Kulturerbe Genie und Gier

Dresdens Grünes Gewölbe in neuem Glanz: Deutschlands größte Schatzkammer erzählt eine beispiellose Geschichte.

Dresden feiert, feiert ohne Ende: erst die Weihe der Frauenkirche , dann das Stadtjubiläum (800 Jahre – recht bescheiden, verglichen mit Köln oder Mainz, die längst ins dritte Jahrtausend schunkeln!) und jetzt die Wiedergeburt des Historischen Grünen Gewölbes. Am 1. September eröffnet die Bundeskanzlerin die wiedererstandene Schatzkammer im Westflügel der Residenz.

Es sind jene Räume, in denen Friedrich August I., der Starke, Kurfürst von Sachsen und König von Polen, Ende des 17., Anfang des 18. Jahrhunderts seine Vision vom barocken Gesamtkunstwerk verwirklichte, eine glanzvolle Schau seines Reichtums, seiner absolutistischen Macht. Und heute eine der prachtvollsten Pretiosen-Sammlungen der Welt.

Im Vorgewölbe ruhen Reliquien der Geschichte in sanftem Licht: die goldene Trinkschale Iwans des Schrecklichen, der Pokal der heiligen Hedwig, der Mundbecher Martin Luthers. Dazu die Bibel des großen Gustav Adolf, König von Schweden.

Eine Staub- und Klimaschleuse trennt die Außen- von der Innenwelt. Dahinter liegt das Bernsteinkabinett im magischen Dunkel, denn Bernstein ist lichtscheu. Dieses Kabinett, ein Geschenk des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. an August den Starken, bleibt in jeder Beziehung eine Rarität. Es ist, nach dem Untergang des legendären Bernsteinzimmers, das weltgrößte Kunstwerk in Bernstein. Und es erinnert an die zwei Jahre (von dreihundert Jahren gemeinsamer Geschichte), in denen sich Preußen und Sachsen so gut verstanden, dass sie sich Liebesgaben dieser Größenordnung verehrten.

Schildkrötenpanzer, Natternzungen, Alraunen, ein Hasengeweih

Es ist nicht nur der Bernstein, der in diesem Raum fasziniert. Wo gibt es noch so herrlichen Serpentin zu bewundern, den grün schimmernden sächsischen Marmor, den Schlangenstein, von dem es heißt, er helfe gegen Lungenschwindsucht, Bauch- und Kopfgrimmen? Die letzten Steine wurden in der DDR-Zeit gebrochen, um sie als Straßenschotter zu verwenden, aber das ist eine andere Geschichte.

Es folgt Augusts Elfenbeinzimmer mit mehr als 200 Kunstwerken, darunter der bogenschnitzende Amor des genialen Balthasar Permoser. Im Weißsilberzimmer prunkt manch reich verziertes Rhinozeroshorn und die Kokosnuss als Willkommenspokal; die Wände leuchten in herrlichem Zinnober. Malachitgrün dafür, nun endlich, das Silbervergoldete Zimmer, vielleicht etwas grell. »Kommen Sie in zweihundert Jahren wieder«, sagt Dirk Syndram, Direktor des Grünen Gewölbes, »dann haben wir hier wieder den richtigen Farbton.«

Im Silbervergoldeten Zimmer badete August einst die Augen in purem Gold. Hier genoss er, wie Syndram meint, das Glück des Dagobert Duck im Geldspeicher. Goldschätze wie Pokale oder Münzen gibt es heute hier allerdings nicht mehr, dafür eine wundervolle Sammlung Goldrubinglas. Das Silbervergoldete Zimmer war beim großen Bombenangriff auf Dresden im Februar 1945 völlig ausgebrannt, und es grenzt an ein Wunder, dass die Stuckdecke aus dem 16. Jahrhundert im nächsten Raum, dem Saal der Pretiosen, das Inferno überstanden hat. Ein Festsaal der Renaissance ist hier zu bestaunen, im Kristallglanz der barocken Spiegel, die das Familienerbe fantasievoll verzierter Straußeneipokale verdoppeln. Nautilusschalen leuchten, Perlboote aus den Tiefen des Indischen Ozeans, Boten aus einer fernen Welt.

