Terror bekämpfen... Indem man Islamisten unterschiedslos verfolgt oder mit ihnen redet?

Die Rolle des Dialogs bei der Terrorbekämpfung

Viele halten die islamistische Ideologie für eine üble Sache, manche finden aber, dass sie nicht schlimm genug klingt. Darum geben sie eine Prise Schlimmeres dazu: Faschismus. Ergibt zusammengepappt »Islamofaschismus«. Diese Begriffswurst soll alle Islamisten gleichermaßen kriminalisieren, sie soll Leute, die für den Umgang mit Islamisten andere Mittel als Streubomben empfehlen, des Appeasements bezichtigen, und sie soll mobilisieren – für den Weltkrieg gegen den politischen Islam. So weit die eine Schule, dies ist die andere: Der Islam habe mit Terror gar nichts zu tun. Eine friedliche Religion könne Gewalttäter unmöglich inspirieren. Die Kreuzritter kämen stets aus dem Westen. Diese Argumente verschleiern die Ursachen des Terrorismus und laden die Schuld beim Andersgläubigen ab. Beide radikale Denkschulen helfen nicht bei der Verteidigung der Freiheit.

Schauen wir genauer hin.

Da ist erstens al-Qaida, eine Truppe islamischer Fundamentalisten, die sich einen Fantasie-Islam gebastelt hat. Es gibt kein greifbares Ziel außer Tod, Zerstörung und einem wolkigen weltweiten Kalifat. Diese Internationale teilt ihre Ideologie mit Fundamentalisten in London, Madrid und Kiel, die mehr oder minder gekonnt Denkprothesen und Bombenbausätze aus dem Netz herunterladen. Gegen diese Fundamentalisten hilft nur Altbewährtes: Polizei und Geheimdienste.

Da ist zweitens der politische Islam. Er hat seinen Ursprung in der Bewegung der Muslimbrüder, die Hassan al-Banna 1928 gründete und die sich seither vielfach aufgespalten hat. Hier sei – bei allen Unterschieden – der Vergleich mit dem Sozialismus gewagt, der Sozialrevolutionäre, Kommunisten und Sozialdemokraten hervorbrachte. In arabischen Ländern konkurrieren häufig mehrere islamistische Bewegungen, die mit sozialwirtschaftlichen Programmen bei Wahlen antreten. In der Türkei regiert eine bürgerlich-islamische Partei. In Deutschland ist der radikale »Kalifatsstaat« verboten, doch plädieren Politiker für das Gespräch mit den gemäßigten Islamisten von Milli Görüş, die nach Anerkennung und Teilnahme an der Gesellschaft streben. Die Moderaten fördern, die Radikalen isolieren, heißt das Ziel.

Da sind drittens Islamisten mit Terrorabteilung: Hisbollah im Libanon und Hamas in Palästina. Deren Mixtur aus Suppenküche und Katjuschas, Baudezernat und Miliztruppe gefährdet Israel. Hisbollah und Hamas haben jedoch mit al-Qaida wenig gemein. Ihre Ziele sind nicht irrlichternd global, sondern regional: Kampf gegen Israel. Von »Vernichtung« wie der iranische Präsident sprechen bei Hamas und Hisbollah nur wenige. Beide Gruppen müssen sich gegenüber der Bevölkerung rechtfertigen. Hamas darf sich ätzende Kritik an ihrem Regierungsstil anhören, der Hisbollah-Chef muss sich für die Zerstörungen rechtfertigen, die er mit dem Angriff auf Israel über sein Land gebracht hat. Anders als al-Qaida handeln Hisbollah und Hamas am Ende rational und berechenbar. Deshalb verhandelt Israel mit Hisbollah über Gefangenenaustausch, darum will die EU einen Dialog mit Hamas.

Mit Islamisten zu reden ist mühsam, die Moderaten von Radikalen zu trennen wird noch schwieriger, vor allem langwieriger. Für den Westen ist das eine strategische Herausforderung, aber mitnichten ein Weltkrieg.

Was hilft gegen den Terror?
Fünf Beispiele, wie wir unsere Freiheit verteidigen sollten »

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn man diesen Ausfuehrungen glauben kann dann ist doch jeder Muslime eine tickende Zeitbombe,die nur drauf wartet ausgeloesst zu werden.Kein guter Gedanke.

  2. Es ist nicht nur nuetzlich, sondern sogar notwendig fuer die fuehrende Westliche Politiker und Intelektuelle, um mit fuehrende Islamistische Personen im Dialog zu treten.
    Auch die Radikale unter denen duerfte man da nicht umgehen, wie schwierig einen Dialog mit denen auch zu realisieren sein wird, weil gerade dort, wo das Problem liegt, auch die Loesung zu finden ist.
    Leider kommt man jedoch damit immer noch nicht ans Hauptproblem heran, so wie die Bomben-Attentate von Madrid, London und (fast) Kiel zeigen.
    Diese Attentaeter handelten ganz unabhaengig von radikale Imams oder Netzwerke, und ohne dessen Unterstuetzung, sogar ohne dessen Mitwissen.
    Gerade wenn die radikale Imame sich bereit zeigen im Dialog mit den "Westen" zu treten (was an sich sehr erfreulich ist), ist das fuer die Extremisten unter die Juengere Anhaenger gerade ein Grund, denen zu verlassen, und auf eigene Faust weiter zu machen.
    Oft bedeutet das eine Verschlimmerung, weil es nach diesen Entschluss oft vom verbalen zum konkreten Gewalt eskaliert.
    Auch mit Sozialhilfe kommt man nicht an diesen Jungs heran, weil sie erstens oft durchaus keine sgn. "Sozialfaelle" sind, und zweitens weil sie die "westliche" Werte, wozu sie wahrscheinlich auch die staatlich subventionierten Sozialhilfe rechnen, prinzipiell ablehnen.
    So sind wir damit einerseits wieder einen Schritt weiter gekommen in der Identifikation der Bedrohung.
    Leider sind wir damit aber auch zugleich eine Illusion aermer geworden, weil die Hoffnung, dass die Gefahr schon durch Dialoge und mehr Sozialhilfe zu entschaerfen sei, durch die grausame Tatsachen geleugnet wird.
    Die potenzielle Attentaeter halten sich bis auf dem Tag des Unheils bewusst unsichtbar, und sind auch fuer die Imame, und sogar fuer ihre eigene Eltern und Geschwister unerreichbar geworden.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service