Libanon Eine Stadt macht weiter
Hamsterkäufe, Bombennächte, Partys in den Bergen: Emily Dische-Becker über den absurden Alltag in Beirut
Der Nachrichtensender al-Dschasira orientiert sich bei seiner Berichterstattung über den israelisch-libanesischen Krieg an der Wettervorhersage. Ein Mann im Anzug steht vor einer Landkarte, er zeigt auf die Orte, die angegriffen wurden, und hält dabei ständig Blickkontakt mit der Kamera. Bei der Beschreibung der Flugrichtung israelischer Kampfjets benutzt er dieselben ausladenden Armbewegungen, mit denen Wetteransager die Stoßrichtung von Sturmtiefs und Orkanen anzeigen. Die 23Tonnen-Bombe, die die Israelis vor ein paar Tagen über das Beiruter Viertel Boursch Baraschneh abgeworfen haben und die unter anderem das Haus eines Mannes platt machte, der mich nur eine Stunde danach freundlicherweise in seinem Auto mitnahm, hatte ja auch eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Hurrikan Katrina.
Die Muster des Krieges
Wenn ich noch einen weiteren Kebab essen muss, lasse ich mich vielleicht doch noch evakuieren. Ich habe Appetit auf Schawarma mit Hühnerfleisch. Haben die Israelis etwa Schawarma-Engpässe? Natürlich nicht. Hier in Beirut erhöhen viele Imbiss- und Ladenbesitzer immer weiter ihre Preise. Sie sind Kriegsgewinnler im Kleinformat. Aber in dieser angespannten Atmosphäre ist es nicht ratsam, eine solche Beleidigung herumzuschleudern. Und es gibt ernstere Engpässe: Es fehlt an Medizin, Wasser, Nahrung und Unterbringung für inzwischen etwa 800.000 Heimatlose.
Apropos angespannte Atmosphäre: In den letzten paar Tagen habe ich hier in Beirut mindestens fünf Schlägereien gesehen. Nach einem kleinen Unfall auf der Hamra-Straße prügelte sich ein Haufen Männer, bis schließlich die Armee intervenierte und zwei von ihnen verhaftete. Auffallend oft schreien sich die Leute auf der Straße an.
Dann folgt wieder die tödliche Stille, das Warten auf die ersten Explosionen, darauf, dass die nächtlichen Angriffe wieder anfangen.
Es ist ein seltsames Gefühl, durch Beirut zu fahren und sich dabei Orte einzuprägen, die man nachts lieber meiden sollte: All die Stellen, die ich bombardieren würde, wenn ich die israelische Luftwaffe wäre. Brücken und Hauptstraßen sind die offensichtlichsten Ziele (und dann diese ganzen albernen Wohnhäuser in ihrer Nähe).
Es gibt auch im Krieg Muster und Regeln, sagt mein Freund Rami. Aber sie werden anscheinend ständig geändert. Die israelische Luftwaffe bietet uns dieser Tage ein vielfältiges Programm, voller Überraschungen, die Regeln darin sind nicht leicht zu erkennen. Zwei Nächte hintereinander bombardierten sie zum Beispiel den Flughafen ab drei Uhr morgens. Bis fünf fiel alle 15 Minuten eine Bombe. Von fünf bis sieben bombardierten sie dann alle zwei bis drei Minuten. In halbwegs sicherer Entfernung weckt einen so etwas kaum noch auf, der Körper und die Tiefschlafphase passen sich dem Zeitplan der Luftwaffe an. Bis sie den wieder umschmeißen, was dann sehr verwirrend ist.
Man lernt allerdings, eine Bombe zu antizipieren. Manchmal sieht man nachts vor dem Einschlag grelle Lichtstreifen, sie sehen aus wie gigantische Spotlights. Der Himmel verfärbt sich dann leicht rosa, die Vögel fangen an zu zwitschern. Dann fällt die Bombe. Und dann, dann erst, fangen die Hunde an zu bellen wie verrückt. Und ich dachte immer, Hunde hätten viel bessere Instinkte. Die Bomben verändern das Wetter. Die Rauchwolken aus den Vororten verdecken manchmal den ganzen Himmel über Beirut. So bekommen wir kühle, bewölkte Tage im Juli. Danke, Israel!
