Rohstoffjagd Die neuen Kolonialherren
China erobert Afrika. Es geht um Öl und Bodenschätze – auch Diktatoren sind als Geschäftspartner willkommen
Was wird hier gebaut? Der Arbeiter reagiert nicht. Scheu hält er den Kopf gesenkt und beschleunigt seinen Schritt. Er versteht die Frage nicht, er kommt aus dem Fernen Osten. Und wenn er sie verstünde, so dürfte er nicht antworten. Die Befragung des nächsten Arbeiters beendet ein Wachsoldat mit vorgehaltener Kalaschnikow. »Verlassen Sie sofort das Gelände!«
Das Gelände ist eine Baustelle von den Dimensionen eines Weltraumbahnhofs. »Umkehren!«, bellt der Soldat. Hier oben, hoch über der Hauptstadt Windhuk, entsteht das neue State House für den neuen Präsidenten von Namibia. Es wird so prächtig und teuer sein, dass die kleine Volkswirtschaft mit ihren 1,9 Millionen Einwohnern es sich eigentlich gar nicht leisten kann. Aber die Regierung hat einen großen Bruder: China. Der zahlt nicht nur einen generösen Zuschuss für den Präsidentenpalast, sondern entsandte auch die Brigaden der Bauarbeiter.
Diese unangenehme Begegnung hätte sich in vielen anderen Hauptstädten Afrikas genau so zutragen können. In Algier zum Beispiel, im hypermodernen Flughafenterminal. Oder vor der feschen Burma-Kaserne in Accra, Ghana. Oder in Kigali, Ruanda, wo ein schlüsselfertiges Außenministerium übergeben wurde. Oder in Libreville, Gabun, dort freut sich Präsident Omar Bongo über einen neuen Amtssitz. Oder am Lumley Beach in Freetown, Sierra Leone. Dort wächst ein gewaltiger Freizeitkomplex aus den Ruinen des Bürgerkriegs, mit Luxushotels, Strandpromenade, Golfplatz und Kongresszentrum.
All diese Bauten sind die sichtbaren Zeichen einer neuen Macht, die sich seit der Jahrtausendwende still und leise in Afrika ausbreitet: China.
Im Gegenzug für die pompösen Geschenke zeigen sich die afrikanischen Regierungschefs aufgeschlossen für die Interessen der Chinesen. Es geht um langfristige Handelsabkommen, Bergbaukontrakte, Infrastrukturprojekte. Vor allem aber geht es um Öl und Erdgas. Auf einer Energiekonferenz in Kapstadt war das deutlich zu sehen: Der Petro-Atlas des Erdteils war übersät mit roten Fähnlein.
Der »Einfall« Chinas in Afrika sei »die dramatischste und wichtigste Veränderung in den Außenbeziehungen des Kontinents seit dem Ende des Kalten Krieges«, sagt Christopher Clapham vom Centre for African Studies in Cambridge. Das schnelle Wachstum macht den asiatischen Riesen so hungrig auf Rohstoffe und Absätzmärkte, dass manche Beobachter von einer Neuauflage jenes »Wettlaufs um Afrika« raunen, den sich die europäischen Kolonialmächte im 19. Jahrhundert geliefert hatten.
Doch das ist nur zur Hälfte richtig. Diesmal rennt allerdings nur einer, und das mit erstaunlichen Zwischenzeiten. China ist nach den USA und Frankreich zum drittstärksten Wirtschaftspartner Afrikas aufgestiegen, das Handelsvolumen hat sich zwischen 2000 und 2005 von zehn auf knapp vierzig Milliarden Dollar vervierfacht. 800 Unternehmen machen inzwischen profitable Geschäfte in fünfzig Ländern, mit vierzig Regierungen hat Peking bilaterale Wirtschaftsverträge abgeschlossen.
