NS-ZeitGepäppelt und verbraucht

In Mauthausen ist die erste Ausstellung über Bordelle in den Konzentrationslagern zu sehen. von Peter Roos

Der Geschlechtsverkehr durfte maximal 20 Minuten dauern und war ausschließlich in Missionarsstellung zu vollziehen. Damit keine verbotenen Gespräche dabei geführt wurden, ist durch das Guckloch in der nicht verschließbaren Schwingtür die Ausführung observiert worden. Verhütung gab es nicht. Zehn Männer mindestens waren täglich zwischen sechs und acht Uhr abends zu bedienen.

Hunderte der 8500 Frauen, die im österreichischen Konzentrationslager Mauthausen gefangen waren, mussten »Sex-Zwangsarbeit« leisten, nachdem am 11. Juni 1942 das erste Lagerbordell im NS-Reich offiziell eröffnet worden war – auf direkten Befehl Himmlers, der »den fleißig arbeitenden Gefangenen Weiber zuführen« ließ. Neun weitere Bordelle von Auschwitz über Buchenwald bis Dachau folgten.

Die erste und europaweit einzige Ausstellung zum Thema »Sex-Zwangsarbeit« geht in Mauthausen behutsam und beherzt das Tabu der Tabus in der Auseinandersetzung mit der Nazizeit an. Völlig unspektakulär und schlicht ziehen die Exponate den letzten Schleier der Verdrängung vor dem Verdrängten herunter: Schon in der KZ-Welt vor 64 Jahren tabuisiert, haben Gesellschaft und Wissenschaft nach 1945 einen großen Bogen um die Bordelle gemacht. Die im Frauen-KZ Ravensbrück dafür selektierten Opfer waren damals schon herabgewürdigt und versteckten, falls überhaupt noch am Leben, nach der Befreiung ihr Schicksal.

Tafeln, Diagramme, Dokumente, Karten, historisches Bildmaterial zeigen in der »Lagerschreibstube« der Baracke1, die gleich nebenan das Bordell beherbergte, wie dort der Alltag organisiert war und welche psycho-soziale Aufgabe diese Sex-Wirtschaft in der Lager-Organisation und für die Rüstungsindustrie hatte.

Denn in erster Linie ist Sex als Belohnung in einem ausgeklügelten Prämiensystem eingesetzt worden. Sex war Teil militärischer und kriegswirtschaftlicher Strategie, war Anreiz zur Erhöhung von Arbeitskapazität und Produktivität der männlichen Gefangenen. Ausschließlich nichtjüdische Häftlinge mit außerordentlichen Leistungen durften für zwei Reichsmark Lagergeld einen »Sprungschein« erwerben, mit dem sie einen registrierten Geschlechtsverkehr erwarben. Vor dem Akt wurden sie untersucht und mit einer Injektion behandelt. Die Frauen hatten sich danach mit einer Kresol-Lösung zu waschen. 45 Pfennige war ihr Lohn, 20 Pfennige davon nur wurden ausgezahlt. Die Gelder flossen direkt in die Reichskasse.

Die SS stellte also nicht nur ihre schwarz uniformierten Männer als Test-Freier, sie fungierte auch als Zuhälter für die übrigens ausschließlich nichtjüdischen Frauen, die aus besonders schweren Arbeitskommandos mit dem Versprechen gelockt wurden, nach sechs Monaten Sex-Arbeit entlassen zu werden. Nicht wenige sahen darin eine Überlebenschance. Aber nach einem halben Jahr kamen sie nach Ravensbrück zurück, zu »Asozialen« heruntergestuft und zu medizinischen Experimenten missbraucht. Zwangsabtreibungen waren an der Tagesordnung. Lesben sollten umgepolt und Schwule in Heteros verwandelt werden. Selbstverständlich herrschte auch bei dieser Dehumanisierung der Frauen die Hierarchie: Die schönsten Frauen des Bordell-Personals wurden der SS zugeführt, andere den Frontsoldaten zur Verfügung gestellt, »die Drittklassigen« kamen in die Häftlingsbordelle. Mit Sonderkleidung, Sonderessen, Höhensonnen ausgestattet, wurden sie zur Attraktion auf Zeit herangepäppelt und verbraucht.

