Seele und Körper gehen miteinander zum Arzt. Sagt die Seele zum Körper: Geh du voran, dich versteht er besser. Dieser Witz fasst meiner Ansicht nach in wenigen Worten zusammen, was den Umgang mit dem Seelischen in der heutigen Medizin, aber darüber hinaus in der Gesellschaft überhaupt ausmacht. Das Seelische wird entweder nicht mehr zur Kenntnis genommen oder diffamiert. Nur das körperlich oder geistig Erfassbare hat noch Gültigkeit.

Dieser Verlust prägt unser Leben, unseren Umgang mit uns selbst und mit anderen.

Dr. Elisabeth Wagensommer, Salem-Weildorf

Nach wie vor existiert ein großer Graben zwischen Betrachtungen der Seele und des Körpers. Ich nenne diesen Umstand gern den kartesischen Fluch immer noch herrscht die Vorstellung Descartes vor, es gäbe eine Welt der Seele und eine des Körpers, die nicht in direktem Zusammenhang stehen. Erklären Sie mal einem Depressionspatienten, sein Serotoninspiegel sei vermindert. Das hat mit seinem Erleben überhaupt nichts zu tun. Oder erklären Sie mal einer Patientin mit psychosomatischen Rückenschmerzen, ihr Körper sei völlig gesund. Die kann vermutlich morgens nicht ohne Schmerzen aufstehen, wie soll sie das glauben? Diese (absurde) Trennung spiegelt sich auch in einer Trennung von Medizin und Psychologie wider. Ein Irrsinn, eigentlich, zwei getrennte Studiengänge zu haben, zwei Berufe, was könnte enger zusammenhängen?

Jan Phillip Müller, Bielefeld

Wir brauchen hier gar nicht von Placebo-Effekt, Droge Arzt oder der heilenden Kraft der Beziehung reden das ist alles richtig, doch sich anderen vorzustellen, die Hand zu reichen, in die Augen zu schauen und das Gegenüber ernst zu nehmen, hat etwas mit dem täglichen Respekt zu tun, dem ich jedem Menschen entgegenbringe unabhängig davon, ob ich mich gerade in der Rolle eines Arztes befinde oder nicht. Das hat die Qualität von bitte, danke und auf Wiedersehen, von dem wir hoffen, dass wir es spätestens in der Schule jedem Kind beigebracht haben. Es ist bestürzend, wenn das erwachsenen, studierten und in sozialen Berufen engagierten Menschen nicht selbstverständlich ist.

Betty Wilke, Berlin