China Der Pirat wird Erfinder
Der Westen kritisiert China als größten Patentdieb - und verkennt die wahre Gefahr: Das Land entdeckt seine eigene Kreativität
David Cheng trägt ein schwarzes Polohemd und Jeans. Seine Füße stecken barfuß in Lederschuhen, seine kurzen schwarzen Haare sind nicht gefärbt. David Cheng sagt, ihn störten seine ergrauten Schläfen nicht. Er sei schon 43 Jahre alt. Dabei sieht er aus wie 30, wenn er sich ausgeruht auf ein modernes Sofa in einem Nankinger Teehaus lümmelt, Sonnenblumenkerne beißt und Melonenstücke futtert. David Cheng hat dann alle Zeit der Welt. Er diskutiert und provoziert, wie es früher nur Dissidenten in China wagten. Er sagt, die Chinesen seien Schafe. Alle liefen mit, keiner schaue vorwärts. Die Kinder würden in der Schule gleichgemacht. Alle spielten das gleiche Videospiel. Vor allem die armen Leute wollten immer nur nachmachen und kopieren. Die Befehle kämen von oben. Alle machten, was Peking sagt. »Im System fehlt die Förderung von Innovation und Erfindungsgeist.«
Doch David Cheng ist kein Dissident. Er ist der neue chinesische Prototyp: kreativer Erfinder, schlauer Vermarkter, erfolgreicher Unternehmer. Er ist Gründer und Chef des weltweit aktiven Lego-Konkurrenten Blocko. Seine Ware liegt in den Wal-Marts dieser Welt. Er ist einer der bekanntesten Spielzeugunternehmer Chinas, wie geschaffen für das neue Programm der Kommunistischen Partei. »China steht vor einem historischen Neubeginn«, diktierte das Zentralkomitee der KP zum Jahresbeginn 2006. »Unsere heilige historische Mission ist der Aufbau einer innovativen Nation.«
Vom maoistischen Schafsvolk zur innovativen Nation: Fängt Peking wieder an, Utopien zu spinnen? David Cheng spinnt jedenfalls nicht. Früher war er selbst ein Schaf. Er kopierte Lego-Figuren und verkaufte sie mit den gleichen Farben und Gesichtszügen wie Lego. Das kostete ihn einen teuren Prozess gegen den dänischen Spielzeugkonzern, den er Mitte der neunziger Jahre verlor. Damals stand David Cheng am Rande des Ruins. Doch er sagte sich: Lego ist und bleibt mein Lehrer. Er lernte Marken- und Patentschutz von Lego, schuf seine Marke Blocko, ließ eigene Spielfiguren patentieren und steht heute dort, wo ganz China hinwill: Er ist Herr seines geistigen Eigentums. Den vorerst letzten Markenschutzprozess gegen Lego führte er 2005 in Deutschland – und gewann. Anschließend wurde er daheim zum Chef des parteinahen Unternehmerverbands der Boomprovinz Jiangsu ernannt. Die Kommunistische Partei ehrte ihn auch. »Wir sind die Pioniere des Schutzes geistigen Eigentums«, lobt David Cheng seine Firma.
Natürlich gibt es noch billige Lego-Kopien in Chinas Spielzeugregalen. Brick heißt die chinesische Firma, deren Spielsteine bis hin zum kleinsten Detail der Figurenbemalung den Lego-Steinen aus Dänemark gleichen. Brick-Kästen tragen auch deutsche Aufschriften für den Export. Die nicht nur für Lego, sondern allgemein entscheidende Frage aber lautet: Auf welchen Bausteinen gründet heute der chinesische Wirtschaftsboom? Auf Brick oder Blocko? Auf Kopie oder Erfindung?
Für viele gilt China immer noch als Reich der Produkt- und Markenpiraten, und wer würde leugnen, dass nachgemachte Designermode aus China zur westlichen Alltagskultur gehört. Massenweise landet sie in den urbanen Jugendszenen zwischen Madrid und Berlin. Den Mode- und Designklau bekämpft vor allem die EU. Die deutsche Wirtschaft klagt zudem über kopierte Autoteile wie Windschutzscheiben und Bremsen, während die USA gegen die Software- und DVD-Filmpiraten vorgeht.