Mit dem »Familiensilber« beginnt die Geschichte des Grünen Gewölbes. Um 1543 wurde eine Liste der Bestände angelegt, die Herzog Moritz (1521 bis 1553) im »hinteren Gewölbe« in fünf Schränken verwahrte. Dort sammelten sich bald merkwürdige Dinge: ein Hasengeweih, Alraunen, Schildkrötenpanzer und Natternzungen, Bergkristalle und Korallenzinken.

Kurfürst August (1526 bis 1586), sein jüngerer Bruder, ein herrlicher Dickschädel, von Lucas Cranach gemalt, drechselte höchstselbst; 136 fürstliche Elfenbeintürme und Ziersäulen von ihm sind erhalten. Eine Kunstkammer entstand, die auch zur Aufbewahrung für allerlei Erfindungen diente. Doch das Herzstück blieb die Schatzkammer, die Sohn Christian I. (1560 bis 1591) dann zum Hochsicherheitstrakt machte, zur »Geheimen Verwahrung des Grünen Gewölbes«; ihren Namen erhielt sie von den besagten malachitgrün gestrichenen Wänden. Niemand durfte hinein, der Hof hatte keinen Zugang mehr zu den geheimnisvollen fünf Schränken.

Auch die Kunstkammer blieb wohlverriegelt. Als ein Schlossergeselle, mit Reparaturarbeiten betraut, sich dafür einen Nachschlüssel verschaffte und das eine oder andere fürstliche Stück entwendete, wurde er zum Tode verurteilt. Er starb an einem prächtigen eisernen Galgen, den sein Dienstherr, der Hofschlosser, anfertigen musste, wegen Verletzung der Aufsichtspflichten auf eigene Kosten.

Die Vielfalt des Schatzes ist ohne Vergleich. Daphne grüßt als Trinkgefäß: eine silbervergoldete Nymphe im Augenblick der Verwandlung. Kopf und Hände werden zum Baum, zu Gezweig – in Gestalt einer rot lohenden Koralle, die wiederum selbst ein Wesen in Verwandlung ist: Stein und Tier und Pflanze zugleich. Und dort segelt die Elfenbeinfregatte mit hauchzart geschnitzten Segeln und Goldfadentakelage durchs Licht. Neptun stemmt das Staatsschiff, das Jakob Zeller gefertigt hat, ein zauberhaftes Werk, entstanden 1620. Es war das dritte Jahr des Dreißigjährigen Krieges, da er just zum Flächenbrand wurde und Mitteleuropa zu verwüsten begann. Auch lange Zeit danach fehlte es an Geld, um in Kunst zu investieren. Wer konnte, sammelte Truppen.

Ein halbes Jahrhundert später führte August der Starke, geboren im Mai 1670 in Dresden, sein Haus zu neuer Größe. 1697 bewarb er sich um die Krone Polens. Die Adelsrepublik wählte ihre Könige selbst. August trat kurzerhand zum katholischen Glauben über, zeigte seine Schätze, gewann die Wahl. Nun war er als August II. König von Polen. Seine lieben Sachsen durften weiter protestantisch bleiben, auch Gemahlin Christiane Eberhardine blieb fest im lutherischen Glauben.

Ein Staatsmann von einnehmendem Wesen, wie man so sagt: 1703 führte er die Akzise ein, nun musste auch der Adel Steuern zahlen. August erfand den ersten Rechnungshof, befahl die Wehrpflicht. Immer wieder führte er Krieg. Er ließ eine Geschwindschusskanone entwickeln, die nicht mit Kugeln, sondern mit Granaten schoss. Keine Armee hatte so schicke Uniformen, nur das Siegen fiel ihr schwer.

Im Nordischen Krieg gegen das Schweden KarlsXII. verließ ihn vollends das Glück. Seine Armee wurde geschlagen. Vorübergehend musste er die polnische Krone niederlegen. Die Schweden besetzten Sachsen, verlangten hohe Kriegstribute. Woher nehmen? August vermietete 12000 sächsische Soldaten an Holland für den Krieg gegen Frankreich und erhielt dafür 19 Tonnen Gold.

