Energie Vom Stromschlag getroffen
Verbraucher, Firmen – das ganze Land leidet unter den hohen Preisen der Energieversorger
Es geht ein Riss durch Deutschland. Ein Riss zwischen jenen, die Strom haben, und jenen, die ihn haben wollen. Ein Riss zwischen Stromriesen wie E.on und Industriegiganten wie Bayer. Zwischen vier Strom erzeugenden Megakonzernen und fast 40 Millionen Kleinverbrauchern. Zwischen Abzockern und Abgezockten auf dem Markt für Elektrizität. Noch nie hatten vier Anbieter in Deutschland so viel Macht über die Verbraucher – und viele Unternehmen.
Gab es da nicht vor acht Jahren ein Versprechen der damaligen Bundesregierung? Die Deutschen sollten von den Alleinherrschern erlöst werden. Wettbewerb sollte entstehen, die Preise sollten sinken. Doch es war ein Versprechen, das sich als Lüge erwiesen hat. »Es gibt praktisch keinen Wettbewerb«, sagt Martin Hellwig, Direktor am Bonner Max-Planck-Institut zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern und bis vor kurzem Mitglied der Monopolkommission. Zu allem Übel macht der Ökonom wenig Hoffnung darauf, dass sich an der Misere schnell etwas ändert. Zu viel sei einfach »vollkommen schief gelaufen«, die Aussicht auf Besserung sei »alles andere als günstig«.
Nun ist die Empörung groß, weil der Strompreis nur noch nach oben strebt. Einen besonders großen Sprung machte er, nachdem Anfang 2005 der Handel mit Emissionsrechten in Deutschland eingeführt wurde. Obwohl sie die Lizenzen zum Ausstoß von Kohlendioxid (CO 2 ) geschenkt bekamen, erhöhten RWE & Co ihre Preise einfach um den Börsenwert der Zertifikate.
Minister, Kartellwächter, Verbraucherschützer – sie alle eint mittlerweile der Verdacht, E.on, RWE, EnBW und Vattenfall, die großen vier der Strombranche, könnten Schädlinge am Standort D sein. Tatsächlich ist deren Macht fast grenzenlos. Gemeinsam erzeugen sie nicht nur rund 80 Prozent der Elektrizität; obendrein gehören ihnen 96 Prozent der Grundlastkraftwerke, die traditionell den meisten Gewinn bringen. Das alles reizt zum Missbrauch. Sogar Ermittler der EU durchforsteten schon Büros von E.on und RWE – auf der Suche nach Hinweisen für gleichgerichtetes Marktverhalten; Ergebnisse liegen noch nicht vor. Derweil ist in Berlin von »Besatzungszonen« die Rede und von der »Plünderung« der Verbraucher, vom »Würgegriff« steigender Energiekosten und vom »Ausnutzen von Marktmacht«. Eine schöne Bescherung – nahezu ein Jahrzehnt nachdem der Gesetzgeber »wirksamen Wettbewerb« verordnen wollte.
Heute zahlen Verbraucher rund ein Drittel mehr als vor fünf Jahren
Der Grund dafür sind Zehntel-Cent- und Cent-Beträge, die sich zu Milliarden Euro addieren. Nach Schätzung der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) zahlen private Haushalte bis zu einem Viertel mehr als sie müssten – wenn es echten Wettbewerb gäbe. Mindestens einen Cent zu viel verlangten die Stromlieferanten ihrer gewerblichen Kundschaft ab, behauptet der Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft (VIK), die Interessenvertretung der Großverbraucher von Strom. Es geht vermutlich um einen zweistelligen Milliardenbetrag, um eine »gewaltige Umverteilung der Einkommen«, wie Ulf Böge, der Präsident des Bundeskartellamtes, sagt.
Tatsächlich schielt sogar die Managerelite neidisch auf die von den Stromunternehmen eingefahrenen Milliardengewinne – während die Verbraucher der Strom immer teurer zu stehen kommt. Laut Verband der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), der Lobby der Branche, zahlt ein Durchschnittshaushalt gegenwärtig pro Monat 56,76 Euro für Strom, 15 Euro mehr als 2001. Ein Drittel der gestiegenen Kosten ist zwar auf höhere Steuern und Abgaben zurückzuführen; zwei Drittel aber, fast 10 Euro, gehen auf das Konto von Stromerzeugung, -transport und –vertrieb, landen also in den Kassen der Unternehmen. Und zwar widerrechtlich, wie Aribert Peters, Geschäftsführer des Bundes der Energieverbraucher, behauptet.
Jemand wie Peters kann das leicht. Beweisen müssen es andere. Zum Beispiel Lothar Jung. Der arbeitet in der achten Beschlussabteilung des Bundeskartellamtes in Bonn und nervt wie niemand sonst die Vorstände der Stromunternehmen: Jung ermittelt, ob sie es ausschließlich ihrer Marktmacht zu verdanken haben, dass sie den Strompreis um den Wert der ihnen geschenkten Emissionszertifikate erhöhen konnten. Das ist politisch brisant, schließlich richtet sich der Verdacht gegen E.on und RWE, deren Vorstandsvorsitzende Wulf Bernotat und Harry Roels beste Drähte in die Berliner Regierungszentrale haben. Beide Konzerne haben Jung gegenüber bereits verneint, eine marktbeherrschende Stellung zu haben und den Markt zu missbrauchen.
