Lebenszeichen Ach, Kindchen!

Harald Martenstein fühlt sich von Frauen unterdrückt

Eine Redakteurin rief an und sagte: »Wir machen eine Sondernummer zum Comeback des Feminismus. Deswegen muss die Kolumne viel kürzer sein als üblich. Sie wirkt sonst zu phallisch, ha, ha.«

Ich verstehe diese Welt nicht. Frauen sind seit Jahren auf dem Vormarsch. Immer mehr Kanzlerinnen und Anchor-Women. Der Feminismus ist eine Revolution von oben. Jetzt sagen die Frauen: »Ja, es gab für uns Fortschritte. Aber es genügt nicht.« Wie in Russland 1917! Die Menschewiken wollten Russland friedlich reformieren, aber die Bolschewiken sagten: Es genügt nicht. Jetzt rufen die Frauen: »Quatsch! Männer dominieren Frauen noch immer!« Aber ich doch nicht, Kindchen. Ich werde von den Frauen dominiert. Das gibt jeder zu, der meine Lebensverhältnisse kennt. Ich habe es mir außerdem nicht ausgesucht, ein Mann zu sein. Ich habe mich, anders als Günter Grass, nicht mit 15 freiwillig gemeldet. Ich bin eingezogen worden. Die Frauen rufen: »Es geht nicht um dich privat. Es geht um die Verhältnisse, um gleiche Karrierechancen.« Der Beruf ist für Männer doch der einzige Bereich, in dem sie sich noch frei entfalten dürfen. Wenn es im Alltag mehr Männerrechte gäbe, würden Männer das Interesse an Karriere weitgehend verlieren.

Ich fordere das Recht, jederzeit meine Lieblingsmusik hören zu dürfen. Ich fordere das Recht, anziehen zu dürfen, was ich möchte, auch wenn es unmöglich aussieht. Ich fordere das Recht, nicht krumm angekuckt zu werden, wenn ich ein Bier aus dem Kühlschrank hole. Ich fordere das Recht, das Fernsehprogramm mitzubestimmen. Ich fordere das Recht, nicht immer im Restaurant die Rechnung bezahlen und für jeden bizarren Stimmungswandel Verständnis haben zu müssen. Dann hätte auch ich an einer Karriere kein Interesse mehr.

Ich erkläre in aller Ruhe, wie es entstanden ist, okay? Männer sind aggressiver, weil sie Millionen von Jahren hindurch jagen mussten. Mein Gott, so ein Wildschwein kann man halt nicht durch weibliche Intuition erlegen. Die Steinzeitmänner wollten gar nicht jagen. Die hätten lieber gekocht. Männer sind bessere Köche, weil sie mutiger sind beim Würzen, den Mut haben sie auch wieder wegen der Jagd. Männer mussten jagen, weil Madame mit einem Säugling an der Brust schlecht jagen konnte. Man muss all diese Dinge, wie bei Grass, aus der damaligen Zeit heraus verstehen. Weil sie fünf Millionen Jahre lang für die Frauen das Essen besorgt haben, sind Männer aggressiver, dies kommt ihnen bei der Karriere zugute, es wird ihnen aber zum Vorwurf gemacht.

Dann ist die Redakteurin gekommen und hat mir das beste Stück von meiner Kolumne abgeschnitten.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Nieder

    mit den Tagesthemen-Moderatorinnen dieser Welt und ihren Klons
    in Redaktionen, der Karrierewelt und auf der Straße!
    Nieder mit weiblicher Affektiertheit und Kompetenz-Getue!
    Ein Hoch auf alle Riot-Girls und auf Frauen, die gern zu Hause in Jogging-Hose sind und dabei so sinnlich und sexy aussehen!

  2. Lieber Harald,
    es ist wieder eine Freude Ihre Worte zu lesen. Natürlich ist es nicht immer nachvollziehbar, was die Frauenbewegung bezwecken will, denn es gibt ja in der Tat viele, viele Sachzwänge, wo Frauen und Männer nicht gleichzuschalten sind. Das mag sich ja in 50 Jahren geändert haben, aber auch da wird es immer noch kein Gleichsein geben. So hoffe ich, wenn Sie nach unten schauen, doch noch alles dran ist.
    Liebe Grüße Ihr LK

  3. nimm's nicht so schwer. Sei froh das sie nur deine Kolummne gekürzt haben. Du solltest deiner Kollegin mit Charme begegnen, vielleicht unterstützt sie dich und du darfst bei einer der nächsten Zeit-Ausgaben dein bestes Stück etwas länger machen. Ich meine natürlich deine Kolumne, die ich immer zuerst in jeder Ausgabe lese ;-)

    Das schreibt dir ein Mann.

    • Friich
    • 25.08.2006 um 16:53 Uhr

    Three cheers for the little difference and for Eva Herman!

  4. warum lassen Sie sich denn so unterdrücken? Wer guckst Sie denn schief an, wenn Sie Bier trinken? Wagen Sie es einfach! Frauen können sich als unglaublich lernfähig erweisen, wenn man nur resolut genug auftritt.

  5. das abgeschnittene Stück der Kolumne zu lesen!

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