Pressefotografen als Handlager von Hisbollah? Die Fotos von der Bergung der Kinderleichen in Kana – nur inszeniert? Bilder von Bombenruinen: gefälscht? Renommierte Nachrichtenagenturen müssen sich dieser Tage vorwerfen lassen, Teil von »Hisbollywood«, der Propagandamaschine der Islamisten, zu sein. Den Vorwurf erhebt eine Kompanie so genannter Blogger, Hobbyjournalisten, die auf einfach zu programmierenden Websites publizieren und es mit ihren »Recherchen« immer öfter in internationale Weltblätter und in politische Kabinette schaffen. Ist ihnen zu trauen? "Green Helmet": Der Retter Salam Daher BILD

Diese Woche feierten Blogger etwa den »Kniefall« der Fotoagentur Reuters. Auf einem Bild wurden Rauchwolken über dem bombardierten Beirut dazugepixelt, auf einem anderen Foto Lichtpunkte zu einer israelischen F16 hinzugemogelt, die Raketen darstellen sollten. Reuters hatte diese Manipulationen des Fotografen Adnan Hajj nicht bemerkt, obwohl eine eigene Abteilung in Singapur Tausende Fotos auf solche »Bearbeitungen« sichtet.

Die Blogger hingegen stellten sogleich aufwändige Fotogutachten ins Netz. Der Fotograf wurde gefeuert, seine Fotos sind gesperrt.

Die vergleichsweise harmlose Fälschung und ihre Enthüllung (die Angriffe hatten ja stattgefunden, nur das Foto war zu langweilig) zeigt eine neue, undurchsichtige Front im Bilderkampf. Reporter werden nicht nur von den Propaganda-Abteilungen der Kriegsparteien ins Visier genommen, sondern auch von einem Heer von »Watch-Bloggern«, die Bilder aus dem Netz googeln, um sie zu checken. Ihr Vorteil: Viele professionelle Tagesmedien können wegen Zeitdrucks die Arbeitsbedingungen von oft miserabel bezahlten und unter Druck stehenden Agenturfotografen kaum noch überprüfen. Manchmal – siehe Reuters – gelingen Bloggern Enthüllungen.

Doch viele stilisieren sich in diesem Krieg auch zu Medienrebellen, die »kommerziellen Medien« anti-israelische oder gar antisemitische Berichterstattung nachzuweisen versuchen. Bedenklich daran ist, dass sie auch in renommierten Zeitungen und Online-Portalen ohne Gegencheck als Experten zitiert werden.

So kommt dieser Tage der stramm konservative britische Exsoldat Richard North zu Weltruhm. Normalerweise würde sich wohl kaum jemand für sein EU-kritisches Weblog eureferendum.blogspot.com interessieren. Doch North verglich Fotos von den Bergungsarbeiten in Kana und spekulierte, dass die Rettungsmaßnahmen nur Medientheater gewesen seien. Dahinter stünden wohl Hisbollah-Agenten, die sich als Retter verkleiden: etwa ein Mann, den North »Green Helmet« nennt. Der habe Kinder aus dem Schutt geholt, um sie in die Kameras zu halten – ein Vorwurf, den vor Ort recherchierende Reporter vehement bestreiten. Auffällig, so North, sei auch, dass Green Helmet schon bei einem Angriff der Israelis vor zehn Jahren in Kana ein totes Kind in die Kamera gehalten habe. Ein Indiz dafür, dass der Mann ein Hisbollah-Mann ist, wie der Blogger vermutet?

Der Privatmann North löste jedenfalls mit ein paar Einträgen eine weltweite Welle von Verschwörungstheorien aus. Sie haben einen wahren Kern: Journalisten können im Südlibanon oft nur unter der strengen Aufsicht von Hisbollah arbeiten. Wie Fotografen berichten, wird mit Prügel bedroht, wer Fotos von Katjuscha-Raketen oder Hisbollah-Kämpfern macht. Nur das von Israel angerichtete Leid, nicht der Hisbollah-Terror soll sichtbar sein.