DIE ZEIT: Frau Holland-Cunz, Sie schreiben in Ihrem neuen Buch, der Feminismus sei out, obwohl sich die Machtverhältnisse kaum verändert hätten. Warum ist das so?

Barbara Holland-Cunz: Zum einen hat sich in den privaten Lebensverhältnissen viel verändert. Es gibt keinen starren Lebenslauf für Frauen mehr. Kinder oder keine? Berufstätigkeit? Frauen sind in ihren Entscheidungen nicht mehr festgelegt. Da denkt man schnell, das Problem sei erledigt. Hinzu kommt, dass unsere Gesellschaft sich im Ideal der Gleichheit sonnt und darüber die tatsächliche Ungleichheit übersieht. Feministinnen sind dann in der Spielverderberinnen-Position.

ZEIT: Was sind die größten Ungleichheiten?

Holland-Cunz: Zum Beispiel ist die Berufsverteilung von Frauen und Männern äußerst stabil. Frauen gehen immer noch in die schlecht bezahlten so genannten Frauenberufe. Die Politikwissenschaftlerin Helga Ostendorf hat gezeigt, dass die Agentur für Arbeit junge Frauen immer noch in die alten Frauenberufe hineinberät, auch gegen deren Interessen und Qualifikationen. Die Arbeitsagentur hat das zwar bestritten, aber ich halte die Studie für gut recherchiert. Im Übrigen ist bekannt und wird trotzdem verdrängt, dass Mädchen in allen Bildungssystemen besser sind, daraus aber keine besseren Chancen auf dem Arbeitsmarkt entstehen. Dass die egalitäre Aufgabenteilung zu Hause fast immer mit dem ersten Kind endet.

ZEIT: Sie schreiben, der Feminismus kranke auch am eigenen Erfolg.