Spektakulär begann der Krieg, am 29. August 1756, mit dem Einfall preußischer Truppen in Sachsen. Die Namen der blutigen Schlachten füllten einst die borussische Heldenchronik: die Triumphe Friedrichs des Großen bei Lobositz (der erste Sieg, am 1. Oktober 1756 über die Österreicher), bei Roßbach, bei Leuthen und Zorndorf und seine vernichtenden Niederlagen bei Kolin, bei Hochkirch, bei Kunersdorf schließlich im August 1759, als die Armee des Zaren und ein österreichisches Korps unter dem legendären General Laudon den König an den Rand des Abgrunds brachten. Dieser Krieg, der erst nach sieben Jahren zu Ende ging, hat die Geschichte Deutschlands geprägt. Doch über Preußen und Österreich, über Europa hinaus war er eng verbunden mit kolonialen Konflikten vor allem in der Neuen Welt. French and Indian War nennen ihn die Amerikaner, und für manchen Historiker ist er der eigentliche erste Weltkrieg gewesen.

Darüber mag man streiten, so wie man nach wie vor darüber streitet, warum Friedrich ihn entfesselt hat. Der britische Historiker George P.

Gooch zählte den Siebenjährigen Krieg 1947 zu den sensationellsten Verbrechen der neueren Geschichte. Für Graf Mirabeau hingegen, den ersten Protagonisten der Französischen Revolution, war nie ein Krieg gerechter als dieser.

Der Widerspruch fesselt bis heute wie ja stets die Frage nach den wahren und vermeintlichen Gründen für einen Krieg die Menschen beschäftigt. Im Falle Friedrichs liegt zunächst eine schnelle Antwort nahe. Denn der Siebenjährige Krieg war nicht der erste Waffengang, mit dem der 1740 auf den Thron gelangte Hohenzoller die Welt in Erstaunen versetzte.

Friedrich galt als Kronprinz vielen seiner zahlreichen, durchaus auch skeptisch gesinnten Beobachter als ein Schöngeist, der sich dem höfischen Zeitgeschmack entsprechend mit geistreichen Gesprächen und gepflegten Korrespondenzen beschäftigte und sich mit Poesie, Philosophie und geselligem Musizieren die Zeit vertrieb. Bewundert wurde allenthalben, wie couragiert er den Nachstellungen und Demütigungen durch seinen jähzornigen Vater, den Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I., standhielt. Wenige Monate nach seinem Herrschaftsantritt jedoch griff er an der Spitze einer vortrefflich gerüsteten Armee unvermittelt zu den Waffen und hielt in seinem Expansionsdrang nicht eher inne, bis er das strategisch wichtige, wirtschaftlich hoch entwickelte Herzogtum Schlesien ein Kronjuwel des Hauses Habsburg an sich gerissen hatte.

Friedrich konnte die Beute fünf Jahre später in einem zweiten, wiederum fadenscheinig begründeten Schlesischen Krieg verteidigen. Und er vermochte es überdies, sich seiner Annexion 1748 in einem internationalen Vertrag, dem Frieden von Aachen, zu versichern. Aber er musste dennoch gewärtigen, dass das Haus Habsburg alles daransetzen würde, um sich bei erster Gelegenheit das Geraubte zurückzuholen.

Der Einfall in Schlesien bedeutete eine entscheidende Zäsur nicht nur in der Mächtepolitik des 18. Jahrhunderts, sondern auch in der Biografie des Königs. Hier waren die Weichen gestellt worden für seinen gesamten Lebensweg. Er hatte, wie er schon am 16. Dezember 1740 im stolzen Selbstgefühl des jugendlichen Kriegshelden an seinen Minister Heinrich von Podewils schrieb, tatsächlich den Rubikon überschritten. Dieses Wort, erwachsen aus der Euphorie eines heiß ersehnten Augenblicks und der Gewissheit des sicheren Sieges, sollte für die ganze Dauer seines Herrscherdaseins Gültigkeit behalten. Der Raub Schlesiens war die in jeder Hinsicht über sein Leben entscheidende Tat, wie der Kölner Historiker Theodor Schieder es 1983 formuliert hat. Friedrich war zum Gefangenen seines frühen Triumphes geworden.