Trotz der stürmischen Zeiten befahl der König Komödie und Redoute. Beim Fest der Venus 1709 trat er als Ares, als Kriegsgott, auf, beim Wettkampf der Erdteile spielte er den König von Afrika und verließ die Arena als Herr der Welt. August, Prachtkerl unter den Monarchen der Weltgeschichte, Regisseur und Hauptdarsteller zugleich, glänzte als Künstler und Eventproduzent.

1721 schwiegen die Waffen endlich. In den folgenden zwei, drei Jahrzehnten erlebte Sachsens höfische Kultur ihr goldenes Zeitalter. August der Starke sah keinen Grund, seinen Reichtum zu verstecken. Er wollte das geheimnisvolle Gewölbe in ein öffentliches Museum verwandeln. Zwischen 1723 und 1730 machte sich Hofbaumeister Matthäus Daniel Pöppelmann daran, die Räume auszustatten. Eben hatte der Meister den Zwinger und den Umbau der Moritzburg nördlich von Dresden vollendet. Nun legte er Entwürfe für ein ganz neues Stadtschloss vor. Aber August, zwischenzeitlich etwas klamm, genügte ein Umbau der bestehenden Residenz. Und darin war nun, von 1730 an, gegen Entgelt, auch das Grüne Gewölbe zu bestaunen.

Zur Zeit August des Starken leben 93 Goldschmiedemeister in Dresden

Wo sonst gab es solche Handwerkskunst? Meisterwerke, zauberhaft, verspielt, verwirrend im Reichtum an Fantasie, in ihrer Eleganz und tänzerischen Schwerelosigkeit. Die schönen Dinge der Dinglingers, des Hofgoldschmieds Johann Melchior Dinglinger aus Biberach und seiner Brüder, des Malers und Königlichen Hof-Emailleurs Georg Friedrich und Georg Christophs, der ebenfalls Goldschmied war. Sie legten, gegen gute Bezahlung, August ihr Lebenswerk zu Füßen, ein Prachtstück nach dem anderen, Virtuositäten von filigraner Perfektion, wie die massiv goldenen, aufs feinste mit fernöstlichen Motiven emaillierten Tassen des Goldenen Kaffeezeugs – eine fast meterhohe Pyramide aus Gold und Silber mit Stufen und Podesten für Zierkannen und Spülkummen, Dosen, Juwelen, Perlen und Putten, ein Hochgebirge zierlicher Chinoiserie. Oder das unbeschreibliche Kabinettstück des Hofstaats zu Delhi am Geburtstag des Großmoguls Aureng-Zeb, geschaffen zwischen 1701 und 1708, für das August der Starke 58485 Reichstaler zahlte, so viel wie für das Rittergut Pillnitz. Ein märchenhaftes Ensemble, Kostümfest und Schaubühne jenes sagenhaften Reichtums, den Indien symbolisierte, das einzige Land, das zur augusteischen Zeit Diamanten lieferte. Anschaulich zeigen Architektur, Sänften, Elefanten und die kaum fingergroßen Figuren ein Abbild der orientalischen Welt, welche die Dinglingers nur aus Illustrationen völkerkundlicher und enzyklopädischer Reiseberichte kannten, ein erstaunlich authentisch wirkendes, farbiges Bild, das Europas damaliges Wissen über das ferne Indien wie in einer Puppenstube versammelt.

Das barocke Menschenbild und seine Exoten: Wenn die Juweliere eine verwachsene, übergroße Perle in die Hände bekamen, verarbeiteten sie die schimmernden Wucherungen zum Körper zierlicher Grotesk-Figuren, zum einäugigen Bettler mit dem Stelzfuß, zum Koch, der auf dem Bratrost geigt, zum Harlekin mit der Negermaske, der mit dem Kopf wackeln kann. »Mohren« reizten die europäische Fantasie. Exotische Naturschönheiten entstanden schon im 16. und 17. Jahrhundert, wie die schwarze Venus in Bronze, die afrikanischen Krieger aus Ebenholz, der Mohr aus lackiertem Birnbaumholz, der in Wahrheit ein Indianer ist. Er hält die »Große Smaragdstufe«, eine gewichtige mineralogische Rarität, die 1581 gleichsam im Kielwasser der Conquista mit nach Europa geschwemmt worden war und den Reichtum der Edelsteinvorkommen Kolumbiens zeigen sollte – eine Fälschung. Man habe ein paar Smaragde hinzugefügt, »ein glatter Investmentbetrug«, lächelt Direktor Syndram, »aber kulturhistorisch höchst bedeutend«. Das Prachtexemplar kam aus Prag nach Sachsen, ein Geschenk des wunderlichen Kaisers Rudolf II.