Lothar Jung ist nicht zu sprechen. Die Angelegenheit ist nicht nur heikel, sie sei obendrein »sehr komplex«, sagt die Pressesprecherin des Kartellamtes, die ihren Kollegen vor Journalisten abschirmt. Mit einem Ergebnis sei »nicht vor Frühherbst« zu rechnen. Dann wird ausgerechnet der hartnäckige Wettbewerbshüter womöglich sein Waterloo erleben. Denn er geht zwar einer populären Beschwerde nach; aber es spricht einiges dafür, dass sie unbegründet ist.
Das Kartellamt legt sich mit den Konzernen an der falschen Stelle an
Nicht nur die Konzerne selbst weisen den Vorwurf der Wettbewerbshüter nämlich zurück; auch Ben Schlemmermeier, Geschäftsführer des auf den Strom- und Gasmarkt spezialisierten Berliner Beratungsunternehmens LBD, hält den Verdacht für unbegründet. Dass der CO 2 -Handel zu einer Last für Wirtschaft und Verbraucher geworden ist, gar zu einem der »größten volkswirtschaftlichen Irrtümer der Geschichte«, lastet Schlemmermeier nicht den Konzernlenkern an, sondern den Politikern. Statt die CO 2 -Rechte zu versteigern und die Einnahmen zu nutzen, um Steuern zu senken, hätten sie mit der Schenkung der geldwerten Lizenzen die Stromunternehmen regelrecht »reich gemacht«. Denn die Konzerne können die Lizenzen ja verkaufen; produzieren sie stattdessen Strom, wollen sie natürlich den Gegenwert der Lizenz zusätzlich entgolten haben. Es handele sich zwar um »Politikversagen«, aber nicht um ein Zeichen mangelnden Wettbewerbs, sagt Schlemmermeier, der sich in der Branche bestens auskennt. Das Kartellamt, sagt er, kämpfe an der falschen Front mit den Konzernen – und werde daher am Ende den Streit verlieren.
So legt sich das Amt wohl an der falschen Stelle mit dem richtigen Gegner an, wie Schlemmermeier unterstreicht. Das eigentliche Problem sei die alltägliche Preispolitik. Akribisch hat er untersucht, was den Großhandelspreis für Strom in die Höhe getrieben hat. Der ist geradezu explodiert, von gut drei Cent pro Kilowattstunde Anfang 2005 auf bis zu sechs Cent im Frühjahr 2006. Dieser Sprung könne laut Schlemmermeier weder allein auf den CO 2 -Handel zurückgeführt werden noch auf gestiegene Kosten für Erdgas oder Steinkohle. Gut 1,2 Cent der Preissteigerung, mehr als ein Drittel, heimsten vielmehr die Konzerne als »Prämie« ein – ein »sensationeller« Erfolg, nur möglich in »Abwesenheit von Wettbewerb«.
Weil der Wettbewerb nicht läuft, können die Konzerne demnach die Preise in die Höhe treiben – und zwar durch Verknappung des Angebots. Neelie Kroes, die mit dem Zustand des europäischen Strommarktes hadernde Wettbewerbskommissarin der EU, ließ die Angelegenheit untersuchen. Eines der Ergebnisse lautet: Die deutschen Konzerne haben seit dem Jahr 2000 nicht nur Kraftwerke mit einer Leistung von mehr als 4000 Megawatt stillgelegt; obendrein liefen selbst solche Kraftwerke nicht mit voller Leistung, die profitabel hätten produzieren können. Das könne verschiedene Ursachen haben, heißt es zwar in Kroes’ Bericht. Bei wachsender Stromnachfrage musste indes der Preis fast zwangsläufig steigen.
Selbst an der Leipziger Strombörse können die großen Produzenten ihre Macht ausspielen. Anders als an der skandinavischen Börse Nord Pool wissen nur sie um die aktuelle Erzeugung ihrer Kraftwerke – und können dieses Wissen in Bares ummünzen. Fällt ein Kernkraftwerk aus, schnellt der Preis für die Megawattstunde um einige Euro in die Höhe. Nur Insider können vorher noch günstigen Strom kaufen – um ihn später teurer zu verkaufen.
Immerhin, der Münchner Stromhändler Christian Kunze schließt gerade die Informationslücke. Gemeinsam mit zwei Geschäftspartnern gründete er die Firma Powermonitor und installierte unter Hochspannungsmasten in der Nähe sämtlicher größerer Kraftwerke kleine Kästen, welche die elektromagnetische Strahlung messen; aus den Messwerten lassen sich Rückschlüsse auf die Stromproduktion ziehen. Kunze bietet seine Erkenntnisse nun für rund 3000 Euro pro Monat an. Einfach war es nicht, die Geschäftsidee umzusetzen. Es gab sogar Krach mit einem der Stromkonzerne, EnBW. Die sensiblen Daten sollten nicht publik werden. Erst das Landgericht Heilbronn sorgte für grünes Licht. Weniger Geheimniskrämerei bedeutet ein wenig mehr Wettbewerb.
