25 Jahre PCMein erster Computer

Vor 25 Jahren, am 12. August 1981, präsentierte IBM auf einer Pressekonferenz den Mikrocomputer für den privaten Bedarf. Fünf Erinnerungen an den persönlichen Einstieg in eine neue Ära von redaktion

Ein Programm für meinen Vater
Mein Vater rechnete viel in seinem Beruf, und so konnte ich ihn überzeugen, dass Computer eine tolle Sache sind. Der Rechner würde Zahlen in Tabellen für ihn addieren! Zu meinem 14. Geburtstag, das war 1987, stand der C64 da, und, weil es so ein großes Geschenk war, erhielt ich den Auftrag: Jetzt musst du dich aber auch um die Tabellen kümmern! Ich eilte zur Schule und erzählte Freunden von meinem Glück. Am nächsten Tag zog der komplette männliche Teil meiner Klasse nach dem Sportunterricht zu mir nach Hause und spielte »Summer Games«. Jungs, die sich zuvor und auch danach nie wieder in mein Zimmer verirrten, waren an diesem Tag nur schwer zum Gehen zu bewegen. Basic, die Programmiersprache mit den Befehle »IF«, »THEN«, »GOTO« und »PRINT«, lernte ich noch, in der Volkshochschule. Meine Laufbahn als Programmierer endete, als ich nach Monaten endgültig an dem Tabellenprogramm gescheitert bin. Kommazahlen ließen sich einfach nicht ausdrucken. Da stand immer nur: ##,###. Matthias Stolz

Online sein, eine seltsame Idee
Wer sich in den achtziger Jahren mit Computern auskannte, hatte Probleme mit Frauen oder galt als sonderbar. Mein Freund vom Bayreuther Computerclub wirkte weitgehend normal, vielleicht war das ein Hinweis auf die nahende Zeitenwende. Er betrat den riesigen Elektronikmarkt ohne Scheu. Ich zahlte 1500 Mark für einen Olivetti-Laptop vom Umfang einer Spieleschachtel, vier Kilo schwer. Der Bildschirm war grün, die Schrift ebenso, nur dunkler, ich erhellte sie mit einer Schreibtischlampe. Besucher pflegten sich davor zu verbeugen, murmelten: »Oh, ein Laptop!« Zum ersten und letzten Mal kaufte ich mir ein Computerbuch (»Word 4.0 für MS-DOS«). Ich war noch nicht durch, da gab es schon ein neueres Programm. Der Freund hatte mir ein weiteres Gerät aufgeschwatzt, man schloss es an die Telefonleitung an. Er sagte, ich könne damit auf seinen Computer zugreifen. Ich probierte es nur einmal und verstand nicht, was mir das bringen sollte. Ich kenne niemanden sonst, der 1988 schon online war. Jörg Burger

Wir lachten über Mutter
Der erste Computer lehrte unsere Eltern Demut. Mit einem Mal wurde ihnen deutlich, dass wir ihnen Lichtjahre voraus waren. Was war der Amiga 500 für ein Teufelsding im Gegensatz zur krachenden Schreibmaschine! Mit Schreib- und Malprogramm und dem leicht anrüchigen Aufreißspiel »Larry Laffer in the Land of Lounge Lizards«. Doch dann wollte Mutter ran. Die »Fenster« auf dem Schreibtisch und das Prinzip des Speicherns waren ihr völlig fremd. Bald stellte ich fest, dass sie alle Texte nur auf einem Dokument speicherte (es hieß »dokument.doc«), es war lang wie eine Thorarolle. Meine Schwester und ich lachten. Jahre später telefonierte Mutter mit meinem Schulleiter und forderte einen »findigen« Zehntklässler an, der mit ihr einen Computer kaufen würde und ihr Unterricht gab. Martin kam, von da an war Mutter nicht mehr zu stoppen. Internet, E-Mail, Powerpoint – kein Problem, dank Martin. Dumme Anfängeranfragen, die man von anderen Eltern gewohnt ist (»Hilfe! – Mein Internet ist größer als der Computer!«), sind von ihr nun nicht mehr zu erwarten. Henriette Kuhrt

Geschenk in Seidenpapier
Es war nicht wie der erste Kuss, auch nicht wie die erste Zigarette. Eher reagierte ich wie auf mein erstes Auto, einen VW-Käfer mit geteilter Heckscheibe und Winkern in den Türholmen. Beruhigend war, dass ich bereits Auto fahren konnte, als mir der Händler den Schlüssel aushändigte. Von dem Auto wusste ich, dass es fünf Vorbesitzer gehabt hatte. Das Apple-Ding aber war nagelneu. Und ich hatte nicht die geringste Ahnung, wie es in Betrieb zu setzen war. Es war ein Laptop der Serie Powerbook und sah aus, als entstammte es dem Nachlass der Nationalen Volksarmee (DDR). Grau, dick und kantig. Dabei wurde es mir von Wiener Freunden, in hellblauem Seidenpapier eingewickelt, feierlich überreicht. Eine Flasche Grüner Veltliner wurde freundlicherweise mitgeliefert. Was aber fehlte, war eine Bedienungsanleitung. Die einzigen Menschen, die einen Computer ohne Bedienungsanleitung in Betrieb nehmen können, sind Knaben zwischen 8 und 12 Jahren. Ich war ein vergleichsweise alter Knabe, nämlich fast siebzig. Die Wiener Boten versicherten mir, dass alles ganz einfach sei, tranken den Veltliner aus und schwammen die Donau abwärts nach Hause. Sie hatten gelogen. Nichts war einfach. Und ist es auch heute bei meinem dritten Apple noch nicht. Wolfram Siebeck

Löten am Druckerkabel
Mein erster Computer vor zwanzig Jahren war ein Apple IIc. Er war winzig und musste das auch sein, weil er auf einem winzigen Schreibtisch Platz finden sollte. Er versuchte auszusehen wie ein Laptop, aber der Bildschirm war eine Röhre, die auf solidem Gusseisengestell über dem Gehäuse thronte und die Schrift Grün auf Schwarz anzeigte. Der ganze IIc war grundsolide wie meine Schweizer Schreibmaschine, die er ablöste. Die Tasten machten noch »Klick« (ein Feature, das heute weder für Geld noch gute Worte zu haben ist), und seine Speicherlaufwerke, die mit großen lappigen Floppy Disks gefüttert wurden, haben niemals Daten verloren. Schwierig nur war seine Beziehung zu dem doppelt so großen Typenraddrucker; damit sie überhaupt zustande kam, musste das Verbindungskabel erst auf dem Schreibtisch zusammengelötet werden. Der Drucker war das Gegenteil des IIc, er war laut und launisch, für 20 Seiten brauchte er 30 Minuten; dabei zerlegte er sich in seine Bestandteile. Der Computer missbilligte ihn schweigend, er war überhaupt ein großer Dulder, manchmal besuche ich ihn auf dem Dachboden, wo er noch immer, nikotinvergilbt, lebt, und versuche mir an ihm ein Beispiel zu nehmen. Jens Jessen

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