Wie es in der Debatte um die Ethik der Embryoforschung weitergehen kann, haben Robert Lanza und seine Kollegen im Januar vorexerziert. Da stellten die Forscher der US-Firma Advanced Cell Technology (ACT) ein Verfahren vor, mit dem embryonale Stammzellen (ES-Zellen) gewonnen werden können, ohne dass der Embryo geopfert werden muss. Viel Aufsehen erzeugte die Sache damals nicht. Schließlich ging es nur um ES-Zellen und Embryonen von Mäusen. Deren Schicksal ist kein Gegenstand ethischer Entrüstung.

Nun aber berichten die ACT-Forscher in Nature , dass ihnen das Kunststück auch mit Menschenembryonen geglückt sei. Und sie können froh sein, dass ihre Firma nicht in Deutschland beheimatet ist – sie hätten Bekanntschaft mit dem Staatsanwalt geschlossen. Sie setzten ein Verfahren ein, das in vielen Ländern legal für die Präimplantationsdiagnostik genutzt wird. Dabei wird einem durch künstliche Befruchtung entstandenen Embryo eine seiner acht Zellen entnommen und auf Fehler im Erbgut untersucht. Dem Embryo schadet die Zellentnahme (nach bisheriger Erfahrung) nicht. Er wächst nach der Übertragung in den Mutterleib normal heran.

Die US-Forscher allerdings hatten mit den entnommenen Zellen keine Gentests im Sinn. Sie züchteten zwei stabile ES-Zellkulturen – und vermieden so die oft kritisierte Zerstörung des ganzen Embryos bei der Stammzellzucht. Das Verfahren der ACT-Forscher hat damit gleich zwei gewichtige Vorteile: Da der Embryo erhalten bleibt, können künftig auf ethisch unbedenkliche Weise ES-Zellen für Forschung und Therapie erzeugt werden. Und Menschen, die einer künstlichen Befruchtung ihr Leben verdanken, können so künftig auch gleich mit einer gewebeidentischen Zellkultur beschenkt werden – für Zellersatztherapien im Alter.

In Deutschland allerdings gilt die Zellentnahme aus dem Embryo als verboten – auch wenn das Embryonenschutzgesetz hier Raum zur Interpretation bietet. So beleuchtet der Erfolg der Amerikaner wieder einmal die Missstände der deutschen Gesetzgebung: Die Regularien zum Umgang mit menschlichen Stammzellen und Embryonen sind dringend reformbedürftig. Ulrich Bahnsen