Feminismus »Niemand weiß, ob eine Frau oder ein Mann das Werkzeug erfunden hat«

Die Biologin Sigrid Schmitz ärgert sich darüber, dass ihre Wissenschaft wieder gerne benutzt wird, um unterschiedliche Verhaltensweisen von Mann und Frau zu erklären

Aus populärwissenschaftlichen Büchern und Journalen erfahren wir heute: Frauen seien sozialer, Männer aggressiver; die einen könnten nicht einparken, die anderen den Mund nicht aufmachen. Die Ursache der Differenzen liege in der Biologie des Gehirns, und das sei schon immer so gewesen.

Mit dem Halbsatz »Wissenschaftler haben festgestellt« beginnen Argumentationsketten, die zeigen sollen, wie die Biologie unser Verhalten und unser Denken geschlechtsabhängig steuere. Gerade als Biologin ist es mir wichtig, mit Hilfe der feministischen Forschung naturwissenschaftliche Theorien kritisch zu beleuchten.

Beliebte Erklärungen für Geschlechterunterschiede liefert die Evolutionstheorie. Der männliche Jäger hat demnach vor Millionen Jahren im Überlebenskampf eine bessere Orientierungsfähigkeit und ein größeres Aggressionspotenzial entwickelt. Die weibliche Sammlerin hingegen habe sich der Kooperation und Sprachentwicklung gewidmet. Selten wird erwähnt, dass in der Evolutionsforschung bis heute darüber gestritten wird, wer wann mit welchen Werkzeugen zu arbeiten begonnen hat und ob die Erfindung der Jagdwerkzeuge der entscheidende Evolutionsschritt zur Menschwerdung war – oder ob nicht die sammelnden Frauen erste Werkzeuge erfunden haben. Es lässt sich nicht entscheiden, welche Theorie stimmt, weder Knochenfossilien noch Steinartefakte oder Tragegefäße beweisen diese oder jene Version. Die Geschlechterforschung zeigt, wie dieselben Befunde gegensätzliche Theorien stützen und manche je nach Passgenauigkeit ausgewählt, andere dagegen weggelassen werden.

Geschlechterunterschiede im Gehirn werden seit 150 Jahren gesucht. Größe und Gewicht des Gehirns dienten dabei lange dazu, die weibliche Intelligenz abzuwerten. Inzwischen geht es eher um geschlechtsspezifische Besonderheiten. Heute können wir mit der Computertomografie Strukturen und Aktivierungen im Gehirn lokalisieren. Frauen seien Sprachkünstlerinnen, ihre Gehirnhälften arbeiteten stärker zusammen, heißt es aufgrund der Ergebnisse solcher Analysen. Männergehirne arbeiteten einseitiger, sie könnten besser räumliche Aufgaben lösen.

Die bildgebenden Verfahren haben enorme Fortschritte in der Medizin ermöglicht. Sie bergen aber Gefahren, wenn sie benutzt werden, um zu generalisieren.

Wenn wir auf den Bildern zum Beispiel rote Aktivitätsareale für Männer und Frauen sehen, so sind das keine direkten Abbilder der Realität. Es sind Ergebnisse hochkomplexer Berechnungsverfahren, zwar in sich eindeutig, aber die Folge einer Vielzahl von Entscheidungen, was ins Bild kommt und was nicht. Wer entscheidet darüber, welche Verfahren gewählt und wie die Ergebnisse interpretiert werden? Diese Begründungszusammenhänge und Entstehungskontexte der Wissensproduktion sind Thema der Geschlechterforschung.

Zum Beispiel berichtet die Studie des Ehepaars Shaywitz 1995 in der Wissenschaftszeitschrift Nature von 19 Männern mit linksseitiger und von 11 Frauen mit beidseitiger Aktivierung des Gehirns bei der Erkennung von Reimen. Sie wird bis heute als Beleg für geschlechtsspezifische Sprachverarbeitung zitiert.

