DIE ZEIT: Herr Ecker, Sie vermittelten Exklusivinterviews mit der »starken Natascha«. Nun klagen Psychologen, die Entführte sei gar nicht so stark, sondern schwer traumatisiert. Warum haben Sie diese Frau so früh an den Boulevard verkauft? BILD

Dietmar Ecker: Wir haben in einem Graubereich gearbeitet. Natascha Kampusch wollte ein Interview geben, und ich schlug ursprünglich vor, dass sie später mit Qualitätsmedien spricht. Doch dann entwickelte sich eine Soap-Opera, wie wir sie seit Lady Di nicht mehr erlebt hatten. Ich musste verhindern, dass Frau Kampusch auf der Straße angespuckt wird. Im britischen Boulevard stand schon, sie sei schwanger, hätte eine Affäre mit ihrem Entführer gehabt. Wiener Journalisten fragten: »Na, hat die nicht vielleicht ein Gspusi gehabt mit diesem Priklopil?« Die so genannten seriösen Medien luden Experten ein, die den Zustand des Mädels öffentlich analysierten. Frau Kampusch konnte nachlesen, ob sie nun wirklich am Stockholm-Syndrom litt. Das war doch zum Kotzen.

ZEIT: Wurden Sie von Boulevardmedien erpresst?

Ecker: Nein, erpresst wurde ich nicht. Aber der Druck war enorm. Manche Journalisten sagten: »Wir meinen es nicht böse, aber werden so lange Fotografen zu Frau Kampusch schicken, bis wir das erste Foto haben. Und auch die passende Geschichte dazu werden wir finden!«

ZEIT: Nennen sie die Medien, die Sie derart genötigt haben.

Ecker: Nein, das kann ich nicht. Die letzten zwei Wochen waren so aggressiv. Ich bin froh, dass alles vorbei ist.

ZEIT: Der Kriminologe Christian Pfeiffer kritisiert, man hätte Kampusch einen neuen Namen und einen sicheren Ort bieten müssen.