Mathematik Das verschwundene GenieSeite 3/3
Am Fontanka-Kanal weist man solche Vorwürfe empört zurück. »Nein, Grischa ist hier immer verehrt worden«, sagt Anatolij Werschik. Das Steklow-Institut zeichne sich dadurch aus, dass es keine Auseinandersetzungen unter den Mitarbeitern gebe. Perelman sei letztlich gegangen, weil »es ihm so angenehmer ist«.
Das ist sogar durchaus möglich. Vermutlich fand der ebenso begabte wie sensible Mathematiker den Streit um Posten und Positionen einfach lächerlich. Sein früherer Kollege Michail Gromow, der heute am französischen Institut des Hautes Études Scientifiques arbeitet, berichtet, Perelman sei über den Niedergang ethischer Normen in der Gesellschaft und in der Mathematik so betrübt, dass er von dem ganzen Betrieb nichts mehr wissen wolle. »Ich glaube, er hält uns alle für viel zu konformistisch, deshalb geht er bewusst in die andere Richtung«, sagt Gromow. Perelman habe immer »sehr starke Ansichten darüber, was richtig und falsch ist« geäußert – »und er will von niemandem anderen abhängig sein«.
Und warum lehnt er den höchsten Preis seiner wissenschaftlichen Kollegen ab? »Das Theorem ist für ihn keine Ware gegen Geld, sondern ein ästhetischer Wert wie ein Cranach-Bild in der Alten Pinakothek in München«, sagt Serge Rukschin. Deshalb habe »Grischa« auch nie an seine Karriere gedacht, genauso wenig, wie er sich um gekämmte Haare oder seine Rasur kümmere, von Geld und Auslandsreisen ganz zu schweigen. »In Russland sagen wir: Man kann den tiefen Fluss nicht mit einer Holzlatte messen«, sagt Rukschin. Sein Ausnahmeschüler falle aus dem üblichen wissenschaftlichen Standard einfach heraus.
Jedenfalls ist Grigorij Perelman gerade durch seine Verweigerungshaltung unfreiwillig das Kunststück gelungen, zum einzigen Medienstar der zeitgenössischen Mathematik zu werden. Sein Verhalten »lenkt die Aufmerksamkeit ab von den anderen jungen Mathematikern, die gekommen sind, um den Preis für ihre fantastische Arbeit in Empfang zu nehmen«, bedauert Günter Ziegler, Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung. Wen interessiert es schon, womit sich die Fields-Preisträger Andrej Okunkow, Terence Tao und Wendelin Werner beschäftigen? Wer kennt den Namen von Kiyoshi Itô, der für seine Arbeiten über den Zufall in Madrid den erstmals vergebenen Gauß-Preis erhielt?
Auch für Perelman wären die Artikel über seine Person (wenn er sie läse) wohl ein Beleg für seine These, dass die Medien sich nur für das Unwichtige interessieren. Andererseits kann man es dem nichtmathematischen Publikum kaum verdenken, dass es Geschichten mag, die große Geister in menschlichem Licht erscheinen lassen. Es ist jedenfalls eine schöne Pointe, dass derselbe Mensch, der ein mathematisches Jahrhundertproblem beseitigt hat, uns mit seinem Verhalten ein neues Rätsel aufgibt, das kaum weniger schwer zu lösen ist.
Mitarbeit: Allyn Jackson, Christoph Drösser
- Datum 29.08.2006 - 14:33 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 24.08.2006 Nr. 35
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Der "klügste Mann der Welt" so der Medientenor.
Dieser aber hält sich zurück - genau das dürfte seine Botschaft an die Dummen sein, die ihn dazu benutzen wollen, sich selbst ins Licht zu rempeln um das eigene Prädikat der Dummheit zu überdecken.