Dagegen fanden Julie Frost und ihre Kolleginnen bei 50 Männern und 50 Frauen keine Geschlechterunterschiede in der Hirnaktivierung bei Sprachleistungen; sie veröffentlichten ihre Ergebnisse 1999 im neurologischen Fachjournal Brain . Eine Gesamtanalyse der computertomografischen Geschlechterstudien bei Sprachleistungen von Iris Sommer, fünf Jahre später in Brain erschienen, fand ebenfalls keine durchgängigen Differenzen. Die Variabilität innerhalb der Frauen- und Männergruppen ist höher, als die Unterschiede zwischen ihnen sind.

Eine mögliche Ursache ist die enorme Formbarkeit unseres Gehirns, sodass sich wiederholte Verarbeitungsmuster in Nervennetzen abbilden. Die enorme Dynamik der Hirnplastizität kann die Vielfalt von Gehirnen erklären, denn jeder Mensch macht unterschiedliche Erfahrungen. Umgekehrt können sich Gruppenunterschiede in den Strukturen des Gehirns aufgrund ähnlicher Erfahrungen in einer geschlechtlich aufgeteilten Welt entwickeln. Hirnbilder von Erwachsenen lassen beide Interpretationen zu: das Gehirn als Ursache oder als Ergebnis des Verhaltens.

An solchen Beispielen deckt der feministische Empirismus die widersprüchliche Befundlage, methodische Fehler, interpretative Verzerrungen und unzulässige Generalisierungen auf und verweist darauf, dass immer Netzwerke von Ursachen die Geschlechteraspekte beeinflussen. Die feministische Forschung zeigt darüber hinaus, wie stark Methoden und erkenntnistheoretische Zugänge auch der Naturwissenschaften von gesellschaftlichen Verhältnissen geprägt sind. Kann es eine wertfreie oder wahre Theorie geben, wenn die Kategorien Mann/Frau und Natur/Kultur den Theorien, der Befundauswahl und den Interpretationen vorausgehen?

Die Abkehr von der Minderwertigkeitstheorie der Frau hin zur Postulierung partikulärer Vor- und Nachteile der Geschlechter manifestiert auch nur gesellschaftliche Zuschreibungen an männliche Kampfbereitschaft und weibliche Versorgungsbereitschaft, die unsere Gesellschaft angeblich zum Überleben brauche. Wenn, wie vor etwa einem Jahr, der Harvard-Präsident solche Biologismen anführt, um Frauen aus der wissenschaftlichen Laufbahn auszuschließen, wird deutlich, dass es um Macht geht.

Feministische Forschung rüttelt am Objektivitätsmythos der Naturwissenschaften, sie verunsichert. Vielleicht erklärt sich hieraus der Widerstand: In einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Unsicherheit ist der Rückgriff auf Sicheres verständlich, und die Biologie bietet scheinbar ein Fundament.

Sigrid Schmitz, 45, habilitierte Biologin, ist Hochschuldozentin für Mediatisierung der Naturwissenschaften und Generforschung in Freiburg

 
Leser-Kommentare
  1. Besser als Mannomann kann ich die Einwände sicher nicht formulieren, höchstens einfacher. Ich kann hier, nicht nur aus Zeitgründen, nur einen etwas bruchstückhaften Beitrag abliefern.
    Zitat: „Die Biologin Sigrid Schmitz ärgert sich darüber, dass ihre Wissenschaft wieder gerne benutzt wird, um unterschiedliche Verhaltensweisen von Mann und Frau zu erklären“
    Die Verhaltenswissenschaft, sagt man uns hier, kann und darf uns keine Unterschiede bei Mann und Frau erklären! Kann man diese wirklich so sagen, heutzutage?
    Weiterhin: Können Männer die Frauen, deren Gehirn und Verhalten objektiv nicht oder schlechter untersuchen als Frauen - und umgekehrt -, nur weil es eben auch geschlechtsspezifische Differenzen im Gehirn und beim Denken gibt- die von Frau Schmitz ja aber wohl eher prinzipiell abgelehnt werden.
    Um die Diskussion um ein einfache Fragen zu bereichern:
    Kann es gar eine feministische bzw. weibliche, Mathematik geben? Nach Frau Schmitz wohl auch nein. Nur das Verhalten von Mann und Frau muss bzw. soll halt völlig gleich sein – nur weil es eben keine feministische Mathematik geben kann, nur weil Frauen in bestimmten Bereichen, sag ich mal, eben doch genauso denken (können) wie Männer und sich in vielem sicher auch genauso verhalten.