Gleichzeitig tobt ein Streit über den Wert des Piratengeschäfts. Peking bezifferte die Beute der Piraten auf 25 Milliarden Dollar im Jahr 2003, seither sei die Summe aufgrund schärferer Gegenmaßnahmen gesunken. Demnach liege der Wert unter zwei Prozent des chinesischen Handelsvolumens von 1420 Milliarden Dollar im Jahr 2005. Jack Chang, Vorsitzender eines Patentschutz-Komitees von 143 großen internationalen Firmen, streitet die Regierungszahlen nicht ab, spricht aber von sieben Prozent gefälschter Waren im globalen Handel. Kommt eben darauf an, wie man rechnet: Nach Produktwert sind die Zahlen klein, nach hypothetischem Markenwert hoch.
Inzwischen trübt die Piraterie die guten deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen. China sei ein Land, das sich an keine Regel halte, sagt Angela Merkel und meint damit den fehlenden Schutz geistigen Eigentums. Sie stellte das Thema während ihres ersten Besuchs in Peking im Mai ganz oben auf ihre Prioritätenliste. Den deutschen Argwohn bringt der CDU-Bundestagsabgeordnete Steffen Kampeter auf den Punkt. »Wir finanzieren die Technologie, und China zeigt uns, wie man sie am besten kopiert«, sagt er.
Gut gebrüllt – doch trifft diese Kritik den Kern der Herausforderung? Bei Ye Guohong in Shanghai kommt sie nicht sonderlich gut an, und das ist verwunderlich. Denn Ye ist der China-Chef des größten deutschen Autozulieferbetriebs, ZF in Friedrichshafen. Er leitet ein Dutzend chinesischer Fabriken in exakt der Branche, in der deutsche Unternehmen bislang am meisten unter chinesischer Produktpiraterie gelitten haben. Bremsen von Bosch und Stoßdämpfer von ZF – das waren bislang die deutschen Renner, ähnlich wie italienische Prada-Taschen. Doch Ye regt sich darüber nicht mehr auf. »Die Kritik aus Deutschland ist sehr pauschal und erzeugt nur eine sentimentale Stimmung, die wenig hilft.«
Ye spricht fließend Deutsch, er ist ein hundertprozentiger Diener seines Unternehmens. Er verbringt den Tag nicht in seinem Chefbüro im 30.Stock des Center-Towers in der Shanghaier Innenstadt, sondern draußen im Shanghaier Industriegebiet auf dem Gelände der ZF-Sachs-Fabrik für Stoßdämpfer. Es ist sieben Uhr abends. Als Letzter arbeitet er im Bürotrakt der Fabrik. Er sagt, es gebe in China Hunderte von Stoßdämpferherstellern, darunter einen Deutschen: ZF. Er geht zum Fenster, zeigt auf eine Fabrikhalle. Dort lasse ZF Stoßdämpfer für Chinas U-Bahnen, Lokomotiven, Lastwagen und Busse produzieren. Er zeigt auf eine Wiese. Dort werde bald mit den Arbeiten für die nächste ZF-Fabrik begonnen. »Wer die Kritik an den Piraten beim Wort nimmt, müsste aus China fortbleiben, aber keiner tut das«, sagt Ye.
Ye erklärt sich das Thema deshalb innenpolitisch. Die Kritik an Chinas Produktpiraterie kompensiere in Deutschland die Angst vor Arbeitsplatzverlusten, meint er. In Wirklichkeit geht es ihm zufolge für die deutschen Firmen der Automobilbranche in China längst nicht mehr um Produktklau, sondern um knallharte Konkurrenz. Zwar gibt es die altbekannten Fälle noch: Ein- oder zweimal im Jahr werden nachgemachte ZF-Produkte in scheinbaren Originalverpackungen gefunden, auf denen dann ein Buchstabe anders geschrieben sei. Doch die eigentliche Gefahr droht von den Hunderten chinesischer Nachbauer, die längst unter eigenem Markennamen antreten.
