Emanzipation

Wir brauchen einen neuen Feminismus

Wie emanzipiert ist Deutschland? 15 Frauen ziehen Bilanz und sagen: Es ist wieder Zeit zu kämpfen

Einen neuen Feminismus zu fordern war in den letzten 20 Jahren so ziemlich das Unsouveränste, was man als Frau tun konnte. Man outete sich damit nicht als kämpferisch, sondern als schwach, als eine, die sich noch immer als »Opfer der Verhältnisse« begreift.

Auch viele der 15 Frauen, die wir – 30 Jahre nach der großen Zeit der Emanzipationsbewegung – nach ihrer Einstellung zum Feminismus gefragt haben, sind also nicht als feministische Kämpferinnen bekannt. Trotzdem teilen sie ein Unwohlsein. Das Gefühl, dass es in Deutschland einen Rückschritt gibt.

Es ist jetzt zum Beispiel schick, in Feuilletons fies über Frauen zu schreiben, wie die Schriftstellerin Karen Duve in ihrem Beitrag bemerkt. Nur in Deutschland geht die viel zitierte Gehaltsschere wieder auseinander – warum fast nur Frauen in schlechtbezahlten Jobs arbeiten, erzählt eine Betriebsrätin von Schlecker. Frauen sind zwar, so die Tagesthemen -Moderatorin Anne Will, auf dem Bildschirm präsent – aber nicht in den Chefetagen der Sender. Wenn sie es doch nach oben schaffen, dann haben sie dafür, schreibt die Verfassungsrichterin und Mutter Gertrude Lübbe-Wolff, oft einen hohen Preis bezahlt: Kinderlosigkeit.

Das ist ungerecht. Wer ist schuld? Die Natur? Diese Begründung mache sich wieder breit, so die Biologin Sigrid Schmitz. Die postfeministische Antwort dagegen war: Ich selbst bin schuld – und es dann auf eigene Faust zu versuchen, Familie und Beruf hinzukriegen.

Die Frauen haben sich angestrengt – die Hälfte von allem haben sie trotzdem nicht. Das liegt an einem Zusammenspiel aus familienfeindlichen Arbeitsbedingungen, Mütterklischees und Männerbünden; aus drohender Kinderlosigkeit für erfolgreiche Frauen und drohender Erschöpfung für arbeitende Mütter. Jeder dieser Faktoren ist das Ergebnis einer politischen Entscheidung. Wer trifft die? Vermutlich sitzen nirgendwo Männer zusammen und sagen: Wir machen’s denen schwer. Aber vermutlich sitzen auch nirgendwo Männer zusammen und schaffen die heimlichen Männerquoten in Deutschland freiwillig ab. Dafür müssten sich die Frauen schon zusammentun.

* Die Interviews dieser Ausgabe führten Anita Blasberg, Heike Faller, Christiane Grefe, Sven Hillenkamp, Henriette Kuhrt, Ilka Piepgras und Patrik Schwarz

Diese 15 Frauen ziehen Bilanz:

Leser-Kommentare

  1. Die einzige sinnvolle Alternative zu dieser in Deutschland herrschenden Scheinemanzipation ist die, sich DIESEN Frauen hier gänzlich zu verweigern. Mehr dürfte zu diesem seit Jahren bzw. Jahrzehnten andauernden Gesabber nicht mehr hinzuzufügen zu sein. Es wird langsam langweilig, ... und DIESE Frauen seid es schon lange!

  2. Ja, woran liegt das wohl, dass der Feminismus scheitert, weil Karrierefrauen keine Kindern kriegen?

    Na klar!
    "Das liegt an einem Zusammenspiel aus familienfeindlichen Arbeitsbedingungen, Mütterklischees und Männerbünden; aus drohender Kinderlosigkeit für erfolgreiche Frauen und drohender Erschöpfung für arbeitende Mütter."

    Familienfeindliche Arbeitsbedingungen, die gibt es natürlich nur für Frauen und Männerbünde!