Im so genannten Raum der reisenden Pretiosen beeindruckt die lederne Forelle als Etui für sechs kleine Messer mit Perlmuttergriff. Im Mikrokabinett hilft eine Lupe beim Staunen über den Kirschkern mit den 186 Angesichtern. Auch wenn es nach neuerer Forschung nur 113 Köpfe sind, die ein Minimalist in den Kern geschnitzt hat, ein Geniestreich bleibt es trotzdem. Ein paar Schritte weiter winzelt die Kompakt-Bibel: Arche Noah, die Eherne Schlange, Heiland am Kreuz plus vier Mannsbilder, vermutlich die Evangelisten, alles auf einem Kirschkern, unfassbar!

August liebte die Maschinenkunst, wie die kleine automatische Spinne, sammelte Uhren. Eine tickt im Rachen eines Löwen, eine andere im Bauch eines Pferdes, das ein Türke reitet. Beim Glockenschlag bewegt er Arme und Beine. Dazu finden sich im Inventar des frühen 18. Jahrhunderts etwa 100 chirurgische Instrumente und nahezu 150 anatomische Präparate, aber auch makabre Kuriositäten wie moosbewachsene Schädel. Der erste Anatomiekämmerer war übrigens der kurfürstliche Leibbarbier. Worüber die Herren sich beim Rasieren wohl unterhalten haben?

Augusts Hofstaat zählte zweieinhalbtausend Menschen und war größer als der des Kaisers. Rund 46000 Menschen lebten in Dresden, darunter 93Goldschmiedemeister. Der Hof strahlte als ein europäisches Zentrum der Künste und der Künstler. Die Besten waren gerade gut genug: barocke Jahrhundertfiguren wie der Architekt Matthäus Daniel Pöppelmann aus Herford, der Erbauer des Zwingers, und der Bildhauer Balthasar Permoser aus Kammer bei Traunstein, der in Florenz sein Handwerk gelernt hatte und den Zwinger mit seinen lebensgroßen Figuren in ein Olympierstadion verwandelte, aber auch göttliche Miniaturen in Elfenbein schnitzte, die zu den elegantesten Erscheinungen in der Sammlung des Grünen Gewölbes zählen.

Aus Venedig kam Hofmaler Johann Baptist Grone, aus dem Erzgebirge stammten George Bähr, der 1722 vom Rat der Stadt Dresden den Auftrag erhielt, die Frauenkirche zu bauen, und der Orgelbauer Gottfried Silbermann, der im nahen Freiberg seine Werkstatt einrichtete. Augusts besondere Aufmerksamkeit aber galt Johann Friedrich Böttger, dem Alchimisten aus dem thüringischen Schleiz, der leichtsinnigerweise behauptet hatte, er könne Gold herstellen. Stattdessen gelang ihm 1709 als erstem Europäer die Produktion des weißen Hartporzellans, das in China schon lange bekannt war. (Allerdings kann es auch sein, dass gar nicht er es war, der die richtige Mischung der Erden herausgefunden hat, sondern sein königlicher Aufpasser, der Hofphysikus Ehrenfried Walther von Tschirnhaus – darüber streiten die Kenner noch.)

August und seine Baumeister inszenierten Dresden als lebendiges Kunstwerk. Dass der König manchen Schatz auch nur für eine Nacht eroberte, mehrt seinen Ruhm. Die Zahl der Mätressen ist Legende, die Zahl der Nachkommen auch. Mehr als der berühmte Kirschkern Köpfe zählt, nach preußischer Zählung, nachweislich sind es vierzehn, ein unerschöpfliches Thema für die Ahnenforschung. Der Wettiner liebte Champagner und Tokaier, aber sein Magen war empfindlich, und die Galle schmerzte. Am 1. Februar 1733 starb der König, 62 Jahre alt, an den Folgen von Diabetes.