Auf 90 Prozent aller Autoteile gebe es keine Patente, sagt Ye. Das Know-how liege in der Fertigung und in der Funktionalität des Produkts. 80 Prozent der ZF-Qualität würden die chinesischen Konkurrenten inzwischen bringen. Um den knapper werdenden Vorsprung zu halten, müsse man die Mitarbeiter begeistern, damit man nicht zur Durchlaufstation werde. Zugleich müsse das Wissen verteilt werden, damit einzelne Personen bei einem Wechsel nicht zu viel mitnähmen. »In Deutschland sagt der Chef: Du gehst! Hier ist es andersherum. Da muss der Chef die Mannschaft zusammenhalten«, sagt Ye. Auf diese Weise schütze man geistiges Eigentum von ZF in China. Doch selbst das nützte nichts, so Ye, wenn Großkunden aus der Autoindustrie die Zeichnung eines ZF-Autoteils in Form einer Neuanfrage bei der billigeren chinesischen Konkurrenz platzierten. Leider geschehe das oft. Für Autozulieferer wie ZF sei geistiges Eigentum in China deshalb zuallererst eine Frage der Moral großer westlicher Konzerne.
Westliche Politiker sehen das anders allen voran EU-Handelskommissar Peter Mandelson. »In China darf nicht das Gesetz des Dschungels gelten. Deshalb handeln wir jetzt«, sagte Mandelson der ZEIT im Juni. Wie genau, will er bald sagen. Schon bereitet die Regierung in Washington eine Piraterie-Klage gegen China bei der Welthandelsorganisation vor. Ihr könnte sich die EU im Herbst anschließen. Große Geschütze werden aufgefahren – rechtzeitig zu den Kongresswahlen der USA im November und den französischen Präsidentschaftswahlen 2007. Ein neuer China-Protektionismus ist in Sicht.
Tatsächlich drängen die USA vor allem auf den besseren Eigentumsschutz von Software in China, während in Europa insbesondere die französischen und italienischen Luxusartikelhersteller gegen chinesische Kopieprodukte protestieren. Berlin hielt sich unter Schröder lange Zeit mit Kritik zurück, könnte aber nun den Ausschlag für eine härtere Linie der EU geben, und das nicht zuletzt, weil China inzwischen eine große Bedeutung für die deutsche Wirtschaft besitzt. 1997 überschritten die jährlichen Direktinvestitionen in China das erste Mal die Milliarden-Dollargrenze und erreichten nun mehr als 1,5 Milliarden Dollar. Hinzu kommen die steigenden Gewinne, die deutsche Firmen in China erzielen und dort gleich wieder investieren, was längst nicht mehr nur für die großen Automobil- und Chemiekonzerne gilt, sondern auch für viele Mittelständler. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank haben sich inzwischen 661 deutsche Unternehmen in China niedergelassen und erwirtschaften mit 191.000 Beschäftigten einen Jahresumsatz von 24 Milliarden Euro.
Die Hauptkritik der westlichen Politiker und Industrielobbyisten lautet: Zwar sei die Gesetzeslage durchaus eindeutig, doch werde sie von korrupten Behörden und Gerichten unterlaufen. Für Nathalie Berteaux, Sprecherin des französischen Luxusartikelherstellers Louis Vuitton (LVMH), ist die Lage zum Verzweifeln. 90 Prozent aller kopierten LVMH-Produkte würden in China hergestellt. Doch in China seien 2005 auf Antrag von LVMH lediglich zehn Strafverfahren eingeleitet worden. »Die Besitzer der Piratenfabriken werden in China normalerweise nicht bestraft. Man beschränkt sich auf Ordnungsmaßnahmen«, klagt Berteaux. Sie räumt ein, dass die Schuld an den Piratengeschäften nicht einseitig verteilt sei. »Die meisten Käufer sind westliche Ausländer«, weiß Berteaux und lässt offen, wo der Kampf gegen die Piraterie eigentlich wichtiger sei, in China oder daheim beim westlichen Kunden.