Kreuzfahrt durchs Mittelmeer
Die Evakuierung der Amerikaner aus dem Libanon nach Beginn des Krieges dauerte mehr als zehn Tage. Die Israelis hatten einer Hand voll Staaten garantiert, dass sie deren Konvois und Schiffe nicht angreifen würden – den USA natürlich, und auch den Deutschen. Alle hier waren sich sicher, das es hier erst richtig übel werden würde, wenn die Evakuierungen abgeschlossen wären. Wie viel schlimmer konnte es werden? Sehr viel schlimmer.
Jemand von der deutschen Botschaft rief mich vorvorige Woche an und teilte mir mit, dass es bei der Evakuierung ein 10-Kilo-Limit fürs Gepäck gibt. Dann gab er mir noch einen Tipp zur Beschleunigung der Formalitäten: »Bringen Sie, wenn möglich, einen Kugelschreiber mit.«
Tagelang war der Hafen von Beirut voller Kamerateams, die das Schicksal der zu evakuierenden Europäer und Amerikaner dokumentierten. Für deren Abreise lagen britische und amerikanische Kriegsschiffe bereit, dazu ein paar Luxus-Kreuzfahrtschiffe.
Die Orient Queen, ausgestattet mit zwei Swimmingpools, einem Casino, Wellness-Bereich und Duty-Free-Shops, brachte täglich rund tausend Amerikaner nach Zypern. Als die HMS Gloucester, ein britischer Zerstörer, ein paar hundert Amerikaner und einige Briten aufnahm, verteilten Marineoffiziere Flugblätter, auf denen die ruhmreiche Geschichte des Schiffes detailliert dargestellt wurde. Hunderte Reporter hatten sich zu dieser Parade eingefunden, 2200 Marines der USArmee standen bereit, um 10.000 Amerikanern bei der Evakuierung zu helfen – genug Soldaten, um jeden einzeln aufs Schiff zu tragen. Es war ein groteskes Schauspiel.
Juliet, eine Angestellte der US-Botschaft mittleren Alters, mit einer Schreibunterlage unterm Arm und einer Trillerpfeife um den Hals, war für die Koordination der Evakuierung zuständig. Sie trug ein rotes Polohemd, khakifarbene Hosen, weiße Turnschuhe und eine androgyne Frisur. Ich fragte sie, ob sie mich auch noch in ein paar Wochen evakuieren würde, falls ich lieber erst später das Land verlassen wollte.
Sie starrte mich an mit diesem selbstgerechten Blick, den man von Zahnärzten und Bibliothekaren kennt, die jemandem gegenüberstehen, der seine Zähne nicht geputzt oder die Leihfrist überzogen hat. »Hör mal, meine Süße«, sagte sie, ihre Augen verengend, »wir richten uns hier nicht danach, wann es dir am besten passen würde.«
»Das verstehe ich, Madam«, antwortete ich gehorsam. Wenn ich ihr gestanden hätte, dass ich tatsächlich noch eine Weile bleiben wollte, hätte sie mir wohl mit ihrer Trillerpfeife direkt ins Gesicht gepfiffen. »Gut«, sagte sie, »dann ist das ja schon mal geklärt. Wir werden grundsätzlich jeden Amerikaner evakuieren, der das Land verlassen will. Aber wenn wir den letzten Rundruf starten, dann sollte besser jeder an Bord kommen.«
Und so entschwand sie, verfolgt von einem Schwarm von Fernsehteams.