    Sicher kommt eine Frau eher darauf, dass man auch einen Frauen-Fahrradsattel entwickeln kann - ein Mann konnte und kann aber sehr wohl auch darauf kommen! (Genauso wie eine Frau auf den Männersattel kommen kann.)

    Die Einwände der Erkenntnistheorie gelten gleichermaßen ja für Frauen und Männer, auch daraus kann man ja wohl keine Geschlechtsunterschiede ableiten. Auch hiervon kann man nicht ableiten, dass Männer und Frauen, die – z.T. sicher nur – eben auch recht verschieden gebaut sind, nicht auch ein paar Unterschiede im Verhalten und beim Denken haben können und dürfen. Man hat hier den Eindruck, als darf es hier gar keine Unterschiede geben, weil wir ja alle Menschen sind, deshalb darf es wohl auch keine rassischen Unterschiede geben, beim Denken z.B. (Und sicher sind auch hier innerrassische Unterschiede manchmal größer als zwischen den Rassen – denn gibt es nicht auch bei "Schwarzen" Albinos?!)
    Aus diesem Grunde wohl werden - hier und da- dann auch falsche Schlussfolgerungen in der Geschlechterfrage gezogen. Man ist hier allzu sehr auf die Frauen konzentriert, habe ich den Eindruck.
    In einer anderen Reihe habe ich, aber haben ähnliches auch andere, mal auf die Benachteiligungen der Männer hingewiesen, die sich aus den biologischen Unterschieden erklären, die soo entscheidend hier aber auch nicht sind – über die man sich, in der Zeit und bei Feminstinnens, aber eben nicht bis kaum aufregt – dabei ist diese Benachteiligung der Männer hier sogar juristischer Natur!!! Ein uneheliches Kind wird primär eben immer der Mutter zugesprochen. Anderes muss extra vereinbart werden, mit dieser (am besten natürlich in Form der Ehe)! Das verstößt aber ganz klar gegen den Gleichheitsgrundsatz, wo der Vater ja eben genauso für das, also sein, Kind mit verantwortlich war, wenngleich „nur“ bei der Zeugung. Nur weil er das Kind nicht austrägt, nicht selbst austragen kann, wohl auch, weil er nicht stillen kann, muss er um das Sorgerecht kämpfen - wohingegen die Frau dieses automatisch hat!
    Sind bei oder um die Zeit der Geburt beide Eltern in Trennung, beide aber gleichermaßen an dem, an ihrem Kind interessiert, und beide sozial und sonstig gleichermaßen für die Sorge des Kindes geeignet, dann müsste man bei der Vergabe des Sorgerechtes eigentlich ja das Los entscheiden lassen – wenn man hier die Gleichheit der Geschlechter wirklich will. Darüber, über solch eine offensichtliche, ja schreiende, rechtliche Ungerechtigkeit, auch darüber, dass die Frau beim Erziehungsurlaub, den sie dem (unverheirateten?) Mann quasi auch erst genehmigen muss, die Rentenansprüche des Mannes bekommt, wird aber doch fast nie geredet – stattdessen gibt man hier Leuten Raum, die behaupten, dass naturwissenschaftliche Forschung von Männern Fehler macht, weil sie von Männern gemacht wird und dass man unterschiedliches Verhalten von Männern und Frauen nicht auch biologisch erklären kann– ohne dass diese These, die man, - im ersteren Fall aber ja wohl nur -, sicher haben darf, - m.E. - ausreichend stichhaltig untermauert wird. Sicher kann es hier und da auch dieses mal geben. Man sollte dies aber nicht so aufbauschen, dass man den Männern quasi unterstellt, dass sie hier mit Absicht und prinzipiell falsch forschen. Das ist ja doch wohl der Duktus dieses Beitrages bzw. dieser Meinung.

