Der Ball der Göttin

Die Kathedralen stehen leer, doch in den Stadien tost das heilige Spektakel. Eine Würdigung des Fußballkults zum Beginn der Bundesliga.

Nun haben wir sie wieder, die Bundesliga. Zum Glück liegen ein paar Wochen Abstinenz hinter uns, nach dem rauschhaften Flow der Weltmeisterschaft. Wir werden uns wieder in der Provinz einfinden müssen, und vielleicht wird dann erst der Kater einsetzen. Nicht dass die Bundesliga, obwohl hinter den europäischen Spitzen liegend, so schlecht wäre; auch die WM bot wahrlich keine sportlichen Offenbarungen. Nein, nicht die Spiele, sondern die Erlebnisintensitäten machen den Unterschied. Diese Mischung aus großer Oper der Gefühle und popkulturellem Open-Air-Festival bot einen landesweiten Ausnahmezustand, den wir tunlichst vergessen, um unsere Erregungen wieder an den Punktestand des VfL Wolfsburg, irgendwelche Transfers von Hertha, einen Sieg von Werder gegen Bayern oder einen Trainerwechsel bei Hannover 96 zu binden. Wie aber oft das Außergewöhnliche den Kern des Gewöhnlichen freilegt, so lässt die WM den Herzschlag der Energien erkennen, der den Fußball belebt und zu einem Symptom der Moderne macht.

Die Religion: Spieler bekreuzigen sich, küssen den Ball und danken Maria

Vor einhundert Jahren wurden die gigantischen Fabriken und Bahnhöfe als Kathedralen der Moderne bezeichnet. Die heutigen Flughäfen und Bahnhöfe jedenfalls sind keine Kathedralen der Moderne, sondern eher die von Marc Augé so genannten Nicht-Orte der Globalisierung. Die Kathedralen der Gegenwart sind eher die Arenen des Fußballs, die durch die neue Stadionarchitektur zu wahren Gefühlsmaschinen geworden sind. Sie sind nicht mehr die himmelsoffenen Ovale der Olympiastadien, sondern Aufführungsstätten des Fußballkultes. Darum die akustische und optische Schließung des Himmels, das Heranrücken der Zuschauer ans Geschehen und die architektonisch verdichtete Atmosphäre, die eine unvergleichliche Präsenz des Ereignisses erzeugt. Gewiss sind die Stadien auch hochgerüstete Sicherheitstrakte, aber sie sind es, um ein umso dichteres Selbsterleben der Massen zu erzeugen. Mit einem Wort, es geht, unter den Bedingungen von Kontrolle und Sicherheit, um die Ermöglichung dessen, was sonst verfemt ist: einer Orgie der Ansteckung.

Heute sind weder Kunst noch Produktion und Verkehr die Zentren, an denen die Gesellschaft zusammenkommt und sich synthetisiert, sondern es sind die Stätten des großen Entertainments. Die klassischen Orte des Heiligen, die Kathedralen selbst, stehen leer oder werden mehr von Touristen als von Gläubigen besucht. Sind die Fußballstadien also Orte, wo jenes Heilige Unterschlupf gefunden hat, das in postreligiösen Gesellschaften heimatlos geworden ist?

Dafür sprechen viele kleine Symptome: die Bekreuzigungen der Spieler, das magische Berühren des Rasens, die Gesten zum Himmel, das Küssen des Balls oder des Pokals, die Widmungen von Toren an Gott oder Maria und so weiter. Doch all das ist religiöses Patchwork, das mit anderen Elementen zusammenwirkt – zum Beispiel das Eingangsritual in Form einer Kreisbildung der ineinander verflochtenen Mannschaften, die eher einer tribalistischen Einschwörung ähnelt.

Dieser Stamm allerdings beruht weder auf Verwandtschaft noch auf Nationalität, sondern begründet ein neues Phänomen: Fußballer-Tribes sind multiethnische und multireligiöse Stämme. Sie funktionieren ebenso als kapitalistische Erfolgsunternehmen wie als abergläubische Gemeinschaften, in denen jeder Spieler seine Privatreligion pflegt, die indes als Markenzeichen funktioniert und zur fetischistischen Ausstattung von Fans in Kleidung, Accessoires und Auftreten beiträgt. Dies ist, nach dem wunderbaren Wort von Jean Paul, das »ungeheure Reich des Unbewußten, dieses wahre, innere Afrika«.

