Manchmal kann das Erwartbare überraschen. Wo sie denn am liebsten arbeiten möchten, hat das Berli-ner trendence Institut für Personalmarketing Schüler der Abschlussklassen in ganz Deutschland gefragt. Das Ergebnis der repräsentativen Studie, an der sich mehr als 12000 Jugendliche aus Realschulen, Gesamtschulen und Gymnasien beteiligt haben, bestätigt so manches Klischee: Jungen wollen Soldaten werden oder schnelle Autos bauen, Mädchen wollen ins Fernsehen oder zu H&M. Nur ein Traumberuf verbindet beide: Polizist. BILD

Das Ergebnis ist so deutlich, dass es den Forschern fast ein wenig peinlich ist. »Die Wünsche bleiben sehr im Rahmen der eigenen Lebenswelt«, sagt Manja Ledderhos von trendence. Die Studie, die den Namen Schülerbarometer 2006 trägt, zeigt: Die Jugendlichen haben eine Vorstellung davon, was ein Polizist tut. Sie sehen viel und gerne fern, und sie mögen billige Mode aus Schweden.

In der Umfrage standen nur Unternehmen zur Auswahl, die eine nennenswerte Zahl an Ausbildungsplätzen in Deutschland anbieten. »Hätten wir zum Beispiel Ferrari mit hineingenommen, wären die sicher auf einem der vorderen Plätze gelandet, weil Jungs schnelle Autos mögen«, sagt Ledderhos. Dass Ferraris in Italien gebaut werden und das Unternehmen in Deutschland gar keine Ausbildungsplätze anbietet, sei kaum einem Befragten aufgefallen. Aus demselben Grund wurde das ZDF stellvertretend für das öffentlich-rechtliche Fernsehen in die Befragung aufgenommen. Die ARD hätte wahrscheinlich ähnliche Ergebnisse erzielt, bildet aber nicht aus. Das tun nur die in der ARD zusammengeschlossenen Sender.

Das trendence Institut hat sich auf empirische Studien zur Berufsorientierung junger Menschen spezialisiert. Seine Kunden sind Unternehmen. Große Beachtung fand in der Vergangenheit regelmäßig eine Studie, die die Beliebtheit der Arbeitgeber bei Hochschulabgängern erhebt. Das so genannte Absolventen-Barometer wird in den Personalabteilungen jedes Jahr mit Spannung erwartet. Denn die Ergebnisse spiegeln den Marktwert der Unternehmen bei den Bewerbern wider: Wer ganz oben auf der Liste steht, kann sich die Besten eines Jahrgangs aussuchen. Deshalb findet auch innerhalb der Branchen ein Wettlauf um die besten Plätze statt. Ob unter den Automobilherstellern Porsche, BMW oder Audi führt, kann den Ausschlag dafür geben, wer in den nächsten Jahren die besten Ingenieure verpflichten kann. BILD

Im Schülerbarometer 2006 wurden nun erstmals junge Menschen befragt, noch bevor sie sich für eine Ausbildung oder ein Studium entschieden haben. Die Teilnehmer sollten darin nicht nur ihre Wunsch-Arbeitgeber nennen, sondern auch Angaben dazu machen, was sie von einem Unternehmen erwarten und wie sie sich ihre Karriere vorstellen. Zusammen genommen sollen die Ergebnisse es den Firmen erleichtern, ihre Zielgruppe besser anzusprechen, damit sie ihnen nicht im Laufe ihres Bildungsweges verloren gehen.

Wichtigstes Kriterium bei der Wahl ihres Wunsch-Arbeitgebers war für die Schüler, dass dort »interessante und vielseitige Aufgaben« auf sie warten und dass das Unternehmen »attraktive Produkte oder Dienstleistungen« anbietet. An dritter Stelle rangiert die Erwartung, der Betrieb sei »ein gutes Sprungbrett für das weitere Berufsleben«.

Es mag verwundern , dass ausgerechnet Polizei und Bundeswehr diese Erwartungen erfüllen sollen. Innen- und Verteidigungsminister dürften sich jedenfalls über das gute Abschneiden freuen. Für Berufsforscher dagegen sind die Ergebnisse eher ein Grund zur Sorge. »Die Studie bestätigt, wovor wir schon lange warnen«, sagt Felix Rauner, Professor am Institut für Technik und Bildung an der Universität Bremen. »Sie zeigt einmal mehr, dass Berufsorientierung und Berufsvorbereitung in Deutschland dramatisch unterentwickelt sind.« BILD