Aber eben nur ein wenig. Denn der Wettbewerb ist obendrein auch beim Stromtransport gestört. Damit die Elektronen von den Kraftwerken in die Steckdosen kommen, müssen sie durch Freileitungen und Kabel, über die nach wie vor die alteingesessenen Anbieter verfügen: die großen vier, rund 50 Regionalfirmen und etwa 900 Stadtwerke. Dass sie Fremden die Nutzung ihrer Netze nur gegen Bares gewähren – inklusive Grundpreis und Zählergebühr kostet der Transport einer Kilowattstunde teilweise mehr als 7 Cent –, ist nicht zu beanstanden. Wohl aber, sollten die Betreiber ihr Netz zum eigenen Vorteil nutzen. Und Konkurrenten diskriminieren.
Niemand weiß um das Gebaren der Netzbetreiber so gut wie Martin Vesper. Der 42-jährige Wirtschaftsmathematiker ist Geschäftsführer von Yello, jenem Unternehmen, das vor genau sieben Jahren für den Urknall auf dem Strommarkt sorgte.
Als Yello im Sommer 1999 startete, glaubten auch viele andere, der Stromwettbewerb sei eine großartige – und lukrative – Veranstaltung. Die meisten sind wieder verschwunden. Übrig geblieben ist eine Hand voll Nischenanbieter, Ökostromfirmen wie das Hamburger Unternehmen Lichtblick oder die Elektrizitätswerke Schönau (EWS) aus dem Schwarzwald – und Yello. Das Kölner Unternehmen beliefert mittlerweile 1,1 Millionen Stromkunden und schreibt seit zwei Jahren schwarze Zahlen. Wäre die Firma nicht eine Tochter des Karlsruher Stromkonzerns EnBW, womöglich wäre auch Yello längst pleite.
Tatsächlich wurden Kunden, die ihren Stromlieferanten wechseln wollten, früher regelrecht terrorisiert. Die übelsten Schikanen sind zwar passé; gleichwohl erleben die Yellos noch heute, wie die Betreiber der Stromnetze sie drangsalieren. Allein ihre Rechnungen, großteils nicht elektronisch, sondern per Post zugestellt, stellen die Yello-Mitarbeiter vor gewaltige Probleme. 282 Meter hoch, höher als der Kölner Dom, war der Papierberg, den sie allein im vergangenen Jahr bewältigen mussten. Dies verstoße nicht nur gegen geltendes Recht, beschwert sich Vesper; dahinter stecke meist das Kalkül, die Kosten der Konkurrenz »künstlich hochzutreiben«.
Yello ist billig – und fühlt sich trotzdem noch benachteiligt
Was Vesper noch mehr ärgert, ist ein Trick: Oft verlangten die Netzbetreiber für ihre Leitungen überhöhte Entgelte, um ihren eigenen Strom zulasten der Konkurrenz zu subventionieren. Abzüglich Steuern und Netzentgelt, berichtet Vesper, böten nicht wenige Exmonopolisten ihren Strom zu Preisen an, die nicht einmal die Beschaffungskosten decken. Das sei kein Kavaliersdelikt, sondern eine »knallharte Wettbewerbsbremse, eine Waffe gegen neue Anbieter und die Verbraucher im Land«.
Wie konnte es so weit kommen? Eberhard Meller kennt die Geschichte. Kurz bevor die goldenen Zeiten für die großen und kleinen Strommonopolisten, für die RWEs und für die Stadtwerke zu Ende gingen, trat der Jurist als Geschäftsführer des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) an. Das war im April 1998. Die Branche fürchtete den Wettbewerb. Mellers Mission war es, das Schlimmste zu verhindern. Er meisterte die Aufgabe glänzend.
Bis Ende April 1998 waren die deutschen Strommonopole gesetzlich abgesichert, um »volkswirtschaftsschädliche Auswirkungen des Wettbewerbs« zu verhindern. Unter der Regie des damaligen Wirtschaftsministers Günter Rexrodt (FDP) entstanden neue Paragrafen, die mit dieser grotesken Logik aufräumten. Fortan sollten die Exmonopolisten untereinander um Kunden konkurrieren, sollten neue Anbieter Konkurrenzdruck schaffen. Doch Rexrodt strickte die Spielregeln so, dass der Wettbewerb von Anfang an amputiert war. Im naiven Glauben, die Exmonopolisten würden der Konkurrenz ihre Stromnetze freiwillig zu fairen Bedingungen überlassen, verzichtete der Freidemokrat »bewusst auf detaillierte Regeln für den Netzzugang«, wie er mitteilte; das Abenteuer namens Wettbewerb sollte »unbürokratisch« in Gang kommen, getreu dem Motto: Wirtschaft findet in der Wirtschaft statt. Das war die Stunde der Lobbyisten, das war die Stunde Mellers.
Die Konzerne setzten sich bei der Gesetzgebung durch
Während er viel und gern vom Stromwettbewerb redete, kümmerte sich Meller liebevoll um das Kleingedruckte der Liberalisierung. Um die Verbändevereinbarung, in der die Stromwirtschaft mit Industrie und Gewerbe die Bedingungen für einen vermeintlich fairen Netzzugang zu regeln gedachte. Obwohl sich bald herausstellte, dass die Vereinbarungen, es wurden insgesamt drei, ungeeignet waren, ließen die zuständigen Wirtschaftsminister – erst Günter Rexrodt (FDP), dann Werner Müller (parteilos) und schließlich Wolfgang Clement (SPD) – die Verbände gewähren. Am Ende konnte die Stromwirtschaft ihre umstrittenen Kalkulationsprinzipien sogar im Energiewirtschaftsgesetz unterbringen. Mellers größter Erfolg. Auch wenn es Netzbetreiber gebe, die ihr Sparpotenzial bereits ausgeschöpft hätten – über »Luft« bei den Netzentgelten lasse sich im Einzelfall sicher reden, sagt Meller heute. Er muss es wissen.