    Zum Abschluss noch so eine (ausgleichende) aber nicht unerhebliche Ungerechtigkeit der Männern gegenüber den Frauen. Viel mehr Männer als Frauen starben ja wohl in den bisherigen Kriegen. (Aber gut, im Atomkrieg gibt es diese Differenz nicht mehr – dieser wird aber wohl doch nicht kommen ). Gleichwohl sind die Frauen letztlich genauso schuld am Krieg wie die Männer, wie dies die breite Zustimmung zu Hitler auch bei den Frauen zeigte, und die breite und glückliche Verheiratung von SS-Männern und überzeugten Nazis mit Frauen. Meine Oma (war kein Nazi) lebt heute noch, wohlbehütet in einem Pflegeheim. Ihr Mann ist 1945 in einem russischen Gefangenenlager jämmerlich verreckt. Totale Kriegsgegner und untypisch waren bzw. sind hier aber wohl beide nicht. Was tut bzw. sagt uns denn nun der Feminismus, dass es keine Kriege mehr gibt, wo die Männer dann um die besseren Lebenschancen für ihre Kinder, die sie ja mit Frauen zeug(t)en, kämpfen?
    Wer solchen Themen und so vorgetragenen Positionen Platz gibt, der sollte auch den Mut haben, manche Beiträge, die heute in der „Jungen Freiheit“ erscheinen, abzudrucken, auch so denken manche Menschen in diesem Lande, auch da ist das eine oder andere Wahre dran.

  2. 2. @Akaer

    "... dass die Sachlage sehr viel komplexer ist, als dass man sie mit Büchern wie "Warum Frauen nicht einparken können..." erklären kann."

    Bis hierhin völlige Übereinstimmung. Und ein bisschen Kritik an dem untergründig immer noch mitschwingenden Objektivitätsanspruch, mit dem gerade Naturwissenschaftler häufig auftreten, ist auch nicht verkehrt. Aber eine Wissenschaft gerade "im Lichte" einer bevorzugten Gesellschaftstheorie zu spiegeln, erhöht nicht gerade die Wahrscheinlichkeit, zu Aussagen zu gelangen, die auch außerhalb dieser Theorie brauchbar sind.

    Sicherlich ist kein Wissenschaftler dagegen gefeit, seine Fragestellung zu weit einzuengen oder nur diejenigen Resultate wahrzunehmen, die ins eigene Weltbild passen. Aber wer diese Einschränkung seines Blickfeldes zum System erklärt, indem er/sie vorgibt, einen "feministischen" (oder "deutschen" oder "historisch-materialistischen" oder "Intelligent-Design-") Ansatz zu verfolgen, vergrößert sie noch absichtlich und erschwert zudem die wissenschaftliche Kritik an seinen Aussagen (die binnenlogisch sinnvoll nur noch innerhalb des eigenen weltanschaulichen Zirkels stattfinden kann).

    Ein Beispiel (ja, ich weiß: Metaphern sind gefährlich) aus dem Sport:
    Es gibt keine Möglichkeit, "objektiv" festzustellen, welche von zwei Fußballmannschaften die bessere ist - auch das Resultat eines Spiels (oder einer Reihe von Spielen) nicht, weil es mit zu vielen Unwägbarkeiten (Glück, Tagesform, Wetter, Schiedsrichterentscheidungen...) behaftet ist. Trotzdem ist jedes Spiel - mit festgelegten Regeln und einem vielleicht voreingenommenen, aber nicht bestochenen Schiedsrichter - immer noch eine "objektivere" Art, es herauszufinden, als wenn man einer weltanschaulichen Gruppe (etwa den Fans der Heimmannschaft) die Entscheidung überlässt. Und diese Überlegung besitzt selbst dann noch praktische Gültigkeit, wenn irgendein Philosoph (z. B. der Kaiser in der B.-Zeitung) die wissenschaftskritische Erkenntnis formuliert hat, so etwas wie eine "objektiv bessere" oder "schlechtere" Mannschaft gebe es gar nicht.