Kulturen müssen symbolische Ordnungen schaffen, um individuell wie kollektiv wirksame sinnhafte Orientierungen in einem offenen Welt- und Zeithorizont zu geben. In dieser Funktion findet Religion ihren Platz; ja man kann behaupten, dass diese Funktion institutionalisiert zu haben die welthistorische Leistung der Religionen war. Lösen sich die Rituale der Sinn- und Gemeinschaftsstiftung auf, so entstehen Krisen und Konflikte, Unfriede und Krieg. Hat Kultur also in erster Linie die Stabilität von Gesellschaften zu leisten, so ist sie andererseits selbst ein dissoziativer, entzweiender Mechanismus. Kultur erzeugt erst die Konkurrenzen um knappe Güter sowie um Sinn- und Wissensressourcen; sie bringt die Ungleichheiten hervor und verschärft damit jene Instabilitäten und Krisen, zu deren Bewältigung Kultur da ist.

Von dieser Zweideutigkeit sind auch Religionen nicht frei. Sie schaffen soziale Integration ebenso wie Schismen, Konflikte und Kriege. Durch dauerhafte Stabilität sind eher die alten Stammeskulturen ausgezeichnet als neuzeitliche Hochkulturen. Seither verselbstständigen sich die Sektoren Wissenschaft, Ökonomie, Recht, Erziehung, Kunst, Kommunikation, Familie, ja selbst das Individuum. Religionen sind nur noch ein Moment neben diesen Faktoren. Die westlichen Demokratien haben denn auch darauf verzichtet, normative Zentren oder sinnhafte Rahmen auszubilden; sie setzen stattdessen auf formale Verfahren der Konflikt- und Konkurrenzregulierung von Systemebenen und Populationen, die zu vereinheitlichen niemand sich mehr zutraut.

Man kann diesen Religions- und Weltbildverzicht die andere Seite eines wuchernden Orientierungs- und Erlebnisbedarfs nennen. Säkularisierung und Wiederverzauberung sind zwei Seiten derselben Medaille. Die widerspruchsvollen Konstellationen, die Religion und Moderne dabei eingehen, bilden auch den Hintergrund dafür, dass Sport oder Musik zu einer gewaltigen Popindustrie geworden sind: Die ehemals religiös gebundenen Energien flottieren durch alle Systemebenen und stopfen die Sinn- und Erlebnisleere, die durch Verfahrensrationalität und formale Demokratie entstanden ist.

Der Situationist Guy Debord sprach schon 1973 von der Gesellschaft des Spektakels. Es ist nicht so, dass Werte und Sinn unserer Gesellschaft feststünden und erst nachträglich mit Formen der Darstellung versehen würden. Es ist umgekehrt: In den spektakulären Performances wird der soziale Sinn einer Kultur erst erzeugt. Dabei werden popkulturelle Großkunstwerke, wie der Fußball eines ist, zu einem Unternehmen, das sich aus den religiösen Überlieferungen beliebiger Kulturen bedient.

Damit allerdings wird sozialer Sinn zufällig: Je nach Lage und Bedarf werden erlebnisintensive Sinn- und Gemeinschaftserfahrungen durch Papstbesuche oder Fußball-WM, durch Love Parade oder ein Pavarotti-Konzert in Szene gesetzt. Oder sie werden subkulturell ausgefächert, zum Beispiel nach multiethnischen Minoritäten (Karneval der Kulturen in Berlin), sexueller Orientierung (Christopher Street Parade) oder Altersklassen (die Festivals des Deutschen Seniorentags oder der katholischen Weltjugend).

Fußball: Die ganze Welt des Kampfes, des Sieges und des Untergangs

Man sollte dabei keine symbolische oder religiöse Geschlossenheit oder kulturelle Homogenität erwarten. Wie für den Fußball, so gilt für alle popkulturellen Großereignisse, dass sie religiöse Mischformen und Hybridbildungen darstellen. Dadurch wird all das in den modernen Fußball eingeschleust, was in der europäischen Tradition ursprünglich verfemt war, nämlich Elemente des Fetischismus, der Idolbildung und der Magie – sie werden zu dessen emotionalem Treibsatz.