Derweil hatten die Exmonopolisten, die sich anfänglich einige Scharmützel geliefert hatten, untereinander längst Frieden geschlossen. Mit Genehmigung des Bundeskartellamts verleibte sich RWE den Dortmunder Versorger VEW ein. Die europäische Kartellbehörde, der heute die Marktmacht der Energiekonzerne Unbehagen bereitet, winkte das Fusionsbegehren von Veba und Viag durch; so entstand der Stromriese E.on. EnBW, das Karlsruher Unternehmen, ging aus der Verschmelzung zweier baden-württembergischer Stromversorger hervor. Und Vattenfall hat seine Existenz Fusionsauflagen zu verdanken, die eigentlich der Stärkung des Wettbewerbs dienen sollten, sich aber als unwirksam erwiesen.
Gegen das Votum von Monopolkommission und Bundeskartellamt genehmigte Rot-Grün zudem, dass E.on den Ruhrgas-Konzern übernahm – derweil das Kartellamt oft zusah, wie sich E.on und RWE bei immer mehr Stadtwerken einkauften. Beide Unternehmen verfügen heute über rund 150 solcher Beteiligungen, die nur einem Ziel dienen: der »Absatzsicherung«, so Siegfried Klaue, Honorarprofessor an der FU Berlin und bis 1991 Leiter für Energiewirtschaft im Bundeskartellamt; Klaue hält die Beteiligungen schlicht für »nichtig«. Die Monopolkommission spricht von einem »Marktverschluss«.
Der Expansionsdrang hatte auch politische Folgen. Tatsächlich gelang es RWE und E.on, dem zuständigen Wirtschaftsminister mehrmals die Hand zu führen. Erfolgreich machte E.on selbst beispielsweise Vorschläge für Auflagen, die mit der umstrittenen E.on-Ruhrgas-Fusion verbunden waren. Obendrein gelang es E.on, einen im Sommer 2003 noch streng geheimen Bericht des Wirtschaftsministeriums über die Wirksamkeit der Verbändevereinbarungen abzuändern. RWE schaffte es sogar, eine Verordnung mitzuformulieren – dokumentiert in dem Buch Die Strippenzieher.
Warum die Branche ausgerechnet während der rot-grünen Ära ihre Interessen so gut durchsetzen konnte, ist ein Rätsel. Oder doch nicht? Exbundeskanzler Gerhard Schröder und die Grünen wollten ihr unbedingt den Atomausstieg abringen. Die Unternehmensvorstände ließen sich darauf ein. Schröder & Co konnten einen Erfolg präsentieren, verzichteten aber auf konsequente Wettbewerbspolitik. Zufall?
Bekannt sind die Karrieren der früheren Energiepolitiker. Exwirtschaftsminister Werner Müller wurde Vorstandsvorsitzender des Chemie- und Kohlekonzerns RAG, mehrheitlich im Besitz von E.on und RWE. Müllers früherer Staatssekretär Alfred Tacke, der wegen Besorgnis der Befangenheit seines Chefs die E.on-Ruhrgas-Fusion per Ministererlaubnis genehmigte, steht an der Spitze von Steag, einer RAG-Tochter. Kurz nach Tackes Wechsel in die Reihen der Energiewirtschaft stellte der Vorsitzende der Monopolkommission, der Hamburger Rechtsprofessor Jürgen Basedow, öffentlich die Frage, »wie weit wir von einer Bananenrepublik noch entfernt sind«. Das Personalkarussell drehte sich trotzdem weiter. Wolfgang Clement, Müllers Nachfolger als Wirtschaftsminister, sitzt mittlerweile im Aufsichtsrat von RWE-Power. Und Exkanzler Schröder berät RAG – gratis, wie es heißt.
Mancher Politiker machte Karriere – in der Energiewirtschaft
Alle goldenen Zeiten gehen einmal zu Ende. Scheinbar. Schließlich zwang die EU die hiesige Regierung, den Strommarkt im vergangenen Jahr der Aufsicht eines staatlichen Regulators zu unterstellen. Er heißt Matthias Kurth, ist Präsident der neu gegründeten Bundesnetzagentur und hat die Gebühren zu genehmigen, welche die Netzbetreiber verlangen. Andere EU-Länder praktizieren das längst. Kurths österreichischer Kollege beispielsweise kontrolliert schon seit Ende 2001. »Für die Haushaltskunden haben wir die Gebühren um 25 Prozent gesenkt«, sagt Stephan Peroutka, Leiter der Abteilung Tarife bei E-Control in Wien. So weit ist Kurth vor allem deshalb nicht, weil die Branche sich gegen seine Auflagen wehrt. Zwar müssen die Netzbetreiber »sofort vollziehen«. Doch vor Gericht können sie sich wehren. Das neue Energiewirtschaftsgesetz sei geradezu eine »Lizenz zum Prozessführen«, sagt der Bonner Ökonom Martin Hellwig – weil es an »eindeutigen und unmissverständlichen Maßstäben« für die Beurteilung der Netzentgelte fehle.
