Feminismus

»Ich brauche niemanden, der mich beschützt«

Die 13-jährige Schülerin Florine Vollbrecht über Hüfthosen und das Mädchenbild ihrer männlichen Mitschüler

DIE ZEIT: Florine, was tut man als Dreizehnjährige, um Jungs zu gefallen?

Florine Vollbrecht: Hüfthosen und enge Oberteile anziehen – das machen zumindest die Mädchen aus meiner Klasse. Aber die sind auch alle ein Jahr älter, weil ich eine Klasse übersprungen habe.

ZEIT: Und – funktioniert’s?

Florine: Die meisten Jungs finden das natürlich super. Aber nicht alle.

ZEIT: Wir älteren Frauen sehen immer euch dreizehnjährige Mädchen – perfekt geschminkt, und aus der Jeans blitzt der Tanga. Ist das eigentlich ernst gemeint?

Florine: In meiner Klasse machen die Mädchen das nicht so, eher in der Parallelklasse. Ich denke, es bringt ihnen Spaß, sexy zu sein und zu sehen, wie die Jungs darauf abfahren.

ZEIT: Und was sagen die Mütter, wenn ihre Töchter so aufgebrezelt herumlaufen?

Florine: Die stört das nicht, die sehen ja selber so aus. Nur eine Mutter hat sich mal über die Klamotten ihrer Tochter aufgeregt, aber die hat nur geantwortet, sie solle mal in die Schule mitkommen, da sähen alle so aus.

ZEIT: Wovon träumen die Mädchen denn?

Florine: Die meisten wollen einen Freund, der sie beschützt. Das kriege ich jedenfalls so aus den Gesprächen in der Sportumkleide mit.

ZEIT: Und die Jungs, finden die das gut, dass sie die Mädchen beschützen sollen?

Florine: Ich glaube, ja. Die konkurrieren ja untereinander, wer von ihnen der Stärkste ist. Und wenn sie nicht gewinnen, dann ist es ja ganz gut, wenn man ein schwächeres Mädchen hat, auf das man aufpassen soll.

ZEIT: Siehst du das auch so?

Florine: Keine Ahnung, was das soll, ich will niemanden haben, der mich beschützt.

ZEIT: Wie kommen die Jungs damit zurecht, dass du als hochbegabt giltst?

Florine: Die stört das nicht. Solange ich nicht besser Fußball spiele als sie.

ZEIT: Ist Gleichberechtigung in der Schule ein Thema?

Florine: Überhaupt nicht. Da läuft alles gut.

ZEIT: Weißt du schon, was du nach der Schule machen willst?

Florine: Ja. Ich möchte zur Militärpolizei. Geiselnahmen beenden, Verbrecher bekämpfen, das ist mein Ding. Ich habe mir auch schon die Voraussetzungen angeschaut, ich glaube, ich wäre dafür geeignet.

ZEIT: Glaubst du, dass es Probleme gibt in einem Männerberuf?

Florine: Die Männer werden sich schon daran gewöhnen, dass eine Frau die Chefin ist, wenn ich einfach besser bin als sie.

ZEIT: Das heißt, genauso gut reicht nicht: Doch nicht alles okay bei euch Dreizehnjährigen?

Florine: Manchmal finde ich es schade, dass es für die Jungs nur zwei Sorten Frau gibt: die eine, die sich wie eine Tussi anzieht, und das Mannweib, das Männerklamotten trägt. Es gibt doch viel mehr Möglichkeiten!

ZEIT: In Filmen sieht man ja auch immerzu starke Frauen, die Verbrecher bekämpfen.

Florine: Aber die sind blöd. Zum Beispiel Catwoman. Die ist nicht dabei, um Verbrecher zu bekämpfen, sondern weil sie aussieht wie eine Domina. Ist ja klar, was das soll.

ZEIT: Was denn?

Florine: Na, dass Männer sich den Film anschauen.

Florine Vollbrecht, 13, kommt nach den Sommerferien in die neunte Klasse des Gymnasiums in Winsen (Luhe) in Niedersachsen

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Leser-Kommentare

  1. Militärpolizei ist doch auch nur ein typischer Mädchenberuf. Egal ob Polizei oder Bundespolizei überall sieht man Blondinen mit Pferdeschwanz. Selbst Marge Simpson war schon mal Polizistin. Warum gibt es keine Mädchen, die sich für Informatik interessieren?

  2. 3. Hut ab

    Hut ab. Ich brauchte 21 Lebensjahre und einige Semester Anglistikstudium bis ich Cat Womans daseinsberechtigung ("sieht aus wie eine Domina) begriffen habe. Ich ziehe meinen Hut. Viel Erfolg bei deinen Zielen.

  3. Wenigstens wird hier angesprochen, dass die meisten durchaus beschützt werden wollen. Nunja, kein Grund, den Männern, die den Wunsch erfüllen, nicht trotzdem deswegen Vorwürfe zu machen.

  4. Sie bringen mich echt zum Lachen. Tut das gut! Das Leben ist gar nicht so schwer. Was mache ich mir nur für Sorgen!!!!!!!!!!

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  • Von kuhrt
  • Datum 23.8.2006 - 03:29 Uhr
  • Quelle DIE ZEIT, 24.08.2006 Nr. 35
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  • Schlagworte Gesellschaft_und_soziales_Leben
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