Eine Hängematte hoch im Himmel über Venedig, und jeder darf mitschaukeln. Jeder, der schwindelfrei ist und hochklettert, rauf auf dieses irrwitzige Baugerüst, das knarzt und wackelt und alle Hausdächer und Baumwipfel überragt. Oben dann luftiges Glück – die weichen Knie stehen noch im Hier, der Blick aber geht weit hinaus ins Ferne.

Wieder einmal lädt Venedig zur großen Biennale der Architektur, wieder sind fast 50 Nationen gekommen und zeigen stolz, worauf sie in Zukunft bauen wollen. Und doch ist diesmal vieles anders: Nicht die üblichen Opernhäuser und Museen, keine funkelnden Staats- und Stargebilde werden vorgeführt, selbst Modelle und Pläne gibt es nur wenige. Und auch die Schwell- und Wabbelarchitektur der letzten Jahre, die Digitalmoderne aus dem Computer, ist daheim geblieben. Diesmal gibt es ein neues Leitmedium: den Werkzeugkasten.

Das große Basteln und Werkeln und Zimmern ist ausgebrochen, an und in vielen Pavillons stehen Baugerüste, überall wird geklebt, geschraubt, gesägt. Schluss mit der Virtualisierung, weg mit den Computerprogrammen – die Architektur, so scheint es, möchte wieder handgreiflich werden. Sie soll alle Ästhetikfragen hinter sich lassen, soll zur Lebensweise werden. Und wenn es nach den Franzosen geht, zu einer Lebensweise mit viel Grappa und Gesang.

Auf ihrem Biennale-Pavillon steht in diesem Jahr nicht nur dieser wackelige Turm mit der Hängematte. Auch eine Sauna haben sie sich aufs Dach gebaut, eine Dusche und ein Mini-Schwimmbecken. Es ist ein Höhenwagnis, eine Grenzerkundung, zumindest in statischer Hinsicht, und wurde von den Behörden nur nach endlosen Debatten genehmigt.

Auch sonst haben die Franzosen alles getan, um ihren Ausstellungstempel in eine Erholungs- und Begegnungslandschaft zu verwandeln. Im Nebenraum aufgestapelte Betten, in der Haupthalle eine Küche, eine Bar, ein großer Esstisch und überall junge Menschen in gelben T-Shirts. Sie machen, was eigentlich verboten ist auf einer Architekturbiennale: Sie wohnen. Und laden jeden, der vorbeischaut, zum Essen ein, zum Klettern, zum Staunen.