Juristisch ist das Problem ebenfalls schwer zu fassen. »Geistige Eigentumsrechte gibt es nur lokal, nicht global«, belehrt der amerikanische Patentanwalt Edward Lehman, der seit 19 Jahren in Peking tätig ist, seine westlichen Kunden. Lehman, man glaubt es kaum, ist über die Jahre zum Verfechter des chinesischen Rechtssystems gereift. Er sagt, in den meisten Fällen, in denen ein wirklicher Rechtsbruch vorliege, erreiche er ein Urteil binnen sechs Monaten, viel schneller als im Westen üblich. Da die Rechtsprechung in Patent- und Markenschutzfällen in Peking zentralisiert sei, habe er es stets mit kundigem Justizpersonal zu tun. Das Problem sei nur, dass sich die wenigsten Klagen westlicher Unternehmen juristisch begründen ließen. Viele westliche Firmen hätten Markennamen und Patente nicht rechtzeitig in China angemeldet. »Wer nicht anmeldet und nicht den chinesischen Gesetzen folgt, erhält in China logischerweise keinen Rechtsschutz. Die Alternative ist dann, sich bei der Presse über Piraten zu beklagen und die chinesische Regierung zu beschimpfen«, sagt Lehman, der berühmte Firmen aufzählen könnte, die sich so verhalten haben. Der deutsche Patentanwalt Ralph Koppitz in Shanghai hat gelernt: »Ich rate deutschen Firmen, die nach China kommen, erst alles kräftig zu registrieren: zum Beispiel die Firmen- und Markennamen in allen Sprachen.« Der Standardfehler sei, den eigenen Namen nicht in chinesischen Schriftzeichen anzumelden. Schnell hätte ihn dann ein chinesischer Konkurrent eingetragen.
An solchen Fehlern mag es liegen, warum auf deutscher Seite so wenig konkrete Fälle für die Verletzung der Eigentumsrechte in China bekannt sind. Adidas und Puma sind Ausnahmen. Beide arbeiten erfolgreich mit chinesischen Privatdetekteien zusammen, um Piraten aufzustöbern. Die deutsche Industrie- und Handelskammer in Peking klagt indes laut; und ihr Lobbyismus ist mitverantwortlich dafür, dass Berlin seine Haltung gegenüber Peking verschärft hat. Nur wenige, wie der Siemens-Aufsichtsratsvorsitzende Heinrich v. Pierer, halten dagegen: »Die Chinesen sind doch nicht nur mit Kopieren beschäftigt. Sie bilden jedes Jahr 400.000 Ingenieure aus, die Technologie erfinden und sie dann gegenüber anderen schützen wollen.« Er verweist auf chinesische Konzerne wie Lenovo oder Haier, die für mehr Patent- und Markenschutz in China eintreten. Dem stimmt auch US-Anwalt Lehman zu: »Chinas große Firmen treten inzwischen global auf und sind genauso auf den Schutz ihrer Marken und Patente angewiesen wie westliche Firmen. Das macht sie zu Verbündeten für mehr Patentschutz.« Bisher waren in China vor allem Schriftsteller und Musiker die Piratenopfer.
Richard Hausmann, der neue Vorsitzende der deutschen Kammer in Peking und Chef von Siemens in China, will die Debatte nun beruhigen. Der gelernte Physiker empfängt im Chefbüro des Unternehmens, das 36.000 Leuten Arbeit gibt: »Definitiv kommen wir in China nicht weiter, wenn wir nur über die Piraten schimpfen. Wir müssen uns der Konkurrenz durch noch mehr Innovation stellen.« Hausmann lobt die Kanzlerin dafür, dass sie die Produktpiraterie in Peking offen angesprochen habe – eine Konfrontation wäre aber falsch. Es sei für manche Unternehmen zwar mitunter gefährlich, in China zu sein, doch viel gefährlicher wäre es, nicht in China zu sein. Er sieht die Piraten als kurzfristiges Problem. Langfristig müssten chinesische Massenmärkte erschlossen werden. Denn Deutsche würden bisher fast nur den High-End-Bereich beliefern.