Eine Ausstellung, die den Betrachter stumm und mit trockenem Mund allein lässt. Gerade die karge Ausstattung, der unterkühlte Zugriff auf Archivalien und wissenschaftliche Erkenntnis rufen Fassungslosigkeit und Verzweiflung hervor. Hier trumpft nicht Selbstzweckdesign hochmütig auf – mehr als ruhige Sparsamkeit der Präsentation verlangt der Originalschauplatz nicht. Seine stille Leere hat der Wiener Fotokünstler Harald Arnold ruhigen Blicks gebannt; als betrachte er mit den Augen der Opfer den Appellplatz vergewaltigter Körperlichkeit, führt er die Kamera mit großer Empathie und Zurückhaltung ins Bordell, um das Bordell herum, auf das Bordell und durch die Fenstergitter aus dem Bordell heraus – keine Blickflucht, sondern eindringliches Hinsehen.

Eindringlich hingesehen haben auch die Ausstellungsmacher. Und darin liegt auch etwas Tröstliches. Denn völlig unabhängig, selbstständig und eigeninitiativ haben elf Studenten und Studentinnen aus der kulturwissenschaftlichen Forschungsgruppe der Wiener Historikerin Carola Sachse neben ihrem Studium diese originäre Feldforschung betrieben und Wissenschaft in Anschauung umgesetzt. Ein Quantensprung ist gelungen. Die Republik Österreich hat das Projekt mit 18000 Euro billigst angekauft; 4500 Euro hat ein Student aus seiner Pensionsvorsorge zugeschossen, damit die Kommilitonen, die sich nun »Die Aussteller« nennen, ihre Pläne realisieren konnten. Für den Jahreswechsel 2006/07 hat die Gedenkstätte Ravensbrück diese Präsentation bereits in ihr Programm aufgenommen. Virtuell ist sie ebenfalls begehbar, und den Fotoband dazu publiziert der Wiener Mandelbaum-Verlag. Das Innenministerium ließ die Eröffnung durch die verantwortliche Abteilungsleiterin vornehmen. Die junge Doppeldoktorin erschien in kniehohen schwarzen Lederstiefeln, schwarzer Lederjacke, rotem Kreuz im Dekolleté und wünschte: »Einen angenehmen Abend!«

Die Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte Mauthausen läuft noch bis Ende des Jahres

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Leserkommentare
    • chiron
    • 29. Juli 2006 19:43 Uhr

    Ist es tatsächlich hilfreich oder förderlich, wenn wir "aufgeklärt" werden über Abscheulichkeiten, Verbrechen oder destruktive Tätigkeiten von Menschen? Ich stimme eher Traude zu, denn es hat sich herausgestellt, dass die Schilderung von Verbrechen, die Menschen wenig bis gar nicht sensibilisiert, sondern eher zur Nachahmung anregt und letztlich nachweislich (!) den Opfern grösste Schmerzen zufügt, wenn sich diese in geschilderter (oder dargestellter) Form erkennen. Wie wollen Besucher, die diese Austellung anschauen, damit umgehen, wenn sie nach Hause gehen? Wie lautet die Botschaft dieser Austellung? Soll uns diese Ausstellung auch daran erinnern, dass weltweit immerschon und immer noch die Schwächsten Opfer von kollektiven Irrsinn wurden?
    Wieso wird eine Ausstellung über etwas gezeigt, was eigentlich jeder doch unlängst wissen konnte? Was geschieht in jedem Krieg?
    Vielleicht ist es eine Frage der Pietät, ob man Verdunkeltes oder Verdrängtes so oder anders in den Raum stellen, der Oeffentlichkeit vor- und hinstellen soll. Wir leben in einem Zeitalter der grössten technischen Errungenschaften und können weltweit weder Armut, Hunger noch Krieg (in jeder Form) beenden. Milliarden werden gegen (oder eben für!?) den Terror eingesetzt, der noch grösseren Terror (und damit zwangsläufig die schrecklichen Greueltaten wie Zwangsprostitution und Vergewaltigungen) zur Folge hat. Zwangsläufig - denn wo leben diese Menschen, die aufs Töten, Rächen und blutige Verteidigen für viel Geld getrimmt wurden , ihre Triebe aus? Bislang hat jeder Krieg die Vergewaltigung von Tausenden von Frauen und Kindern zur Folge gehabt. Wieso also diese Bilder wieder aufleben lassen? Wieso nicht nach Möglichkeiten suchen, wie wir statt in destruktiven endlich in konstruktiven Bahnen laufen können? Denn eines haben wir aus den "laufenden" Bildern des Fernsehen jetzt nun wirklich bis zur Sättigung gelernt: Bilder der Gewalt und des Verbrechen lassen uns kaum besseren Menschen werden, sonst müsste die Menschheit aus Mitgefühl und Liebe heraus längst das Paradie auf Erden erschaffen haben. Doch täglich gibt es immer noch genug Opfer dieser "Getriebenen" (...)

