DIE ZEIT: Herr Minister, warum wir? Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble BILD

Wolfgang Schäuble : Die Frage muss lauten: Warum wir nicht? Ich habe immer gesagt: Wir sind Teil eines weltweiten Bedrohungsraums. Die Auseinandersetzung mit dem Terrorismus kennt keine Inseln der Seligen. Zum ersten Mal war jetzt ein Anschlag in Deutschland in der unmittelbaren Durchführungsphase. Wir haben schlicht Glück gehabt, dass die Sprengsätze nicht funktionierten. So nah war die terroristische Bedrohung noch nie.

ZEIT : Wie kann man künftigen Anschlägen vorbeugen?

Schäuble : Wir wissen seit geraumer Zeit, dass die Bedrohung zunehmend von kleinen autonomen Gruppen ausgeht, die man ex ante nicht erkennt. Wir müssen darum die Mittel der präventiven Beobachtung – etwa durch den Verfassungsschutz – verfeinern und verstärken. Darüber hinaus muss die Öffentlichkeit stärker sensibilisiert werden. Ich appelliere besonders an unsere muslimischen Mitbürger, nicht wegzusehen und keine falsch verstandene Solidarität mit gewaltbereiten jungen Leuten zu üben. Wir sind auf Informationen auch von jenen angewiesen, die nahe am Milieu dran sind.

ZEIT : Deutschland war im Libanon-Konflikt nicht beteiligt. Und doch werden wir wegen dieses Krieges angegriffen?

Schäuble : Das ist die im Moment vorherrschende Spekulation.

ZEIT : Wie soll man diese Logik verstehen?