Schule Der Noten-Streit
Jörg Lau plädierte in der ZEIT Nr. 27 für Zensuren in der Schule, der Pädagoge Hans Brügelmann dagegen. Nun haben die Leser das Wort
PRO NOTEN
Danke, Herr Lau. Sie haben eindrucksvoll aufgezeigt, warum Noten keine furchtbaren Relikte sind – auch für Referendare wie mich nicht. Während unserer Ausbildung in Hessen werden wir selbst spät mit Noten bewertet. Dann ist es oft zu spät.
Thorsten Rohde
Ich halte Vergabe von Noten für wichtig. Jeder Schüler weiß, wo er steht.
Julian Kleuser
Herr Brügelmann verteidigt verständlicherweise seine Erfindung. Gilt ein Professor doch nichts, wenn er nicht wenigstens hin und wieder eine »echte« Neuerung publiziert. Allerdings kann er außer Sentimentalität nichts zugunsten der Textzeugnisse anführen. Sie sind, so stellt er selbst fest, nicht weniger subjektiv als Noten. Ich füge hinzu: Jenen Eltern, die Textzeugnisse nicht verstehen, wird ein klarer Hinweis vorenthalten, wo ihr Kind innerhalb seiner Lerngruppe und bei seinen Lehrern steht.
Richard Benze
, Hauptschullehrer
Kinder vergleichen sich ständig bezüglich aller möglichen Faktoren. Dies ist entwicklungspsychologisch normal und zur Selbstfindung notwendig. Zusätzliche Bestätigung ihrer Wahrnehmung verlangen sie von Erwachsenen, besonders von Lehrern – und fordern sie deshalb auch ständig. Noten stellen die knappste und relativ beste Aussage dar.
Barbara Weber
Nicht nur Noten gefährden die Entwicklung ihres Kindes, sondern auch verbale Beurteilungen, wenn die Eltern den Lehrplan nicht kennen. Beifall für Herrn Lau, der es zu schreiben wagt, dass Kinder Noten wollen. Alle mir bekannten Kinder wollen tatsächlich Noten, solange sie keine besseren Rückmeldungen kennen. Rückmeldungen sind besser, wenn sie zeitlich an der Aktivität des Kindes liegen. Und noch besser sind sie, wenn das Kind selbst entscheiden kann, ob andere von der Rückmeldung erfahren dürfen oder nicht.
Fritz Nestle
CONTRA NOTEN
Keine Noten zu geben wird in vielen Kommentaren gleichgesetzt mit Kuschelecken-Pädagogik, wie sie Roman Herzog einmal genannt hat. Man kann durchaus – und hier spreche ich aus der Erfahrung als Lehrer – keine Ziffernzensuren geben und trotzdem Lernerfolge und Lernziele dokumentieren. Keine Noten zu geben bedeutet nicht, »Kommunenkinder« hervorzubringen!
Thomas Hoppe
Noten sind ungerecht und zynisch, pädagogisch unbrauchbar und anfechtbar. Sie legitimieren sich auch nicht dadurch, dass Beurteilungen immer schon so praktiziert wurden. Beispiel: Ein Schüler, nennen wir ihn Sven, schreibt in einem Diktat 65 Fehler, Note 6. Er lässt den Mut nicht sinken und schreibt vier Wochen später 15 Fehler. »Du hast prima gelernt und dich stark verbessert«, würde die Lehrkraft vielleicht schreiben. Allerdings als Ziffer würde dort wieder einfach nur eine »6« stehen.
Alban Schraut
Herr Lau hat die Probleme von verbalen Beurteilungen richtig benannt, jedoch widerspreche ich ihm in Bezug auf seine Vergleichstheorie. Schüler wollen sich vergleichen, aber heutzutage ist dieser Vergleich nur auf Konkurrenz aus. Bei verbalen Beurteilungen kann der Schüler aber seine Stärken und Schwächen in den einzelnen Fächern einsehen. Das dient der Selbsteinschätzung von Kindern, die immer wichtiger wird.