    • Zorrg
    • 20. Juli 2006 11:44 Uhr

    Ist ja unglaublich! Also ich kann behaupten, dass ich mich geschichtlich etwas auskenne, aber Zwangsarbeit in Form von "Sex" und noch dazu in einem Konzentrationslager und zudem für KZ-Häftlinge, also das hätte ich nicht für möglich gehalten.

    Ich hab mir übrigens die virtuelle Ausstellung bereits angesehen. [Link gelöscht, die Redaktion]

    Einfach unglaublich

  1. 3. Zwang

    Die Japaner haben im Zweiten Weltkrieg ein ähnliches System entwickelt: Koreanische, Niederländische u.a. Frauen haben zwangsweise als 'Trost-Mädchen' gearbeitet. Das Tabu auf dieser Materie ist in der Kriegsgeschichte Asiens schon bekannt, doch in Japan nicht anerkannt.

    • Zorrg
    • 30. Juli 2006 8:17 Uhr

    Chiron, ich verstehe nicht wie ich deine Gedanken interpretieren soll. Wie bitte soll man Menschen aufklären, ohne sie auch mit der harten Realität und Brutalität zu konfrontieren. Denn wenn es nach dir gehen soll, dann müsste man die gesamte Weltkriegsgeschichte ausblenden, den Massenmord an Millionen von Menschen, die Vertreibungen, Stigmatisierungen usw..

    Den Zwangsarbeiterinnen der Lagerbordelle ist doppeltes Unrecht angetan worden: 1. Sie wurden missbraucht und zig-fach vergewaltigt und 2. nach dem Krieg weiterhin stigmatisiert und ignoriert. Sie hatten keinen Anspruch auf irgendeine Form der Entschädigung, keiner hat über 60 Jahre Gedanken über diese Frauen gemacht. Und wenn ich dich richtig verstehe, ist es auch deine Vorgehensweise.
    NICHT DARÜBER REDEN, KOPF IN DEN SAND, UND SCHWAMM DRÜBER