    Übrigens: Die Gefahr eines naturalistischen Fehlschlusses, einem Schließen vom Sein aufs Sollen, nimmt nicht gerade ab, wenn das Sein schon im Hinblick auf die eigene Vorstellung vom Sollen hin untersucht wird.

  3. Ist es das, was uns die Autorin hier -auch- sagen will und treibt, was auch Feministinnen - zurecht m.E. - umtreibt, im Unterbewusstsein aber eben meist...?

    „Die Abkehr von der Minderwertigkeitstheorie der Frau hin zur Postulierung partikulärer Vor- und Nachteile der Geschlechter manifestiert auch nur gesellschaftliche Zuschreibungen an männliche Kampfbereitschaft und weibliche Versorgungsbereitschaft, die unsere Gesellschaft angeblich zum Überleben brauche“

    Stimmt, unsere Gesellschaft muss nicht überleben – das muss man hier vor allem herausstellen!
    Ansonsten ist dies, der Hauptteil, hier auch nur eine Behauptung – die hier nicht (ausreichen) bewiesen wird, es kann, es muss dem aber nicht so sein! Frau Schmitz hätte hier dann schon ein paar konkretere und relevantere Punkte anführen müssen, und nicht nur das Beispiel der Interpretation von Computer-Befunden.
    Aber sicher: Es muss (und kann) hier kein zurück zur alten Frauenrolle und zur Männerrolle geben, wir, wir Menschen, können dies, Jesus, Mönche und Nonnen zeigen dies, unsere Fertilität, schon seit Jahrhunderten sehr klar, durchaus auch unterdrücken bzw. steuern, das taten und tun auch nicht nur Frauen, sondern auch Männer. (Und auch manche Tiere können dies ja wohl.)

    Das ist das eigentlich Bedenkliche an der Aussage des Harvard-Professors und anderer Männer ist (auch m.E.), dass sie meinen: Die Menschheit dürfe nicht untergehn! Das ist eine (bzw. die falsche) Ideologie! Ja, wir dürfen uns unnatürlich Verhalten, wir sind halt so, und die Umstände sind auch so – und Männer und Frauen tun dies in einer immer künstlicher werdenden Welt gleichermaßen und zunehmend. Es scheint mir, dass es das ist, worauf die Autorin hier (auch) hinauswill. Der Erhalt oder Nichterhalt der Menschheit ist keine alleinige Sache der Frauen. Man sollte das auch so sagen. Wenn man die Menschheit erhalten will, so kann man dies aber eben gerade auch mit den oben gemachten „Zuschreibungen“ – wie dies in der Geschichte seit über hunderttausenden von Jahren ja wohl bewiesen ist. (Sonst gäbe es ja wohl auch keinen Feminismus und seine Erfolge, wenn da alles schon immer so gleichberechtigt gewesen wäre! "Heute" gibt es den aber und auch eine "Krise" der traditionellen Männlichkeit – und die Zahl der Kinder nimmt hier dann eben ab - und nicht zu, wie wir dies hier und heute ja klar erkennen können.

  4. und nichts, was man ihnen, und hier dann auch nur den Frauen, vorwerfen kann und sollte. Das sollte man so sagen, und sich bewusst machen, deshalb dann aber nicht die ganze Verhaltenswissenschaft wegen bestimmter Unterschiede im natürlichen Wohlfühlbereich, sag ich mal, partiell diskreditieren zu versuchen. Ja, das Sexual-Verhalten des Menschen, insbesondere seine Fortpflanzungsbereitschaft, unter den Bedingungen der Höchstzivilisation ist eine "etwas" bzw. gänzlich andere als das unter natürlicheren Bedingungen.

