Interview »Wir sind fair«
RTL-Chefin Anke Schäferkordt über die Arbeitsbedingungen in ihrem Sender, Entlassungen und die Frage, was im Fernsehen üblich ist
DIE ZEIT: Frau Schäferkordt, was verstehen Sie unter Fairness und Partnerschaft mit den Mitarbeitern?
Anke Schäferkordt: Fair ist es, wenn wir als Unternehmen die Leistungen unserer Mitarbeiter angemessen entlohnen. Darüber hinaus bieten wir Sozialleistungen wie ein dreizehntes Monatsgehalt, Kindergartenplätze oder Urlaubsgeld. Dazu beteiligen wir die Mitarbeiter über eine Gewinnbeteiligung seit Jahren am Unternehmenserfolg.
ZEIT: Der Kreis der Glücklichen wird jedoch kleiner. RTL versucht seit Jahren, Verträge zu befristen oder ganz mit Freien zu arbeiten.
Schäferkordt: Im Gegenteil, der Kreis ist größer geworden. Wir haben vergleichsweise viele feste Mitarbeiter. Daneben ist die Zusammenarbeit mit Freien in unserer Branche mehr als üblich.
ZEIT: Für diese Angestellten wollen Sie die Arbeitsbedingungen nun verschlechtern: Längere Wochenarbeitszeit, schlechterer Überstundenausgleich – und neue Mitarbeiter sollen etwa 20 Prozent weniger verdienen als bisher.
Schäferkordt: Ja, wir wollen von 38 Stunden zurück zur 40-Stunden-Woche. Darüber sind wir gerade im Gespräch mit den Tarifparteien. Diese Gespräche sind noch nicht zu Ende.
ZEIT: Ein Marktführer wie RTL bestimmt die Preise mit.
Schäferkordt: Das Gros unserer Mitarbeiter verdient heute mehr als bei den Wettbewerbern.
ZEIT: Bei den Freien hat das nicht immer den Anschein. Im Januar wurden die Produktionsabläufe umgestellt. Es traf Mitarbeiter ohne festen Vertrag, die im Schichtbetrieb für RTL gearbeitet haben. Sie waren von einem Tag auf den anderen draußen – zum Teil nach 16 Jahren.
Schäferkordt: Wir arbeiten im Produktionsbereich mit Dienstleistern zusammen. Entsprechend getroffene Verträge halten wir ein. Für Angestellte von Produzenten oder anderen Dienstleistern gelten allerdings nicht dieselben Bedingungen wir für unsere festen Mitarbeiter.
ZEIT: Es ist Folge gezielter Personalpolitik.
Schäferkordt: Das ist marktüblich. Dieses Modell werden wir auch in Zukunft nutzen.
ZEIT: Aber passt es zu RTL und damit zu Bertelsmann? RTL hat 2005 ein Vorsteuerergebnis von rund zehn Prozent erzielt. Jetzt steigen Umsatz und Gewinn wieder.
Schäferkordt: Unsere Verantwortung als Unternehmen liegt nicht nur im Hier und Jetzt, sondern vor allem auch in der Sicherung der Zukunft.
ZEIT: Dazu gehört auch, dass Sie in jeder Abteilung die Zahl der Mitarbeiter verringern wollen.
Schäferkordt: Um sich den künftigen Herausforderungen stellen zu können, muss ein Unternehmen flexibel und effizient sein. Unsere Branche verändert sich gerade rasant. Deshalb hinterfragen wir Strukturen. Das Ergebnis waren bisher rund 15 betriebsbedingte Kündigungen. Diese Kollegen werden von einem fairen Sozialplan aufgefangen. Einigen davon haben wir bereits neue Jobs vermittelt.
ZEIT: Als Gesamtbild bleibt – die Gewinne steigen, und RTL senkt trotzdem die Kosten. Dabei gehört der Sender zu Bertelsmann, wo man Vorbild im Umgang mit Mitarbeitern sein will.
Schäferkordt: Ich bleibe dabei: Wir sind sehr fair im Umgang mit unseren Mitarbeitern und werden es auch bleiben.
Die Fragen stellte
Götz Hamann
Bertelsmann - Anspruch sucht Wirklichkeit
- Datum 16.08.2006 - 07:44 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 17.08.2006
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