Hausmann hat einen kleinen Glasschrank, in dem er eine Sammlung von Lego-Autos mit Metallrädern aus den fünfziger und sechziger Jahren pflegt. Seine Begeisterung dafür teilt Hausmann mit Blocko-Chef David Cheng in Nanking.
Nach dem Besuch im Teehaus führt Cheng zu seinem Entwicklungslabor im 29. Stock des Shangmao Century Plaza. Dort sitzen 20 Software-Ingenieure und eine Hand voll Pädagogen vor Bildschirmen und Kisten voller Blocko-Steine. Unter den Augen einer Patentjuristin, die hinter einer Glasscheibe hockt, basteln sie an neuem Spielzeug für Chinas Schulen – Hausmann würde sagen: Sie erfinden Spielzeug für die Breite des Marktes. Auf ihren Regalen stehen mit Blocko zusammengefügte Autos, Fließbänder und Roboter, mit denen Kinder kleine Motor- und Fabriksysteme bauen können. Auch eine elektrische Bohrmaschine lässt sich mit Blocko bauen. Dafür bedurfte es einer Erfindung. David Cheng hält einen winzigen blauen Blocko-Würfel zwischen den Fingern, an dem auf vier Seiten goldene Metallplatten kleben. »Das ist ein stromleitender Baustein. Wir haben ihn bereits patentieren lassen«, erklärt der Blocko-Chef stolz. Er setzt den Stein in eine Blocko-Schaltung zum Studium von Stromkreisläufen im Schulunterricht. Eine Lampe leuchtet auf.
Schon sind Blocko-Steine Teil des Unterrichtsmaterials im Zuge einer Schulreform, die Chinas Schülern weniger Frontalunterricht und mehr eigenständiges Lernen bescheren soll. »Bei der Begleitung der Schulreform sind wir heute ohne Konkurrenz«, freut sich David Cheng. Er weiß, dass er das Material für die historische Mission der Partei liefert: mehr Erfinden, weniger Abschreiben.
Von wegen China, Pirat der Weltwirtschaft. Mit Blocko an den Schulen geht es los. Wie einst mit den kleinen Lego-Autos im Wirtschaftswunderland Deutschland.
- Datum 18.09.2006 - 14:12 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 24.08.2006
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Ja, da hat doch im Jahre 1815 ein gewisser preußischer Hüttenmeister Krigar das know how des englischen Maschinenbauingenieurs Blenkinsop bezüglich eines "Dampfwagens" von der Insel "mit nach Preußen" gebracht um für die schlesischen Kohlegruben ein effektiveres Transportmittel etablieren zu können.
Der erste Versuch schlug übrigens wegen Materialfehler fehl.
Unser aller Meister, der geheime Rat Goethe, war übrigens auch im Plagiat und Industriespionagebussines tätig. Er bereiste als "Torist" diverse ausländische Bergwerke und Hütten um die Technologien abzukupfern.
Das Problem wird "der Kinese" wohl alsbald selber lösen. Denn er wird, wie im Artikel angerissen, alsbald selbst auf Markenschutz angewiesen sein.
Die Frage ist allerdings was wir machen, wenn die Wirtschaft und Wissenschaft eines 1.400.000.000 Volkes mal anfängt zu brummen. Gehn da wieder Mönche los um Seidenraupen in ihren Wanderstäben rauszuschmuggeln? Wir sollten vielleicht schon mal Kontakt mit unserem Landsmann im Vatikan aufnehmen!