In den Hauptstädten des Westens wurde dieses rapide Wachstum zunächst wenig beachtet. Geändert hat sich das spätestens, seit im März dieses Jahres bekannt wurde, dass Angola zum größten Rohöllieferanten Chinas aufgestiegen ist und Saudi-Arabien abgelöst hat. Nun rückten all die anderen Deals mit Algerien, Nigeria, Gabun, dem Sudan oder jüngst mit dem Tschad in den Blick. 25 Prozent der chinesischen Ölimporte kommen bereits aus Afrika, Tendenz rasant steigend.
Peking hat 2006 zum »Jahr Afrikas« deklariert, das in einem China-Afrika-Gipfel im November seinen diplomatischen Höhepunkt erreichen soll. Es ist ein Vorstoß in ein politisches und ökonomisches Vakuum, das die Europäer und Amerikaner hinterließen. Sie sind mit anderen Teilen der Welt beschäftigt und ziehen sich aus der Subsahara-Region zurück.
Jenseits der regierenden Eliten verfolgen viele Afrikaner diesen Ansturm der Chinesen mit unguten Gefühlen, man hat mit fremden Mächten nicht die besten Erfahrungen gemacht. In Leserbriefen und Internet-Foren wird vor einer neuen Invasion gewarnt. Man spricht sogar von yellow masters, von gelben Kolonialherren. »Ach was, das ist doch alles Unsinn!«, meint Joseph Müller, der Sportreporter, der gerade voller Stolz seine künftige Wirkungsstätte präsentiert: das nagelneue Nationalstadion in der togoischen Hauptstadt Lomé. Er führt seine Besucher zu den leer stehenden Barracken, in denen vor kurzem noch chinesische Kontraktarbeiter hausten. »Das Stadion ist ein Geschenk der Chinesen. Sie sind unsere wahren Freunde«, schwärmt Müller. »Sie beuten uns nicht aus wie die Franzosen, sondern helfen uns.«
Peking gibt sich als Partner in einer Süd-Süd-Kooperation
In der Tat lesen sich die Sätze in den sino-afrikanischen Strategiepapieren so nett und großmütig wie die Absichtserklärungen des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen. Zwischen den Zeilen aber verströmen sie jenen Geist, der einst die europäischen Eroberer beflügelte. Von einer neuen Ära ist da zu lesen und von unbegrenzten Möglichkeiten auf einem vernachlässigten Kontinent. Die Chinesen bewerten Afrika als einen Kontinent der Zukunft. Das Handelsministerium in Peking nennt es eine der wichtigsten Wachstumsregionen. Riesige Landmasse, unermessliche Ressourcen, ein potenzieller Markt mit 800 Millionen Konsumenten und einer Reservearmee von billigen Arbeitskräften – dies ist ein idealer Expansionsraum für China auf dem beschleunigten Marsch zur Weltmacht.
Es gibt allerdings einen erheblichen Unterschied zum Stil der einstigen Kolonialmächte aus Europa. Die Chinesen treten nicht großmächtig auf, nicht als imperiale Herrenmenschen, sondern geben sich als Partner in einer Süd-Süd-Kooperation. Devise: Genossen, als größtes Entwicklungsland der Welt kennen wir eure Sorgen und Nöte, wir ziehen am gleichen Strang! Präsident Hu Jintao beschwört bei seinen Visiten die Tradition des maoistischen Internationalismus: »Wir haben zusammen für die Freiheit gekämpft und werden das auch künftig tun.« Der mächtigste Chinese war in den vergangenen zwei Jahren drei Mal in Afrika – häufiger als die meisten Staatschefs des Westens während ihrer gesamten Amtszeit. Man kennt zwischen Khartum und Kapstadt den Namen von Premierminister Wen Jiabao, der unlängst durch sieben afrikanische Staaten tourte. Aber wer ist Angela Merkel?