Mit Vollgas über die rote Ampel
Der Glaube an Gesetz und Ordnung war noch ein zartes Pflänzchen, als dieser »Juli-Krieg« ausbrach (so nennen sie ihn hier – dann dürfte er ja gleich vorbei sein!). Als ich vor zehn Monaten in Beirut ankam, konnte man noch jede Einbahnstraße in falscher Richtung und mit Vollgas herunterbrettern. Im März haben dann die Behörden an etwa eine Million Handybesitzer in Beirut eine SMS geschickt mit der Botschaft: »Ab morgen werden die Verkehrsregeln mit aller Konsequenz durchgesetzt.« Das wurden sie dann natürlich nicht, aber immerhin stellte die Polizei in der Nähe des Phoenicia-Hotels eine Radarfalle auf. Als ich dort vor ein paar Tagen mit einem Freund entlangfuhr, zögerten wir kurz und überfuhren dann doch mit hohem Tempo die rote Ampel. Das sind so die kleinen Freuden des Kriegsalltags.
Während die Mehrheit der Libanesen inzwischen arbeitslos ist, konnten sich unternehmerische Typen in den letzten Wochen als Handlanger und Fahrer für die internationalen Medien verdingen und auf diese Weise ihr Leben für ein paar Dollar riskieren. Sie könnten stattdessen natürlich auch einfach mit Drogen dealen. Ein Bekannter erzählte mir, dass der Drogenhandel jetzt einfacher sei, mangels Polizeipräsenz. Er beschrieb, wie sein sonst sehr vorsichtiger Großhändler jetzt mitten auf der Straße seine Plastiktüten mit allem erdenklichen Inhalt ausbreitet, wie auf einem ganz normalen Marktplatz.
Es gibt zwar auch immer noch eine beachtliche Service-Industrie, aber die vielen Schönheitssalons und Frisörläden wären demnächst wohl besser dran, wenn sie statt der Haare die Hirne der Leute durchpusten würden: mit Drogen. Bald werden hier alle irgendwelche Mittel wollen, um der Realität der Nach-Evakuierungsphase zu entfliehen.
Die Partei Freie Patriotische Bewegung, die mit Hisbollah politisch liiert ist, hat auf ihrer Website einen Nachrichtenticker, der minütlich aktualisiert wird. Zur Evakuierung von Ausländern aus dem Süden des Landes meldete sie neulich: Neben 300 Kanadiern, 250 Spaniern, 11 Samoanern und 9 Sudanesen seien auch »300 russische Frauen« außer Landes gebracht worden. Nicht einfach »300 Russen«, nein: russische Frauen.
Für alle, die es noch nicht wussten: Eine der größten Attraktionen im Libanon zu Friedenszeiten ist käuflicher Sex. Wenn ein Mann eine Frau aus dem Ausland fragt: »Kommst du aus Russland?«, dann heißt das so viel wie: »Kann ich dich für Sex bezahlen?« Die russischen Frauen arbeiten in Institutionen, die hier »Supernightclubs« genannt werden. Sie haben sogar ihren eigenen Visa-Status in Form eines zeitlich begrenzten Künstlervisums. (Nein, ein Stipendium des Kulturministeriums gehört nicht dazu.) Die Frauen müssen sechseinhalb Tage pro Woche arbeiten und dürfen ihr Haus nur zu bestimmten Zeiten verlassen. Sie dürfen nicht heiraten, überhaupt sollten sie sich besser nicht außerhalb des Jobs mit Libanesen einlassen und können im ersten Jahr nach Ablauf ihres befristeten Arbeitsvertrags nicht in den Libanon zurückkehren.
Die besondere Geringschätzung vieler Libanesen für Einwanderer aus Bangladesch, Sri Lanka, dem Sudan, Syrien, und generell für Dienstleister mit dunklerer Hautfarbe, rächt sich jetzt. Sogar die Putzfrauen wurden inzwischen von ihren jeweiligen Regierungen evakuiert. Ich stelle mir vor, dass manche ihre Haushaltshilfen angebettelt haben dürften, sie doch bitte mitzunehmen nach Sri Lanka oder Kaschmir oder Darfur. Viele der geflohenen Libanesen sind nun ausgerechnet auf die Gastfreundschaft der Syrer angewiesen, die sich übrigens gegenüber den Hunderttausenden Flüchtlingen als großzügige Gastgeber gezeigt haben.