Hendrik Günster
Kinder wollen von Natur aus lernen. Sie wollen die Welt kennen lernen, verstehen, was die Erwachsenen so treiben. Vom ersten Schultag wird all das systematisch kaputt gemacht, weil es eben nicht darauf ankommt, etwas zu wissen oder zu können, sondern darum, gute Zensuren zu bekommen. Am Ende wählen sie nicht das Studienfach, das sie am meisten interessiert, sondern das Fach, in dem sie in der Schule am besten waren. Schule muss aufhören, ausschließlich den Vergleich zu fördern. Das Zeugnis sollte – auch den Eltern – zeigen, was der Schüler kann, und zwar ohne Vergleich.
Rolf Jacob
Sicher wollen gute Schüler gern als Belohnung eine »1« nach Hause bringen, aber für Kinder mit Lernstörungen ist eine »5« trotz großer Anstrengung sicher keine Leistungsbelohnung. Der Eigenantrieb sollte belohnt werden, dafür braucht man aber verschiedene Bewertungsmöglichkeiten.
Uta Köke, Lerntherapeutin
Die »Sehr Guten« mögen hämisch auf den Rest herabschauen, die »Guten« werden noch besser werden wollen. Die Schüler mit »befriedigend« schwanken schon, wird es besser, wird es schlechter? Die mit einem »Ausreichend« können denken, es reicht ja noch. Die »Fünfer« werden sich fragen, ob Anstrengung lohnt, die Note »6« kommt einem Rausschmiss gleich. Und das soll die Messlatte sein, um unsere Kinder auf die Wissensgesellschaft vorzubereiten?
Burkhard Kunze
Kinder wollen Noten, diese Erfahrung habe ich als Grundschullehrerin ebenfalls gemacht. Allerdings mit einer entscheidenden Einschränkung: Kinder wollen gute Noten. Vielleicht liest Jörg Lau die folgenden Zeilen, die eine meiner Schülerinnen zum Abschluss ihrer Grundschulzeit geschrieben hat: »Bei meiner ersten zensierten Mathematikarbeit konnte ich nur die erste Aufgabe. Am nächsten Tag bekamen wir die Arbeit zurück. Ich hatte Herzklopfen. Manche jubelten: Hurra, ich habe eine Zwei! Ich saß da und war traurig, weil ich in meiner ersten Arbeit mit Noten eine Fünf geschrieben habe.«
Ulla Vaupel
Kinder wollen wissen, wo sie stehen, schreibt Jörg Lau
»
Dazu die Streitschrift von Hans Brügelmann
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www.zeit.de/noten-debatte
- Datum 20.07.2006 - 14:00 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 20.07.2006 Nr. 30
- Kommentare 3
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für mich der alltag als lehrer - viele korrekturen, besondern in den weihnachtsferien. Abitur des Lk - viele bestimmungen einzuhalten, dann auch vergleichsarbeiten, drei an einem Tag. Mit anderen Worten: Dann kommt so ein ahnungsloser Pädagogiker daher und plädiert für Verbalnoten, in meinem Fall etwa 170 Texte, die zu verfassen wären. Ja, HABT Ihr eigentlich den Verstand verloren, was sollen wir denn noch alles machen! Vielleicht wäre es um das deutsches Schulsysstem besser, wenn nicht solche Ignoranten solche Vorschläge gäben.
Übrigens: Im Falle der Einführung von Verbalnoten müsste ich mit Textbausteinen arbeiten. So könnte man die Arbeit schaffen. So läuft es eben
Motareis
@Motareis
Ganz ehrlich, man hat sich den Beruf als Lehrer ausgesucht, natürlich wäre es viel Arbeit, jedem Schüler ein eigenes Feedback zu schreiben anstatt pauschal auf Noten zurückzugreifen, aber dennoch kann man doch nicht einfach dagegen sein, weil man dann zu viel zu tun hat, und dann auch zusätzlich noch die Leute, die nur Vorteile für die Schüler fordern, als ignorant bezeichnen. Ich finde es eher ignorant, nur an seinen eigenen Arbeitsaufwand zu denken als an das Wohl der Schüler. Vielleicht sollte man dann mal darüber nachdenken, ob dieser Beruf wirklich das Richtige für einen ist...