Voneinander zu lernen ist im Zeitalter der Globalisierung ein schöner Nebeneffekt und die Chinesen nutzen das heute. Niemand sollte ihnen daraus einen Vorwurf machen, denn die Aufgabe der Weltwirtschaft sollte es zunehmend sein, die technischen Fortschritte als Dividende an jedermann auszuzahlen.
Sind wir in Europa nicht insgeheim oft darüber verärgert, dass sich die Erfinder von lebenswichtigen Dingen meist über Generationen hinweg Gewinne in die Tasche stecken, die sich irgendwann nicht mehr rechtfertigen lassen?
Seitdem sich China bereits einmal in den dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts der totalen Verwestlichung verschreiben wollte, die von Mao allerdings noch einmal fast ein halbes Jahrhundert lang behindert wurde, hat es viel dazugelernt.
Wenn ein immer grösserer Teil unserer Gesellschaft in Zukunft auf Hartz IV Niveau landet und dennoch nicht neue Revolten anzettelt, dann ist das mit dem Umstand zu verdanken/geschuldet, dass sich China's Weg in das dritte Jahrtausend kulturell auch bei uns noch sehr positiv auswirkt.
Es geht nicht darum, dass die Chinesen sich "westliche" Technologien aneignen. Ein Erfindung wie das Automobil oder das Plastikfigurspielzeug ist nicht geschützt. Es geht darum, dass sie 1 zu 1 Kopien von fremden Produkten herrstellen und manchmal sogar die Frechheit besitzen diese unter dem Originalnamen zu verkaufen.
Sie sparen sich dabei Design-, Entwicklungs- und Marketingkosten bzw. stehlen diese vom Originalhersteller und begehen, falls sie den Käufer nicht vorher aufklären, zu dem noch Betrug am Kunden. Blocko Figuren mit eigenem Design unter eigenem Namen sind hingegen völlig legal und zeigt dass China seine Wirtschaft auch ohne Diebstahl und Betrug aufbauen könnte.
Es ist nur viel schwerer selber eine Marke zu etablieren, als sich wie ein Kuckuck ins gelegte Nest zu setzen. Lego ist unter anderem deswegen so erfolgreich geworden, weil das Spielzeug immer fröhlich und gewaltfrei war. Ein Blick unter "www dot blocko dot com dot cn" und dort unter dem Button "Action Storm" zeigt, weshalb diese Firma und ihr Produkt nie in Europa Erfolg haben werden. Unkreativ, Gewalttätig, Beängstigend. Blocko hat nichts von dem was Lego ausmacht.
Woher soll es auch kommen. Die Chinesen haben in ihrer Kulturrevolution alles vernichtet, das ihr Land einst ausgemacht hat. Sie könnten garnicht selber kreativ werden, sie müssten erstmal alle zum Psychiater und ihre nationalen Ängste kurrieren, bevor sie anfangen können mit den Dänen in einen Wettbewerb um das Beste Speilzeugdesign zu treten.
P.S.: Lego ist in letzter Zeit auch kriegerischer und brutaler geworden, bewaffnete Kampfroboter und solcher Mist. In die Lücke, die Lego hinterlässt, stürzt keine chinesische Firma sondern eine deutsche, Playmobil ist heute was Lego mal war.
...dann vielleicht in einer ruhigen Sekunde folgende eigene Passage nochmal auf der Zunge zergehen lassen...
"Die Chinesen haben in ihrer Kulturrevolution alles vernichtet, das ihr Land einst ausgemacht hat. Sie könnten garnicht selber kreativ werden, sie müssten erstmal alle zum Psychiater"
...und dann beim nächsten Mal einen an sich ausgezeichneten Kommentar nicht durch pauschale Beschimpfungen in der Qualität verwässern.
Vergessen Sie bitte nicht, dass das Kopieren komplexerer Güter durchaus einen gewissen Aufwand darstellt: Man braucht Zeit, um die fremde Technologie zu verstehen, und kostspielige Ressourcen, um das Objekt kopieren zu können.