Hisbollahs großer Kostümball
Auf CNN sah ich den israelischen Verteidigungsminister Amir Peretz. Peretz, der bestritt, dass UN-Soldaten von Israel vorsätzlich angegriffen würden. Er sagte außerdem, dass er nicht darüber spekulieren wolle, warum oder wie die Attacke auf den UN-Posten passiert sei, fügte aber hinzu, dass vielleicht Hisbollah UN-Flaggen benutzen könnte. Vielleicht verkleiden sie sich ja auch mit Babymützen als Kleinkinder oder als üppige Krankenschwestern, die sich in Krankenwagen verstecken. Sehr raffiniert. Der ganze Libanon, vom Norden bis zum Süden, vom Osten bis zum Mittelmeer, ist eine einzige große Attrappe von Hisbollah. Denn Iran versorgt sie mit Kostümen, von denen manche in Syrien hergestellt werden. Syrien muss die Kostümlieferungen an Hisbollah unverzüglich einstellen! Ich sehe schon die Schlagzeile vor mir: Israel konfisziert eine Schiffsladung Ballkleider zwischen Damaskus und Beirut.
Schlussverkäufe in der Hamra-Straße
Alle mir möglichen Hamsterkäufe habe ich schon erledigt. Ich habe Vorräte angelegt von Toilettenpapier, Seife, Kerzen, Tunfisch, Bohnen, Wasser, Olivenöl – obwohl ich eigentlich nie zu Hause esse. Diese Sachen sind nur für den Notfall, der unweigerlich kommen wird. Nur wann?
Die UN schicken die Hilfslieferungen, die »nach Bagdad« adressiert sind, inzwischen weiter in den Libanon. Es ist doch alles derselbe, höllische »Nahe Osten«. Und jeder, von Kabul bis Kairo, liebt Erdnussbutter. Aber lasst lieber die dänischen Molkereiprodukte weg!
Die meisten Boutiquen im Stadtteil Hamra sind noch geöffnet, manche machen jetzt Schlussverkäufe, »wegen Schließung«. Hey, Golfregions-Touristen! Es gibt hier riiiesige Rabatte! Wollt ihr nicht doch für ein bisschen Shopping zurückkommen? Eure jeweiligen Königshäuser können doch bestimmt einen kleinen Waffenstillstand organisieren.
»I will survive« ist der Lieblingssong
Faqra ist eine riesige, umzäunte Ferienanlage am Fuße der Skihänge von Ferraya, wo sich viele reiche Libanesen ihre Wochenendhäuser gebaut haben. Viele Nachtclubs haben schnell auf die veränderte Nachfrage reagiert und ihre Aktivitäten nach Ferraya verlagert. Dieser Ort ist sonst eher im Winter populär, aber in diesen Zeiten sollte man bei seinen Party-Locations nicht so wählerisch sein. Die Nachtclubs Element und Cactus sowie das Restaurant Al Balad haben alle Zuflucht in den Bergen gesucht. Crystal, eine Bar, die vor allem von reichen Teenagern frequentiert wird, importiert Champagner und eine Art Normalität.
Da oben in den Bergen hörte ich keine Nachrichten. Von dem israelischen Luftangriff auf das Dorf Kana, bei dem 60 Zivilisten, vor allem Kinder, starben, erfuhr ich hier nichts. Aus keinem der Fernseher dröhnte al-Dschasira – nicht in den Wohnungen, nicht in den Bars, am Pool oder in den Clubs. Da oben hört man keine Bomben, man sieht keinen Qualm. Die einzige Meldung aus der Außenwelt erreichte mich über ein Mädchen aus Spanien, das sich am Pool sonnte. Ab und zu las sie Nachrichten von ihrem Handy-Display vor, vorsichtig tippend, um nicht ihre frisch manikürten Fingernägel zu gefährden: »Ooh, Israel hat sich aus Bint Dschbeil zurückgezogen.« Gefolgt von: »Ooh, ich glaube, ich hab einen Sonnenbrand. Lass uns einen Wodka-Tonic trinken, es ist vier Uhr, Happy Hour!«
Der Besitzer der Igloo-Bar griff panisch nach meinem Arm, als er meine Kamera sah: »Keine Bilder von Leuten. Manche sind vielleicht hier mit Frauen, die nicht ihre Ehefrauen sind.« Seine Frau ermahnte mich: »Das hier ist kein Witz. Auf den Straßen sterben Menschen«, just als zwei Champagnerflaschen und eine Schokoladentorte vorbeischwebten, Mittelpunkt eines Spektakels aus Wunderkerzen und Jubeln. Der Barbesitzer suchte passende Musik aus: Ein Techno-Remix von Elton Johns Don’t Go Breaking My Heart folgte auf Imagine von John Lennon, und dann der absolute Favorit von allen hier: Gloria Gaynors I will survive.