    Die Männer sind schuld!

    Daran, dass auch Frauen nunmal nicht alles zugleich haben können, Kind und Karriere, wird nicht mal gedacht. Männer haben nichtmal die Wahl, es wird auch nicht daran gedacht, ihnen eine zu geben, aber Frauen jammern darüber dass sie nicht beides haben können, und brauchen deswegen einen neuen Feminismus!

    Das ist Ignoranz, Selbstgefälligkeit und Egoismus in seiner reinsten Form. Und dafür muss wieder gekämpft werden, gegen den Mann natürlich, und gegen die "heimlichen Männerquoten", die an allen Gesetzen der Marktwirtschaft vorbei von der bösen weltumspannenden Männerverschwörung, den Männerbünden, erschaffen wurden.

    Womit?

    Mit offenen Frauenquoten natürlich, nichts ist schließlich gerechter als die Privilegierung der Frau aufgrund der Diskriminierung durch die Weltverschwörung der Männer.

    Mit Zwang zum Vaterschaftsurlaub, wie es die EU-Kommission plant, denn nichts ist gerechter, als totale und vom Steuerzahler, also den Männern, mit Milliarden gesponsorte Wahlfreiheit für Frauen auf Kosten von Männern und Kindern,bei gleichzeitigem Zwang zur Vaterschaft, Rechtelosigkeit als Vater und Unterhaltspflicht bei der anschließenden Scheidung, die eingeleitet wird, weil Frauen Männer, die sich um die Kindder kümmern und darumw eniger verdienen als sie, nunmal entgegen aller Behauptungen der Damenwelt nicht haben wollen - was übrigens empirisch belegbar ist.

    Ach, es kommen herrliche Zeiten auf uns zu:

    Erneut werden die Frauen ausströmen, selbstgerecht, heuchlerisch und mit der Mimik des Opfers, wie es nur eine Frau fertigbringen kann, mehr Geld und Privilegien sowie Zwang gegen den Mann fordernd, Stärke zeigend und Männer zur Schwäche erziehend.

    Neue Jahrzehnte des Männerhasses und der weiblichen Selbstgerechtigkeit und des Größenwahns. Endlich!

    Es lebe der Feminismus!

  3. Hallo!Im Matthäus Evangelium 10,37 heißt es:...wer Sohn oder Tochter mehr liebt als mich, ist meiner nicht wert...Wer das glaubt ...

  4. Man sollte doch meinen, die Leserschaft der ZEIT wäre in der Lage, intelligente Kommentare abzugeben. Traurig, dass dem nicht so ist.
    Liebe/r Misanthropie,
    Vielleicht sollte Ihr Benutzername lieber Misogynie heißen?
    Wie kommen Sie nur dazu zu behaupten, dass es Frauen nicht zusteht, Karriere und Familie zu wollen, mit der einfach nur unglaublich dämlichen Begründung, dass Männer diese Wahl nicht haben? Natürlich können Männer Familie und Karriere haben, und machen das auch schon wesentlich länger als Frauen! Darum geht es doch überhaupt erst. Frauen wollen doch nur das, was ihnen zusteht, nämlich Gleichberechtigung. Niemand will dabei Männer benachteiligen. Es geht einfach nur darum, jeden Menschen als Individuum anzuerkennen, unabhängig von willkürlichen Kriterien wie dem biologischen Geschlecht. Es gibt keinen Grund, wieso Frauen weniger verdienen sollten als Männer, genausowenig gibt es keinen Grund, wieso ein Mann sich nicht auch nur um Haushalt und Kinder kümmern sollte, wenn er das möchte. Das Problem sind doch festgefahrene soziale Normen, die von der gesamten Gesellschaft konstruiert worden sind.
    Andererseits sollte ein neuer Feminismus aber auch aufhören, restriktiv zu sein. Ob Frauen von Männer oder von Frauen unterdrückt werden, ist im Grunde völlig egal...

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