    • chiron
    • 03. August 2006 23:57 Uhr

    Eigentlich schade, dass hauptsächlich wir beide uns diesem Artikel angenommen haben. Die Geschichte löst in jedem Fall etwas aus, und ich denke auch, dass eine Austellung wie die in Mauthausen eher diskutiert werden sollte als ein Mozart-Jubiläum, das ganz nebenbei auch aufzeigt wie Geschichte eben auch funktionieren kann: Mozart als tragisches Genie und anziehende Lichtgestalt. Nichts gegen seine Musik, dazu ist sie zu himmlisch, aber der Mensch Mozart wird ja gerne etwas anders dargestellt als er war. Ebenso wie Du bin ich der Meinung, dass die unwürdigen Taten des Menschen besprochen werden müssen. Aber ich bin einfach nicht über die Form der Darstellung sicher. Ich habe letzthin Photos gesehen, auf denen jeweils Kriegsopfer, Hungernde, Randständige zu sehen waren. Ein Bild, kurz mit Titel und Datum versehen, allenfalls mit einem kurzen Begleittext. Es waren Bilder, die einem in diesem Fall also praktisch kommentarlos eine ganze Geschichte erzählten. Ich vermute, dass wir beide fassungslos vor dem stehen, was sich weltweit beinahe täglich wiederholt: der Terror des Mächtigen gegenüber der Schwächeren - und dass wir beide wünschten, der Mensch würde seine Vernunft endlich dazu nutzen Frieden statt Krieg, Missbrauch und Vergewaltigung zu nutzen. Aber ich vermute, in zweitausend Jahren werden wieder zwei Individuen darüber diskutieren, wie man über all die Formen des Missbrauchs informiert, damit all die ausgeübten Perversionen des Menschen endlich aufhören. Aktuell findet das kriegerische Szenarion mit all seinen zusätzlichen Schattenerlebnissen, deren Opfer einmal mehr die schwächsten der Kette sind, seine Fortsetzung. Vielleicht schreibe ich in Deinem Sinne, wenn ich sage: das Hirn des Menschen wird einmal mehr nur dazu genutzt, um einem fundamentalistischen Wahn zu folgen und Schwache zu unterdrücken, zu vergewaltigen oder zu töten. In irgendeinem Büro der "zivilisierten" Welt sitzen Marketingvertreter und fragen sich, wie man gewisse Bilder am werbewirksamsten verkaufen und damit Spendengelder verdienen kann; Gefolgsleute eine weltlichen Bürokratie werden Jahre für die Auswertung von Berichten benötigen und den grössten Teil der Hilfsgüter und Gelder verschlingen, die von den Spendern eigentlich wiederum den schwächsten der Kette zugedacht waren. Und irgendwann wird es eine Ausstellung geben, in der man Bilder von Menschen dieser schwächsten Kette sehen wird - und irgendwo donnern im selben Moment die nächsten Bomben in Schulen, Krankenhäuser und Kindergärten. Seit über zweitausend Jahren bemühen sich einzelne Menschen darum, dass die Herde Mensch aufwacht - und nur einzelne nehmen eine solche Ausstellung als eine Anregung auf, die ihr Leben ebenso ändert. So wie Du hier diskutietierst, scheinst Du eh eine der Ausnahemen zu sein; und das verdeutlich eben auch ein wenig das Problem resp. meine Frage: in welcher Form zeigt man den Menschen solche Geschehnisse? Du bist bereits sensibilisiert. Der Rest rennt weiterhin mit Scheuklappen durch die Welt, bangt um seine Arbeit und seinen Feste. Wir haben beide unterschiedliche Auffassungen über die Form; aber ich gehe mit Dir eins: dargestellt und diskutiert werden muss das Thema alleweil. Danke noch für den Hinweis! Herzlichst!

    • Zorrg
    • 31. Juli 2006 20:49 Uhr

    Chiron,

    Ich kann deinen Gedanken schon etwas mehr folgen, jedoch verstehe ich immer noch nicht, warum du so eine Angst vor der Geschichte hast. Immerhin werden ja nicht nur negative Sachen aus den Jahrzehnten und Jahrhunderten hervorgekramt und der Öffentlichkeit präsentiert. In Österreich feiert man dieses Jahr 365 Tage lang den lieben Herrn Mozart bis zum Erbrechen. Für solche Jubiläen werden Millionen von Euros ausgebeben um sich mit dem Mantel der Historie eine geeignete Inszenierung zu schaffen, um Touristen anzulocken und Geld mit Mozartkugeln, Mozarteiern, Mozart-Glocken und weis der Teufel noch was zu machen. Also wenn unsere so sehr geliebte zivilisierte Gesellschaft die Kraft und die Laune hat sich 365 Tag und Nacht Mozart intravenös zu geben, dann kann man ihr auch zumuten sich mit so etwas traurigen und unvorstellbarem Thema, wie das der Sex-Zwangsarbeit auseinanderzusetzen. Geschichte wird von Menschen gemacht und der Mensch ist nunmal ein schnell vergessliches und in der Verarbeitung/Aufarbeitung von Geschichte sehr einfach gestrickt und geht meistens den Weg des geringsten Widerstand und daher ist so enorm wichtig, all das wozu der Mensch in seiner kranken Phantasie in der Lage ist, ihm vor Augen zu halten.

    Und noch eines: Es ist ein fataler Fehler von seinem eigenen Wissensstand auf den Intellekt von anderen Menschen zu schließen. Natürlich wusste ich von Vergewaltigungen und abscheulichen Verbrechen die in den Weltkriegen stattfanden, aber das heist noch lange nicht, dass es mein Nachbar oder meine Hausmeisterin weis. Es soll auch kein Vorwurf sein, aber deshalb sind solche Ausstellungen und Publikationen so unendlich wichtig.

