Die Hoffnung der deutschen Biotechnologie liegt in einer braunen Holzschublade im Besprechungszimmer des Golfclubs St. Leon-Rot. Der Golfclub gehört Dietmar Hopp, Mitgründer des Unternehmens SAP und Milliardär. Mit Software hat er sein Vermögen verdient, und seit seinem Rückzug aus dem Geschäft investiert er es in Dinge, die ihm am Herzen liegen. Dinge wie Fußball, Golf – und eben Bio-Tech. Thomas Höger, Chef von Apogenix in Heidelberg; im Labor BILD

»Nicht dass mir die Informationstechnologie langweilig geworden wäre«, sagt Hopp. »Aber Bio-Tech ist die nächste große Welle, die unser Leben verändern wird.« Zwar haben die einschlägigen deutschen Unternehmen auch zehn Jahre nach dem Gründungsfieber und fünf Jahre nach dem Börsenboom noch keine eigene Arznei in die Apotheken gebracht; im vergangenen Jahr, das hat die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young errechnet, gingen in der Branche sogar mehr Betriebe und mehr Jobs zugrunde, als neue entstanden. Aber die Berater überschrieben ihren aktuellen Biotechnologie-Report trotzdem mit dem Titel Zurück in die Zukunft. Denn die verbliebenen Unternehmen arbeiten an mehr Projekten als jemals zuvor.

In seinem Golferhemd sitzt Dietmar Hopp am großen ovalen Tisch des Vereinsheims, vor ihm die Holzlade mit Schreibutensilien und seinem Handy. Er muss in letzter Zeit öfter hier gesessen und solche Sätze gesagt haben. Dann hat er zum Handy gegriffen und einem gebeutelten Labor ein paar Millionen zugedacht. »Ich kann nicht mit ansehen, dass wir uns in der Biotechnologie weiter den Rang ablaufen lassen«, sagt Hopp.

Vor zehn Jahren stellte ein anderer Mann ganz ähnliche Überlegungen an. Er hieß Jürgen Rüttgers, war Bundesforschungsminister und lobte den so genannten BioRegio-Wettbewerb aus, um Forscher zur Firmengründung zu animieren. Mit Erfolg: Rund um die Universitäten entstanden Hunderte Unternehmen. Der Börsenboom um die Jahrtausendwende tat ein Übriges, die junge Branche schwamm im Geld. Dann kam die Ernüchterung. Die Standortpolitiker begriffen, dass Forschungsfirmen mit weniger Arbeitskräften auskommen als klassische Fabriken. Es stellte sich zudem heraus, dass nicht alle Wissenschaftler gleichzeitig als Firmenchefs taugen. Und die Anleger merkten, dass High-Tech-Aktien ins Bodenlose stürzen können. Seitdem ist das Geld knapp geworden. Statt 1,4 Milliarden Euro privatem Kapital wie im Jahr 2000 wurden 2005 nur noch knapp 500 Millionen Euro in die Biobranche investiert.

Ohne Dietmar Hopp wäre das Geld noch knapper. Er hat der Branche ungefähr 200 Millionen Euro zukommen lassen. Der Löwenanteil floss in den vergangenen eineinhalb Jahren. Bedacht hat er vorwiegend deutsche Firmen. Zur Hälfte sitzen sie in der Gegend von Heidelberg. 250 Millionen Euro wolle er insgesamt anlegen, sagt Hopp, der aus der Region kommt und an seiner Heimat hängt. Sie beherbergt neben Deutschlands ältester Uni gleich mehrere Großforschungsinstitute und eine Vielzahl von Bio-Tech-Betrieben. Zudem lässt Hopp sich beraten.

Wenn er zu seinem Handy greift, sitzt meist Friedrich von Bohlen mit am Tisch. Vor ihm liegt ein Rucksack mit Dossiers zu Unternehmen, die der Bio-Tech-Experte geprüft und für gut befunden hat. Sie haben eine Chance, von Dietmar Hopp angerufen zu werden.

Friedrich von Bohlen – eine der schillernden Figuren des ersten Booms