Banken Neue Liebe

Die Deutsche Bank entdeckt die Heimat – aus Angst um ihren Status

Die Deutsche Bank macht wieder Schlagzeilen – diesmal klingen sie sogar positiv. Wie gut inszeniert wirken der Kauf der Berliner Bank, die Beteiligung an der Deutschen Börse, die glänzenden Halbjahresergebnisse sowie der überraschende Kauf der auf Konsumentenkredite spezialisierten Norisbank. In Zahlen: mehr als 600.000 neue Kunden, mehr als 1,2 Milliarden Euro Investitionen in Deutschland. Und das alles binnen sechs Wochen.

Parallel dazu lässt Vorstandschef Josef Ackermann, dem die Neuauflage des Mannesmann-Prozesses Ende Oktober bevorsteht, keine Gelegenheit aus, sich mit Größen der deutschen Finanzbranche in Szene zu setzen. Hier eine Podiumsdiskussion mit Edgar Meister, dem für die Bankenaufsicht zuständigen Bundesbankvorstand. Dort eine Dinner Speech im Beisein von Bundesbankpräsident Axel Weber. Dann ein Fototermin mit Ingrid Matthäus-Maier, der designierten Chefin der Staatsbank KfW, und ein Bekenntnis zum Mittelstand. So viel Ackermann und Deutschland war nie, seit der Schweizer Chef von Deutschlands größter Bank wurde.

»Klaus-Peter Müller und die Commerzbank haben eine Mechanik in Gang gesetzt, der Ackermann nun gehorcht«, sagt ein intimer Kenner der deutschen Bankenszene. Im Spätherbst 2005 verschoben sich die Gewichte zwischen den Großbanken, die mit Ausnahme der Deutschen Bank jahrelang unter schlechten Ergebnissen litten. Der ewige Übernahmekandidat Commerzbank kaufte die Eurohypo und avancierte zur klaren Nummer zwei. Die Börse klatschte Beifall. Selbstbewusst füllte Commerzbank-Chef Müller das Vakuum, das die Deutsche Bank aus Desinteresse an ihrem Heimatmarkt hinterließ. Die Commerzbank führte das Konsortium zur Rettung der Gewerkschaftsbank AHBR an. Plötzlich wurde sie als Erste von der Politik um Rat gefragt. Plötzlich hatte das Land eine Alternative zur Deutschen Bank.

Dieser gefühlte Bedeutungsverlust habe Ackermann zu denken gegeben, heißt es in Frankfurt. Am deutlichsten wird dies im Börsenpoker. Die Beteiligung von einem Prozent an der Deutschen Börse ist ein mit gut 100 Millionen Euro teures politisches Bekenntnis zum Standort – und ein klarer Bruch mit Ackermanns Renditestreben. Geld wird die Bank mit der Beteiligung kaum verdienen. Vielmehr setzt sie ein Signal, dass sie die Fusion mit der Vierländerbörse Euronext, die Frankfurt nach wie vor anstrebt, gutheißt.

Die beiden Zukäufe Berliner Bank und Norisbank sind eher »symbolischer Natur«, sagt Dieter Hein von Fairesearch. An der Dominanz des Investmentbankings ändern sie nichts. Aber sie stärken den derzeit profitabelsten Bereich der Bank: das Privatkundengeschäft, das es auf eine Eigenkapitalrendite jenseits von 50 Prozent bringt. Und sie folgen der Logik der Ratingagenturen, die schwankungsarmes Geschäft bevorzugen. »Beide Käufe sind für die Beurteilung der Kreditfähigkeit positiv«, sagt Thomas von Lüpke, Leiter des deutschen Bankenteams bei FitchRatings. Ob die Deutsche Bank zu viel gezahlt hat? Diese Frage ist fast irrelevant: Allein der Nettogewinn des zweiten Quartals war höher als der Kaufpreis für beide Banken zusammen.

 
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