11. September Welt voller LückenSeite 2/2
II. Der Einmarsch in den Irak war das zentrale Ergebnis des Versuchs, die Welt nach dem 11. September 2001 neu zu verstehen. Rund um das Weiße Haus wurde es zum Mantra, dass wie einst der Kalte Krieg nun der Krieg gegen den Terror zum Kompass der amerikanischen Außenpolitik werden müsse. Dieser Idee liegt freilich ein Trugschluss zugrunde. Die Bedrohung durch Terroristen existiert tatsächlich, und sie wächst vermutlich weiter an. Dennoch kann diese Herausforderung nicht wie zuvor der Kalte Krieg der amerikanischen Außenpolitik als Richtschnur dienen. Den Kampf gegen den Terrorismus zum obersten Ziel zu erklären verschafft noch keine Klarheit darüber, wie sich die Vereinigten Staaten zum Aufstieg von Indien und China verhalten sollten – zwei neue Mächte, die integrale (wenn auch nicht zentrale) Bestandteile der Landkarte des Kalten Krieges waren. Der Vorrang der Terrorbekämpfung gibt auch keinen Aufschluss über die richtige Strategie im Umgang mit den unruhigen Gesellschaften Lateinamerikas, die Washington vergessen zu haben scheint, derweil China dorthin regen Handel treibt. Ebenfalls bietet der Kampf gegen den Terror keine Orientierung für die humanitären und politischen Krisen Afrikas, er gibt keine Hinweise auf die richtigen Mittel gegen die globale Erwärmung und hat so gut wie keine Bedeutung für den Umgang mit Russland, Amerikas altem Rivalen aus den Zeiten des Kalten Krieges. Dabei lenkt Russlands eigener »Krieg gegen den Terror« im Kaukasus bestenfalls ab von den wirklichen Problemen dieser Nuklearmacht, ihrer autoritären Politik und ihren gesellschaftlichen Zerwürfnissen. Natürlich verdient der Terrorismus viel mehr Aufmerksamkeit, als ihm vor dem 11. September zuteil wurde. Doch während der Kalte Krieg immerhin eine globale Landkarte von Prioritäten hervorbrachte, weist der Anti-Terror-Krieg riesige weiße Flächen auf.
III. Der Krieg im Irak ist zudem die Bühne für eine der trostlosesten Entwicklungen in der amerikanischen Politik nach dem 11. September 2001: das nahezu vollständige Verschwinden vertrauensvoller, nicht durch wechselseitige Verdächtigungen und Beschuldigungen geprägter Debatten über die Parteigrenzen hinweg. Die Schuld daran trägt die Regierung Bush. Gleich nach dem 11. September waren die Demokraten um Ausgleich und Zusammenarbeit bemüht. Das Weiße Haus aber warf sofort nach den Anschlägen all jenen Amerikanern Illoyalität vor, die die Politik des Präsidenten auch nur in Zweifel zogen. Besonders der Irak-Krieg wurde gegenüber dem eigenen Land und der ganzen Welt mit angeblich eindeutigen Geheimdiensterkenntnissen begründet, die sich später durchweg als frisiert oder gefälscht erwiesen. Von Bush abwärts weigert sich die Regierung bis heute, dies einzugestehen.
Doch sind deswegen, wie einige behaupten, amerikanische Gesellschaft und Politik bitter gespalten? Manche meinen, die Feindseligkeit sei historisch beispiellos. Andere hingegen sagen, die Amerikaner seien sich heute einiger als in früheren Perioden ihrer Geschichte. Feststellen lässt sich jedenfalls so viel: Eine beträchtliche Minderheit der Amerikaner verachtet Bush, während zugleich eine andere Minderheit mit kämpferischer Loyalität zu ihm steht. Eine knappe Mehrheit der Amerikaner schließlich ist ganz einfach besorgt und enttäuscht. Doch all das führt leider nicht zu klaren Auseinandersetzungen über politische Inhalte, sondern allenfalls zu der Frage, ob der gegenwärtige Präsident durch jemanden ersetzt werden könnte, der es ernster meint und bereit ist, unter schwierigen Bedingungen für kleine Fortschritte zu kämpfen.
Das ist nicht besonders eindrucksvoll. Denn seit dem 11. September 2001 ist Amerika mit dem Irak-Krieg, der Iran-Krise, dem Terrorismus, dem Wettbewerb um Ressourcen, der wachsenden Verschuldung der öffentlichen Haushalte, den Herausforderungen der Globalisierung und der Umweltzerstörungen in eine Abfolge sich verschärfender politischer Probleme geraten, auf welche die Politik keine Antworten zu finden imstande war. Hier und jetzt, am Ende des Anfangs, gibt es nur wenig Gutes zu berichten.