Unter dem Vorzeichen der Solidarität nahmen die Chinesen ihre frühere Bruderhilfe der 1960er Jahre wieder auf, als sie jungen afrikanischen Staaten im Unabhängigkeitskampf beistanden. Sie haben ohne großes Tamtam die Schulden von 31 Partnerländern storniert und leisten intensive Aufbauarbeit, rund 44 Prozent ihrer staatlichen Entwicklungshilfe fließen bereits nach Afrika. Sie teeren Straßen und reparieren Brücken, bauen Schulen und Krankenhäuser, flicken Telefonnetze und Bahntrassen, bilden Fischer aus, erforschen Saatgut und schicken medizinisches Fachpersonal. 2000 Ärzte und Krankenschwestern sind derzeit im Einsatz. China beschenkt also Afrika, während es selbst noch Entwicklungsgaben aus Europa und Japan empfängt.
Den bedrängten afrikanischen Despoten, die nach dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr von ihren Mentoren aus Paris, London, Washington oder Moskau alimentiert werden, hätte gar nichts Besseres passieren können. Den Chinesen ist es nämlich egal, wer regiert und wie er es tut. Sie mischen sich grundsätzlich nicht in die inneren Angelegenheiten ihrer Partner ein und knüpfen die Zusammenarbeit nicht an die strengen Konditionen westlicher Geberländer, die in Afrika oft als Erpressung empfunden werden. Die Forderungen, demokratische Regeln zu befolgen und die Menschenrechte zu achten, würden niemals aus dem Munde der chinesischen Unterhändler kommen, allein schon deshalb nicht, weil derartige Werte daheim auch nicht viel zählen. Ihre einzige politische Auflage ist, das winzige Taiwan nicht anzuerkennen.
Die Entwicklungsgeschenke dienen natürlich dem eigentlichen Interesse der Chinesen. Sie sind quasi die Eintrittsgebühr, um an die Schätze Afrikas zu kommen: Öl aus Algerien, Eisenerz aus Südafrika, Kupfer aus Sambia, Diamanten und Koltan aus dem Kongo, Tropenholz aus Gabun.Dabei scheut Peking kein Risiko. Jahrelang interessierte sich zum Beispiel kein in Nigeria operierender Ölmulti für die marode Raffinerie in Kaduna. Das sei reine Kapitalvernichtung, hieß es. Doch im Mai stieg plötzlich die China National Offshore Oil Corporation, einer der größten staatlichen Energiekonzerne, mit 2,3 Milliarden Dollar ein. Für weitere zwei Milliarden Dollar erhielt der Konzern lukrative Erdölkonzessionen. »Die gehen überall rein«, meint ein deutscher Diplomat, der anonym bleiben will, »und sie kennen keinerlei Skrupel.«
Zum Beispiel Angola: Dass sich die durch und durch korrupte Elite in Luanda an den Petro-Milliarden bereichert, während die Mehrheit des Volkes nach dreißig Jahren Bürgerkrieg in himmelschreiendem Elend dahinvegetiert, irritiert in Peking niemanden. Im Vorjahr gewährte man der Regierung einen zinsgünstigen Kredit von zwei Milliarden Dollar – und erhielt prompt den Zuschlag für ein umkämpftes Offshore-Ölfeld im Atlantik.
Zum Beispiel Simbabwe: Die kriminelle Selbstzerstörungspolitik des Regimes ist beim politischen Austausch kein Thema. Lieber sichert sich Peking die Lizenzen für den Abbau von Chrom und Platin und kauft dazu noch die Tabakernte auf. Im Gegenzug liefert man der international geächteten Diktatur von Robert Mugabe diverse Kampfflugzeuge im Wert von 120 Millionen Dollar, Pilotenschulung inklusive.
