Bad Niedernau

Das südlich von Tübingen gelegene Dorf Bad Niedernau mit seinen 590 Einwohnern verdankt seinen Titel einer sprudelnden Quelle. Kurgäste wurden hier allerdings schon lange nicht mehr gesehen, denn das alte Kurhaus gehört samt Park und Badegebäuden der katholischen Kirche, die in der weitläufigen Anlage sechs Ordensfrauen der Armen Schulschwestern einquartiert hat. Das ärgert den Ortsvorsteher Albert Bodenmiller (68) schon lange, und er klagt oft und laut über den Bischof und den CDU-Oberbürgermeister. Bodenmiller, parteilos, pensionierter Politologe und Schüler des berühmten Staatsrechtlers Theodor Eschenburgs, kämpft gemeinsam mit neun ebenfalls ehrenamtlichen Ortschaftsräten gegen den Niedergang seines Dorfes.

Einmal im Jahr zieht sich die Gruppe zurück, um Pläne zu schmieden. So reisten Bodenmiller und seine Räte im März in den 35 Kilometer entfernten Schwarzwald-Kurort Bad Liebenzell, wo sie mit dem örtlichen Bürgermeister und dem Kurdirektor die Perspektiven eines wieder belebten Kurortes Bad Niedernau erörterten. " Wir haben hart geschafft", sagt Bodenmiller.

Außerdem gab die kleine Gruppe Geld aus: etwa 1100 Euro für das Abendessen und die Übernachtung. In früheren Jahren hatte ein Schweizer Unternehmen die Studienreisen der Lokalpolitiker gesponsert.

Diesmal bezahlte Bodenmiller alles aus eigener Tasche.

Das war zweifellos edel. Aber war es klug?

Laut Strafgesetzbuch drohen hierzulande demjenigen, "der Amtsträgern einen Vorteil gewährt", bis zu drei Jahren Haft. Ortsvorsteher Bodenmiller müsse bestraft werden, forderte prompt der CDU-Ratsvorsitzende von Rottenburg. Nun liegt der Fall beim Regierungspräsidium Tübingen, die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet.