Reiseunternehmen Viele Grüße aus TUI-Land

Harte Zeiten für Europas größten Urlaubskonzern. Eine Rundreise zu den Baustellen der TUI AG.

Strategie-Workshop in Salzburg

Aufsichtsräte und Führung des TUI- Konzerns haben bei ihrer jährlichen Strategietagung angesichts der schwierigen Lage des Unternehmens wichtige Weichenstellungen für die Zukunft beschlossen. Dazu gehört die Zusammenlegung der deutschen TUI-Fluggesellschaften Hapag-Lloyd Express (HLX) und Hapagfly sowie einige Personalentscheidungen an der Spitze des Konzerns, teilte das Unternehmen nach der zweitägigen Sitzung im Salzburger Land am Donnerstag in Hannover mit. Weitere strategische Optionen im Flugmarkt würden geprüft.

Richtig rund läuft es derzeit weder bei den Fluggesellschaften noch bei den Schiffen oder Pauschalreisen. Der Kurs der im Dax notierten Tui-Aktie sank während der vergangenen zwölf Monate um ein Viertel.

Die Strategie ist ein heikles Thema bei Tui. Waren alle Entscheidungen von Vorstandschef Michael Frenzel richtig, der das einstige Industriekonglomerat Preussag in einen Touristik- und Schifffahrtskonzern umbaute? Als der 59-jährige Jurist Ende der achtziger Jahre zur Preussag AG kam, stieß er nach und nach alles ab, was nichts mit Logistik und Touristik zu tun hatte. Stattdessen kaufte er unter anderem die Reederei Hapag-Lloyd und 1999 die Touristik Union International (Tui), die später dem gesamten Konzern den Namen gab. Heute beschäftigt Tui weltweit knapp 63.000 Mitarbeiter. Der Umsatz lag im vergangenen Jahr bei 19,6 Milliarden Euro.

Unter anderem durch eine Neuausrichtung der Führungsstruktur mit der Bündelung des touristischen Geschäfts im In- und Ausland sowie der Bereiche Flug und Internet unter Vorstandsmitglied Peter Rothwell will TUI-Chef Michael Frenzel die Probleme angehen. Der bisherige Flugbereichsleiter Christoph Müller (44) wird nach einem Beschluss des Aufsichtsrates ebenfalls in den Vorstand aufrücken und dort für das Ressort Controlling zuständig sein. Er löst dort Sebastian Ebel (43) ab, der seinen Vetrag in beiderseitigem Einverständnis auflöst, wie es heißt. Der Touristiker Bart Brackx (44) wird zuständig für das Reisegeschäft in Westeuropa, wo vor allem Frankreich Probleme macht. Sein Vorgänger Eric Debry verlässt den Konzern.

Frachter in der Flaute

Mehr als 140 Schiffe fahren für die Konzerntochter Hapag-Lloyd, die fünftgrößte Container-Reederei der Welt.

Gemessen am Umsatz, war das Frachtgeschäft stets profitabler als der Tourismus, allerdings meldete TUI für das zweite Quartal 2006 einen Verlust in der Sparte. Verantwortlich seien die Kosten für die Integration der kanadischen Reederei CP Ships, die TUI 2005 gekauft hatte. Zudem hätten gesunkene Frachtraten und höhere Treibstoffpreise das Ergebnis belastet. »Hapag-Lloyd ist nicht das einzige Unternehmen, das Bunkeröl auf dem Markt kaufen muss«, sagte TUI-Finanzvorstand Rainer Feuerhake kürzlich. Das sei kein spezielles Problem des Konzerns, denn die Konkurrenten hätten darunter ebenfalls zu leiden.

Wirbel in den Wolken

Seit Ende Juni haben Hapagfly und HLX einen gemeinsamen Tarifvertrag und demnächst auch einen einheitlichen Flugplan. Christoph Müller, Leiter der TUI-Flugsparte, wird damit zwei Probleme los, die einer Vereinigung der beiden TUI-eigenen Fluglinien bisher im Wege standen.

Aber da sind ja noch die fünf anderen Fluglinien des Konzerns in verschiedenen Ländern. Und auch in Deutschland ist die Zukunft weiter offen: Selbst gemeinsam dürften die 51 Maschinen von Hapagfly und HLX nicht ausreichen, um den Konkurrenten Air Berlin ernsthaft zu bedrängen, denn der hat nach der Übernahme der dba nun eine Flotte von 84 Maschinen. Weiter zukaufen? Condor oder die defizitäre LTU sind vielleicht bald zu haben. Analysten empfehlen TUI-Vorstandschef Michael Frenzel das Gegenteil. Doch bislang ist dieser nicht bereit, seine Fluggesellschaften abzustoßen.

Ratlos im Reisebüro

Ob Airtours, L’tur oder Robinson Club: Überall ist Tui drin. Der Urlaubsriese gebietet über 75 Veranstalter, 3300 Reisebüros und 165000 Hotelbetten.

Das Geschäftsmodell nennt sich »integrierter Tourismuskonzern«. Tui bietet die Beratung im Reisebüro, den Flug und das Hotel aus einer Hand – und verdient an jeder Stelle. Das Konzept ist stark auf Pauschalreisen zugeschnitten, nur: »Pauschalreisen verlieren an Bedeutung«, glaubt etwa die Unternehmensberatung Mercer. »An die Stelle der klassischen Badeferien mit einer Länge von ein bis zwei Wochen treten heute mehrere kürzere Reisen.« Hinzu kommt, dass sich Kunden im Internet ihre Reisebestandteile bei diversen Anbietern zunehmend selbst zusammenstellen.

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    Service