsempfinden als Maßstab Ihrer Beurteilung anwenden, ist das Ihnen zwar belassen und ehrt Sie. Aber auch hierüber wird es am allerwenigsten universellen Konsens geben.

    Aber über eines wird es in Europa ganz sicher Konsens geben: ein vereintes pawlowisches Verurteilen der Amerikaner und Israelis durch die bioligischen und mentalen Alt-Linken, die jegliches Urteilsvermögen verloren zu haben scheinen.

    • megoon
    • 24.07.2006 um 2:03 Uhr

    Wenn Sie mein Kommentar richtig lesen würden, dann würden Sie verstehen, dass es sich dabei um die "unschuldigen" Menschen in Libanon handelt, die einfach zum Umzug und Flucht gezwungen werden, getötet werden, deren Häuser und Städte zum Erdboden gleich gemacht wird, wo Israel wieder einmal zur Schau stellt, dass für sie die Menschenrechte außer ihre eigene, nichts Wert sind.

    Es handelt sich in meinem Kommentar "nicht" um das Existenzrecht oder -Unrecht von militanten Gruppierungen, die angeblich Israel bekämpfen.

    Die westlichen Werte, die ich in meinem Kommentar angedeutet habe, sollen für diese unbeteiligte Menschen auch eine Gültigkeit haben. Wie wäre es, wenn Sie unter Bomben Ihr eigenes Zuhause verlassen müssten oder gar getötet werden müssten, für einen Krieg, wo Sie selber nicht eine Partei werden wollten und auch nicht wären? Oder ist es einfach vordefiniert, dass Sie, Ihr 2 jähriges Kind und 90 Jahre alte demente Oma und unzählige andere Nachbarn, die in den Ortschaften wohnen, wo die Hisbollah Militanten die Raketen abfeuern, in diesem Krieg "gleichschuld" sind?

    Was Israelische Armee in Libanon ausführt ist einfach ein Massaker, der von der "internationalen Gemeinschaft" bis zum Ende wie ein Kinofilm tatenlos zugeschaut wird. Ich frage mich, kann das wirklich sein, dass das die Enkel sind, deren Großeltern in unmenschlichen Lagern und unter unvollstellbare Leiden zwischen 1940-45 am Ende ihr Leben geben müssten. Sind das "Opfer"? Wenn ja, dann was für einen?

  4. ...mein Kommentar richtet sich an "megoon"...
    24. Juli 2006

    • megoon
    • 21.07.2006 um 0:14 Uhr

    Die Werte, die die Politiker und Journalisten dieses Landes meinen, zu hegen und zu pflegen, bekommen wohl im Falle Israels einfach eine andere Bedeutung. Es führt zur keinerlei Antisemitismus oder antijüdischen Stellungnahme, wenn man diese Werte im neuesten Kriegsfall in Libanon ins Sprache bringt. Jawohl! Das sind doch die gleichen Werte, die die westliche Zivilisation nach mehreren Kriegen hart erkämpft hat. Du kannst doch nicht einfach die ganze Nachbarschaft beschuldigen, angreifen und töten, wenn du mit irgendwelchen wahnsinnigen Nachbarn Probleme hast, die ihr selber nicht lösen könnt oder eher wollt. Ich darf doch nicht einmal den Mörder meines Kindes, meiner Frau oder jemand, den ich sehr lieb habe, getötet hat, töten, weil ich denke, das das Recht mir zustehe. Ich komme ins Gefängnis! Das besagt das Strafrecht im größten Teil der westlichen Zivilisationen. Der Staat darf den Mörder auch nicht hängen, weil dies gesetzeswidrig ist!
    Was nun? Sind das nicht die Werte, die jetzt im übertragenen Sinne von Israel und der USA mit den Füßen getretet werden? Und wenn ich was dagegen habe, bin ich sofort klassifiziert als USA-Gegner oder Antisemitist!
    Und keinen müden kritischen Ton, weder in den Medien, noch in der Regierung wegen dieser Menschenverachtende, mörderische Offensive! Noch einmal bestätigt die westliche Öffentlichkeit, dass diese hochgeschätzte Werte nur für sich selbst die Gültigkeit hat. Es sind Menschen, Unschuldigen, die in Libanon oder in Gaza oder irgendwo in Palästina ums Leben kommen. Eins ist sowieso klar: Nichts gibt den Extremisten das Recht, Juden oder Christen oder einfach die "etwas anderen" Menschen aus der Welt zu schaffen. Die Bekämpfung dieses Problems erfordert nach den "westlichen Werte" dennoch weitere Eskalationen mit anderen Mitteln zu vermeiden, statt sie mit ähnlichen Methoden weiter zu verschärfen. Sie, als Medienvertreter, sollten auch diese Tatsache ernst nehmen und mit Ihren Publikationen Ihre eigenen Werte selbst vertreten.

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  • Quelle DIE ZEIT, 20.07.2006
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  • Schlagworte Krieg | Libanon | Israel | Fuad Siniora | Südlibanon | Hisbollah | Gaza | Syrien | Iran | USA
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