Fernsehen Unser liebster Fremdling

Vor 40 Jahren flog das »Raumschiff Enterprise« zum ersten Mal durchs All. Mr. Spock weiß warum.

Hollywood, unendliche Weiten. Wir schreiben das Jahr 1966. »Bücher und Filme zeigten grimmige Endzeit-Szenarien, unsere Paranoia gegen Russland hatte eine nie gekannte Höhe erreicht«, erinnert sich Leonard Nimoy. »Aber dann, mittendrin, erschien eine Botschaft der Hoffnung: Ja, wir werden das Atomzeitalter überleben und intelligentes Leben auf anderen Planeten finden. Und das werden unsere Freunde sein.« Diese Botschaft war Star Trek, wo in einer fernen Zukunft, auf einer fliegenden Untertasse aus Plastik, Amerikaner und Russen, dunkelhäutige Frauen und grünblütige Außerirdische Abenteuer im Weltraum erleben.

Am 8. September vor 40 Jahren sendete NBC die erste Folge, heute ist aus der simplen Botschaft des Autors und Produzenten Gene Roddenberry ein international erfolgreiches Franchise geworden: fünf Fernsehserien, eine Zeichentrickserie, neun Kinofilme, Bücher, Comics, CDs. Und Nimoy ist der berühmteste Außerirdische aller Zeiten: Mr. Spock, der spitzohrige, logische, emotionsfreie Vulkanier. Der quintessenzielle Fremde, der zu einem der beliebtesten Charaktere im Enterprise- Universum wurde.

Die Spezies, die ferne Planeten bevölkern, sind uns vertraut. Romulanische Chinesen, klingonische Russen, jüdische Bajoraner und die Borg, die immer reden, nie zuhören und alles assimilieren wollen. Wer mag das wohl sein? »Man darf Star Trek nicht als exakte Kopie der Erde sehen«, sagt Leonard Nimoy. Andererseits, als er das Drehbuch für Star Trek VI geschrieben habe, das den ökonomischen Kollaps des klingonischen Imperiums zeigt, habe er durchaus an die Sowjetunion gedacht. »Es gibt in dem Film auch einen Gorbatschow-artigen Charakter. Der wird dann leider ermordet.« Noch näher am Zeitgeist war Star Trek IV, wo Spock die Wale vor dem Aussterben rettet und auch Regie führt. »Die Idee, dass ganze Tierarten verloren sein könnten, bevor wir gelernt haben, sie zu verstehen, hat mich fasziniert.«

Was macht Star Trek international so erfolgreich, Mister Spock? »Star Trek ist eine optimistische Geschichte von verschiedensten Menschen, die gemeinsam Probleme bewältigen. Und das braucht die Welt«, sagt der 75-jährige Nimoy, der heute in Los Angeles lebt. Der Schauspieler ist Mitglied der Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (Wahlspruch: »Keep America Save and Free!«) und hat schon die Bewegung gegen den Vietnamkrieg unterstützt. »Aber wir leben heute in schwierigen Zeiten, in einer gefährlichen Welt, voller Arroganz, Mangel an Kommunikation, Streit, religiöser Fanatiker, ein richtiges Desaster«, sagt er. Hat er einen vulkanischen Rat für George W. Bush? »Darauf lasse ich mich nicht ein«, sagt er. »Ich kandidiere nicht für ein politisches Amt.« Wie viel Ähnlichkeit hat Nimoy mit Spock? »Wir sind sehr verschieden. Spock ist der Sohn eines Botschafters, meine Eltern sind arme russische Juden, die vor den Pogromen fliehen mussten.« Nimoy gab aber auch Spock einen jüdischen Touch. Der vulkanische Gruß mit den gespreizten Fingern ist dem hebräischen Zeichen Shin nachgebildet, das »Heiliger Geist« bedeutet.

Im Laufe seiner Karriere war Nimoy mehr als nur ein »Marsmensch«, wie er bei NBC genannt wurde: Er spielte König Arthur und Caligula, trat in Fiddler on The Roof und The Glass Booth als Holocaust-Überlebender Goldstein auf, auch als Golda Meïrs Ehemann Morris Meyerson. »Erst die Rolle des Spock hat meine Karriere ermöglicht. Star Trek war ein Segen für mich«, sagt er. Trotzdem: Science-Fiction gilt selbst im Land der Mondlandung als Gattung zweiter Klasse. »Selten bekommt ein Sci-Fi-Schauspieler einen Oscar«, sagt Nimoy. Dabei war Star Trek ihrer Zeit in jeder Hinsicht weit voraus: Die Serie zeigte den ersten Bildschirmkuss zwischen Schwarz und Weiß.

Von der Crew der Enterprise sind nur noch Nimoy und Bill Shatner alias Captain James T. Kirk übrig – die Darsteller der beiden anderen Hauptfiguren »Pille« und »Scotty« sind tot. »Mit Bill bin ich noch befreundet«, sagt Nimoy. Spock wurde zuletzt im Fernsehen gesehen, in The Next Generation , auf dem Planeten Romulus, wo er mit Captain Jean-Luc Picard für die Wiedervereinigung von Romulus und Vulcan konspirierte. Würde er im neuen, zehnten Star-Trek- Film, bei dem J. J. Abrams Regie führen wird, noch einmal den Spock geben? »Sicherlich. Mein Charakter ist noch nicht mal 200 Jahre alt«, sagt Nimoy. »Aber bis jetzt hat noch keiner bei mir angerufen.«

 
Leser-Kommentare
  1. 2. X

    Trekkies sind beckmesser - es waren 10 Filme

    * Star Trek: Der Film
    * Star Trek II: Der Zorn des Khan
    * Star Trek III: Auf der Suche nach Mr. Spock
    * Star Trek IV: Zurück in die Gegenwart
    * Star Trek V: Am Rande des Universums
    * Star Trek VI: Das unentdeckte Land

    Basierend auf TNG [Bearbeiten]

    * Star Trek: Treffen der Generationen
    * Star Trek: Der Erste Kontakt
    * Star Trek: Der Aufstand
    * Star Trek: Nemesis

    Nix für Ungut Live Long and in Prosper

  2. Der zehnte Star Trek Film ("Nemesis")ist nicht der, der 2008 in die Kinos kommen soll. Die neuste Schöpfung wäre Nr.11...
    Live long and prosper

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