Fußball braucht kein Publikum, sondern Fans. Das Begehren des Fans geht weit über den Wunsch nach Mitvollzug von Spielen hinaus. Der gesamte Devotionalienhandel ist um einen libidinösen Kern gebaut und dient dem Zweck, in einen Nahbezug zum Star zu gelangen. Besonders begehrt sind solche Objekte, die der unmittelbaren Körpersphäre der Stars entstammen, wie Trikots, Bälle, die ins Publikum fliegen, Handschuhe von Torwarten, Unterschriften, aber auch Bilder und Storys, die ähnlich funktionieren wie früher frommes Erbauungsschrifttum. In der Aneignung von Verehrungsobjekten wird eine Nähe zum Star hergestellt, der in den von ihm berührten Objekten magisch präsent bleibt.

Ganz etwas anderes ist es, wenn der Fan sich im Star, im Team, im Verein, in der Nation verkörpert. Hierbei verwandelt ein bürgerliches Subjekt durch Verkleidungen, Maskierungen, Schminke, aber auch durch Gesten und Gesänge vorübergehend seine Identität, um im Schema eines Idols oder in der Masse eines Kollektivkörpers aufzugehen. Dies erlaubt eine einzigartige Intensität von Hingabe, Verehrung, Anbetung, von Mitfiebern und Mitleiden, von explosiver Entladung und Zusammensturz, die im Resonanzraum der Stadien eine gewaltige Rückkoppelung erfahren – Stadien sind affektive Turboauflader. Denn niemals wird nur ein Spiel erlebt, sondern das Spiel ist vielmehr der Anlass für das Selbsterleben der Masse, die sich durch das Spiel hindurch selbst hervorbringt und feiert. Darum müssen die Spieler zu Idolen werden, weil Idole die Funktion haben, Medien der Selbstübersteigung einer Masse in ihrer Abhängigkeit und Erniedrigung zu sein.

Als die Kanzlerin dem Kaiser nach dem Sieg gegen Argentinien in den Armen lag, war das – jenseits aller Realität – der Höhepunkt sozialer Synthesis. Alle sind eins: die namenlose Menge und unter ihr Prinzen, Minister, Präsidenten, Vorstandsmitglieder, die Popstars anderer Branchen, ehemalige Fußballikonen. Spätestens seit den neunziger Jahren konnte man diese Verschmelzung von Fußball und Popkultur und damit eine ungeheure Zunahme an fetischistischen Mechanismen beobachten. Der englische Fußballspieler David Beckham war der Frontmann dieser Entwicklung. Dem tragen unterdessen alle Artisten auf dem Rasen Rechnung: Sie sind Darsteller geworden, eine Mischung aus Sportler, Idol und Model. Als Profis ihres Fußwerks müssen sie zugleich Popstars und Götter sein.

Und doch bleibt der liturgische Kern des Fußballs: das Spiel und seine Erregungskurven. Es gibt nichts Vergleichbares, was eine derartige Skala von Gefühlen durchlebbar macht wie das Stadion. Darum sind Stadien gewaltige Syntheziser emotionaler Mächte, die im Alltag keinen dramaturgischen Ausdruck mehr finden – und vor allem nicht gemeinsam erlebt werden können. Denn im Stadion erlebt man stets die eigenen Gefühle und die Gefühle der anderen mit: den kollektiven Torschrei für die eigene Mannschaft und auch die Demütigung, Wut, Enttäuschung der Anhänger der gegnerischen Mannschaft. Dadurch entsteht eine wechselseitige Eskalation der Gefühle zu ungeahnten Spitzenwerten. Auf dem Rasen wird dies vorgeführt, auf den Rängen findet es seine mimikryhafte Fortsetzung: Nach dem Torschuss ahmt der Schütze in rasendem Lauf den Flieger nach, um in die Galaxie abzuheben – und der Gegenspieler fällt in sich zusammen und liegt reglos auf dem Rasen.

Fußball enthält die ganze Welt des Kampfes, des Sieges und des Untergangs. Und gerade die Einmischung des Zufalls und der Unberechenbarkeit erzeugt erst das, was das Spiel so spannend und so modern macht. Alles ist Plan und Kalkül: Das Training, die Standards, die Taktik, die Strategie, das Maßgezirkelte der Flanke, die Präzision des Torschusses, die Physik der Ballbewegung – all das dient dem Zweck, den Zufall in den Griff zu bekommen. Fußball in diesem Sinn ist Arbeit an der Kontingenz, Kampf nicht nur gegen den Gegner, sondern auch gegen den Zufall, Verminderung von Unwahrscheinlichkeit durch taktische Disziplin und zugleich Erhöhung der Unwahrscheinlichkeit durch geniale Improvisation. Nichts anderes aber ist die Arbeit der Kultur selbst: den Zufall zu vermindern und die Ordnung zu erhöhen. Unter diesen Rahmenbedingungen das Unwahrscheinliche erleben zu können ist Lust, die für Augenblicke vom »Unbehagen an der Kultur« befreit, von dem Sigmund Freud spricht.