Zum Beispiel Sudan: China blockiert jede Resolution des UN-Sicherheitsrates, die das Islamistenregime in Khartum wegen seines Vertreibungskrieges in der Provinz Darfur verurteilen könnte. Der Ölkonzern China National Petroleum Corporation hat schließlich kräftig investiert, allein im März 2003 war es eine Milliarde Dollar für den Bau einer Pipeline ans Rote Meer. Die Hälfte des im Sudan geförderten Öls fließt nach China. Was zählen da schon 200000 Tote und zwei Millionen Flüchtlinge in Darfur? »Business is business«, erklärt Li Xiaobing, der im Pekinger Handelsministerium für den Kontinent zuständig ist, »wir importieren von jeder Quelle, aus der wir Öl kriegen können.«
Demokratie und freien Handel fordern die Chinesen nicht
»Das schöne Gerede von der Süd-Süd-Solidarität ist nur ein ideologischer Deckmantel, den sich Autokraten gerne anziehen«, sagt Denis Tull, Afrika-Experte der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. »Sie gewinnen durch ihre Look-east-Politik wieder Manövrierraum.« In den traditionellen Geberländern verfolgt man das mit wachsendem Unbehagen. Manche große Staaten würden Afrika unter rein ökonomischen Gesichtspunkten betrachten und Aspekte wie gute Regierungsführung oder Korruptionsbekämpfung vernachlässigen, mahnte Heidemarie Wieczorek-Zeul, die Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ). Sie nannte in einer Bundestagsdebatte China beim Namen. Aber was tun? Man müsse mit China und Afrika in einen Trialog treten, sagt ein BMZ-Experte, »auch die Afrikaner haben ein Interesse daran, sich das Entwicklungsgeschäft nicht zu verderben.«
Die Fernanalytiker in Washington reagieren weniger gelassen. China unterminiere alle Anstrengungen, die Demokratie und den Freihandel in Afrika zu fördern, heißt es in einem Report des Energieministeriums. In Peking könnte man lächelnd auf die Doppelmoral der amerikanischen Konkurrenten verweisen. Unvergessen, wie herzlich die US-Außenministerin im Weißen Haus die Hand von Teodoro Obiang schüttelte, Präsident von Äquatorial-Guinea und einer der übelsten Staatsverbrecher in Afrika. Dieser »Schurke« hat eben jede Menge schwarzes Gold – vorzugsweise für die USA.
Halb Afrika trägt chinesische Plastiklatschen
Inzwischen sind auf jedem Flughafen Afrikas die chinesischen Handelsvertreter, Diplomaten, Experten zu sehen – und die Waffenhändler, China ist nach Russland der zweitwichtigste Lieferant in Afrika. Reiche Chinesen bevölkern die Safari-Resorts in Kenia und reisen dorthin, wo sich Europäer nicht mehr hintrauen, ins zusammenbrechende Simbabwe zum Beispiel oder nach Sierra Leone. Und die Migranten rücken nach: Sie betreiben eine Spielothek in Lomé oder eine Garküche in Daressalam. Sie verkaufen Reis in den Slums von Johannesburg oder Motorräder der Marke Jincheng in Lagos.
Vom staubigsten Dorf in Mali bis zum hintersten Bergnest in Lesotho, allerorten entstehen bahuo shops, chinesische Kramläden. Sie versorgen ihre Kundschaft mit nützlichen Waren und mit Unmengen von Ramsch und Tinnef, den keiner braucht und jeder will. Halb Afrika trägt chinesische Plastiklatschen, kocht mit chinesischen Töpfen, schaut in chinesische Fernsehkästen. »We are all over Africa now«, sagt Herr Li vom Handelsministerium. Wir sind jetzt überall in Afrika.