Jedediah Purdy ist Professor an der Duke Law School in North Carolina und derzeit Fellow an der Kennedy School in Harvard. Von ihm erschien unter anderem »Das Elend der Ironie«
Aus dem Englischen von
Tobias Dürr
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- Datum 21.09.2009 - 15:12 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 07.09.2006
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Ich lebe in den USA und kann ihren Kommentar zum Freiheit und Demokratie nicht verstehen. Liberaler Faschismus scheint mir schon zutreffender. Die Deutschen haben aus der eigenen Geschichte gelernt, die Amerikaner schreiben gerade ihre eigene Geschichte.
P.S. Als Demokrat sollte man sich nicht scheuen zu seiner Meinung zu stehen. Mit seinem Namen!
Amerika ist kein Land, Amerika ist ein KONTINENT! Amerikaner sind Alle von Kanada bis Argentinien, und nicht nur die Kriegslustige Vereignigten Stattlern.
bessere Arbeit geleistet,waeren die Bomben explodiert und Deutschland haette viele Tote und Verletzte zu beklagen dann wuerde diese Debatte auch in Deutschland ein bischen anders verlaufen.Aber Gott sei Dank waren es Amateure und das Unglueck wurde durch ihre eigne Unfaehigkeit verhindert -also scheint es okay zu sein wenn man sich behaebig zurueck lehnt und ueber das Trauma dass die USA erlitt als Bagatelle reden.Beim naechsten Mal,das sicherlich nicht lange auf sich warten laesst koennte auch Deutschland mal an erster Hand erleben wie traumatisch so ein Terror-Attentat ist.
.... heute Morgen, hoerte ich mir im TV (nTV?) Prof Earnest Callenbach's langen, ausfuehrlichen Vortrag an der Freiburg UNI an. Mit "sanfter" Stimme und "ueberzeugender" Haltung, wie die ZEIT ihn wohl beschreiben wuerde, hat er in vielen Worten seinen Zuhoerern erzaehlt, was Jedediah Purdy zu sagen hat, in den sechs Zeilen des letzten Paragraphen seines Artikel in der ZEIT [zu dem dieser Kommentar gehoert].
Ich vermute, mit Ueberzeugung, dass den ZEIT Redakteuren die Meinungen dieser zwei "eliten" Lehrkraefte passt. Ja, Herr Callenbach ist a.D., aber Mr. Purdy, als ein "politischer" Rechtsanwalt, der sich wohl mehr "Expert" denkt als andere, die sich z.B.in der Business School geplagt haben, da er noch ein Professor and der [wirklich guten] Duke Law School (mit tenure?) ist und dorthin wohl zurueckkehren will/wird.
Natuerlich ist es gut, dass man in Deutschland Amerikaner sprechen laesst (wie Kleine-Brockhoff in "Englisch" auch bei der Washington Post auftaucht).
Was sonderbar ist (und auch interessant und noch mehr schade!), dass Sie, die Redakteure der ZEIT, wohl kaum (in meinem Fall, nie) Professoren oder Journalisten in Amerika finden koennen oder wollen (well, I think I know why you don't want to!), die der gegenseitigen/nicht Ihrer Meinung sind.
Warum ist das so?
Sieht die ZEIT (und der deutsche TV) als Ihre Aufgabe re: die US, Deutschland vorzumachen, dass die "Idioten", die in Washington regieren, beinah niemanden mit einem Gehirn vertreten?
Wenn nein, wo sind die anderen Stimmen?
Wenn ja, wo ist die Grenze zu dem, was Goebbels erst lehrte und dann in die Praxis ueberfuehrt hat?
Was besonders auffaellt fuer die Professoren, die man zitiert oder die Buehne gibt, dass die Artikel ueber mein Land mir so fremd auffallen, dass ich mich wundere, ob ich mich selbst und die US kenne.
Aber ich finde auch, man ist verwirrt hier oder will mich absichtlich verwirren.
Entweder sind die Schilderungen verbunden mit ein paar wenigen "Gaunern", weil die Mehrheit bei uns (wie natuerlich Sie) auf baldige Abloesung wartet.
Oder man versucht, mich zu ueberzeugen, dass unser Benehmen, nur zu erklaeren ist, weil 51% auf der anderen Seite des Atlantik nur logisch als Esel bezeichnet werden koennen.
Weder Ihr Bureau Chef in Washington, Kleine-Brockhoff, noch sein Mitarbeiter Schiffmann, noch Pritzke beim SPIEGEL sind bis jetzt erfolgreich [in meinem Fall!], obwohl die deutsche Presse (und die deutsche Bevoelkerung) mich mehr als in jeder anderer Zeit an die dreissiger Jahre (oder vielleicht das Jahrzehnt davor kam) erinnert. Was mir viel schlimmer und gefaehrlicher erscheint, als die Rueckkehr von Deutschland zu ihren "normalen" Beziehungen (seit Bismarck), mehr feindlich als freundlich, gegenueber Amerika.