Diese Entlastung von kultureller Disziplin tritt besonders dann ein, wenn dem Star etwas schier Unmögliches gelingt. Dann erleben wir die beseligende Einheit von widerständiger Materie und beherrschtem Körper: das Glück ungeheurer Leichtigkeit, bei dem für Sekunden das Irdische aufgehoben scheint. Das ist religiöses Erleben. Man will aber auch sehen, wie die Mannschaft strategisch und taktisch, improvisierend und intuitiv, clever und leidenschaftlich sich auf die Unberechenbarkeiten einstellt und sie meistert. Dann entsteht auf dem Spielfeld alle Spannung daraus, wie Plan und Zufall ineinander verschränkt sind, sich gegenseitig überwinden, ständig miteinander ringen. Dieser Kampf ist ebenso wichtig wie der Kampf der Mannschaften gegeneinander.

Dieses Unberechenbare ist die große Parallele, die der Fußball zum Leben hat, und der Grund, weshalb Fußball Leben ist. Wenn Fußball zum Schach würde, wäre er nicht mehr Allegorie des Lebens und verlöre alle Faszination, die ihn gerade als Kampf nicht nur mit einem Gegner, sondern mit dem Unberechenbaren schlechthin auszeichnet. Der Ball ist kein Stein, der auf einem Rasterfeld verschoben wird; der Ball ist der Ball der Göttin Tyche. Und nur weil diese Göttin niemals, solange der Ball rund ist, die Co-Regie des Spiels aus der Hand gibt, ist der Fußball so spannend.

Daraus erwachsen die unendlichen Figuren nicht nur des Spiels, sondern des Lebens, insofern das Leben Agon ist. Und der Agon Spiel. Denn natürlich erfüllt der Fußball alle vier Merkmale des Spiels, wie sie Roger Caillois aufgestellt hat: Agon, Ilinx, Alea, Mimikry. Und er erfüllt damit die Grundformen des Lebens. Denn dass Agon und Alea, Wettstreit und Zufall, strukturbildend sind, gilt nicht nur für den Fußball, sondern für die Kultur besonders des kompetitiven Kapitalismus in einer entgötterten Welt.

Das perfekte Tor: Die Fans jubeln, die Gegner raunen voll Bewunderung

Das Rauschhafte und Ekstatische, das dabei frei wird, bildet den emotionalen Kern des Bilderlebens auf Seiten der Zuschauer. Es prägt aber auch die Spielzüge von Teams immer dann, wenn diese ihren »Lauf« gefunden haben und für eine Zeit lang jenseits ihrer Leistungsfähigkeit und doch leicht und unwiderstehlich spielen. Das sind jene seltenen Momente, wo ein Raunen durch die Massen geht und der zwingend folgende Torschuss dazu führt, dass in den grenzenlosen Jubel der Anhänger sich die Bewunderung auch der Gegner mischt: Ein vollendeter Spielzug vereint für Sekunden die aufgespaltenen Massen in der vierten Dimension der alles versöhnenden Kunst.

Entscheidend bleiben natürlich die Aufteilung des Terrains, die Verbindlichkeit der Regeln, die zahlenmäßige Gleichheit der Mannschaften, die freie Varianz der Spielzüge, das Gleichgewicht von Angriff und Abwehr, die Tore als ein Ziel, das Erlösung für die einen und Untergang für die anderen bedeutet. Dabei geht es um das Urmodell sozialer Konfliktaustragung (ohne Sprache), um Führung, Kooperation und Kollektivität, um Eroberung und Eindringen in fremdes Terrain und vor allem um Taburäume, die besonders geschützt werden, weil sie zu erobern besondere Triumphe der Lust und des Sieges hergibt. Das Tor gehört ja nicht eigentlich zum Spielfeld; es ist vielmehr ein typischer Taburaum, eine merkwürdige Leere, in der sich irgendwie das Allerheiligste des Kollektivs konzentriert.

