Die meisten amerikanischen College-Absolventen haben keine Probleme mit der Rückzahlung ihrer Studienkredite. Eine aktuelle Studie im Auftrag des US-Bildungsministeriums belegt, dass fast drei Viertel aller Studenten, die ihr Studium zumindest teilweise mit geliehenem Geld finanziert haben, zehn Jahre nach dem Bachelorabschluss schuldenfrei sind. »Solange die Kredite einen bestimmten Level nicht überschreiten, funktioniert das System«, sagt die Autorin der Analyse, die Bildungsforscherin Susan Choy.

Auch in Deutschland diskutieren Befürworter und Gegner von Studiengebühren derzeit die soziale Verträglichkeit der angebotenen Studienkredite. In den USA erhielten vergangenes Jahr etwa 6,6 Millionen Studenten Studienkredite der US-Regierung, das waren über 40 Prozent aller eingeschriebenen Hochschüler. Die Kredite werden unabhängig von der Bedürftigkeit vergeben, die Rückzahlung beginnt sechs Monate nach dem Examen und dauert in der Regel zehn Jahre. Maximal 46000 Dollar kann sich jeder Student im Laufe seines Studiums leihen. Liegt das Einkommen der Eltern unter einer bestimmten Grenze, zahlt, anders als in Deutschland, die Regierung die Zinsen bis zum Ende des Studiums, allerdings nur bis zu einer Kredithöhe von 23000 Dollar.

Die Studie zeigt jedoch auch, dass die Absolventen aus ärmeren Familien stärker mit der Rückzahlung zu kämpfen haben. Sie müssen sich mehr Geld leihen, dadurch fallen die Raten am Ende höher aus. Ein Drittel der Absolventen aus der niedrigsten Einkommensgruppe sind auch nach zehn Jahren noch Geld schuldig. »Das Hauptproblem bleibt die Unsicherheit«, sagt Susan Choy. »Wenn sie den Kredit aufnehmen, wissen die Studenten nicht, wie viel sie später verdienen werden. Die Armen wissen nur, dass ihre Familien sie nicht unterstützen können, wenn es eng wird.« Damit die Unsicherheit finanzschwache Studenten nicht vom Studium abschreckt, schlägt Choy die Einführung einer Einkommensschwelle vor, die nach dem Examen erreicht werden muss, bevor die Rückzahlung beginnt. Dies sei ihre persönliche Meinung und keine offizielle Schlussfolgerung der regierungsamtlichen Studie, betont die Wissenschaftlerin. Eine ähnliche Einkommensschwelle haben die deutschen Bundesländer in ihren Kreditmodellen bereits vorgesehen.

Der US-Bildungshaushalt läuft seit Jahren auf Sparflamme. Bis mindestens 2007 will Präsident George Bush den PELL-Förderhöchstbetrag, vergleichbar mit dem deutschen Bafög, bei 4050 Dollar im Jahr belassen. Dort liegt er seit 2002 und deckt mittlerweile weniger als die Hälfte der Durchschnittsgebühren ab. Vor 30 Jahren waren es noch 80 Prozent. Mehr als fünf Millionen Studenten, deren Eltern ein niedriges Einkommen haben, bekommen ein PELL-Stipendium, das sie nicht zurückzahlen müssen.

Doch je höher die Studiengebühren steigen, desto stärker sind die Erstsemester in Zukunft auf die Kredite angewiesen. Deren Zinssatz wiederum wurde gerade erst um fast zwei Prozentpunkte auf mindestens 6,8 Prozent hochgesetzt; ein Rekordanstieg, der mit der Entwicklung der US-Leitzinsen zusammenhängt und für den Durchschnittsstudenten eine Extrabelastung von 2000 Dollar bedeutet.

Hinzu kommt, dass einige Banken die staatlichen Kredite zu leichtfertig vermitteln. »Viele Studenten bezahlen davon nicht die Studiengebühren, sondern kaufen sich Computer, oder sie fahren nach Florida, mal richtig Party machen«, sagt Butch Oxendine von der American Student Government Association. »Wer denkt schon ans Zurückzahlen?« So steigt die Zahl der Absolventen, denen die Bank den Kredit kündigt, weil sie zu lange mit den Raten im Rückstand sind. Laut Choys Studie passierte das jedem zehnten Kreditnehmer aus dem Absolventenjahrgang 1993.

Und selbst für jene Studenten, die das geliehene Geld brav für die Gebühren einsetzen, stelle sich die Frage: Wofür eigentlich?, sagt Butch Oxendine. »Einige Universitäten verlangen mittlerweile 40000 Dollar pro Jahr. Bei Harvard mag das eine lohnende Investition sein. Bei den meisten anderen ist das einfach nur krank.«