Die Einwanderung funktioniert nach dem Prinzip der Kettenmigration. Erst kommen die Manager und Kontraktarbeiter, dann ziehen ihre Familien nach, dann die Dorfnachbarn und so weiter. Ihre Reisefibel ist die Internet-Seite www.africa-invest.net, da finden sich Länderprofile und Immigrationstipps, Steuergesetze und Investmentregeln. Die Zuwanderer arbeiten hart, leben bescheiden, sind sehr erfolgreich und äußerst wortkarg. Denn oft schlagen ihnen Neid und Fremdenfeindlichkeit der Einheimischen entgegen. »Ich stamme aus Peking und bin ganz glücklich. Andere sind weniger glücklich.« Das ist alles, was ein Verkäufer in Kapstadt zu sagen hat. Andererseits hört man häufig auch wohlwollende Stimmen, weil die Neuankömmlinge Versorgungslücken schließen. Manche Migranten aus dem armen Hinterland Chinas sprechen inzwischen sogar afrikanische Sprachen wie Pular oder Lingala – die sind der chinesischen Phonetik näher als Englisch oder Französisch.
Aber handelt es sich tatsächlich um eine Win-win-Situation zum Nutzen beider Seiten – hier der Gigant China, dort die vielen afrikanischen Zwerge? Wie schnell die Segnungen der Partnerschaft zum Fluch werden können, bekam etwa Sambia zu spüren. Dort klagt man nach der Importschwemme spottbilliger China-Ware über ein regelrechtes Massaker an der heimischen Textilindustrie: Von 34 Betrieben haben nur zehn überlebt.
China und Afrika, das sei ein »zutiefst ungleiches Verhältnis«, sagt der britische Wissenschaftler Christopher Clapham. Denn China reproduziere letztlich die alte Weltordnung, in der Afrika am Ende doch nicht viel mehr sei als ein Rohstofflieferant und ein unerschöpflicher Pool von billigen Arbeitskräften, die in den Fabriken und Bergwerken oder auf den Baumwollfeldern der Chinesen für Hungerlöhne schuften.
Wie sich die Bilder und Geschichten gleichen: In Likasi, einer kleiner Minenstadt im Kongo, wird Kobalt seit April von der Feza Mining Company gewonnen. Hinter diesem Namen verbirgt sich ein Joint Venture der chinesischen Wambao Ressources Corporation mit kongolesischen Geschäftsleuten, die Präsident Joseph Kabila nahe stehen sollen. In der Kolonialzeit wurde die rohstoffreiche Region von den Belgiern geplündert, nach der Unabhängigkeit plünderten sie weiter in Kooperation mit Diktator Mobutu. Unterdessen haben chinesische Fachkräfte die heruntergekommenen ehemaligen Wohnungen der Belgier renoviert und bezogen.
Aus der Sicht der Afrikaner hat sich nichts verändert. Sie bleiben die ewigen Knechte. Nur die Herren sind neu.
Mitarbeit:
Horst Lindstedt
Zum Thema
China - Zwischen Angst und Schwärmerei. Ein Schwerpunkt »
- Datum 18.09.2006 - 14:01 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 14.09.2006 Nr. 38
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Ich finde es toll, dass die Chinesen so selbstlos den armen Laendern in Afrika helfen, wo sie doch selbst (von den 350 Millionen Reichen mal abgesehen) am Stecken gehen. Mit ihrer Atom- und Raketentechnik sind sie ja auch grosszuegig. Auch fuer Deutschland ist das gut, denn wir kaufen ja zukuenftig unsere Handies und PCs, und bald unsere Autos, von China. Es ist voellig logisch, dass die Rohstoffe, und zwar billig, dorthin gehen.
Zu dem Kollegen, der von den Pac.Islands sprach:
Ich habe in Fiji die hunderte auf Reede liegenden Fischtrawler gesehen. Es waren aber keine Chinesen da. Die Fischgruende sind leergefischt. Die guten Chinesen gehen wenigstens wieder fort, wenn nichts mehr zu holen ist.
Und weil ich den 350 Millionen aus den 1.4 Mrd Chinesen denselben Wohlstand goenne wie uns, akzeptiere ich auch, dass als Ergebnis wir am Ende weniger haben. Denn einer zahlt die Zeche, wenn bis dahin der Kapitalismus nicht endlich abgeschafft ist.
