Was anmutet, als hätten die beiden Maler Pieter Cornelis Mondriaan und Georges Seurat gemeinsam eine muntere Malparty veranstaltet, ist ein Genprofil. Jeder Punkt in dem genetischen Werk repräsentiert die Aktivität einer ganzen Gengruppe im Lungenkrebsgewebe, jede Zeile steht für einen Patienten. Blau bedeutet, die Gene sind ruhig; rot zeigt aktive Gengruppen an. Und je aktiver die Tumorzellen, desto höher ist das Risiko, dass der Krebs nach einer Operation erneut wächst und der Patient daran sterben wird. BILD

Mit Hilfe dieses Lung- Metagene-Predictor-Tests meinen die Wissenschaftler vom Duke University Medical Center jetzt vorhersagen zu können, welche Patienten mit Lungenkrebs im Frühstadium mit einer aggressiven Chemotherapie behandelt werden müssen und bei wem eine Operation genügt. Liegt die Genaktivität oberhalb der kritischen Linie im roten Bereich, ist eine aggressive Chemotherapie dringend angeraten.

Die genaue Analyse ist notwendig, weil Aussagen über Tumorgröße, Lokalisation und Ausbreitung allein nicht für die Risikoabschätzung ausreichen. Auch unter Patienten mit Lungenkrebs im Frühstadium erleiden 30 bis 40 Prozent nach der operativen Behandlung einen Rückfall.

Die Prognose und Therapieentscheidung anhand von Gen-Expressionsprofilen wird im Moment an unterschiedlichsten Tumoren wie Brustkrebs, Darmkrebs und auch Hirntumoren untersucht. Doch obwohl das Konzept »Genanalyse vor Therapie« schon sehr lange erforscht wird, hat es sich nur in der Leukämietherapie durchgesetzt.

Bislang beruht die Genprognose häufig auf der nachträglichen Analyse von Krebsfällen. Um zu sehen, ob das Verfahren wirklich für die Chemotherapie-Entscheidung taugt, müssen Lungenkrebspatienten aber vor der Behandlung getestet und in Gruppen eingeteilt werden. In einem halben Jahr soll ein entsprechender Versuch mit 1000 Patienten starten.