Gedicht der Woche

Inger Christensen

Ein Gedicht aus der Sammlung »Schmetterlingstal«

Sie steigen auf, die Schmetterlinge des Planeten,
wie Farbenstaub vom warmen Körper der Erde,
Zinnober, Ocker, Gold und Phosphorgelb,
ein Schwarm von chemischem Grundstoff hochgehoben.

Dieses Flügelflimmern ist es nur eine Schar
von Lichtteilchen in einem Gesicht der Einbildung?
Ist es die geträumte Sommerstunde meiner Kindheit,
zersplittert wie in zeitverschobenen Blitzen?

Nein, es ist der Engel des Lichts, der sich selbst
als schwarzen Apollo mnemosyne malen kann,
als Feuervogel, Pappelvogel und Schwalbenschwanz.

Mit meiner umschleierten Vernunft sehe ich sie
wie leichte Federn im Pfühl des Hitzedunstes
in der mittagsheißen Luft des Brajinotals.

Inger Christensen: Das Schmetterlingstal/Sommerfugledalen
Ein Requiem. Aus dem Dänischen von Hanns Grössel, Nachwort von Thomas Sparr; Bibliothek Surhkamp Band 1295; Frankfrut a.M. 2006; 51 S., 9,80 €

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    • Von Inger Christensen
    • Datum 6.3.2008 - 12:01 Uhr
    • Quelle DIE ZEIT, 37/2006
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    • Schlagworte Kultur | Literatur | Lyrik |
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