Gut am Artikel ist die Erwähnung der Tatsache, dass die USA selber mit Diktatoren verhandeln. Europa leistet sich den Gutmenschen und vertritt in Punkto Energie nirgendwo offensiv seine Interessen. Die Strategie der Gutmenschen-Konditionalität wird irgendwann zu führen, dass in Europa die Lichter ausgehen oder dass Europa zum Vasallen Russlands wird. Leider ist die Welt ein offener oder verkappter Imperialismus und keine global democracy promotion. Christoph Rohde
Ich stimme Ihnen voll und ganz zu, was Sie sagen halte ich auch für die unangenehme Realität.
Aber wie kann man denn bei diesem invasiven chinesischen Treiben eingreifen (ich bin hier mal wieder kein Experte)?
Was soll denn "der Westen" tun? Er tut doch offenbar auch nichts, obwohl ein erneuter Genozid im Sudan droht...
Würde alles mit rechten Dingen zugehen, so würden sich die Afrikaner selbst aufbäumen, denn natürlich durchschauen sie das folgenreiche Spiel. Aber soweit, dass das eine Wirkung haben könnte, waren sie noch nicht, denn sie sind überwiegend einfluss- und machtlos. Auch aufgrund des Verschuldens der ehemaligen Kolonialmächte, oder? Und teilweiser schmerzfreier korruptionsfördernder Regierungen.
Ich habe gehört, dass es in der Hauptstadt eines westafrikanischen Staates zu einer nicht ungefährlichen Prügelei gekommen ist zwischen Chinesen und den Bürgern der Stadt, auf dem Marktplatz. Es gab zwei chinesische Tote.
Was die afrikanischen Bürger nicht mehr aushielten war u.a., dass alte Großmütterchen, die viele Kilometer zurückgelegt hatten, um auf dem Marktplatz ihr bischen Gemüse zu verkaufen, hierzu nun keinerlei Chance mehr hatten: die chinesische Konkurrenz war leider billiger. Mütterchen musste unverrichteter Dinge wieder nach Hause humpeln. :-( Und das ist ja nur ein Einzelfall aus dem sich vielfach ereignenden chinesisch-afrikanischen Alltag.
Die Karawane zieht eben am Westen vorbei,
zuviel Selbtsüberschätzung, Herablassung und Herrenmenschenallüren , nicht zuletzt beherscht dieser Tenor auch diesen Artikel.
das zeigt nun Folgen in Südamerika Mittelasien und eben auch Afrika, die Menschen haben die Schnauze voll von falschen Versprechungen. Die Erfolge von China Iran und sonstigen Verdächtigten beruhen auch auf echte Aufbauarbeit und echten Nutzen für die Handelspartner. Man trifft nicht nur Chinesen in den Rohstoffländern sondern auch Russen und Iraner und auch Südamerikaner.
im Westen Diktatoren nicht willkommen sein, als Handelspartner? Sogar die Talibanen waren den USA nicht zu schrecklich zwecks der Pipeline.
Das Geld stinkt nicht es hat keine Moral. Steht auch im Evangelium, könnte ja mal für B XVI eine Rede wert sein.
China begegnet den Schwarzen nach Berichten die ich las, eher offen und nicht überheblich, das wird wohl im Konkurrenzkampf helfen !
Wir haben mit der Welt einen Laster, wir haben alle kolonisiert, und die Welt hat ein gutes Gedächtnis.
@BGrabe
Moral ist kein Luxus und schon gar kein Idealismus, den es abschminken zu gilt, sobalt es ans Eingemachte des internationalen Wirtschaftslobbyismus geht. Was der Kommentator "BGrabe" mit oberflächlicher Ethik meint, ist mir auch nicht vollends klar geworden. Dass aber im globalen Mächtespiel derjenige mit den niedrigsten Ethischen Standards zum Dominierenden Mitspieler wird, halte ich für so gewagt, dass ich mich nicht traue darauf genauer einzugehen und empfehle lieber, in der Zwischenzeit Machiavelli noch einmal zu lesen und dabei seine "discorsi" zu mitzubeachten.
