Bio-Lebensmittel Ein wachsender Markt
Wie Discounter mit "Bio" Geld verdienen
Seit diesem Jahr bieten alle Billig-Supermärkte, von Aldi über Penny bis Netto, Bio-Lebensmittel an. Sie haben Eigenmarken wie Prima Bio (Aldi) oder Bioness (Lidl) auf den Markt gebracht.
Der Pionier war Plus: Schon 2002 führte die Kette ihre Marke BioBio ein.
Stärker als jeder andere Discounter setzt Lidl auf Bio. Die Zielmarke liegt bei 20 Prozent des Sortiments. Das entspricht genau der Größenordnung, die einst die grüne Verbraucherministerin Renate Künast für den Verkauf naturnah erzeugter Lebens-mittel anstrebte.
Der typische Discounter hat insgesamt etwa 800 bis 1000 Artikel im Angebot, Lidl bietet bislang darunter rund 40 Bio-Artikel. Das ist ein Anteil von höchstens fünf Prozent Bio-Ware, also erst ein Viertel der angestrebten Menge. Das Angebot reicht von Bio-Möhren und Bio-Trauben bis hin zu Bio-Spaghetti und Bio-Kräutertee.
2005 wuchs der Umsatz mit Bio-Ware bei Aldi um 46 Prozent, bei den übrigen Discountern gar um 64 Prozent. Allein Aldi soll nach Branchenangaben fünfmal mehr Bio-Kartoffeln verkaufen als der gesamte traditionelle Naturkosthandel.
In den Bio-Läden nahm der Umsatz dagegen nur um 22 Prozent zu, auf den Wochenmärkten und in Hofläden sank er sogar.
Rund vier Milliarden Euro betrug der Gesamtumsatz mit Bio-Ware im vergangenen Jahr, fast 100 Prozent mehr als 2000.
Der Bio-Anteil am Lebensmittelumsatz in Deutschland von heute drei Prozent soll sich laut einer Studie der Wirtschaftsprüfer von KPMG bis 2010 erneut verdoppeln.
Nur 4,5 Prozent der Eier, die 2005 in Deutschland verkauft wurden, waren Bio-Produkte. Dennoch zahlten die Kunden dafür 9,4 Prozent der Summe, die insgesamt in Deutschland für Eier ausgegeben wurde. Bei Gemüse waren es 3,8 gegenüber 5,8 Prozent. Denn Bio-Produkte sind teurer.
Beispiel: Für Bio-Milch zahlte der Kunde Anfang des Jahres im Durchschnitt 87 Cent, für normale Milch hingegen nur 57 Cent je Liter. Discounter bieten ökologisch erzeugte Milch meist für 79 Cent an, in Bio-Läden kostet sie oft 95 Cent. Für die Bio-Milch, die Lidl in großen Mengen in Dänemark kauft, bezahlt die dortige Molkerei den Bauern mit 36 Cent sogar bis zu zehn Prozent mehr als viele deutsche Molkereien den hiesigen Bio-Landwirten zahlen.
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- Datum 06.09.2006 - 04:21 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 07.09.2006
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