Irgendwie, seit ich hier auf Besuch bin, und ueber vieles Komisches stolperte, habe ich mich erinnert, was ein anderer meiner Professoren mir hinterlassen hat: "Wer es kann, macht es. Andere lehren es. Denjenigen, denen es ihr ganzes Leben braucht, die Haelfte, das Unsinn war, zu vergessen." [So aehnlich, wenn auch mehr elegant.]
Waehrend ich diesen/meinen Kommentar (an die Redakteure der Zeit richten will, mehr als an alle andere) hoere ich mir einen TV N24 (?) Bericht an, der mich ueberzeugt hat, ich will nie wieder 100 Meter oder naeher an Amtrak oder/und amerikanische Schienen kommen. Das Netz ist eben zu gefaehrlich, die Angestellten nicht "professional" genug.
Man ueberzeugt mich taeglich, dass was hier vorgeht, nicht ungefaehrliche Uebertreibung ist, sondern absichtliches Misinformation. Was nicht anders werden wird nach der Abloesung unserer heutigen Regierung.
Deshalb, waere es nicht besser, wir wuerden uns alle etwas mehr vorsichtig benehmen? Wir wollen doch nicht wieder auf uns schiessen, mit richtigen Kugeln....oder?
Ich kann Ihnen versicheren:
"Die Welt waere schoen, waere es nicht fuer Amerika, fuer Bush, und fuer Kapitalismus (=Israel/die Juden?)" ist eine falsche Beschreibung, no matter how often you and your readers und Landsleute es uns sagen or sagen wollen.
j/dgerbeth
Man moege sich vorstellen:
Ein Teil der 9/11 Attentate haette sich in Deutschland ereignet, einfach so - genauso ueberraschend und unerwartet wie in NY, PA und DC. Schwer vorzustellen?
Ein in Pakistan geheim operierendes BND Team (schwer vorzustellen, ohne Bundestagsbeschluss?) koennte kurzfristigst Zugriff nehmen auf die drei juengst nach Guantanamo ueberstellten Verdaechtigten und sie nach D entfuehren (!).
Was sagen nun alle die um Rechtstaatlichkeit besorgten Musterdemokraten? Besser die pakistanischen Behoerden informieren? Die Gerichte muessten die drei sofort wieder freilassen. Welche Haftgruende haetten wir denn? Wessen koennten wie diese Leute beschuldigen? Dringender Tatverdacht, ohne Zugriff auf amerikanische Geheimdienstinformationen (die ja sowieso rechtswidrig erlangt sind)? Wuerden wir uns alle wohlfuehlen?
Der Punkt: Koennen wir mit unseren Vorstellungen von recht-staatlichem Handeln, wie es sich gerade mal in 50 Jahren entwickelt hat, tatsachlich erfolgreich terroristischen Bedrohungen und Taten begegnen? Sind "Tot oder Unfrei" die einzige Option? Muessten wir den USA nicht mindestens konzidieren, dass sie versuchen, einen realistischen und akzeptablen Handlungsrahmen (sprich Kriegserklaerung) suchen?
\N
...die Schlagzeile, haette "FREUDE" lesen sollen, nicht "Freunde"...... es ist nicht einfach in einer Sprache, die man selten spricht oder liest, zu buchstabieren.
Was keine Entschuldigung, nur eine Erklaerung ist.....
j/dgerbeth
Bush, wie engste Jünger (Cheney, Rice), weiss, wo es hoch geht. Und hoch oben auf amerikan. Bergesgipfel verkündet diese politische Trinität ihre alleinseligmachende Wahrheiten: Ihre Weisungen beginnen mit: "In God we trust" u. enden stets mit:"God bless Amerika". Zw. diesen biblischen "Urwahrheiten" steht eine Walmart-Einkaufsliste ihrer politischen Ziele. Wäre alles nicht so schlimm: Zarathustra hat auch zum "Höheren" aufgefordert, nur sein Ziel war nur spirituell. Tragisch ist, was bei Bush passiert, wenn Andersdenkende sich melden. Dann wird nicht lange mit Opposition diskutiert: Wer nicht hören will, muss fühlen o. wer nicht mit uns, der sei gegen uns! Und wie in christl. Kreuzzügen gegen die gesamte damalige arabische Welt stürzt sich heute die technisch-moderne U.S. Militärmaschine auf die neuen Heiden. In Europa hat es Jahrhunderte gedauert, ähnlichen Elitewahn zu untermauern. In den US dagegen hat der ideologische Kampf gegen die moderne Welt- u. Kulturvereinfachung erst begonnen. Der Weg aus dieser Sackgasse könnte noch ein langer sein.
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