Selbst dann ist ein Erfolg noch nicht garantiert. Denken sie bitte an die Tupolew 144, die Konkordskij. Ein klassischen Beispiel von Industriespionage. Resultat: Absturz nach dem Erstflug, die Maschine wurde nie in Dienst gestellt.
A propos, anstatt sich auf die LEGo-Steinchen zu kaprizieren, sollten wir uns lieber Gedanken um Branchen wie Maschinenbau etc. machen.
Es ist schon ziemlich mutig, dass die ZEIT das Phänomen des Reengineering als Quelle für eigene Innovationen benennt und nicht zwingend immer auf die Produktpiraterie abstellt.
Vergessen wir schließlich nicht, dass wir Deutschen vor 200 Jahren die Dampfmaschine via Industriespionage und Reengineering aus England geholt haben.
Folglich können wir anderen nicht ernsthaft verbieten, sich
Technologie anzueignen. Und ob Markenartikel ihre horrenden Preise tatsächlich rechtfertigen, überlasse ich jedem Leser selbst.
Tatsache ist, dass Reengineering für Entwicklungsländer eine Möglichkeit darstellt, sich eine eigene Industrie aufzubauen und den eigenen Wohlstand zu mehren. Warum es dann Bedenken gegen diese Art von Armutsbekämpfung gibt, bleibt mir fremd.
Ich hege eher den Verdacht, dass die Industrieländer versuchen, ihre im Vergleich zu den Entwicklungsländern abnehmende Innovationskraft u.a. über einen übertriebenen
Schutz geistigen Eigentums zu kaschieren und einen eigentlich nicht rechtfertigbaren Vorsprung aufrecht zu erhalten.
Natürlich ist es rechtlichen und auch moralisch nicht einwandfrei, wenn man imitiert statt zu erfinden, aber wenn unsere einzige Antwort darauf jammern und mauern ist, dann läuft bei uns etwas nicht richtig.
Das erinnert schon fast an die Musikindustrie und ihr Problem mit der Online-Realität. Die Realität ändert sich nicht indem man dagegen ist.
Ich habe vor zwei Tagen einen Presseartikel gelesen, bei dem ich erinnert wurde, dass ich hier noch einen Kommentar einfügen muss. Es ging dort um den Tag der Erfinder der demnächst sein soll. Sinngemäß ging es darum, dass wir in Deutschland heute Erfinder nur noch belächeln. Während in den USA oder Asien das Wort Inventor eine primär positve Assoziation hervorruft, zeigt sich bei dem Wort in unsren Köpfen ein Spinner der versucht eine Zeitmaschine oder ein Perpetuum mobile zu bauen.
Der Erfindergeist ist weg und der Blick nach hinten mit viel Geld für Aktionen wie "Land der Ideen" wird das nicht ändern. Wir schwanken zwischen Start-up Fieber und Gründerwüste. Man muss nicht immer für alles sofort staatliche Institutionen und Pläne schmieden. Etwas mehr kreatives Chaos und Mut.
Wir haben uns übrigens auch als Ideenpiraten versucht indem wir den Erfolg des Silicon Valley nach Deutschland zu importieren trachteten. Alles streng nach Plan; Und haben dabei übersehen, dass genau der strenge Plan des war was das originale Siliziumtal nicht hat.
So klaut jeder vom anderen und alle lernen dazu.
Wer sich die Mühe macht herauszufinden warum vor etwas über 100 Jahren Patentämter geschaffen wurden, wird erkennen, dass es eben genau darum ging, dass Ideen auf den Tisch gelegt werden und andere sich an deren Weiterentwicklung versuchen. Die Veröffentlichung hat man den Erfindern mit einem Ausschließungsrecht "abgekauft". Das hat in der Industrialisierung perfekt funktioniert. Jetzt tut es dass in weiten Bereichen nicht mehr (Softwarepatente, Patente auf Leben, Patenthaie, Aids-Medikamente,...)
Seien wir gespannt, was nach dem derzeitigen Patentwesen kommt. Und hoffen wir, dass wir noch dabei sind. Die Voraussetzungen haben wir (noch).
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