Vattenfall nutzt dieses Manko bereits. Als erstem Netzbetreiber hatte Kurth dem Unternehmen Anfang Juni eine Gebührensenkung von 11,7 Prozent für dessen Hochspannungsnetz verordnet, »rechtswidrig«, wie Vattenfall meint. Vattenfall beschwerte sich vor Gericht, mit der Folge, dass Nutzer seines Netzes vorerst nicht wissen, welche Gebühren am Ende tatsächlich auf sie zukommen. Ein »Riesenproblem« sei das, sagt Gero Lücking, Prokurist bei der Ökostromfirma Lichtblick.
Ein Problem freilich, das vermutlich noch größer wird. Nahezu sämtliche Experten rechnen damit, dass viele der mehr als 900 Bescheide beklagt werden, die Kurth und seine für die kleineren Stromnetze zuständigen Länderkollegen demnächst erst noch verschicken.
Widerstand droht nicht nur von den Stromriesen. Vehement wehren sich auch Kommunalpolitiker gegen die Regulierung ihrer lokalen Netze. Einnahmeverluste von mehr als eine Milliarde Euro drohten, heißt es bei der Kommunalunternehmen-Lobby VKU. Landauf, landab machen die Stadtoberhäupter gegen Kurth und seine Kollegen in den Bundesländern mobil. »Wir werden die fatalen Folgen nicht kampflos hinnehmen und alle politischen und juristischen Möglichkeiten ausschöpfen«, schrieb etwa der Bürgermeister von Neustrelitz an Angela Merkel.
Alle Beschwerden landen beim 3. Kartellsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf, einem aus drei Richtern bestehenden Gremium. Monate, wenn nicht gar Jahre werden ins Land gehen, bis sämtliche Verfahren abgearbeitet sind. Das Regulierungssystem werde auf diese Weise regelrecht »stillgelegt«, schwant dem Berliner Energierechtsexperten Hans-Peter Schwintowski.
Jedes Quäntchen drohenden Machtverlusts verteidigen die Exmonopolisten – gegen die Politik genauso wie gegen neue Stromproduzenten. Ausländische Anbieter haben ohnehin kaum eine Chance, weil es an grenzüberschreitenden Stromleitungen fehlt. Und auf den Fall, dass dieser Engpass eines Tages beseitigt sein sollte, bereiten sich die hiesigen Stromriesen auch schon vor – wie E.ons Griff nach dem spanischen Versorger Endesa zeigt.
Die Hoffnung, dass auf dem deutschen Strommarkt bald Wettbewerb tobt, hat also kaum Nahrung. Es sei denn, die Politik griffe zu drastischen Maßnahmen und entschlösse sich, die Stromkonzerne regelrecht zu zerschlagen: ihnen also die eigentumsrechtliche Abtrennung des Netzbetriebs zu verordnen – und obendrein den Verkauf eines Teils ihrer Kraftwerke. Ersteres hält die Monopolkommission für notwendig, Letzteres der Berliner Strommarktexperte Schlemmermeier. Es sei »der einzige Weg« zu mehr Wettbewerb, sagt er.
Es wäre indes auch ein Politikum ersten Ranges.
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- Datum 20.07.2006 - 05:03 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 20.07.2006 Nr. 30
- Kommentare 13
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dass sie an sich raffen, was nur irgendwie geht?
Aber liebe Journalisten und Politiker! Wenn man einen Hund vor einen voll gefüllten Fressnapf setzt, der immer wieder neu gefüllt wird, muss man sich nicht wundern, dass der frisst bis er platzt.
Wie aus den Kommentaren hervorgeht, ist elektrische Energie ein heißes Politikum in unserem Land.
Dabei sollten die Kommentatoren aber nicht vergessen, dass unterschiedliche Faktoren zu beachten sind:
1. Netzkosten und Leitungsgebühren
Hier haben die Konzerne und lokalen Monopolisten eine Vormachtstellung, die sie scheinbar knallhart in bare Münze umwandeln. Die hier erzielten Gewinne werden in weitere Akquisitionen gesteckt oder zur Wettbewerbsbehinderung per Lobbying, Klagen etc. eingesetzt. Volkswirtschaftlich also ein Verlustgeschäft und ähnlich beklagenswert wie Microsofts Monopol bei Betriebssystemen.
2. Wunsch: hoher Energiepreis
Auch ich gehöre zu den Befürwortern eines hohen Energiepreises. Aber ich will für mein Geld eine Gegenleistung. Das bedeutet zum Beispiel Lohnnebenkosten runter, Energiesteuern rauf wie bei der Ökosteuer. Richtig gemacht hat sowas nämlich einen positiven volkswirtschaftlichen Effekt. Denn der Staat muss (wenn er vwl-korrekt agiert) einen Ausgleich zu den für die Allgemeinheit entstehenden Kosten gegenüber dem Nutznießer der Leistung schaffen. Also z. B. Rente gegen Umweltverschmutzung finanziert aus Steuern auf Schmutz.
3. Kosten der Energieumwandlung (-erzeugung)
Bestehende Energiereserven in nutzbare Energie zu verwandeln gibt es viele Methoden. Diese sind unterschiedlich effizient und nutzen unterschiedliche Ausgangsstoffe wie Wasser, Sonnenlicht, Uran, Kohle, Gas, Erdöl, Biomasse, Wind... Eine Ressourcenverbrauchssteuer ist sicher nicht unsinnig, steht an diesem Punkt aber nur bedingt zur Debatte. Wichtig ist es, langfristige Kosten und langfristigen Nutzen einander gegenüber zu stellen und dann erst zu entscheiden.
