Er sah immer gut aus neben schönen Frauen. Jean Seberg, Sophia Loren, Elke Sommer, Ursula Andress. An ihrer Seite hat Peter Sellers das Comedy-Kino der sechziger Jahre mitgeprägt, ob als ungeschickter Inspektor Clouseau in den Pink-Panther-Filmen oder als schüchterne Hollywoodcharge in Der Partyschreck. Mehr noch, all diese weiblichen Gegenüber waren Passstücke seiner Karriere. Denn im Angesicht stilvoller Grazien schien sich Sellers komödiantisches Talent zu entfalten, konnte er mit der ihm eigenen Ironie eine tiefe Kluft sichtbar machen zwischen dem Jedermann, den er verkörperte, und jenen unerreichbaren Sexbomben, für die er in Leidenschaft entflammt war.

Wie er verlegen stammelte, am Jackett nestelte und dabei seine Partnerinnen stets mit Blicken auffraß, das machte Sellers zum Method-Actor des Junggesellenzeitalters schlechthin. Nicht von ungefähr war er der erste Mann, der es im April 1964 auf das Cover des Playboy geschafft hatte sah er in seinem Tweedlook und mit Kassengestell doch wie dessen idealer Leser aus: halb leitender Angestellter und halb Englischlehrer.

Die jetzt als DVD-Box erschienene Peter Sellers Collection zeigt, was für eine Arbeit in der Inszenierung dieser attraktiven Unscheinbarkeit steckte. Der 1980 mit 54 Jahren verstorbene britische Schauspieler perfektionierte von Film zu Film seine Rolle als Mann von Mittelmaß: Mal ist er in Jack Arnolds Die Maus, die brüllte (1959) der kauzige General eines winzigen Herzogtums, der beim Feldzug gegen die USA seekrank in Rittermontur über der Reling hängt - mal schafft er es in Blake Edwards Der Partyschreck (1968) als ungeladener Gast Hrundi V.

Bakshi, binnen Minuten eine Luxusvilla in eine Waschküche voller Seifenlauge zu verwandeln. Vieles geschieht wie in einem unbewussten Racheakt am Savoir-vivre: Erst die Akkuratesse seiner für das Socializing geübten Bewegungen schafft das Chaos. Zugleich nimmt Sellers jeden Spott seiner Umgebung mit der steinernen Miene konzentrierten Unwohlseins hin. Er ist ein Akrobat der Regungslosigkeit: niemals bitter (wie Buster Keaton), eher elegant im Scheitern, ein nowhere man der Freizeitgesellschaft.

Dieses Wechselspiel funktioniert auch bei geringem Quatschfaktor. Wenn er in Stanley Kubricks Dr. Seltsam (1962) als US-Präsident mit seinem sowjetischen Kollegen am Telefon über Nebensachen plaudert, bevor er ihm den drohenden Militärschlag beichtet, dann lebt die satirische Kraft dieser absurden Kommunikation kurz vor dem Atomkrieg vor allem davon, wie steif und blass Sellers agiert. Gleichwohl ist diese stille Lächerlichkeit nur der konsequente Ausdruck für die Hilflosigkeit, den Ernstfall nicht abwenden zu können.

Leider gerät dieser Zwiespalt vom Staatsmann im Ausnahmezustand bei Kubrick oft aus dem Blick. Auch das liegt an Sellers: In einer Dreifachrolle liefert er neben dem Präsidenten und einem englischen Major den legendären Naziwissenschaftler Dr. Seltsam, der sich permanent im Rollstuhl verhakelt und seine Hand beim Führergruß nicht kontrollieren kann. Es ist die irrwitzige Karikatur eines Politikerberaters, der nicht mehr im Dienste Hitlers, sondern für Amerika vom Endsieg träumt. Dabei setzt Sellers auf den Bannzauber der Parodie: Das Böse zeigt sich nur als Farce, wie in einem Zerrspiegel deformiert und weit weg von den realen politischen Verhältnissen. Für den Oscar war Sellers trotzdem nominiert, in allen drei Rollen.

Peter Sellers Collection