Grigorij Perelman hat unter, verglichen mit den verbeamteten Forschern und Professoren an den deutschen Hochschulen, schwierigen Bedingungen erstklassige Wissenschaft abgeliefert. Er hat damit den Beweis geführt, das dass sozial gestützte System der deutschen Forschungslandschaft keine Spitzen-Forschung abliefert. Er hat sie deklassiert! Nach dem was man über ihn weiss, zb. strebt er nach Unabhängigkeit und lehnt unnötige Hierachien ab, genau davon ist die marode verstaatlichte Beamtenwissenschaft hierzulande geprägt. Man kann davon ausgehen, und wer weiss wie viele es davon schon gibt, das er hier keine Förderung bekommen hätte, weil er nicht ins Beamten-Schema passt.
In solchen staatlichen Strukturen geht es primär um Profilierung, Macht und Titelgleiheit und sekundär um Wissenschaft. Grigorij Perelman wollte das zeigen und es ist ihm überwältigend gelungen. Herzlichen Glückwunsch!
Ein Gedanke sollte diese Sache uns trotz der grassierenden Unsicherheit zum Thema NOBEL und anderen Auszeichnungen Wert sein, nämlich auf der Zeitschiene mit Günter Grass spielt sich diese Sache ab und macht so auch Sinn.
Was liegt bei einer wirklich klugen Person denn näher,als eine offene Chance wahrzunehmen, und das ohne viele Worte zu sagen, was mit vielen Worten gesagt, die Intellegenzia sich selbst verbietet zu verstehen.
Allein die Bezeichnung "klügter Mensch der Welt" kann nur von einem Dummhansel erdacht oder ernstzunehend verbreitet werden. Hat er sowas nötig?
Grigorij Perelman hat unter, verglichen mit den verbeamteten Forschern und Professoren an den deutschen Hochschulen, schwierigen Bedingungen erstklassige Wissenschaft abgeliefert. Er hat damit den Beweis geführt, das dass sozial gestützte System der deutschen Forschungslandschaft keine Spitzen-Forschung abliefert. Er hat sie deklassiert! Nach dem was man über ihn weiss, zb. strebt er nach Unabhängigkeit und lehnt unnötige Hierachien ab, genau davon ist die marode verstaatlichte Beamtenwissenschaft hierzulande geprägt. Man kann davon ausgehen, und wer weiss wie viele es davon schon gibt, das er hier keine Förderung bekommen hätte, weil er nicht ins Beamten-Schema passt.
In solchen staatlichen Strukturen geht es primär um Profilierung, Macht und Titelgleiheit und sekundär um Wissenschaft. Grigorij Perelman wollte das zeigen und es ist ihm überwältigend gelungen. Herzlichen Glückwunsch!
Ping Pong gegen sich selbst spielen-- das ist eben reality 3.0! Jeden Tag sitzen Millionen von Kids- und auch Erwachsene alleine vor dem PC und spielen z.Bsp. Egoshooter, weil es ihnen Spass macht. Wieso wird jemand der alleine gegen sich Ping Pong spielt eigentlich als schrulliges Genie dargestellt?
Ich finde das relativ normal.Ich nehme einfach mal an, dass während Herr Grigorij Perelmaner gegen sich selbst Ping Pong spielt(Ping Pong: ein klassisches reality Ballerspiel),... sein Gehirn heimlich weiterarbeitet und ...mathematische Formeln berechnet.
Während der klassische, gemeine Egozocker sein Gehirn beim Spiel ausschaltet , beweist Herr Grigorij Perelmaner, dass
er es nicht nötig hat beim großen Spiel um gesellschaftliche Anerkennung und die Vermehrung des eigenen Reichtums mitzumachen.
Herr Grigorij Perelmaner! Sie haben der Welt bewiesen, dass die Schönen Künste leben! Auch wenn wir armen Teufel wohl leider nie in der Lage sein werden Ihre mathematische Beweisführung nachzuvollziehen... Ihr Stil zeugt von Genialität! Ich wette Van Gogh wäre nun doch auch noch dazu bereit sein 2. Ohr abzuschneiden und seine alten Meisterwerke dem monetearen Geldsackkreislauf zu entziehen.
Doppelposting wurde entfernt. Danke, die Redaktion/se
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