Ich bitte um Hinweis, falls ich bloß den satirischen Hinweis übersah.
@t39group
Deine Beobachtungen erscheinen mir zunächst vergleichbar mit einigen meiner eigenen Erfahrungen, ich finde is dennoch ein wenig befremdlich wie einseitig und kontextlos der chinesische "Charakter" in diesem Forum seziert wird. Der chinesische Rassismus ist sehr weit verbreitet und sehr ausgeprägt, vermeidet aber (nach meinem Wissen) körperliche Ressentiments und beschränkt sich meist auf stille Ablehnung (was nicht zu entschuldigen ist), bzw. auslachen, was zugegebenermaßen verachtend und infantil ist.
Die Schilderung zur Mangelnden Hilfsbereitschaft (9-11 NY) weist auf eine Struktur der chinesischen Gesellschaft hin, die sich in Jahrtausenden manifestiert hin. Chinesen lebten bis vor 2 Jahrzenten in der Regel in sehr introspektiven Lebens- und Arbeitsgemeinschaften aus mehrern Familien zusammen, die streng hierarchisch gegliedert waren. Innerhalb dieser Gemeischaften war jeder für das Wohlergehen aller Mitglieder verantwortlich, nach außen hin schottete man sich ab. Ein persönliches Unglück Außenstehender tritt in Folge dessen also nicht unmittelbar an einen heran. Auch wird jede Hilfsbereitschaft in der Regel in Hinblick auf eine künftige Gegenleistung oder Netzwerbildung erbracht, was bei hilfesuchenden, zerstreuten und vor allem anonymen New Yorkern vermutlich nicht erwartet werden konnte. Dise Erklärung lässt das Verhalten nicht unbedingt freundlicher erscheinen, aber ich hoffe dass es zum Verständnis beiträgt.
t39group: "Ich möchte damit NICHT sagen, dass alle Chinesen kaltherzig, hirnlos übereifrig und empathielos sind. Oder die Kultur im allgemeinen. Aber vielleicht ein bischen anders sensibel als jedenfalls ich es als Europäerin gewohnt bin. Ich bilde mir ein, die chinesische Mentalität ist sehr nützlichkeitsorientiert und auch berechnend." Ich möchte hier zustimmen aber hinzufügen, dass die Ausprägung eines ethnisch bestimmten Verantwortungsgefühls (u.a.) vom Nutzen bestimmt wird. Asiatische Kulturen mit seit jeher extremen Bevölkerungsdichten und bestimmten Herrschaftsformen haben deutlich unterschiedliche Voraussetzungen.
Und die Aussage finde ich nebenbei rhetorisch fadenscheinig. NICHT ALLE aber DIE MEISTEN oder eher nicht IM ALLGEMEINEN aber doch im speziellen eigentlich immer?
Sträfliche Vernachlässigung des schwarzen Kontinents in der Vergangenheit heißt nicht, dass jedes wie auch immer geartete neue Engagement in Afrika gutgeheißen werden soll; und Kritik am chinesischen Treiben in Afrika beschönigt nicht das euopäisch-afrikanische Kolonialdrama.
Dass Afrika hierzulande längst wieder auf die Agenda gehört, muss man leider erst lautstark betonen.
"Afrika-Politik braucht Zeit, gab Bundespräsident Horst Köhler zum Start der neuen Initiative zu bedenken." Zu finden auf www.bundesregierung.de macht zumindest nachdenklich. Wieviel Zeit?