    Ich würde dir Empfehlen, dir die Ausstellung oder noch besser die Monografie zu diesem Thema mal anzusehen. Ich empfehle dir die Homepage der "Die Aussteller". Einfach googeln.

    Herzliche Grüße!

    • Zorrg
    • 23. Juli 2006 21:44 Uhr

    Liebe Traude,

    Ich glaub nicht, dass die Ausstellung die betroffenen Frauen bloßstellen möchte. Diese Frauen sind in Österreich bis 2005 nicht als Zwangarbeiter(innen) im Sinne des NS-Entschädigungsgesetzes angesehen worden und hatten somit keinen Anspruch aus diesen Mitteln. Erst im Herbst 2005 wurden die sogenannten "Asozialen" Häftlinge in das Gesetz mit aufgenommen. Für viele kommt dies natürlich zu spät, aber ich glaube das sollte dennoch kein Grund sein wegzusehen und ein Tabu von einer Generation an die nächste mitzugeben und scheinheilig durch Mahn- und Gedenkstätten zu laufen und an jenen erhaltenen Baracken vorbeizugehen, wo beschriebenes Unrecht vollzogen wurde. Daher finde ich die Ausstellung einen wichtigen und richtigen Schritt und keinesfalls eine Herabwürdigung der Opfer.

    Liebe Grüße! Zorrg

    • chiron
    • 30. Juli 2006 19:19 Uhr

    Lieber Zorgg, danke für Dein Feedback! Es zeigt mir, dass meine Gedanken noch etwas ungenau und unverständlich waren. Ich mag kaum glauben, dass Du von all den Massenvergewaltigungen während eines Krieges, insbesondere den Weltkriegen, nichts gewusst - oder dann zumindest geahnt haben willst -, insbesondere als Geschichtskenner. Hat uns die Geschichte wirklich weiter gebracht? Ich bin etwas erstaunt, dass Du meine Sätze als Vogel-Strass-Methode interpretierst; denn ich hinterfrage die Offenlegungen von Barberei und Terror, weil wir trotz aller Ver-Offentlichungen und Bekanntmachungen bis heute keine ethischen und moralischen Fortschritte machen und weltweit als Menschen noch immer zu den unwürdigsten Handlungen fähig sind. Bringt uns die Geschichte weiter? Wir machen technische Fortschritte, ja, aber -. Ich bin für den Hinweis von Verbrechen, Zwangsprostitution oder Vergewaltigungen als Gedankenstütze, als Basis einer Diskussion, so wie wir sie vielleicht hier beginnen, damit vielleicht eine Barberei beendet werden kann. Damit soll eine Lösung gefunden werden. Aber man braucht die Verbrechen, die Vergewaltigungen und sonstige geistige Verkümmerungen des Menschen nicht noch dar- und auszustellen. Das Fernsehen tut es täglich: im einen Fall nennt man es Unterhaltungsfilme, im anderen Dukumentarfilme; schliesslich wird noch zwischen Kunst, Geschichte und Journalismus - ein anderes weites Feld, das uns täglich mit tragischen und brutalen Meldungen aus der ganzen Welt über- und zuschüttet. Traude wie ich sind wohl kaum gegen eine Bekanntgabe dieser Schreckensereignisse - wir hinterfragen die Darstellung, die Form!! So zumindest verstehe ich Traude.

    Geschichte ist immer eine selektive Betrachtungsweise aus der Distanz. Was bringen uns die Informationen über die Zwangsprostitution: Minuten, Position, Beobachtung etc.? Mich packt eine Wut, dass der Mensch zu solchen Taten fähig ist; aber der Mensch ist seit über 2000 Jahren zu solchen Taten fähig. Andert uns das Betrachten solcher Bilder, das Wissen um solcher Taten wirklich? Die Geschichte (...) müsste uns jetzt eigentlich eines Besseren belehren, oder nicht? Weisst Du, was ich an solchen Formen von zuweilen detailverliebten Informationen am meisten befürchte? Dass sie uns noch mehr abstumpfen (...)

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  • Schlagworte Innenministerium | Bordell | Buchenwald | Dekolletee | Geschlechtsverkehr | Ravensbrück
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