DIE ZEIT: Als Ihre Late-Night-Show damals abgesetzt wurde, haben Sie sich da kein einziges Mal bei dem Gedanken ertappt, es könnte damit zusammenhängen, dass Sie eine Frau sind?

Anke Engelke: Überhaupt nicht. Niemals. Ich fand das eher ein bisschen krückig, dass das immer wieder thematisiert wurde. So unpassend.

ZEIT:Harald Schmidt konnte sich ewig Zeit lassen, bis er seine Form gefunden hatte. Er hatte nämlich einen Freund, den Senderchef, der ihm half. Sie hatten offenbar keinen. Weil Frauen selten in Seilschaften vereint sind, sind sie im Fernsehen benachteiligt?

Engelke: Stimmt. Frauen, die klug, mutig oder innovativ sein dürfen im Fernsehen, sind selten. So selten wie Männer, die nur moderieren, weil sie schön anzuschauen sind. Das kann einfach nicht nur daran liegen, dass es zu wenige gute Fernsehfrauen gibt. Wer sich durchsetzen möchte, muss nicht nur etwas können, sondern auch sehr, sehr ehrgeizig sein, Macht mögen oder gute Freunde zum Chef haben. Gilt für Frauen und Männer, aber die Männer scheinen ganz klar auf der Siegerseite zu sein, stimmt.

ZEIT: Sie haben vor, während und nach der Show mit Alice Schwarzer in Emma geredet. Die konnte Sie nicht vom Benachteiligtsein als Frau überzeugen?