"Jetzt tauchen diese Länder in der globalisierten Welt auf und haben kein Wurzelwerk mehr. Man darf nicht das Unmögliche erwarten. Und man darf nicht vergessen, wie viele hundert Jahre wir in Europa gebraucht haben, um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit fest in unseren Gesellschaften zu verankern"
Das klingt, und ich hoffe mich zu täuschen, nach einem Apell, Afrika sich selbst zu überlassen. (Bitte um Verzeihung, das ist polemisch)
In China leben ca 350 Millionen Menschen in mit dem Westen Verhältnissen vergleichbaren Umständen was Bildung Wohlstand und Lebensstil angeht, die restliche Milliarde unter schlechteren bis ganz schlechten Umständen wie in den Entwicklungsländern. Allerdings befindet sich die Wohlstandssphäre Chinas nicht unter der Käseglocke eines "Schengen - Sozalismus" sondern steht offen .
Afrika ist ein wirtschaftliches Hinterland des Westens dem der Zugang zu den Wohlstandsspähren nicht offensteht, obwohl der Westen dessen Ressourcen seit Jahrhunderten unmenschlich ausgebeutet haben. Hier liegt die Schwachstelle des europäischen völkischen Nationalismus, auch in seinem europäischen Schengen - Format. Wenn man diese Umstände betrachtet sind die Menschenrechte durch Europa in Afrika nicht sehr gut vertreten, denn sie gelten als europäische Geburtsrechte des europäischen Nationalismus und dessen Blut und Boden Ideologien. Das ist nicht nur verheerend im Zusammenprall mit dem Islam, zb. in Palästina , sondern eben auch mit China in der Auseinandersetzung um die afrikanischen Ressourcen. Die rechtsfreien Räume die der Westen schafft, werden tatsächlich zur grössten Gefahr für unsere Daseinsfürsorge und unsere Existenz.
Natuerlig verhalten sich die Chinesen sich nicht als "Herrenmenschen".
Aber um daraus eine "bruederliche" Haltung den Afrikanern gegenueber zu interpetieren, ist schon etwas naiv.
Teilweise ist es aus der Kommunikations-Kultur der Chinesen zu erklaeren die, im Gegensatz zum Westlichen (und Islamischen), viel reservierter und demuetiger ist.
Wass da aber im stillen gedacht wird, wird nicht offen ausgesprochen oder gezeigt, weil dies als "unanstandig" gilt. Eine hoeheren Zivilisations-Ebene kann man den Chinesen deswegen schon nachweisen, aber dass ist noch schlicht nicht dasgleiche wie ein hoeheres Moral-Bewusstsein.
Dazu kommt, dass die Zeiten sich geaendert haben, und dass die Eurpaer und Amerikaner sich in der gleichen Position heutzutage auch nicht mehr so benehmen wuerden wie damals.
(Der krieg in Irak gilt dagegen einen kriegende Armee, un die benimmt sich imer abartig, egal woher sie kommt).
Wass aber ein grosser Unterschied ist, ist das die Europaer und Amerikaner jedenfalls daran interessiert sind, dass es in Afrika auch Mal zu einem demokratischen Gesellschaft kommen wird.
Menschenrechte sind also schon ein grosses Tema, und es laesst sich verstehen, das dies die Afrikanische Diktatoren nicht besonders willkommen ist.
Dan lassen die sich lieber ein mit den Chinesen, die nur an Rohstoffe interessiert sind, und es voellig ega ist wieviel Unrecht da im Lande passiert, weil es bei ihnen selbst nicht viel besser damit steht.
Fuer die Afrikaner wird es leider wieder eine Enttauschung enden, die zwar mit einige merkbare Verbesserungen anfaengt - so wie dies mit den Europaeischen Kolonialismus auch der Fall war - aber sich letztendlich doch wieder als eine neue Situation von Ausbeutung entpuppen wird.
Und wohin diese Machtsverschiebung die uebrige Welt fuehren koennte, liesse sich besser verstehen, wenn man Nostradamus, Oswald Spengler, Florian Znaniecki und Wladimir Solovjov dazu studiert.
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