Was wird hier gebaut? Der Arbeiter reagiert nicht. Scheu hält er den Kopf gesenkt und beschleunigt seinen Schritt. Er versteht die Frage nicht, er kommt aus dem Fernen Osten. Und wenn er sie verstünde, so dürfte er nicht antworten. Die Befragung des nächsten Arbeiters beendet ein Wachsoldat mit vorgehaltener Kalaschnikow. »Verlassen Sie sofort das Gelände!« Ein Chinese handelt in Nigeria BILD

Das Gelände ist eine Baustelle von den Dimensionen eines Weltraumbahnhofs. »Umkehren!«, bellt der Soldat. Hier oben, hoch über der Hauptstadt Windhuk, entsteht das neue State House für den neuen Präsidenten von Namibia. Es wird so prächtig und teuer sein, dass die kleine Volkswirtschaft mit ihren 1,9 Millionen Einwohnern es sich eigentlich gar nicht leisten kann. Aber die Regierung hat einen großen Bruder: China. Der zahlt nicht nur einen generösen Zuschuss für den Präsidentenpalast, sondern entsandte auch die Brigaden der Bauarbeiter.

Diese unangenehme Begegnung hätte sich in vielen anderen Hauptstädten Afrikas genau so zutragen können. In Algier zum Beispiel, im hypermodernen Flughafenterminal. Oder vor der feschen Burma-Kaserne in Accra, Ghana. Oder in Kigali, Ruanda, wo ein schlüsselfertiges Außenministerium übergeben wurde. Oder in Libreville, Gabun, dort freut sich Präsident Omar Bongo über einen neuen Amtssitz. Oder am Lumley Beach in Freetown, Sierra Leone. Dort wächst ein gewaltiger Freizeitkomplex aus den Ruinen des Bürgerkriegs, mit Luxushotels, Strandpromenade, Golfplatz und Kongresszentrum.

All diese Bauten sind die sichtbaren Zeichen einer neuen Macht, die sich seit der Jahrtausendwende still und leise in Afrika ausbreitet: China.

Im Gegenzug für die pompösen Geschenke zeigen sich die afrikanischen Regierungschefs aufgeschlossen für die Interessen der Chinesen. Es geht um langfristige Handelsabkommen, Bergbaukontrakte, Infrastrukturprojekte. Vor allem aber geht es um Öl und Erdgas. Auf einer Energiekonferenz in Kapstadt war das deutlich zu sehen: Der Petro-Atlas des Erdteils war übersät mit roten Fähnlein.

Der »Einfall« Chinas in Afrika sei »die dramatischste und wichtigste Veränderung in den Außenbeziehungen des Kontinents seit dem Ende des Kalten Krieges«, sagt Christopher Clapham vom Centre for African Studies in Cambridge. Das schnelle Wachstum macht den asiatischen Riesen so hungrig auf Rohstoffe und Absätzmärkte, dass manche Beobachter von einer Neuauflage jenes »Wettlaufs um Afrika« raunen, den sich die europäischen Kolonialmächte im 19. Jahrhundert geliefert hatten.

Doch das ist nur zur Hälfte richtig. Diesmal rennt allerdings nur einer, und das mit erstaunlichen Zwischenzeiten. China ist nach den USA und Frankreich zum drittstärksten Wirtschaftspartner Afrikas aufgestiegen, das Handelsvolumen hat sich zwischen 2000 und 2005 von zehn auf knapp vierzig Milliarden Dollar vervierfacht. 800 Unternehmen machen inzwischen profitable Geschäfte in fünfzig Ländern, mit vierzig Regierungen hat Peking bilaterale Wirtschaftsverträge abgeschlossen.