Auf jedem zweiten Auto steht »TV«
Über meinen Nachrichtenticker lief neulich diese Meldung: »Israel nimmt die Bombardierung der südlichen Vororte Beiruts wieder auf und beendet damit eine 24-stündige Ruhephase.« Ruhe? Das klingt so langweilig, das klingt nach einer Gesprächspause auf einer Büroparty, bei der einem nach einer Weile der Small Talk ausgegangen ist.
In Wirklichkeit sind diese »Ruhephasen« unerträglich. Sie sind erdrückend. Dann setzt die Erschöpfung ein, und es erscheint einem unmöglich, sich auch nur aus dem Bett zu erheben.
Regusto, ein Restaurant auf der Hamra-Straße, das ich früher gern besucht habe, bietet jetzt endlich wieder 5-Dollar-Steaks und Bier an. Aber ich bin etwas neurotisch geworden, was das Fleisch angeht, besonders seit die Hunde in meiner Gegend nicht mehr bellen.
Die letzten verbliebenen philippinischen Haushaltshilfen sind inzwischen als Libanesen ehrenhalber akzeptiert. Sie shoppen, sie hängen an den Straßenecken herum, sie tratschen wie alle anderen auch.
Der Müll türmt sich. Ganze Straßen dienen als Deponien, da die Müllabfuhr nach dem Exodus der südostasiatischen Arbeiter dünn besetzt ist.
Bei jedem zweiten Auto, das vorbeifährt, steht riesengroß »TV« auf dem Dach und auf den Fenstern. Das sind bestimmt nicht alles Fernsehjournalisten. Diese Leute wollen den Tod überlisten. Aber die israelische Luftwaffe weiß es besser. Hinter jedem TVAufkleber steckt womöglich eine Mutter mit ihren terroristischen Lümmeln.
Die Schuhputzer mit ihren tragbaren Gerätschaften finden weiterhin genügend Anzugträger, die ihre Schuhe rigoros poliert haben wollen, während sie die Zeitung lesen.
Ich verabscheue diese Pseudonormalität. Sie ist absolut nervtötend. Angst und Sorge verwandeln sich schnell in Lethargie. Wahrscheinlich ist diese ganze Stadt schon im Delirium vor lauter Eintönigkeit. Nicht dass Angst unbedingt eine eintönige Angelegenheit ist, das ist sie so wenig wie Freude oder Glück, aber immer dieselbe Angst zu empfinden, das ist ermüdend. Ich würde lieber stundenlang den Teletubbies zugucken, leere Seiten durch den Kopierer jagen, Tauben füttern oder Servietten falten – als noch sehr viel länger so weiterzumachen.
Ich ziehe allerdings diese unerträgliche Pseudonormalität der Ruhephase immer noch bei weitem dem zufälligen Abschlachten vor, den pausenlosen Bombardierungen, den Evakuierungsbefehlen unter Beschuss oder dem Fehlen von Essen und Trinkwasser. Das nur fürs Protokoll.
Übersetzung aus dem Englischen von
Jürgen von Rutenberg
*
Emily Dische-Becker, 24, ist in Berlin geboren und aufgewachsen, ging später für einige Jahre in die USA und lebt seit zehn Monaten in Beirut. Dort lernt sie Arabisch und arbeitet als freie Journalistin. Sie ist die Tochter der Schriftstellerin Irene Dische
- Datum 02.08.2006 - 04:23 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 03.08.2006 Nr. 32
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