4. Energiepolitik
Wichtiger Aspekt der Atomdiskussion sind die Abhängigkeiten im weltpolitische Umfeld. Deutschland ist auf dem Weg in eine solche Sackgasse durch die starke Konzentration auf Energie aus Russland. Hier spielt ein völlig anderer Energiemix eine Rolle als unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten. Ziel muss es sein, den Staat insgesamt nicht einem Monopol der Energie(rohstoff)lieferanten auszusetzen, um weltpolitisch handlungsfähig zu bleiben. Wir wollen ja nicht aus Moskau regiert werden...
5. Energieeffizienz
Unter dem Gesichtspunkt der verursachungsgerechten Verteilung der Energiekosten und der Entwicklung der Energienachfrage weltweit ist die billigste Energie vielfach die effizientere Nutzung. Eine Steuer auf Strom könnte hier den oben genannten hohen Preis sicherstellen und zur Förderung energieeffizienter Nutzer (sparsamere E-Motoren, gute Isolierung für klimatisierte Räume, Bonus für Geräte mit echtem Aus-Schalter statt Stand-By, Förderung energieeffizienter Haushaltsgeräte...) verwendet werden. Womit gerade die energieintensiven Branchen hohe Subventionen zur effizienten Produktion bekämen und weltmarkttauglich blieben.
Insgesamt bieten sich in dieser vielschichtigen Thematik also viele Ansatzpunkte zur Optimierung, auch viel Diskussionspotential bezüglich der Ziele (wieviel ist uns Verschmutzung wert, was zahlen wir für Rohstoffverbrauch?).
Wichtig für eine zielführende Debatte bleibt aber, dass die unterschiedlichen Aspekte getrennt betrachtet und diskutiert werden - ich wünsche unserer Gesellschaft eine fruchtbare Diskussion!
Ich welchem Land leben Sie eigentlich ?
Bei dem G8 Gipfel waren 8 Länder vertreten. Alle, außer Deutschland, müssen deshalb undemokratisch sein, weil sie wieder zur Atomkraft tendieren? Z. B. Japan, Frankreich, Italien, Kanada, Großbritannien, die USA. Die Antwort auf die Renaissance der Atomkraft in diesen Ländern, aber auch in vielen anderen, z. B. Finnland, Spanien, selbst die Schweiz, liegt doch nicht darin, dass diese Länder undemokratisch sind.
Die Mär vom billigen Ökostrom ist wohl ein Wunschtraum, sonst wären ja so hohe Subventionen nicht notwendig. An den Gestehungskosten von laufzeitverlängerten Atomkraftanlagen zu ca. 4 Cent pro kWh im vergleich zu 54 Cent pro kWh für Photovoltaik kommen Sie trotz Ihren Beteuerungen nicht vorbei.
Ihr superökologischer Strom mag ja von Greenpeace energy stammen, bezahlt haben die Subventionen aber Bürger, die sich nicht bei Greenpeace energy engagiert haben.
Wahrscheinlich sogar ich, wenn ja dann aber nur zwangsweise.
hallo, ein elektrisierendes thema.
nur wer effizient mit energie umgeht und die Parteien im Bundestag aktiv nicht gewählt hat, darf über diese Zustände meckern.
Die Parteien im Bundestag sind stark durch Energielobbyisten durchsetzt. Der Energiemarkt ist ja nur begrenzt vom Weltmarkt betroffen und damit eine natürlich geschützte Branche, weil wir ja keinen billigen Strom aus Kanada bekommen können.
Herr Laurentz-Meyer mit seinen 30000 kwh Freistrom ist da nur ein Beispiel der natürlichen Korruption in diesem Bereich.
Zum zweiten sind die Medien auch von den dicken Anzeigen der Stromkonzerne abhängig und hier findet ein Gefälligkeitswettlauf um dieses Geld Statt. Die Medien zensieren sich also selbst und fallen weitgehend als Kritiker aus oder erheben Scheinkritik, die an den Ursachen vorbeigeht um von beiden zu kassieren den konzernen und den verbrauchern.
zum dritten fallen die Aktionäre von diesen Stromkonzernen natürlich als Kritiker aus. Auch Fonds und Dax-Derivate sind zuletzt stark energielastig und an geringeren Aktienkursen grundsätzlich nicht interessiert.
Sprich unsere halbe politische und wirtschaftliche Elite ist gar nicht an einer Änderung interessiert.
Zum Vierten der gemeine Verbraucher ist an energieeffizienten Verhalten erst bei einem hohen Preis interessiert. Vorher will er dies noch wegjammern und ist verärgert, dass die Trägheit und Verschwendung ein Ende haben soll.
Lösung: der exzellente Tat-Politiker ohne weitere Zukunftsambitionen tut folgendes:
energiesteuern konsistent pro kwh Primärenergie und kg CO2.
bei strom entsprechend höher da dort ja aus primär- eine sekundärenergie mit hohen verlusten hergestellt wird.
Für die Industrie käme das dänische System in Frage und die Abschaffung des unnützen Emissionshandels.
Folge der Benzin- und Dieselpreis würde trotz Mehrwertsteuererhöhung 2007 um 15 cent sinken. Der Sprittourismus würde um 80% reduziert. Allein 4 Milliarden Euro Steuern pro Jahr, die bisher zu den Nachbarn fahren, blieben in Deutschland.