Das begründet auch die archaische Sonderstellung des Torwarts, des Hüters von was auch immer: dem Heiligen, dem Schatz oder der Weiblichkeit, die in diesem Spiel der Männer eine Art abwesende Anwesenheit darstellt, das Unberührbare, das zu berühren der einen Seite orgiastische Triumphe und der anderen Demütigung und Schmach einbringt. Von diesem Taburaum aus erklären sich die erotischen Rhythmen des Spiels, das Eindringen und Zurückziehen, das Verlangsamen und Beschleunigen des Tempos, das Überwinden der Abwehr und die verbissene Verteidigung der Reinheit dieses seltsamen Torraums.

Gerade im heiligen Eros, so Georges Bataille, geht es um Kampf und Eroberung, Tabu und Tabuverletzung, Grenzziehung und Grenzeinriss. Vielleicht erklärt dies die affektiven, bis ans Manische reichenden Energien, die mit so vielen kulturellen Sphären interagieren können. Wenn es denn stimmt, dass Kultur abgezweigte libidinöse Energie ist, dann ist Fußball eine Allegorie der Kultur.

Der Autor ist Professor für Kulturtheorie und Mentalitätsgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Zuletzt erschien von ihm im Rowohlt Verlag die Studie »Fetischismus und Kultur. Eine andere Theorie der Moderne«

 
Leser-Kommentare
  1. 1. \N

    Mich fasziniert seit meinem 6. Lebensjahr einfach nur das Spiel. Es ist schon spannend, verstehen Sie, ganz ohne Event-Gedöns oder dieses ganze überhöhte Zeug. Das geht mir so auf den Sack, daß ich nur noch im Videotext die Ergebnisse kucke und mir ein einfaches Fußballspiel vorstelle.
    Mir hat nichts gefehlt mit 6 Jahren, als es um Fußball ging und um sonst nicht viel. Keine Tussies, keine Religion, keine VIP-Bereiche, nichts, ich fands großartig. Das wär heute immer noch so, wenn mich der ganze Mist drumherum
    nicht so anwidern würde.

  2. "Die Kathedralen der Gegenwart sind eher die Arenen des Fußballs, die durch die neue Stadionarchitektur zu wahren Gefühlsmaschinen geworden sind. Sie sind nicht mehr die himmelsoffenen Ovale der Olympiastadien, sondern Aufführungsstätten des Fußballkultes."

    Der Autor verwechselt die Absichten der Werbefuzzis mit der Realität. Diese ganzen Inszenierungen, dieser Pseudokult ist aufgesetzt und schadet dem Spiel. Das ist nämlich ganz einfach und ohne Schnickschnack am schönsten. Ausserdem ist selber Spielen viel schöner als in die "Kathedralen" zu gehen oder gar vor dem Fernseher Fußballgötzen anzubeten. Ich kenne niemanden, der das Spiel wirklich mag, dem diese Überhöhung nicht auf die Nerven geht.

    Den Artikel habe ich nicht zuende gelesen.

  3. 3. \N

    großartiger artikel!

  4. Auch ich bin davon überzeugt, dass der Artikel die wesentlichste Ursache echter Fußballbegeisterung ignoriert und das ist die Liebe zum Spiel und was noch wichtiger ist, die Freude am Fußballspielen. Diese Freude wird deutlich sichtbar Sonntag für Sonntag in den untersten Ligen und auch in den Parks überall auf der Welt ausgelebt.

    Nur das Spielen selbst kann die totale Identifikation mit einer der Mannschaften, die in den Stadien um Meisterschaften kämpfen, verursachen. Das Spielen vermehrt das Verständnis für das Spiel und ermöglicht dadurch, als Zuschauer die Rolle der Spieler einzunehmen, damit wirklich mitzuspielen. Verzauberung und Begeisterung kann nur auf diese Weise entstehen.

    Nun könnte man dieser These erwidern, dass diese Begeisterung für das Spielen erst durch den veröffentlichten Fußball ensteht. Doch dem kann ich erwidern, dass es die Freude am Spielen selbst war, die am Anfang des letzten Jahrhunderts nach Europa importiert wurde (um einmal mit den neuen, schrecklichen Worten der Fußballmanager zu sprechen, die diese offenbar auf irgendwelchen Seminaren aufgeschnappt haben).

    Nur diese Anziehungskraft kann als Ausgangspunkt für diese Fußballrevolution, die sich (beinahe) über die ganze Welt erstreckt, angesehen werden. Das Problem mit der Henne und dem Ei besteht also nicht.

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