Gesundheitsreform Stille Gewinner
Warum nur die Bürger bei der Gesundheitsreform draufzahlen
Die Spitzenverbände der Krankenkassen trommeln vehement gegen die Reformpläne der Großen Koalition. Ihre Funktionäre fürchten den neuen Gesundheitsfonds. Ob dieser Einheitstopf zu mehr Wettbewerb und effizienterer Versorgung der Patienten führt, ist längst nicht so kalkulierbar, wie Gesundheitsministerin Ulla Schmidt weismachen will. Klar ist nur: Er macht Funktionärsposten überflüssig. Wer protestiert jenseits der Kassen und ihrer Verbündeten? Niemand! Wo bleibt der Proteststurm der Ärzte? Wo ist die Stimme der allmächtigen Pharmalobby? Weshalb gibt es keine Aktionen von Versicherern oder Health-Care-Unternehmern? Sogar die Flure im Gesundheitsministerium sind nahezu ausgestorben. »Normales Business«, lehnen sich Schmidts Mitarbeiter zurück.
Die Ruhe verdeutlicht das Problem. Eine große Reform hätte viele schmerzhafte Einschnitte gebracht. Steuerfinanzierung plus Strukturreformen für Kassen, Ärzte, Apotheker, Krankenhäuser: Das hätte die Anbieter medizinischer Leistungen aufschreien lassen – und die Patienten möglicherweise jubeln. Nun aber hat das zaghafte Reförmchen die Stimmen anders verteilt. Niemand jubelt. Die Gewinner schweigen.
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung etwa freut sich still: Ihr Honorarkonzept sei in den Eckpunkten weitgehend berücksichtigt worden. Ebenso die privaten Versicherer: Keine Sonderabgabe für die Solidargemeinschaft! Leise sind auch die Medikamentenhersteller: Die Positivliste ist vom Tisch. Und die Millionen gesetzlich Versicherter? Der Gesundheitsfonds wird frühestens Mitte 2008 kommen, eventuell sogar erst 2009. Die Kassenbeiträge aber steigen schon nächstes Jahr, um 0,5 Prozentpunkte. Und auch künftig werden die Menschen mehr zahlen müssen – ohne spürbar besser versorgt zu sein.
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- Datum 09.08.2006 - 12:58 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 10.08.2006
- Kommentare 3
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die Medien schweigen auch. Beitragszahler haben keine
Lobby, noch nicht einmal in den "unabhängigen Medien".
Schließlich starten Beitragszahler keine Werbekampanien,
sie haben kein Geld, weil es einem überall abgenommen wird.
Armes Deutschland - vom Gelde regiert - vom Geiste befreit.
MfG
Müller Heinz-Peter
Wir schweigen nicht, aber werden wenig zitiert. Wir Ärzte an Krankenhäusern sehen und beklagen, dass die vorgestellten Eckpunkte zur Gesundheitsreform neben vielen anderen Dingen den Krankenhäusern Geld entziehen, indem sie die Budgets um insgesamt 2% absenken. Für die gleichen Leistungen soll es also weniger Entgelt geben, was dazu führen wird, dass in den Kliniken Personal abgebaut werden muss, dass unter Umständen Abteilungen geschlossen werden müssen, dass Krankenhäuser gefährtet sind, denn schon bisher konnten sie keine dicken Gewinne einfahren.
Daher sei hier noch einmal ganz unmissverständlich gesagt: Solche Maßnahmen werden dazu führen, dass die medizinische Versorgung der Bevölkerung schlechter wird. Das haben diejenigen zu verantworten, welche die Reform in dieser Form verabschieden.
D.Schmitz, Wolfsburg
Ein ganz scharfe Analyse der Reform- die KV lacht sich ins Fauestchen. Wir haetten doch endlich eine echte Strukturreform gebraucht wo auch einmal die Weisskittel zur Kasse gebeten werden.
Nur welche Reform? Moechte der Verfasser des Artikels etwa kritsieren, dass Aerzte endlich in festen und transparenten Euro-Betraegen und nichtmehr in fluktuierendem Punktwert verguetet werden?
Ist ihm entgangen, dass im ambulanten Bereich von den Aerzten heute viele Leistungen ohne jegliche Verguetung erbracht werden? -allein in Baden-Wuerttemberg in einem Quartal ca. 170 000 000 Euro!!!
Sind diese Leistungen etwa ueberfluessig, wegen der "doppelten Facharztschiene"?- oder muss man die ambulanten Fachaerzte schelten, weil Kassenpatienten zu lange auf einen Termin warten?
Der Kommentar "stille Gewinner" enthaelt aehnlich verworrene Loesungsansaetze wie die Aeusserungen unserer Gesundheitsministerin...
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