Die Lohnnebenkosten könnten real mit anderen Reformen auf 25%-Punkte und nicht nur virtuell sinken. 2 Millionen Arbeitsplätze mehr.
Deutschland und seine Menschen würden effizienter und damit auch reicher durch weniger Energieimporte und durch den fehlenden Verbrauch und die neuen BHKW der gewerblichen und privaten Verbraucher würde die Konkurrenz entscheident verschärft.
Gewinner hierbei: jeder sparsame Verbraucher und Arbeitslose.
Verlierer: Energiekonzerne und deren Politiker und Journalisten, sowie die Scheichs und Oligarchen.
Aktionäre der Energiekonzerne und als Ex-Pacebo Photovoltaikhersteller.
bisher:
Gewinner: Aktionäre der Energiekonzerne und als Placebo Photovoltaikhersteller. die Parteien im Bundestag und ihre Schatzmeister. die medien,weil sie ein doppelspiel treiben: hoch- und runterschreiben und dabei noch für Inserate von RWE und EON kassieren.
Nachhaltigkeit und Wahrheit sind die Feinde jeder Zeitung da einfach langweilig und trostlos für die uneinsichtigen Energieverschwender.
Grundsätzlich die oberen 10%, weil sie besonders viel Energie verschwenden mit ihrem Lebensstil.
Verlierer: unsere kinder und Enkel wegen den fehlenden Resourcen in der Zukunft, die Demokratie, weil sie von einigen für ein paar freikwh verkauft wird,
der allgemeine Verbraucher, weil der mehr bezahlt für seine Verschwendung, ohne dass seine Lohnnebenkosten sinken.
jeder arbeitslose und jeder aktive Nichtwähler der im Bundestag vertretenen Parteien.
alles wie gehabt in dieser Republik.
es zeigt sich das der Strommarkt ein Teilproblem der großen Probleme dieser Republik ist.
Durch das falsche Verhältniswahlrecht und das fehlende Kinderwahlrecht sind die Partei- und Konzernzentralen die entscheidenden Zentren der Politik und nicht der Bundestag.
Der Filz des öffentlichen Dienstes und die Parteien im Bundestag haben dem Land 1500 Millarden Schulden gebracht und 8000 Millarden versteckte für 2030, um den heutigen Scheinfrieden zu bezahlen.
Nachhaltigkeit und Effizienz haben in der Maxime der kurzfristigen Wähler- und Gewinnmaximierung keine reale Bedeutung.
Auch mit Nachhaltigkeitsgeschwafel kommen 80 Milliarden Euro Schulden (160 Milliarden DM !!!) und steigender Stromverbrauch jedes Jahr dazu.
Volksabstimmungen mit Gesetzen in der Schweiz wie Schuldenbremse werden von den Steinbrücks dieser Republik zu unrecht gefürchtet.
Was wir brauchen ist die Neugründung der Republik mit einem Austausch der alten verbrauchten Parteieliten.
Diese Republik wird innerlich immer hohler.
Es wird "Zeit" diese durch eine neue Republik zu ersetzen.
Es lebe die neue vierte Republik.
Die erklärte Politik aller Umweltschützer war doch, durch eine Verteuerung der Energie deren Verbrauch zu drosseln. Jetzt, nachdem die Energie recht teuer geworden ist, will man offensichtlich nichts mehr davon wissen.
Man wird den Verdacht nicht los, dass jetzt, wo die Strompreise so richtig anziehen, man einen Alleinschuldigen sucht und glaubt gefunden zu haben : die Stromhersteller und -Verteiler, natürlich in trauter gegenseitiger Absprache.
In dem Artikel von Vorholz findet man kein einziges Mal den Ausdruck Ökosteuer, Atomkraft, Erneuerbare Energien oder Klimaschutz, obwohl doch dies gerade in der Energiepreisdebatte wesentlich zu einer Erklärung beitragen kann.
Die Strukturen der Energiewirtschaft sind seit langem gekannt. Diese heute als ausschließlichen Grund für die erhöhten Energiepreise zu bezeichnen ist ein wenig zu durchsichtig.
Die erklärte Absicht der Ökosteuer war eine Verteuerung der Energie mit der Absicht, den Verbrauch zu drosseln. Die Erneuerbaren Energien werden deswegen teilweise mit exorbitant hohen Subventionen, z. B. die Photovoltaik mit 54 Cent pro kWh, gefördert. Dem gegenüber könnten die voll finanzierten und bereits abgeschriebenen Atomkraftwerke bei einer Laufzeitverlängerung das kWh zu ca. 4 Cent produzieren.
Dies sind jedoch heilige Kühe, die in der Strompreisdebatte keine Rolle zu spielen haben.
Das Chaos mit den CO2-Verschmutzungsrechten war vorauszusehen, stammt doch das Konzept von einem der größten Stromhändler der Welt, der inzwischen als Schwindelfirma in Konkurs gegangene amerikanische Firma ENRON, die offenbar besser mit den Marktmechanismen der internationalen Energiemärkte vertraut war als alle die sogenannten Energieexperten und Klimaschützer, die der Überzeugung sind, mit dem Kyoto-Abkommen das Klima beeinflussen zu können.
