Pink, das ist das, was den Sonnenaufgang ankündigt. Pink ist eine Erwartung und eine Erinnerung, ist im Grunde Abwesenheit, ist eine Farbe, die eigentlich keine ist, vielleicht weil sie der menschlichen Haut so ähnlich sehen kann, so wie Wolfgang Tillmans das bei seinem Faltenwurf inszeniert hat (rechts) – wenn man so will, eine Bacon-Szenerie, in Alltäglichkeit getaucht. »Pink«, das ist auch der Titel eines Buches (Pink. The Exposed Color in Contemporary Art and Culture, hg. von Barbara Nemitz, Verlag Hatje Cantz; 320 Seiten, 35 €), eine Art visueller Essay, der den Farbspuren nachspürt in den Bilderwelten, die uns die Kunst schenkt. Joseph Beuys malt so zart wie selten, Louise Bourgeois wird ganz hybrid, Yves Klein ist wie immer monochrom, Mike Kelley bleibt rätselhaft, Philip Guston langt kräftig zu – und Katharina Bosse zeigt all die Eleganz, die poetische Kraft und die verzweifelte Einsamkeit, die in dieser Farbe stecken kann. Ihr Foto (links) ist ein postmodernes Vexierbild, das die zwanziger Jahre wachruft und doch ganz von heute ist; ein Heute allerdings, das schon sein Verfallsdatum trägt, so wie jeder Sonnenaufgang schon seinen Untergang beschwört. Pink ist die Farbe, die dieser alltäglichen Tragödie ihren Glanz leiht. BILD