@Motareis
Ganz ehrlich, man hat sich den Beruf als Lehrer ausgesucht, natürlich wäre es viel Arbeit, jedem Schüler ein eigenes Feedback zu schreiben anstatt pauschal auf Noten zurückzugreifen, aber dennoch kann man doch nicht einfach dagegen sein, weil man dann zu viel zu tun hat, und dann auch zusätzlich noch die Leute, die nur Vorteile für die Schüler fordern, als ignorant bezeichnen. Ich finde es eher ignorant, nur an seinen eigenen Arbeitsaufwand zu denken als an das Wohl der Schüler. Vielleicht sollte man dann mal darüber nachdenken, ob dieser Beruf wirklich das Richtige für einen ist...
Ich finde es ziemlich lächerlich, dass in dieser Frage kaum Schüler befragt werden und fast nur Lehrer untereinander diskutieren!Meine Meinung als Schülerin ist, dass es zwar Noten geben sollte weil sie jeden anspornen, jedoch denke ich, dass sie nach der Mitarbeit und dem Engagement der Schüler vergeben werden sollten. Zum Beispiel habe ich zwei Freundinnen, die Probleme mit der Mathematik haben. Sie lernen 2 Monate (oder mehr) vor jeder Schularbeit, das Ergebnis ist jedoch immer ein Fünfer (in Österreich die schlechteste Note). Der Grund dafür liegt, so denke ich, darin, dass sie zu gestresst und nervös sind! Für sie ist der Druck, dass se durchfallen könnten einfach zu groß und deshalb können sie sich während der Schularbeiten nur schlecht konzentrieren. Deshalb denke ich sollte man nach der Mitarbeit benotet werden und nicht nach der Leistung, die man erbringt, da diese in Stresssituationen oftmals nicht dem wirklichen Können entspricht.Auch in dem Fach Englisch muss man nur englisch schrieben können, jedoch ganz gleich wie gut man sich ausdrücken kann. Es kam einmal eine englische Austauschschülerin in unsere Klasse, die behauptete, dass manche Schüler mit z.B. einem 4er in English sich viel besser verständigen konnten wie solche mit einem 1er oder 2er. Deshalb denke ich ist es besonders in English wichtig den Schülern auch beizubringen sich auf englisch zu verständigen und es nicht nur schreiben zu können, denn oft besteht ein großer Unterschied zwischen schreiben und sprechen!!!Ich hoffe ich habe meine Meinung zum Thema "Noten" klar gemacht! Außerdem hoffe ich, dass sich alle Lehrer, die diesen Artikel gelesen haben, meine Meinung zu Herzen nehmen und mehr nach der Mitarbeit im Unterricht benoten (und insbesondere in English die Schüler zum Sprechen auf englisch anregen)!
@Motareis
Ganz ehrlich, man hat sich den Beruf als Lehrer ausgesucht, natürlich wäre es viel Arbeit, jedem Schüler ein eigenes Feedback zu schreiben anstatt pauschal auf Noten zurückzugreifen, aber dennoch kann man doch nicht einfach dagegen sein, weil man dann zu viel zu tun hat, und dann auch zusätzlich noch die Leute, die nur Vorteile für die Schüler fordern, als ignorant bezeichnen. Ich finde es eher ignorant, nur an seinen eigenen Arbeitsaufwand zu denken als an das Wohl der Schüler. Vielleicht sollte man dann mal darüber nachdenken, ob dieser Beruf wirklich das Richtige für einen ist...
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