Wenn man, wie FAUSTUS 34, nur Seitenhiebe austeilen will, passen die derzeit überhöhten Preise natürlich ins Konzept. Auch wenn mancher das Heil in immer höheren Preisen sieht und solches manchmal auch gefordert wird, dann nur vor dem Hintergrund, dass endlich ALLE und vor allem die Atomlobby endlich die tatsächlichen Kosten Ihrer Abenteur bezahlen müssen; natürlich wirds dann teuer. Aber die klammheimliche Freude über hohe Preise, die GAR NICHT dadurch entstanden sind, dass eine echte 'ökologische Steuerreform' einen gerechten Ausgleich zwischen kostenträchtiger Energieverschleuderung einerseits und Kostenentlastungen in gleicher Höhe bei nichtenergetischen Ausgaben stattfindet, sondern ausschliesslich ein Ausdruck der Ohnmacht unserer Bürger gegenüber den heimischen Energiekonzernen und einer wildgewordenen Meute von Börsenspekulanten ist, die einfach noch oben drauflegen um sich zu bereichern, ist nicht angebracht. Wer das nicht auseinanderhalten kann, sollte sich mit so billiger Häme zurückhalten.
Allerdings muss auch endlich einmal deutlich gemacht werden, dass man nicht 5 Mark für den Liter Sprit fordern darf, wenn man nicht begriffen hat, dass die Verelendungstheorie nicht funktioniert; auch wenn man von der SPD oder von den Grünen ist! Ganz abgesehen davon, dass ein solcher Ansatz eine Frechheit ist und einer völlig unangebrachten ökologischen Arroganz entspringt, welche unserer Sache noch großen Schaden zufügen wird. Wer dem Gegner so in die Hände arbeitet, sollte zur Rechenschaft gezogen werden. Mehr noch: Dem muss eigentlich das Handwerk gelegt werden!
Solange nicht ausgeschlossen ist, dass sich die Energiekonzerne mit dem Geld aus dem Staub machen können, statt dass mit unserem Geld der energetische Umbau, hin zu einer für alle Zeiten umweltfreundlichen, regenerativen und allen Bürgern in gleichem Masse zugänglichen Energieversorgung, geschaffen wird, solange ist keine auch noch so kleine Verteuerung gerechtfertigt. Wer das nicht ausschliessen kann, darf also auch der Verteuerung, zum Zwecke des ..., nicht das Wort reden!
Dass die Atomfraktion nun darauf ihr Süppchen kochen wird, war abzusehen. Überhöhte Preise müssen also bekämpft werden, bis dass das Geld an der richtigen Stelle landet.
Am Ziel ist man, wenn man dort ist und nicht vorher.
Oh Herr lass Hirn herab.
ich sehe immer wieder, dass die Probleme zwar auf hohem Niveau aber doch als reine Deutschlandprobleme erörert werden. Das Weltklima läßt sich aber nicht aus Deutschland heraus retten. Wenn schließlich den Ehrgeizigen die Lebensperspektiven in diesem Land nicht mehr erstrebenswert erscheinen, dann werden sie abhauen (z.T. schon im Gange), wodurch wir dann mittelfristig weniger CO2 erzeugen, weil einfach nichts mehr passiert in diesem Land. Tolle Aussichten für das regionale Klima.
Ich hatte schon immer das Gefühl, dass die Grünen wie reine Diktatoren handeln. Sie haben einfach keine Lust, die Menschen über die entstehenden Zusatzkosten aufzuklären und dann demokratisch zu klären, inwieweit ihr Fußvolk damit einverstanden ist. Dann würde namlich einiges nicht als rein deutscher Alleingang losgetreten, weil die Leute intelligent genug sind, um zu wissen, dass das eh nicht die Welt retten kann, sondern nur einseitige Wettbewerbsnachteile erzeugt.
Aber Ideologen sind eben selten Demokraten, im besten Fall tun sie nur so.
Wenn man, wie anscheinend Faustus34, ideologisch (und vielleicht auch finanziell?) vollständig am Tropf der Energiekonzerne hängt, darf man natürlich nicht erwähnen, dass die Ökosteuer vollständig zur Senkung der Rentenbeiträge verwendet wird, die sonst um ca. 1,7% höher wären.
Und auch nicht, dass die Förderung der erneuerbaren Energien nur 3% des Strompreises ausmacht, die Netznutzungsgebühren dagegen 36% (Wikipedia:Strompreis).
Und genausowenig, wer eigentlich die "voll finanzierten und abgeschriebenen Atomkraftwerke" finanziert hat. Das war nämlich der Steuerzahler, inkl. von nie ans Netz gegangenen Atomruinen wie Wackersdorf und Kalkar.
Wer sich mehr für Realität als für Industriepropaganda interessiert, kann sich ja mal beim BMU die Broschüre "Was Strom aus erneuerbaren Energien wirklich kostet" runterladen oder nach der Schlagzeile "Erneuerbare Energien haben Anstieg der Strompreise gebremst" googeln - auch sehr aufschlussreich.
Ich selbst verbrauche übrigens mit 800kWh nicht mal die Hälfte dessen, was ein Ein-Personen-Haushalt in Deutschland lt. Statistik verbrauchen müßte. Allerdings habe ich trotzdem keine Lust, mir nur deswegen einen Wäschetrockner zuzulegen, damit irgendein Konzernchef seine Ferrari-Sammlung erweitern kann :-)
Gruß Skarrin
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