1958 gibt Nikita Chruschtschow einen Teil der Schätze zurück

Auch sein Sohn August III. liebte die Künste (den Krieg weniger). Er holte Raffaels Sixtinische Madonna nach Dresden und den venezianischen Vedutenmaler Bernardo Bellotto, der sich, nach seinem berühmten Onkel, Canaletto nannte. Johann Sebastian Bach widmete dem König Jubelchöre, die er später ins Weihnachtsoratorium montierte, und im Saal der Pretiosen glänzt die überaus kostbare Hutagraffe mit dem berühmten Grünen Diamanten, für die August die Staatskasse plünderte. 400.000 Taler zahlte er dafür, anderthalbmal so viel, wie der Bau der Frauenkirche verschlungen hatte. Man kennt die Summe, weil Friedrich der Große sie kopfschüttelnd nannte. Diese Ausgabe war auch der Grund, warum Sachsen im Siebenjährigen Krieg kaum Truppen und so gut wie keine Kanone aufzubieten hatte.

Wunderbarerweise überstand die Schatzkammer jene Zeitläufte ohne Schaden, selbst die preußische Bombardierung Dresdens 1760, die napoleonischen Feldzüge, die Revolution von 1849. Erst im Zweiten Weltkrieg musste auch das Grüne Gewölbe leiden. Schon 1938 war die Sammlung geschlossen worden. Die Objekte wurden verpackt und 1942 schließlich auf die Veste Königstein gebracht. Eine weise Maßnahme; denn beim großen Luftangriff auf Dresden wurde auch das Schloss schwer getroffen, drei der fünf Säle des Gewölbes brannten völlig aus.

Nach dem Krieg beschlagnahmte die Trophäenkommission der sowjetischen Armee die ausgelagerten Werke und verschleppte sie in die UdSSR. Die Bestände des Grünen Gewölbes, der Rüstkammer, des Münzkabinetts sowie der Antikensammlung wurden vollständig abgeräumt, von der Gemäldegalerie, dem Kupferstichkabinett und der Porzellansammlung blieb nur ein kümmerlicher Rest an der Elbe.

Doch die Kriegswut verrauchte. Stalin starb, und zehn Jahre nach der Kapitulation der Wehrmacht beschloss die Regierung der Sowjetunion unter Nikita Chruschtschow am 31. März 1955, die Meisterwerke der Dresdner Gemäldegalerie »dem deutschen Volk« zurückzugeben. Knapp zwei Jahre später begann Lothar Bolz, Außenminister der DDR, mit den Verhandlungen über die Rückgabe auch der anderen Kunstschätze. Von 2.614.874 im Jahr 1957 registrierten Objekten wurden 1958 insgesamt 1.569.176 Teile nach (Ost-)Deutschland zurückgebracht, den größten Anteil daran hatten die Dresdner Bestände. 1959 zogen Teile der Sammlung ins Albertinum; 1974 wurde dort, im Südtrakt, eine Dauerausstellung mit Schätzen aus dem Grünen Gewölbe eröffnet.

Zehn Jahre später begann der Wiederaufbau des Schlosses. Nach der Wende dann legte das sächsische Kabinett die Nutzung des Schlosses fest: Als »Residenz der Kunst und Wissenschaft« soll es künftig dienen. Am 8. September 2004 war das erste Obergeschoss des Westflügels so weit hergerichtet, dass es als »Neues Grünes Gewölbe« 1080 Meisterwerke aufnehmen konnte. Nun, mit der Eröffnung des Historischen Grünen Gewölbes, ist das Unternehmen vollendet. Insgesamt werden jetzt über 4000 Werke der Sammlung gezeigt. Und das ist mehr, als selbst August der Starke jemals auf einen Blick zu sehen bekam.

Der Autor ist Journalist und lebt in Hamburg. Das Grüne Gewölbe ist vom 14. September an für das Publikum geöffnet. Auskunft gibt der Besucherservice der Staatlichen Kunstsammlungen, Tel. 0351/49 14 2000; E-Mail: besucherservice@skd-dresden.de (Die Eintrittskarten sind limitiert und müssen gebucht werden!)

ZUM THEMA:
Das 800 Jahre alte Dresden aus der Sicht einer Achtjährigen »

 
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