    Das ist m.E. der Hauptpunkt der Kritik an manchen Männern -und Frauen-, der so vorgebracht, hier m.E. durchaus berechtigt und angebracht ist.

    • jop
    • 30.08.2006 um 9:48 Uhr

    ..für die, die Larry Summers' Rede noch nicht im
    Wortlaut kennen:

    www.president.harvard.edu/speeches/2005/nber.html

    Wer das liest weiß aus erster Hand, dass die Behauptung,
    Summers wolle Frauen prinzipiell ausschließen, eine
    blödsinnige Unterstellung ist.

  5. Dank an Akaer! SO langsam nähern wir uns dem Kern des Problems. Bloß eines haben Sie übersehen: Sie sprechen von "erkenntnisleitendem Interesse". Akzeptiert, das hat (auch in der Wissenschaft) jeder. Jeder?

    Ein Gegenbeispiel: Hatte Trofim Denisovitch Lyssenko ein "erkenntnisleitendes Interesse"? Nein, er hatte ein handfestes POLITISCHES Interesse. Von seinen "Forschungen" ist NICHTS übriggeblieben, eben weil sie ausschließlich politisch motiviert waren.

    Und, so leid es mir tut: "Feminismus" ist keine erkenntnisleitende Position (oder nicht nur), sondern auch die Bezeichnung einer Ideologie. Daher darf sich niemand wundern (auch Frau Schmitz nicht), wenn man sie zunächst unter den Generalverdacht der politisch-ideologisch motivierten "Pseudowissenschaft" stellt, wenn sie diese Wissenschaft als "feministisch" bezeichnet.

    Davon bleibt unberührt, dass die erkenntnisleitende Frage, ob ein Unterschied zwischen Männern und Frauen besteht (auch wenn die eigentlich jedes Kind beantworten kann...;-)), auch in der Biologie berechtigt ist. Aber jede(r), der dieses Gebiet bearbeitet, muss wissen, dass es sich aus obengenannten Gründen um vermintes Terrain handelt.

  6. Laut anderen Quellen ist die Autorin nicht Professorin für "Generforschung", sondern für "Genderforschung". Das ist ein Unterschied, obwohl der Artikel etwas anderes suggeriert :-)

  7. Zitat: Wenn, wie vor etwa einem Jahr, der Harvard-Präsident solche Biologismen anführt, um Frauen aus der wissenschaftlichen Laufbahn auszuschließen, wird deutlich, dass es um Macht geht.

    Das kann ja wohl nicht wahr sein. Lawrence Summers hat nur
    nach erklärungen dafür gesucht, warum trotz exzessiver
    frauenförderung nicht mehr qualifizierte bewerberinnen
    für professorenstellen in den harten natur- und ingenieurs-
    wissenschaften zur verfügung standen. Er hat nicht gefordert,
    frauen von wiss. laufbahnen auszuschliessen.
    Er hat nicht von evolution herumspinntisiert. In der tat
    wird hier viel pseudowissenschaftliches produziert.

    Feministische wissenschaft kann es natürlich nicht geben.
    Es gibt aber feministische pseudowissenschaft. Und wenn
    man am objektivitäts-"mythos" der naturwissenschaften
    rüttelt, kann man ja auch auf eine objektiven beurteilung
    der Summers-rede verzichten. Nicht die feministische
    forschung verunsichert, sondern der politisch inkorrekte
    Larry Summers. Es ging Summers nicht um macht, sondern
    seinen feministisch-ideologisch verbohrten kritikern.
    Sie haben ihre macht demonstriert und Summers aus dem
    amt gemobbt.

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  • Quelle DIE ZEIT, 24.08.2006 Nr. 35
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  • Schlagworte Feminismus | Lernen | Gehirn | Geschlechterforschung | Oder | Biologie | Freiburg
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