Private Altersvorsorge wird immer wichtiger. Schon deshalb fragen sich viele Arbeitnehmer, wo sie am besten ihr Geld anlegen. Doch ob Aktien, Lebensversicherungen oder Immobilien – das Angebot an Finanzprodukten ist undurchsichtiger denn je. Die sorgfältige Finanzplanung gewinnt so an Bedeutung – für Großverdiener wie für Normalsparer. Doch wo bekommt man sie? Viele Berater werben um die Deutschen. Unabhängig sind indes nur wenige. BILD

Neben den Banken präsentieren sich vor allem Finanzvertriebe wie AWD, MLP oder die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) als Ratgeber für alle Lebenslagen. Dabei hängen sich die Vermittler gern das Mäntelchen der Neutralität um. So wirbt AWD mit dem Slogan »Ihr unabhängiger Finanzoptimierer«. Der Finanzvertrieb Plansecur lancierte kürzlich die Ergebnisse einer Anlegerumfrage unter dem Titel Verbraucher bevorzugen unabhängige Finanzberater.

Anleger sollten aus solchen Formulierungen keine falschen Schlüsse ziehen: AWD & Co. gehören zwar nicht zu einer Bank und bieten ihren Kunden die Produkte verschiedener Banken, Fondsgesellschaften und Versicherungen an. Doch Unabhängigkeit im Sinne einer Beratung, die sich nur am Interesse des Anlegers orientiert, sollte von solchen Vertrieben nicht erwartet werden. Ein Berater vertritt die Interessen desjenigen, der ihm seinen Lohn zahlt. Und weil die Beratungsgespräche für den Kunden kostenlos sind, ist der Geldgeber auf der Gegenseite zu finden. Bei Vertragsabschlüssen fließen Provisionen.

Der feste Finanzdienstleister war bloß »befriedigend«

So zahlen Versicherer bei kapitalbildenden Lebens- und Rentenversicherungen bis zu fünf Prozent der Gesamtzahlungen nach Vertragsabschluss an die Vermittlungsfirma aus. Wenn der Kunde etwa einen Versicherungssparplan mit 25 Jahren Laufzeit und 150 Euro Monatsrate abschließt, bekommt die Verkaufsorganisation auf einen Schlag rund 2250 Euro ausgezahlt. Bei der Vermittlung von Investmentfonds erhalten die Verkäufer in der Regel den kompletten Ausgabeaufschlag und einen Teil der jährlichen Verwaltungsgebühr. Bei Fondssparplänen erfolgt die Provisionsauszahlung, auf die Laufzeit verteilt, jeweils bei Eingang der Sparraten. Auch Bausparverträge und Baufinanzierungen bringen satte Provisionen: Hier kassieren die Vermittler etwa ein Prozent der Bauspar- oder Kreditsumme.

Die Zeche zahlt der Kunde in Form höherer Nebenkosten und damit niedrigerer Renditen – der vorgeblich kostenlose Rat wird zum teuren Unterfangen. Dass Direktversicherer ohne Außendienst niedrigere interne Kosten haben oder Investmentfonds bei Discountbrokern und Direktbanken mit hohen Rabatten auf den Ausgabeaufschlag gekauft werden können, verschweigen die Verkäufer. »Damit zahlt der Kunde beim Abschluss über die Provision auch die Zeit, die der Finanzdienstleister mit erfolglosen Verkaufsgesprächen verbracht hat«, sagt Dietmar Vogelsang, der als vereidigter Sachverständiger für Kapitalanlagen in Bad Homburg arbeitet und seit Jahren für die Idee des unabhängigen Honorarberaters kämpft.

Dass die Finanzberatung von Banken und Vertrieben zu wünschen übrig lässt, belegen Untersuchungen von Verbraucherzentralen oder der Stiftung Warentest. Letztere stellte etwa 2003 bei einer Studie zur Baufinanzierung von 20 getesteten Banken nur dreien das Urteil »gut« aus. Und wenn sich AWD anpreist als »bester Finanzdienstleister im Test« bei einer Untersuchung von Ökotest und dem Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen Ende 2004, heißt das nicht viel: Zwar war AWD in der Tat der beste Vertrieb im Test – das aber nur mit dem Gesamturteil »befriedigend« und einer Note von 4,5 für die Qualität der Lösungsvorschläge.